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Zurück ins Hier und Jetzt – Collapse Under The Empire

Das Hamburger Post-Rock Duo Collapse Under The Empire hat in den vergangenen Jahren unermüdlich Album um Album ertüftelt, es vergeht kein Jahr ohne neue Klänge. Die Markenzeichen der Herren Chris Burda und Martin Grimm sind futuristische Ästhetik und klirrende Kühle. Ihr instrumentaler Post-Rock schildert visionäre Sci-Fi-Märchen und kristallene Dystopien. Es sind ein Stück weit entmenschte, majestätische Klänge. Zu ihrem Album Sacrifice & Isolation (2014) kam mir folgender Vergleich in den Sinn: „Die Tracks türmen sich gleich gefrorenen Monolithen auf, ragen imposant und zeitlos empor. Oftmals wird der Hörer von den Ausmaßen und der Dynamik der Szenerie geradezu erschlagen. Denn die Stücke wirken wie durch den Sucher einer Kamera aufgenommen, die anfänglich in die Horizontale filmt, sich an Erhebungen festkrallt und dann Meter für Meter nach oben neigt.“. Collapse Under The Empire kreieren somit mit ihrem Zusammenspiel aus flirrenden Gitarren und elektronischen Klängen ein weltverlorenes, zivilisationsfremdes Ambiente, das die Abgeschiedenheit und Zeitlosigkeit unwirtlichster Landschaften heraufbeschwört.

Als mir vor ein paar Wochen die Nachricht ins Mail-Postfach flatterte, dass im April eine vier Tracks umfassende EP erscheint, auf welcher ein Filmkomponist und Remixer namens Cato Hand an ausgewählte Stücke des Duos legt, habe ich ein bisschen den Kopf geschüttelt. Collapse Under The Empire entwerfen bereits perfekt in Szene gesetzte Bilder, was also könnte die schlicht als The Remixes betitelte EP noch mehr bieten? Nachdem ich mir nun die betreffende Tracks im Original und in der remixten Version angehört habe, vermag ich darauf eine Antwort zu vermuten. Zurück ins Hier und Jetzt – Collapse Under The Empire weiterlesen

In der Wüste gefrorener Monolithen – Collapse Under The Empire

Dem Hamburger Post-Rock-Duo Collapse Under The Empire habe ich schon so manche Zeile auf diesem Blog gewidmet. Und dies fast immer zum Anlass genommen, ein geradezu flammendes Plädoyer für jenes Nischengenre zu halten. Dieser Musikrichtung mangelt es nicht an vielfältigen Darreichungsformen, doch eint alle Musiker und Bands ein Ernst, ein Wille zur Vision, eine besondere handwerkliche Ausgestaltung. Der oftmaligen Flüchtigkeit von Musik wird hier Zement um die Füße gegossen, der Kleinteiligkeit des Lieds eine theatralische Inszenierung entgegensetzt. Aber machen wir uns nichts vor, Post-Rock in seinen ästhetischen Höchstgefühlen bleibt dennoch meist eine Sache für Puristen. Speziell das neueste Werk von Collapse Under The Empire vermag dem geschulten Hörer die Wonne in die Ohren zu treiben. Sacrifice & Isolation lässt die Vorzüge des Duos einmal mehr leuchten. Es verzettelt sich nicht, besticht durch ungeheure Kompaktheit. Tracks werden wie bereits bei früheren Alben auf durchschnittlich fünfeinhalb Minuten verdichtet, kommen ohne viel Pipapo auf den Punkt. Dazu gesellt sich noch eine futuristische Eisigkeit, die den Sound durch eine weite, kühle, von kristallinen Strukturen dominierte Wüste schweben lässt. Den visionären, entmenschten Klängen wohnt eine Ferne inne, eine brachiale Distanz, die man als Hörer kaum zu überwinden vermag.

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50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

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Klirrender Wohlklang – Collapse Under The Empire

Das Musikjahr 2012 nähert sich mit Riesenschritten seinem Ende. Was sich bis Ende November nicht in die Plattenläden verirrt hat, das wird schlichtweg kaum mehr wahrgenommen. Ich persönlich stecke ja noch tief in der Jahresmitte fest, genieße die Atempause der kommenden Wochen enorm. Weil sich in meinem Regal noch rund 100 Alben von 2012 türmen, die erlauscht und mitunter auch erwähnt werden wollen. Mit einem der Werke, das ich zwar schon mehrmals gehört und dennoch noch nicht entsprechend gewürdigt habe, will ich die Aufarbeitung der letzten Monate beginnen. Das eifrige Hamburger Post-Rock-Duo Collapse Under The Empire hat Ende September mit Fragments Of A Prayer ein gediegenes Album veröffentlicht, dem das eine oder andere lobende Wort gebührt.

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Release Gestöber 27 (Debo Band, Dark Dark Dark, Collapse Under The Empire, Lux)

Nein, im Urlaub sind wir derzeit nicht. Aber doch mit vielen wichtigen Dingen beschäftigt. Darum wird es in den nächsten Tagen zwar den einen oder anderen Blogbeitrag geben, aber in abgespeckter Form. Mit wenigen Worten, fast schon im Telegrammstil hingerotzt. Aber wie eh und je mit guter Musik im Gepäck.

Debo Band

Ein amerikanisches Ensemble mit starkem Bezug zu Äthiopien schenkt uns ein abwechslungsreiches wie grooviges Ethno-Pop-Album erster Güte. Die Debo Band beschert mit ihrem selbstbetitelten Debüt eine Platte, die sich auch mal der Dynamik eines bläserschwangeren Soundtracks aus den Siebzigern bedient, stets überschwänglich und voll im Sound tönt. Wer dem kostenlosen Track And Lay lauscht, wird meine Begeisterung nachvollziehen können.

Debo Band erscheint am 13.07.2012 auf Next Ambience.

Dark Dark Dark

Wir haben uns in der Vergangenheit bereits die Finger wundgeschrieben, weil wir die amerikanische Folk-Pop-Band Dark Dark Dark als eine der besten Formation der Gegenwart schätzen. Was war das letztes Frühjahr hierzulande erschienene Wild Go doch für eine grandiose Platte! Für Oktober 2012 wurde dieser Tage nun ein neues Album namens Who Needs Who angekündigt. Die Formation um Sängerin Nona Marie Invie gewährt uns mit dem Track Tell Me einen ersten Vorgeschmack auf diese zweifelsohne hörenswerte Scheibe. Man darf in Vorfreude schwelgen!

Collapse Under The Empire

Auch am Hamburger Post-Rock-Duo Collapse Under The Empire habe ich mich in der Vergangenheit schon ergötzt. Für den Herbst dieses Jahres wurde dieser Tage nun das neueste Werk Fragments of a Prayer avisiert. Als erstes Appetithäppchen steht der Gratis-Track Dragonfly bereit. Dieser wird auf dem Album nicht zu finden sein, der Titel ist bis zum 07.07.2012 (gegen Angabe einer E-Mail-Adresse) kostenlos erhältlich. Bestes Post-Rock-Handwerk made in Germany, meine ich.

Lux

Ein Duo aus Seattle das neben Licht zwar auch den einen oder anderen kleinen Schatten zu bieten hat. Lux sind von den Achtzigern beseelt und so grummelt ihr Anfang April erschienenes Debüt We Are Not The Same von Synthies verhangen vor sich hin. Wann immer Sängerin Leah Rosen das Zepter schwingt, hat das einen stets bewährten sirenesken Charme. Out Of Love oder auch The Window sind die Highlights eines ab und an auch sehr lärmigen, nicht ohne Augenzwinkern agierenden Albums. Wie sonst würden sich Liedtitel wie I’ll Try To Ignore The Fact That You’re Drowning erklären lassen? Die von David Chandler dargebotenen Stücke bleiben blasser, wenngleich beispielsweise Candy Lux als nettes Kleinod durchgehen darf. Kurzum, Lux fabrizieren Lo-Fi-Synthie-Pop, der sogar einen Genre-Muffel wie mich anspricht. Anhören! (The Window gibt es hier als Gratis-Download.)

Demnächst mehr! Natürlich.

SomeVapourTrails

Nicht nur fühlen wie verrückt – Collapse Under The Empire

Verstehen strapaziert den Geist meist über. Wir ergründen die Umwelt des Alltags, interpretieren hinein wie herum, konstruieren Mutmaßungen. Setzen einen Großteil der Hoffnung auf die Sprache, dass sie Erklärungen zu schultern vermag. Und begreifen trotz aller Kommunikation wenig. Auch Musik ohne Textebene scheint oft eine heikle Angelegenheit, sie teilt uns Dinge mit, die wir uns nicht einfach so zusammenreimen können. Instrumentale Klänge türmen sich vor dem grüblerisch überforderten Hirn auf, während unser Herz sich längst schon an selbige schmiegt. Warum kündet ein Heer inbrünstig schmachtender Streicher von großen Gefühlen? Warum legt Moll einen Schleier über die Seele? Wir verstehen nicht, fühlen freilich wie verrückt.

Photo Credit: Thomas Duffé

Post-Rock in seiner Essenz ist das gegenwärtig eloquenteste Genre instrumentaler Kunstfertigkeit. Da es sich Zeit lässt, ausführliche E-Mails schreibt, wo sonst oft nur mehr einer Twitter-Kürze gefrönt wird. Post-Rock verwirrt eben, weil er vertrackt agiert, keineswegs das Offensichtliche postuliert, all die üblichen 08/15-Emotionswallungen immer ein Stück weit konterkariert. Sich letztlich sogar auf halber Strecke zwischen Hirn und Herz dauerhaft einnistet. Als besondere Vertreter dieser Zunft möchte ich heute das Hamburger Duo Collapse Under The Empire loben. Weil sie all dies vorbildlich machen, wie ihr neues Album Shoulders & Giants belegt. Die Formation ist tief im Konzept des Post-Rock verankert, bricht Genre-Grenzen nicht völlig auf, denkt nicht vor, aber sehr, sehr clever mit.

Fakt bleibt, dass ein Track wie Giants alle Register ziehen, sowohl düster kantig schlottert als auch entzückend melodisch umschmeichelt. Dies auf kompakte 5 Minuten zu verdichten, erscheint mir sehr gelungen. Auch da das Duo längst nicht nur sattsam bekannte, rödelnde Gitarren aufbietet, bei manchen Tracks magisch reines Piano einsetzt, das inmitten brachialster Dynamik nicht untergeht. Oder eben elektronische Akzente platziert, etwa die wie Störfeuer wirkenden Beats von The Sky Is The Limit. Mit der Fülle des Sounds wird nie leichtfertig oder verschwenderisch umgegangen. Collapse Under The Empire kreieren eine Atmosphäre, die nicht nur Stimmungen bedient, sondern vielmehr Synapsen ankurbelt. Disclosure spricht mit schroffer Klarheit, hämmert sich mit einer fassbaren Bedrohlichkeit in den auditiven Cortex.

Das ist des Pudels Kern, die überzeugende Stärke von Chris Burda und Martin Grimm, dass sie den mitunter vagen Suggestionen des Genres, den An-, Ent- und Verspannungen eine fokussierte und beredte Prägnanz entgegenstellen. Nicht nur ein Kribbeln im Bauch erzeugen, wenn Gitarren lieblich plärren. Wenn trotz bester Intentionen manch instrumentaler Post-Rock Opfer der eigenen Formelhaftigkeit wird, dann liegt der Übereifer nahe, besonders gefinkelte Klänge in die Welt zu setzen. Und hier halten sich Collapse Under The Empire im Zaum, legen den Fokus auf eine elaborierte Botschaft, entfachen eine fantastische Dystopie, ein Sci-Fi-Mosaik von ausgesuchter Frostigkeit, in dessen Düsternis sich auch Lichtstrahlen der Hoffnung mengen.

Shoulders & Giants ist von ausdrucksstarker Erzählkunst geformt, schwingt nicht nur in den üblichen lauten und leisen Wellen, fiebert nie in schweißtreibenden Melancholien. Gibt dem Fühlen Gedanken mit, bietet Vorstellungen und Inspirationen ohne Worte. Genau dies, werte Leser, ist die hohe Schule instrumentalen Schaffens! Eben darum scheint das Werk von Collapse Under The Empire sehr beeindruckend.

Shoulders & Giants ist am 21.10.11 auf Sister Jack erschienen.

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SomeVapourTrails