Die 10 Alben, die mich am meisten bewegt haben

Der sehr geschätzte Kollege Nico hat mich auf seinem Blog und via Facebook nominiert, jene zehn Alben zu nennen, die mich im Laufe meines Lebens am meisten bewegt haben. Gern komme ich dieser Aufforderung nach und benenne diese. Ich tue mir dabei gar nicht einmal besonders schwer, denn obwohl sich diese 10 Platten vielleicht nicht gänzlich mit meinen ewigen Lieblingsalben decken, so hat es doch immer wieder Platten gegeben, welche mir zu einem gewissen Zeitpunkt richtig ans Herz gewachsen sind und für die ich mich auch heute noch keinesfalls schämen muss. Ich will kurz und chronologisch erläutern, warum ich genau diese Werke gewählt habe.

Bruce SpringsteenNebraska (1982)

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Zusammen mit Japanese Whispers von The Cure war Springsteens Nebraska Ende der Achtziger meine allererste Vinyl-Platte. Dieses reduzierte, folkige Singer-Songwriter-Album hat einerseits meine Liebe zu Underdogs für immer einzementiert und mich weiters auch dahingehend geprägt, dass ich Storytelling so liebe.

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Unsere musikalische Möbelnomenklatur

Unser Blog ist eine heimelige Rotunde, in der wir unsere Lieblingsmusiker namentlich einkerkern. Mag in der Welt da draußen auch noch so sehr die Post abgehen, wir riskieren nur selten einen aus dem Fenster gerichten Blick, der sich jedoch flugs vor Langeweile abwendet und schnell wieder die edle Inneneinrichtung überschweift. Ab und an klopft es an der gut gepolsterten Tür. Gemächlich kommen wir aus der Verschanzung gekrochen, gehen dem Pochen nach. Entriegeln die Sicherheitsschlösser, öffnen die Tür einen Spalt breit, spähen eher ungnädig über die Türkette hinweg. Wer uns da aller seine Visage entgegen hält! St. Vincent etwa. Rumms! Tür zu. Weiters Portugal. The Man. Denen würde ich zwar Obdach gewähren, jedoch unter der Bedingung, dass sie John Gourley, zweifelsohne mit einer der nervigsten, dünnen Stimmen der Gegenwart geschlagen, in die Wüste schicken. Und den ganzen Chart-Clowns und singenden Sex-Bömbchen wollte ich ohnehin nur mit Elektroschocker in der geballten Faust begegnen. So schnell könnte eine Beyoncé gar nicht die Laufmaschen in ihren Strümpfen zählen, ehe ich sie schon wutschnaubend vom Gelände jagen würde. Rihanna bekäme den geschwungenen Regenschirm zu sehen, verbunden mit der Ermahnung, dass ein einziges nettes Wölkchen noch kein Donnerwetter entfacht.

Im Inneren unseres Häuschens haben wir haben uns längst die eigenen Möbelnomenklatur gezimmert, die Gegenstände nur nach den verehrtesten Bands benannt. So lehnen in einer Ecke des Wohnraums einträchtig zwei wackelige Regale an der Wand, beide schon ein wenig ramponiert. Wenn man aus den Untiefen des einen etwas zu Tage befördern möchte, schlingert es, stößt unweigerlich gegen den anderen Schrank. Wir haben sie daher schlicht die Gallaghers getauft. Daneben an der Wand hängt ein Poster, eine mehrfach variierte Pietá in bester Tradition der Pop Art. Es kostete uns nicht einmal einen Gedanken, das Bild Madonna zu widmen. In der Mitte des Raumes steht ein Sofa ausgewähltester Behaglichkeit. Hier lässt es sich gemütlich fläzen, ein gutes Buch in den Händen oder einfach nur tagträumend den eigenen Gedanken hinterhergleiten. Solch wohliger Hort wurde von uns Mazzy Star tituliert.  Davor lümmelt ein Couch-Tischchen. Es neigt zu Eskapaden, steht umfallenden Weingläsern aufgeschlossen gegenüber. Seit eine gewisse britische Sängerin im Sommer verstorben ist, harrt das Tischchen einer abermaligen Namensgebung. Sollte wir uns doch noch zum Konsum von Kokain durchringen, wäre Doherty die erste Wahl. Der sich auf der einen Wand des Zimmers mächtig ausbreitende Schreibtisch schrie regelrecht danach, einem Singer-Songwriter die Reverenz zu erweisen. Der Poeten und Dichterinnen gibt es viele, aber Joni ragt hervor. Habe ich schon unseren überbunten Teppich gewürdigt? Sicher man tritt ihn Tag für Tag mit Füßen, doch lässt sich darauf auch abhotten, was das Zeug hält. Ähnlich ergeht es Moby. Mögen ihn Kritiker auch in Grund und Boden reden, für tänzerische Leibesertüchtigung hat der werte Herr einiges im Köcher. Selbst der übliche Nippes im Raum ist samt und sonders mit Namen versehen: Ob Placebo, Goldfrapp oder Travis, sie alle lächeln von Regalen und Kommoden herüber. Der kleine verschrumpelte Zinngartenzwerg mit dem langen Bart etwa, der auf dem Schreibtisch thront, was streichle ich Mr. E von den Eels nicht oft liebevoll über den Kopf.

Ein Modell, das - wie ich meine - nur The Boss heißen kann. (Photo Credit: Uwe Besendörfer aus de.wikipedia.org / Lizenz: CC-BY-SA-3.0 von Wikimedia Commons)

Natürlich existiert auch problematischeres Mobiliar. Welcher Künstler möchte etwa seinen Namen mit einem Bücherschrank assoziiert sehen, wenn darin Kaliber vom Schlage eines Kafka oder Rilke die Feder schwingen? Welchen Liederschreiber überfällt dann nicht das Muffensausen? Ich habe den Bücherschrank guten Gewissens Nick Cave verehrt. Oder der chromglänzende, filigran von der Decke baumelnde Kronleuchter. Den will man nur einer wahren Lichtgestalt zuschreiben. Keinesfalls einem sinister gestimmten Persönchen. Darf man solch einen Leuchter mit dem Etikett Röyksopp behängen, ohne dass Ikea sein Monopol auf skandinavisch klingende Einrichungsgegenstände gefährdet sieht? Zu guter Letzt, der Papierkorb. Ein unverzichtbares Accessoire, zweifelsohne. Zugleich aber kaum zu Ehrungen taugend. Eben jene hätten die Papercuts freilich mehr als verdient.

Was fühlt man sich den Möbeln nicht gleich inniger verbunden, wenn sie weder Billy, Ivar noch Klippan heißen. Würde man eine mit verträumtem Motive versehene Vase namens Sigur Rós jemals versehentlich vom Tisch fegen? Niemals, das würde sich nicht mal die ungeschickte Co-Bloggerin trauen.

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Falsche Freunde – Ray Davies

Zwischen Mitte der Sechziger und Anfang der Siebziger waren The Kinks in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung, die durchaus dem Zeitgeist entgegen traten, den andere Bands voller Inbrunst umarmten. Ray Davies, Mastermind der Kinks, vermochte in seinen Texten mit feiner Beobachtungsgabe Verlierer und gesellschaftliche Außenseiter nuanciert zu porträtieren, damit auch ein Stückchen englische Lebenswirklichkeit musikalisch aufzubereiten. Es gäbe zahlreiche gute Gründe, sich auch heute dem Werk der Band zu nähern. Dass die Formation nicht die Hochachtung genießt, welche ihr eigentlich gebührt, liegt vor allem daran, dass The Kinks ihren eigenen Abgesang auf über zwei Jahrzehnte ausdehnten, ehe sie sich in den 90er-Jahren auflösten. Letztlich war auch der zwischenzeitlich in den USA verbuchte Erfolg keinesfalls der Rückkehr zu alter songwriterischer Größe geschuldet.

Ich begrüße ausdrücklich jedweden Ansporn, der Musikfreunde mit dem Frühwerk der Kinks vertraut macht. Ob es jedoch eine auf Duette fußende Werkschau braucht, welche Ray Davies zusammen mit illustren Gästen eingespielt hat, wage ich letztlich doch zu bezweifeln. Der Albumtitel See My Friends suggeriert zunächst, dass Davies mit Weggefährten gemeinsame Sache gemacht hat. Das in den Liner Notes geschilderte Zustandekommen spricht eine andere, oftmals geschäftliche Sprache. Bekannte Namen wurden auf Teufel komm raus in dieses Projekt gequetscht. Während manch Gast tatsächlich einiges zu einer validen Neuaufnahme bekannter wie unbekannter Lieder der Kinks beiträgt, stechen auch augenscheinlich wenig inspirierte Performances hervor.

Wenn Jon Bon Jovi und Richie Sambora ihren Senf zu Celluloid Heroes beisteuern, wird ein ohnehin schwächerer Track endgültig in verklärt-verkitschte, softige Verfasstheit gebannt. Man möchte seinen Ohren nicht trauen. Auch die Kollaboration mit den längst zu Abziehbildern einstiger Größe verkommenen Metallica schmeckt schal. Den Klassiker You Really Got Me in abgeschmackter 08/15-Härte zu forcieren und dabei nicht annähernd die Wildheit des Originals zu erlangen, kann nicht zufriedenstellen. Den Tiefpunkt jedoch trägt Paloma Faith mit belegter Zunge vor. All das, was Lola als Song adelt, wird im vorliegenden Fall mit viel Soul in den Gulli getreten. Doch neben all den falschen Freunden, die sich Ray Davies für diese Zusammenarbeit angelacht hat, eine Kategorie, in die man auch Lucinda Williams mit Long Way From Home stecken darf, trotz dieser erklecklichen Anzahl an Rohrkrepierern trifft man auch erfreuliche Talentvermengungen an. Was Davies mit Mumford & Sons aus dem Hut zaubert, ein aus dem wundervollen Days und This Time Tomorrow bestehendes Medley nämlich, taugt zum Hörvergnügen. Eigentlich halte ich Medleys für so überflüssig wie einen Kropf, aber dies Arrangement gefällt. Wenn Bruce Springsteen Better Things beehrt, einen der besten Tracks der Kinks aus ihrer Comeback-Phase in den Achtzigern, dann überragt die Spritzigkeit des Refrains das Original bei weitem. Hier haben sich ein Lied und ein Interpret gefunden. Dead End Street als Prototyp der von mir favorisierten Songs der Band wird von einer gut aufgelegten Amy Macdonald mit Biss vorgetragen, so überträgt man anprangernde Lyrics in die Gegenwart. Dass Jackson Browne das melancholische Waterloo Sunset nicht verhunzt, überrascht ebensowenig wie der Umstand, dass Gary Lightbody Tired Of Waiting mit unnachahmlichem Timbre bekränzt. Dergestalt macht das Unterfangen Sinn, auch beim Titel See My Friends, den Spoon mitbetreuen.

Ich komme nicht umhin, Ray Davies die eine oder andere Schelte mit auf den Weg zu geben. Die Platte See My Friends macht Einsteigern das Oeuvre der Kinks nur bedingt schmackhaft, eröffnet bestenfalls einen kleinen Einblick in die Bandbreite der songwriterischen Kunst der Gruppe, schreckt phasenweise sogar ab. Wohl auch deshalb eignet sich das Album hauptsächlich als ergänzendes Sammlerstück für Langzeitfans. Eigentlich schade, denn eine gute Handvoll Tracks und Gäste hätten sich ein schlüssigere, spürnasigere Zusammenstellung zweifelsohne verdient. Falsche Freunde sind nämlich gar keine.

Link:

Offizielle Homepage

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100 Songs – Teil 8 (The River)

Es sind die Schicksale des Alltags, verpackt in Poetik, die besonders berühren. Ob nun in der Literatur oder in einem Song. Die Wirkung von Bruce Springsteen lässt sich auf seine Fähigkeit zurückführen, den Nöten und Sorgen, den Hoffnungen und dem Scheitern der Unterschicht eine Stimme zu geben, die kraftvolle Bilder von oft quälender Wucht hervorruft. Besonders der frühe Springsteen ist Chronist der Verlierer, die sich gegen ein Dahinsiechen oder Abstumpfen wehren, keine drei Kreuze unter die eigene Kapitulationserklärung setzen, die Flucht nach vorn zumindest ins Auge fassen. Der Boss porträtiert eine Gesellschaftsschicht, die nie auf Rosen gebetet scheint und dennoch nie die Menschlichkeit in den täglichen Tretmühlen des Überlebens verloren hat. Springsteen mutiert dabei nicht zum Sozialromantiker.

Das Lied The River vom gleichnamigen 1980 erschienenen Doppel-Album gehört dabei zu den Highlights seines Schaffens. Die Geschichte einer jungen Teenager-Liebe, die an lauschigen Ufern des Flusses ihre Ekstase erlebt, und plötzlich in der Realität einer Schwangerschaft ankommt, bildet in 5 Minuten ein tausendfach erlebtes Schicksal ab. Die Eltern des Jungen zwingen ihn in die Verantwortung einer Ehe. Sein Job wird Opfer der Wirtschaftskrise und die Beziehung gerät zu einem lieblosen Nebeneinander. Dem Anti-Helden bleibt nur noch die Zuflucht in Erinnerungen an Zeiten, in denen die Zukunft noch weit weg und die Gegenwart voller Möglichkeiten der Glückserfahrung schien. Und er kehrt zurück zum mittlerweile ausgetrockneten Flussbett, das Ort früherer Leidenschaft und zugleich  Synonym des Versiegens der eigenen Träume bedeutet.

Springsteens Ballade offenbart Bitterkeit („Now all them things that seemed so important / Well mister they vanished right into the air.„), das übermächtige Wissen um das Versagen und  zugleich den Strohhalm süßer Erinnerung („At night on them banks I’d lie awake / And pull her close just to feel each breath she’d take.„), die am Leben hält, was abzusterben droht, und Trost in der Tristesse bietet. Der Boss gibt den Realitäten mit wenigen Worten eine unbeschönigende, schwergewichtige Dimension, eine simple Story, in der sich auch heute noch Menschen wiederfinden vermögen, wenngleich der weitverbreitete Wertekanon der Gegenwart die Norm der Verantwortung nicht mehr so schätzt. Umso heftiger wirkt nach wie vor das Gefühl, die falsche Abzweigung auf dem Lebensweg eingeschlagen zu haben, dem Scheitern ins Auge zu sehen und sich mit Reminiszenzen besserer Zeiten über Wasser zu halten.

The River strahlt mit seinen zeitlosen Sentimenten noch immer hell, bietet eine tiefgründige Relevanz. Wenn Musik gesellschaftlichen Wirklichkeiten einen Spiegel vorhält, bei all den Emotionen eben auch Wahrheiten in lyrische Prägnanz  fasst, dann darf Springsteen getrost als einer der hervorragendsten Vertreter genannt werden.

Das Video zum Lied findet sich hier oder hier.

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Die großen Nullen – Singer-Songwriter deluxe

Die vergangene Dekade ist noch lange kein gestriger Schnee. Viele Musiker werden uns auch in den folgenden Jahren begleiten, manche als lästige Anhängsel – doch will ich nicht immer von den Fleet Foxes sprechen – und einige als Konstanten, die unseren Gefühls- und Gedankenkosmos in schönste Schwingungen versetzen. Doch wer waren die kleinen und großen musikalischen Helden der letzten zehn Jahre? Wir wagen eine rein subjektive Aufzählung – und widmen uns den Singer-Songwritern.

Foto: Nasrul Ekram

Ane Brun: Unter den zahllosen skandinavischen Vertretern niveauvoller Liedschmiederei ragt die Eindringlichkeit Bruns hervor. Nie zu sperrig, immer fokussiert und mit einem untadelig ergreifenden Vortrag gesegnet, vermochte noch jedes ihrer Alben zu zünden.

Anspieltipps: Rubber & Soul, The Fight Song

(Eine wundervolle Cover-Version von True Colors erschien dieses Jahr auf Daytrotter. Mehr dazu an dieser Stelle.)

Mark Kozelek: Ob als Solo-Performer oder als Mastermind von Sun Kil Moon, der entrückt wirkende Gesang paart sich mit überragender Erzählkunst. Die menschliche Seite eines Mörders in Worte zu fassen, wie es beim gänsehäuternen Lied Glenn Tipton der Fall ist, zeugt von Finesse. Einer der absolut besten Vertreter seiner Zunft.

Anspieltipps: Lost Verses, Walk All Over You

Tom Waits: Auch in den 2000ern war der Poet der Gosse über jegliches Klischee erhaben. Tief verwurzelt in den amerikanischen Mythen erschafft er mit jedem Album ein bedeutungsschweres, musikalisch anspruchsvolles und präzises Abbild gesellschaftlicher Wirklichkeiten.

Anspieltipps: Road To Peace (Download von Label-Seite), Hoist That Rag, Day After Tomorrow

(Hier haben wir weitere legale und kostenlose Downloads von der aktuellen Platte parat.)

Jason Molina: Ob unter dem Namen Magnolia Electric Co. oder Songs: Ohia, dieser Musiker hat ein Händchen für tolle Melodien und rustikalen Vortrag. Nach wie vor völlig unterschätzt.

Anspieltipps: The Dark Don’t Hide, Josephine (beide auf der offiziellen Homepage als kostenlose Downloads erhältlich)

(Über eine famose Daytrotter-Session haben wir bereits berichtet.)

John Frusciante: Er war nicht nur einfach der Gitarrist der Red Hot Chili Peppers, von welchen er sich kürzlich verabschiedete. Sein Solowerk ist imposanter und facettenreicher, vielschichtig aber nie aufgebläht.

Anspieltipps: The Days Have Turned, With No One

Richard Ashcroft: Wenn es um elegante Popsongs geht, kommt auf der britischen Insel nahezu niemand an Herrn Ashcroft heran. Und dies unterstreicht er sowohl im Alleingang als auch als Frontmann von The Verve. Dazu kommt diese unsagbar warme Stimme, die die Ohren umschmeichelt und keine Sekunde lang süßlich wirkt.

Anspieltipps: Science Of Silence, Words Just Get In The Way

Marissa Nadler: Ihre Stücke kann nur als Dream-Folk mit einer herrlich gespenstischen, zeitlosen Aura bezeichnet werden. Famos und in den Bann ziehend.

Anspieltipps: River Of Dirt, Diamond Heart, Days Of Rum

David Thomas Broughton: Wer die britische Folk-Tradition für sich entdecken möchte, sollte den in extremem Lo-Fi gehaltenen Lieder dieses Herren ein Ohr leihen. Reinste Beseeltheit, die mehr Fans erhalten müsste.

Anspieltipps: Weight Of My Love, Unmarked Grave

Weitere Nennungen im illustren Kreis der Genies verdienen sich:

Pete Doherty: Keine Widerrede, was er macht, hat Hand und Fuß. Seine Skandale sind nichts im Vergleich zu seinen herausragenden Fertigkeiten.

PJ Harvey: Einem schwächeren Album stehen drei wundervolle, sehr unterschiedliche gegenüber. Vor allem Stories From The City, Stories From The Sea war eine Offenbarung.

Stuart A. Staples: Im Alleingang atemberaubend, mit den Tindersticks über jeden Verdacht erhaben.

Bruce Springsteen: Nach einigen schwachen Alben hat er mit Magic und Working On A Dream wieder an Glanzzeiten angeknüpft.

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Chronist der Verlierer – Zum 60. Geburtstag Bruce Springsteens (Teil 1)

Das musikalische Amerika vergangener Jahrzehnte examinierte unterschiedlichste gesellschaftliche Schichten. Tom Waits schürfte immer schon in der unverklärten Poesie der Gosse, Legionen von schunkelnden Country-Musikern gaben dem ruralen Amerika eine schlichte Fantasie vom Paradies. Gefühlte Millionen von Bands suhlten sich in der Dekadenz eines eitlen Hippie-Daseins. Doch kaum ein Songwriter sezierte das Leben und Scheitern, Glück und Pein kleinstädtischer Gefilde. Dann kam Bruce Springsteen und durchstreifte glamourarme Hinterhöfe, erzählte mit großen Gesten alltägliche Sehnsüchte und Desillusionen. Heute wird The Boss 60 Jahre alt. Anlass genug, Streiflichter auf sein Schaffen zu werfen und nun den ersten Teil zu präsentieren.

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That’s quicksand that ain’t mud…

Das Debüt Greetings from Asbury Park, N.J. markiert bereits die Stoßrichtung Springsteens, die Schilderung von Außenseiterexistenzen, doch offenbart sich vor allem der eigene Gefühlskosmos, wogen Wut und Verzweiflung in den Erlebniswelten. Sein bereits messerscharf Blick wirft noch oft ein Auge in den Spiegel. Ungestüm sprudeln die Songs gleich einer Warnung vor Abgründen hervor, in die er selbst zu fallen fürchtet. Lost In The Flood präsentierte sich als erstes Meisterwerk. Auch das im selben Jahr veröffentlichte The Wild, the Innocent & the E Street Shuffle besticht durch geniale Ansätze.

It’s a town full of losers and I’m pulling out of here to win…

Mit dem Durchbruch Born To Run legt Springsteen seinem erzählerischen Alter Ego den Wunsch nach einem Ausbrechen aus dem Kleinstadtmilieu in den Mund. Ein jugendlicher Optimismus begehrt gegen die Enge auf, tritt die Flucht nach vorn an und will den amerikanischen Traum erleben. The Boss hat seine Berufung als Chronist einer aus konservativen Wirklichkeiten auszubrechen suchenden Unterschicht gefunden. Noch scheinen Träume lediglich wenige Meilen hinter dem von Highway auszumachenden Horizont einer Erfüllung zu harren. So zum Beispiel bei Thunder Road.

With the eyes of one who hates for just being born…

Aus Hoffnungen keimen Illusionen. Und das Wissen mehrt sich, dass was zum Greifen nah, doch unendlich fern bleibt. Die Sehnsüchte schmecken bitter, weil die zunehmende Lebenserfahrung lediglich eine Verfestigung des Status quo lehrt. Dies ist die Quintessenz von Darkness On The Edge Of Town. Noch immer leben Springsteens Anti-Helden am selben Ort, haben den Absprung trotz laufender Motoren nicht geschafft. Die Bezirksgrenze erhebt sich als unsichtbare unüberwindliche Barriere. Der tägliche Gang in die Fabriken ist für die Wünsche ein allmorgendlicher Weg aufs Schafott. Eine kurze Abwechslung inmitten jeglicher Tristesse erhellt das Dasein. Wie in dem Highlight Racing In The Street geschildert.

Is a dream a lie if it don’t come true…

Neben all der fast trotzig dargebrachten Leichtigkeit, die das Album The River mit Songs wie Hungry Heart bietet, malt Springsteen weiter an den exemplarischen Schicksalen von Menschen, die abseits riesiger Metropolen nach Erfüllungen trachten – und versagen. Im monumentalen Titel-Track münden einstige Liebesschwüre in eine Beschwörung schöner Erinnerungen, die für Momente die freudlose Beziehungswirklichkeit ausblendet. Familie und Arbeit stiften Sinn, bilden die Verpflichtung eines Erwachsenen. Der ausgetrocknete Fluss repräsentiert die abgestorbenen Träume.

Shining ‚cross this dark highway where our sins lie unatoned…

Nebraska gerät mit seinem reduzierten Sound zum eindringlichsten Werk des Meisters. Es ist das Portrait der Verlierer, die den Untergang suchen (wie im Titel-Song) oder ihm mit höchstmöglicher Rechtschaffenheit trotzen. Töne wie Tränen suchen nach Schuld und Sühne – und nach Vergebung. Und sogar tot gemeinte Hoffnung gedeiht Wimpernschläge lang. All die Widerspüchlichkeiten der Bilanz stellen die Schlussfolgerungen dar, zu welchen die vielfältigen, mit Springsteen gealterten Figuren gekommen sind. Der Härte des Lebens stellen sie die altbekannten, mehr oder minder adäquaten Mittel entgegen. My Father’s House ragt durch die intime Erzählweise nochmals hervor.

An dieser Stelle will ich in der Rückschau vorerst innehalten und auf den demnächst erscheinende zweiten Teil meiner Eindrücke zu Bruce Springsteens Schaffen verweisen. Heute freilich hoffe ich, dass sich der für mich prägendste Sänger und Songwriter ein Gläschen Sekt gönnt und mit dem Wissen um sein überragendes Œuvre voll Stolz auf sein Werk blickt.

SomeVapourTrails

The Boss in der Daily Show

Hier ein Ausschnitt von Bruce Springsteens Auftritt in der Daily Show. Die Besonderheit daran liegt wohl in der Liebeserklärung Jon Stewarts, der sich normalerweise ja durch engagierten, entlarvenden Sarkasmus auszeichnet. Hier jedoch kommt es zu einer aufrichtigen Liebeserklärung an The Boss. Und ich glaube, dass er mit der Meinung nicht alleine steht, dass Bruce mit seiner Musik und seinen Stories über die Sorgen der normalen Arbeiter viele Menschen beeinflußt und geprägt hat. In Amerika und in der ganzen Welt. Auch ich fühle mich zu den Menschen gehörig, denen Springsteen die Augen geöffnet hat. Seit ich das Album Nebraska gehört habe, war es um mich geschehen. Mit Titeln wie Reason To Believe und My Father’s House wurde eine breite Palette an Gefühlen eingepflanzt, deren Traurigkeit und Hoffnung mich immer prägen wird. Wer vor allem das Frühwerk des Meisters hört, der wird trotz aller Desillusionen zum besseren Menschen. Doch schauen wir uns nun den Auftritt an.

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Bruce Springsteen – „A Night With The Jersey Devil“ – Free Download

Ich wollte jetzt eigentlich ein bißchen gruselig Rumspuken und fand Süßes für meinen Süßen. Bei Bruce Springsteen scheiden sich SomeVapourTrails und meine Geister. Dennoch – an diesem Halloween Tag verkleide ich mich mal als jemand der den Boss mag. Oder bin nur die Zauberfee – die die süße Nachricht des Barden überbringt 😉

SomeVapourTrails kauft gerade Süßes für die Kinder – die ich im vergangenen Jahr noch an der Tür abweisen musste – da mir nicht bewusst war, dass dieses Unheil nun auch schon in unseren Breiten verbreitet.

Mr. Springsteen ist da besser vorbereitet und meldet sich mit dieser Botschaft:

Und hier geht’s lang: http://www.brucespringsteen.net/news/index.html

Edit: Der Download direkt von der Bruce Springsteen Seite ist leider beendet. Die Kollegen von Stereogum (laut eigenen Angaben free + legal) haben’s aber noch.

DifferentStars

Bruce Springsteen – "A Night With The Jersey Devil" – Free Download

Ich wollte jetzt eigentlich ein bißchen gruselig Rumspuken und fand Süßes für meinen Süßen. Bei Bruce Springsteen scheiden sich SomeVapourTrails und meine Geister. Dennoch – an diesem Halloween Tag verkleide ich mich mal als jemand der den Boss mag. Oder bin nur die Zauberfee – die die süße Nachricht des Barden überbringt 😉

SomeVapourTrails kauft gerade Süßes für die Kinder – die ich im vergangenen Jahr noch an der Tür abweisen musste – da mir nicht bewusst war, dass dieses Unheil nun auch schon in unseren Breiten verbreitet.

Mr. Springsteen ist da besser vorbereitet und meldet sich mit dieser Botschaft:

Und hier geht’s lang: http://www.brucespringsteen.net/news/index.html

Edit: Der Download direkt von der Bruce Springsteen Seite ist leider beendet. Die Kollegen von Stereogum (laut eigenen Angaben free + legal) haben’s aber noch.

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