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50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

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Unsere 75 Lieblingstracks 2012

Hier ist sie also nun, die Jahresbestenliste unser Lieblingssongs. Eine Momentaufnahme, zugegeben. Wenn wir am Ende des Jahres die persönlichen Favoriten Revue passieren lassen, dann stellen wir oft ganz verdutzt fest, welch zweifelslos prima Musik uns in jedem Jahr wieder durch die Lappen gegangen ist. Doch das Jahr hat eben nur 365 Tage, selbst wenn man jeden zweiten Tag ein neues Album für sich entdeckt, hat man gerade einmal 180 Alben gelauscht. Das ist nichts im Vergleich zur Fülle an Neuerscheinungen. Dazu kommen noch einzelne Tracks, die sich der geschäftige Blogger tagtäglich so anhört. Das ergibt in der Summe mindestens 3000 neue Tracks pro Jahr, gar nicht die gefühlten Millionen Tracks mitgerechnet, welchen man mit leidendem Augenaufschlag begegnet, die man bereits nach wenigen Sekunden auf Nimmerwiederhören verabschiedet. Von daher ist eine jede Bestenliste eines Blogs nur ein klitzekleiner Ausschnitt einer Gesamtwirklichkeit. Zugleich ist solch eine Zusammenstellung auch programmatisch zu verstehen, sie stellt den eigenen Geschmack zur Schau, grenzt sich ab. Wir machen nicht den Diener vor einer cleveren PR-Kampagne von Frank Ocean, finden Tame Impala schauerlich. Diese Liste will weder hip noch obskur und auch in keinster Weise vollständig sein. Sie soll unsere von Herzen kommenden Empfehlungen dieses Jahres nochmals unterstreichen. Mehr nicht.

Songliste2012

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Farbenpracht unter der Äthermaske – Clinic

Wie leicht erscheint es doch, quasi als eine Fingerübung, einen Kinofilm zu typisieren. Da gibt es die auf Geldvermehrung schielenden, trotzdem sündhaft teuren Action-Reißer sowie bombastisch besetzte Hochspannungsthriller. Ebenfalls der Masse auf den Leib geschneidert sind romatische Schnulzen oder Liebeskomödien. Natürlich existieren auch auf Oscars getrimmte Biopics oder pathosschwangere Dramen, die aufgrund von Überzeichnung ein innerer Reichsparteitag für jeden Mimen sind. Da dürfen Gesichtszüge entgleisen. Oder starre Mimik wird zu großer Beredsamkeit hochstilisiert. Denken wir auch an das Indie-Movie, welches gern politische Korrektheit negiert, und natürlich an den Kunstfilm, der jedem noch so munteren Antlitz ein Gähnen auf die Lippen zaubert. Man vergesse auch nicht auf unausgegorene B-Movies und völlig hirnverbrannte Teenagerfilmchen. Im Bereich der Musik hingegen lässt sich bestenfalls zwischen Kommerz und Anspruch, Professionalität und DIY-Attitüde, Mainstream und Indie unterscheiden. Auch wenn das Nischendenken in der Musik ausgeprägter ist, lässt sich die Ambition einer Platte viel schwerer kategorisieren. Mit welcher Intention etwa schritt die britische Formation Clinic zu Werke, als sie die Scheibe Free Reign einspielte? Dachten die Männer um Frontmann Ade Blackburn wirklich daran, einfach mal so das Album des Jahres – zumindest aus britischen Gefilden – aufzunehmen? Endgültig aus dem Schatten der prominenteren Vertreter ihrer Zunft zu treten, ohne dabei die eigene Haut offensiv zu Markte zu tragen? Free Reign steht für surrealen Pop und psychedelischen Indie-Rock, diese grandiose Scheibe liebt, sehnt und träumt. Und sie erfühlt unter einer Äthermaske Farbenprächtiges. Man spürt sich stets unter Blackburns Fittichen, denn seiner Stimme wohnt ein sanft leidende, nicht ohne Wärme tönende Zerbrechlichkeit inne. Was immer sich Clinic bei der Entstehung ihres mittlerweile siebten Studioalbums gedacht haben, das Resultat sprengt wohl sämtliche Erwartungshaltungen.

Photo Credit: Rhian Askins

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Release Gestöber 32 (Clinic, Stumbleine, Norman, Godspeed You! Black Emperor)

Wir staunen und freuen uns mal wieder über ausgewählte Veröffentlichungen…

Clinic


Clinic – Miss You (Official Video) von domino

Beginnen wir mit einer unsagbar unterschätzten Band, die im November ein veritables Meisterstück veröffentlichen wird. Die Rede ist von der Liverpooler Formation Clinic und ihrem neuen Werk Free Reign. Bereits im Eröffnungstrack Misty schaukelt eine nostalgische Melodie  in einem Meer elektronischen Grillengezirpes. Dieses Lied wird es ohne Zweifel auf die Liste meiner zehn Lieblingstitel des Jahres schaffen. Ganz anders dagegen, vom jazzigen Flair eines Blaxploitation-Movies beseelt präsentiert sich Cosmic Radiation, während King Kong als psychedelisches Fieberritual überzeugt. Kurzum ist Free Reign eine atemberaubend feine Platte, auch weil Sänger Ade Blackburn eine dieser seltenen, Gänsehaut erweckenden Stimmen vorweisen kann. Großartig!

Free Reign erscheint am 09.11.2012 auf Domino Records.

Stumbleine

Die Loslösung vom Hier und Jetzt ist eine elementare Eigenschaft aller Künste. Und natürlich beschert Musik die beste aller Verträumungen, weil ihr Zauber sofort wirkt, sobald sich unsere Äuglein schließen. Das gilt auch für das Album Spiderwebbed, welches uns der im englischen Bristol ansässige Produzent Stumbleine beschert. Diese elektonische Musik schwankt zwischen unschuldiger Ekstase und einem tiefenentspannten Gleiten über alle Wipfel des Seins. In den gelungensten Passagen vollführt sie das, was Mediationsgedudel nicht gelingt, sie lässt den Astralleib beschwingt baumeln, während Heerscharen von Sonnenstrahlen über seine fluffigen Konturen tänzeln. Zu den gelungensten Tracks der Platte zählt Cherry Blossom als strahlendes, nostalgisches Echo, weiters Capulet mit seiner Mixtur aus spacigen Synthies und RnB-Flair, nicht zu vergessen auch Solar Flare oder etwa das zusammen mit Birds of Passage eingespielte Catherine Wheel. Lediglich mit einer Coverversion von Fade Into You erleidet Stumbleine Schiffbruch, denn dem Original von Mazzy Star kann niemand das Wasser reichen. Insgesamt jedoch fühlt man sich bei dieser Platte mitunter sogar an Moby oder Blockhead erinnert. Spiderwebbed regt dazu an, sich in langen, freudvollen Tagträumereien zu verheddern. (Den Track Capulet gibt es hier als kostenlosen Download!)

Spiderwebbed erscheint am 29.10.2012 auf Monotreme Records.

Norman

Unzeitgemäßes Tun ist wohl oft eine Frage der Überzeugung, mitunter jedoch schlicht in der Unfähigkeit begründet, die Zeichen der Zeit zu verstehen. Letzteres will ich der aus Oregon stammende Formation Norman nicht attestieren, dennoch beschert uns die Band einen Indie-Folk, der vieles von dem negiert, was dies Genre derzeit so populär macht. Stattdessen mengt sich ab und an eine ordentliche Prise Südstaatenrock in ihr Schaffen. Das Album Hay, Hay, Make A Wish And Turn Away ist ein Exempel für unprätentiöse Bodenständigkeit. Es geriert sich nicht von Zurück-zur-Natur-Mystik erfüllt, grisgrämt auch nicht mit knorriger Stimme oder haut fidel und stampfenden Fußes auf die Pauke. Salopp gesprochen sind Norman Landeier, deren Musik auch für Landeier gedacht ist. Als ein Hightlight der Platte entpuppt sich No Clouds mit seinem Abgesang an das städtische Leben, das den Sehnsüchten nicht genügt. Doch auch der Gang in die Wildnis birgt keine Befriedigung, weil nicht der Ort, vielmehr die Attitüde sinnstiftend wirkt. Ebenfalls gelungen: It’s Alright In Your Eyes, die herzerweichene Liebeserklärung Saddest Songs sowie das erhebende Kleinod The Wild & The Tame. Wer also zwischen all dem vielgepriesenen Folk und der gelobten Americana ein frei von Zeitgeist tönendes Werk erlauschen möchte, wird bei diesem guten Album auf seine Kosten kommen.

Das bereits 2010 veröffentlichte Hay, Hay, Make A Wish And Turn Away erlebte am 07.09.2012 auf Songs & Whispers seinen verspäteten wie verdienten Deutschland-Release.

Godspeed You! Black Emperor

Zehn Jahre nach ihrem letzten Album Yanqui U.X.O. ist es nun also Knall auf Fall soweit. Die Post-Rock-Ikonen Godspeed You! Black Emperor veröffentlichen dieser Tage ihr neues Werk ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend!. Nun waren einige Protagonisten der Formation rund um Mastermind Efrim Menuck seit 2002 keineswegs untätig, als A Silver Mt. Zion (wahlweise auch Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Thee Silver Mt. Zion Reveries, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra and Tra-la-la-Band, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra and Tra-La-La-Band with Choir) entstanden in der Zwischenzeit einige hervorragende Platten. Doch wie sehr man die seit 2010 wiederformierten GY!BE vermisst hat, das wird erst mit dem neuen Album wirklich deutlich. Auf einen Track wie das zwanzig Minuten starke Mladic haben selbst größte Optimisten wohl kaum mehr zu hoffen gewagt. Mladic ist das Opus Magnum der Band, steht früheren Glanztaten wie East Hastings oder Providence um nichts nach, übertrifft sie vielleicht gar. Ein Staunen, ein Raunen muss sich jeder Fan exquisiter Post-Rock-Herrlichkeit auf der Zunge zergehen lassen, wenn dieser Track ertönt. Diese zwanzig Minuten definieren ein Genre, erschallen in schierer Perfektion. Und tatsächlich steht es wohl nur den Meistern zu, Post-Rock in Reinkultur mystisch zu zelebrieren. ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! wird ohne Wenn und Aber auf den Bestenlisten dieses Jahres ganz oben vertreten sein müssen. Wer nun hören wie fühlen will, sollte sich auf The Guardian den exklusiven Album-Stream nicht entgehen lassen!

‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! erscheint am 19.10.2012 auf Constellation Records.

SomeVapourTrails

Stippvisite 21/08/10 (inklusive Ticket-Verlosung)

Jede Menge Empfehlungen, sorgsam ausgewählt, heute mit Acts aus Österreich, Kanada, Großbritannien und Brasilien. Wir wünschen viel Vergnügen!

Konzerttipp:


Dass die österreichische Musikszene allmählich aus ihrem provinziellen Dornröschenschlaf erwacht, internationale Standards erfüllt, freut mich als Landsmann natürlich besonders. Wenn sich nun junge Wiener Bands nach Berlin verirren, ist das fraglos unterstützenswert. Wir verlosen daher 1x 2 Tickets für die Auftritte am 08. September in Berlin im Maria am Ostbahnhof. Zu sehen sind Ginga, Bilderbuch und Francis International Airport. Besonders letztere werden wir heuer noch ausführlicher besprechen, da im Oktober das Album In The Woods auf Siluh Records zur Veröffentlichung kommt. Und bevor ich noch lange nach Worten krame, warum man diese musikalische Bestandsaufnahme frischer österreichischer Nachwuchsbands nicht verpassen sollte, lasse ich lieber die Musik sprechen. Einfach das Interesse für die Tickets in den Kommentaren bekunden oder uns eine E-Mail schicken, dann könnt ihr gewinnen. (Stichtag: 28. August)

Ginga – Cinnamon

Bilderbuch – Kopf ab

Francis International Airport – Monsters

Entdeckertipp:

Manchmal muss man sich die Zunge wundreden. Die Kanadierin Hannah Georgas habe ich schon mehrmals auf unserem Blog erwähnt. Ihre Songs sind verdammt catchy, verschönern den Tag – und manchmal muss Musik einfach nicht mehr können. Zwei Videos sollen meine These unterstützen.

Hannah Georgas „The Deep End“ from Tariq Hussain on Vimeo.

Die werte Dame ist im September auch in Deutschland zu sehen:

24.09.10 Hamburg – Reeperbahn Festival 16:00
24.09.10 Hamburg – Platzhirsch (Canadian Independent Music Association Showcase) 19:00

Downloadtipp:

Der kanadische Singer-Songwriter Mark Merube bringt mit seinen The Patriotic Few in wenigen Wochen die EP Tailored To Fit heraus. Das Titellied gefällt sehr, ist keineswegs Massenware. Ich rate dringend hineinzuhören. Den Gratis-Download findet man an dieser Stelle.

Videotipp:

Die ewig unterschätzten Briten Clinic veröffentlichen im Oktober ihr neues Album Bubblegum. Wenn die im September erscheinende Single I’m Aware als Indikator dienen darf, kann man so einiges von der Scheibe erwarten. Der Track jedenfalls ist eine dicke Empfehlung!

Albumtipp:

Am 22. Oktober erscheint nicht irgendein Album, vielmehr wohl eines der schönsten des Jahres. Und wer nun glubschäugig fragt, von wem es denn stammt, dem antworte ich: Her Name is Calla. Wer die britische Band bislang nicht kennt, versäumt einen absoluten Leckerbissen. Auch wenn sich die Band als Post-Rock-Act definiert, sei dezidiert darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um fragile, filigrane, unglaublich ästhetische Musik handelt, die ohne Brechstange auskommt. Die ersten Hörproben des Albums The Quiet Lamb deuten auf eine Glanztat hin, ohne Wenn und Aber! Unser werter Peter von den Schallgrenzen hat die Violinistin Sophie Green bereits vor wenigen Tagen intensiver befragt. Und auch wir werden in den nächsten Wochen noch das eine oder andere Wort über Her Name Is Calla verlieren. Wer sich aus Vorfreude auf das anstehende Werk den Backkatalog der Formation zu Gemüte führen will, kann dies hier tun.

Thief by hernameiscalla

Downloadtipp:

Tiny Cables Ink muten very british an, noch dazu wie eine der wirklich guten Bands von der Insel. Man würde sie so überhaupt nicht in Brasilien vermuten. Der Track Beyond The Horizon jedenfalls ist ein echter Tipp für Leute, die „schmachtigen Indiepop mit leichtem Pathos“ mögen, wie Coast Is Clear ihn treffend beschreibt. Den Song gibt es hier als kostenlosen Download.

SomeVapourTrails