Trip-Hop-Ethno-New-Age-Klimbim – Conjure One

Man nehme einem triefenden Batzen Trip-Hop, menge einen ordentlichen Schuss Ethno darunter, würze das mit einer Prise New-Age-Klimbim, kratze eine Synthie-Messerspitze Jean Michel Jarre zusammen, bekleistere mit eben diesen Ingredienzien die weiblichen Rundungen einer Stimme, deren Ausstrahlung nicht über das Niveau von den aus Veranstaltungen à la Song Contest einschlägig bekannten Sängerinnen hinausgeht. Voilà, exakt so präsentiert sich jenes Album, welches sich dieser Tage in meine Ohren verirrt hat. Wer nun ganz hektisch nach Papier und Bleistift sucht, um sich zu notieren, welche Platte er/sie keinesfalls Gehör schenken sollte, dem/der will ich sanft gemach zuraunen. Denn obwohl ich das Werk durchaus akkurat beschrieben habe, ist es nicht völliger Quatsch mit Soße. Vielmehr wandelt Exilarch zwar geradezu aufreizend am Rande absoluter Trivialität, aber das Album purzelt in der Gesamtschau nicht vollends in die Scheiße. Conjure One nennt sich das mir bislang völlig unbekannte Projekt eines mir bis dato nicht geläufigen Herrn Rhys Fulber, seines Zeichens Mitglied bei den mir sehr wohl vom Hörensagen vertrauten Delerium und Front Line Assembly.

Man sollte es durchaus als Verdienst werten, dass Exilarch trotz oben angedeuteter Widrigkeiten nicht zum absoluten Schauerstück verkommt, sondern in den interessanteren Momenten tatsächlich inspiriert durch den Äther quillt. Und zwar just dann, wenn kein feminines Säuseln mit ausgesuchter Penetranz lanchiert wird. Natürlich hat man Tracks wie Places That Don’t Exist schon irgendwie irgendwann irgendwo gelauscht, das ändert freilich nichts daran, dass sich besagter Titel solide präsentiert. Doch sobald sehnsuchtsschwangeres Geschmachte dominiert, rasselt das Niveau in den Keller. Zephyr beispielsweise steht für billigen Pathos und grottenschlechte Lyrics, Nargis für Ethno-Gejodel der berechenbaren, langweiligen Sorte. Solange die Weltmusik-Anleihen sich auf Samples beschränken und die elektronische Komponente dominiert, ein Beat die Chose durchzieht, gewinnt das Werk an Format (Nomadic Code). Existential Exile oder Oligarch fallen in eine ähnliche Kategorie, wobei letzteres nicht wirklich auf den Punkt kommt. Ein Umstand, über den man gerne geflissentlich hinwegschaut, vor allem angesichts enervierend lascher Songs (I Dream In Colour).

Conjure One – Exilarch by nettwerkmusicgroup

Exilarch kratzt die Kurve, mehr schlecht als recht. Berauschend fällt das Resümee dennoch nicht aus. Conjure One hätte die instrumentale Schiene weitaus mehr betonen sollen, anstatt gesanglichem Ethno-Trash zu huldigen. Für Live-Auftritte will Rhys Fulber Exilarch aufpolieren, die Tracks beschleunigen, rauer machen, mit beiläufigen Sounds ausstatten, wie der Pressetext zu berichten weiß. Genau dies hätte aber auch dem Album keinesfalls geschadet und mir ein wohlwollenderes Urteil abgerungen.

Exilarch ist am 15.04.11 auf Nettwerk erschienen.

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