Die 10 Alben, die mich am meisten bewegt haben

Der sehr geschätzte Kollege Nico hat mich auf seinem Blog und via Facebook nominiert, jene zehn Alben zu nennen, die mich im Laufe meines Lebens am meisten bewegt haben. Gern komme ich dieser Aufforderung nach und benenne diese. Ich tue mir dabei gar nicht einmal besonders schwer, denn obwohl sich diese 10 Platten vielleicht nicht gänzlich mit meinen ewigen Lieblingsalben decken, so hat es doch immer wieder Platten gegeben, welche mir zu einem gewissen Zeitpunkt richtig ans Herz gewachsen sind und für die ich mich auch heute noch keinesfalls schämen muss. Ich will kurz und chronologisch erläutern, warum ich genau diese Werke gewählt habe.

Bruce SpringsteenNebraska (1982)

nebraska_cover

Zusammen mit Japanese Whispers von The Cure war Springsteens Nebraska Ende der Achtziger meine allererste Vinyl-Platte. Dieses reduzierte, folkige Singer-Songwriter-Album hat einerseits meine Liebe zu Underdogs für immer einzementiert und mich weiters auch dahingehend geprägt, dass ich Storytelling so liebe.

 Weiterlesen

Release Gestöber 20 (Exitmusic, Soulsavers, Cowboy Junkies, Nigel Wright und mehr)

Es gibt viel zu vermelden, also wollen wir uns ohne weitere Umschweife Veröffentlichungsgetümmel stürzen.

Exitmusic

Kaum eine EP war 2011 in meinen Ohren so wohlgelitten wie From Silence, mit welcher das Duo Exitmusic theatralisch wie atmoshärisch dicht zu überzeugen wusste. Nun erreicht uns vom Label Secretly Canadian die frohe Kunde,  dass der starken Talentprobe im Frühsommer ein Album namens Passage folgt. Einen ersten Eindruck vermag man durch den kostenlosen Dowload des Titeltracks zu erhaschen. Der Song Passage führt die dramatische Wucht der EP fort, gewittert stark auf den Hörer herab. Auf diese Platte darf man sich freuen!

Retribution Gospel Choir

Wenn eine EP umsonst unter die musikhungrigen Massen gebracht wird, möchte eine Band oder ein Musiker damit entweder die Bekanntheit steigern, sich wieder zurück ins Gedächtnis rufen oder aber Ausschussware zum Geschenk aufbauschen. Auf die Gratis-EP The Revolution trifft das alles nicht zu. Die Formation Retribution Gospel Choir ist zweifelsohne mehr als nur ein als Hobby betriebenes Nebenprojekt von Alan Sparhawk, seines Zeichens Mastermind der großartigen Low. Wir haben es somit nicht mit irgendeiner obskuren Band zu tun, deren Ruhm sich nicht über den Kreis der Verwandten und Freunde hinaus erstreckt. Auch liegt die Veröffentlichung ihres letzten Werks 2 erst anderthalb Jahre zurück. Bliebe noch die These vom Ramsch, den man zum Präsent umdeklarieren möchte. Doch weit gefehlt! The Revolution bietet auf knackigen 10 Minuten kräftig wilden Rock von angenehm altmodischer Attitüde. Speziell der Song The Stone (Revolution!) ist ein Wonneproppen von einem Lied. Ein Download lohnt.

Nigel Wright

Wenn es nach den E-Mails in meinem Postfach geht, bekomme ich pro Tag 10 Stimmwunder, 20 Senkrechtstarter und 5 Comebacks wagende Legenden angepriesen. Ich kenne sie alle nicht und in 99 Prozent der Fälle scheint dies auch gut so. Beim US-Singer-Songwriter Nigel Wright freilich horchte ich auf. Der Song Anna tönt folkig versunken, gerade durch einen zurückhaltenden Vortrag sehr eindringlich. Schlichtweg edel und schön. Ich werde mir das am 30.03.2012 erscheinende Album Millfoil sicher zu Gemüte führen.

Cowboy Junkies

Man erkennt die ungeschriebenen Gesetze der Musikbranche immer dann, wenn sie gebrochen werden. Die kanadischen Allzeitgrößen Cowboy Junkies präsentieren uns Ende März den letzten Teil ihrer auf vier Alben angelegten The Nomad Series. All die Platten wurden binnen zwei Jahren veröffentlicht. Das will so gar nicht in den gängigen Zyklus passen, der zwischen zwei Studioalben zwei bis drei Jahre Pause vorsieht. Doch die Folk-Band darf sich wohl auf eine treue Fanschar verlassen, der die Gesetzmäßigkeiten der Branche herzlich egal sind. Tatsächlich ist auch ausreichend Tinte im Füller, um Songs für vier Platten zu Papier zu bringen. Denn obwohl die Cowboy Junkies im letzten Jahrzehnt vielleicht nicht mehr das wunderbare Songwriting früherer Tage erreichen, belegt The Nomad Series, dass man der Band keine Schaffenskrise attestieren sollte. The Wilderness führt die Reihe zu einem würdigen Abschluss, zentriert sich einmal mehr um den stets wunderbaren Gesang von Margo Timmins, der auch 27 Jahren nach Bandgründung noch keinerlei Verschleißerscheinungen verrät.

Soulsavers

Was haben wir über das letzte Album der Soulsavers nicht Lob verloren! Rich Machin und Ian Glover hatten 2009 zusammen mit Mark Lanegan das tolle Broken ersonnen und eingespielt. Am 18.05.2012 ist es nun endlich soweit. Mit The Light The Dead See wird ein Nachfolgealbum auf V2 Records/Cooperative Music veröffentlicht. Abermals haben die Soulsavers einen Hochkaräter zur Zusammenarbeit gefunden. Lanegans Rolle übernimmt diesmal Dave Gahan, Frontmann der Urgesteine Depeche Mode. Wow, entfleucht es mir bei dem Gedanken daran, das könnte eine ganz starke Platte werden. Harren wir also voll Vorfreude der Dinge, die da kommen.

Great Lake Swimmers

Zuletzt sei noch einmal mehr auf eine absolute Lieblingsband hingewiesen. Die großartigen und wundervollen Great Lake Swimmers bringen am 30.03.2012 ihr neuestes Werk New Wild Everywhere unter das Volk. Wir werden selbiges natürlich entsprechend würdigen. Wer sich auf die Kanadier bereits einstimmen möchte, sei auf das akkustische Live-Album The Legion Sessions verwiesen, welches 2010 auf Nettwerk erschien. Dieser Tage ist die Platte als Gratis-Download erhältlich. Zugreifen!

SomeVapourTrails

Stippvisite 25/09/11 (Die Papst-Edition)

Ich habe mich die letzten 2 Wochen relativ wenig mit Musik beschäftigt. Außer zwei bis drei Alben lief vieles an mir vorbei. Die vergangenen Tage beispielsweise bin ich aufmerksam vorm Fernseher gesessen, um mit eigenen Ohren zu hören, wovon der Papst spricht. Unter anderem deshalb, weil ich der Meinungsmache der Medien nicht traue. Denn Benedikt XVI. könnte in deren Augen auf dieser Reise nur dann reüssieren, wenn er die von Journalisten und Parteien vehement vorgetrommelten Themen in Büßerhaltung ansprechen würde. Solange er sich in Sachen Ökumene realistisch gibt, wird ihm jeglicher gute Willen abgesprochen. Wenn er sich mit Missbrauchsopfern trifft, wird er von einem Opferverband als scheinheilig bezeichnet. Gerade so, als würde der Papst die Schuld der Kirche nur dann aufrichtig anerkennen, wenn er mit gewissen Sprachrohren des Verbandes zusammensäße. Eigentlich wird dem Papst seine Nähe zur Religion zum Verhängnis. Weil man Religion als Relikt vergangener Zeiten ansieht. Manchmal sogar als Gefahr für die Moderne. Und dabei vergisst, dass Fanatismus – und nicht der Glaube – die Wurzel vielen Übels ist. Der passionierte Kapitalismus führt uns gerade in den Abgrund, gottlose Diktaturen haben es vor Jahrzehnten versucht. Was macht denn nun ausgerechnet den Papst zur Persona non grata, die von taz und Die Zeit mit Kritik bombadiert wird? In einem Land der Dichter und Denker wird Benedikt XVI. gerade sein philosophischer Ansatz abgekreidet, obwohl tiefgründige Gedanken doch immer schwerer wiegen als billiger Aktionismus. Man muss den Papst wirklich nicht mögen, aber man sollte ihm zuhören. Und sei es nur, um die eigene Gegenposition unterfüttern zu können. Oder sogar den einen oder anderen inspirierten Gedanken mitzunehmen. Ich für meinen Teil lausche nach dem Ende des Papstbesuches wieder mehr der Musik. Auch weil sie die triste Realität einer hysterischen Gesellschaft ein Stück weit auszublenden vermag. Hier ein paar Empfehlungen, natürlich nicht nur selbst ausgebuddelt, auch wieder von geschätzten Blogs zusammengetragen.

Vorfreutipp:

Die Cowboy Junkies sind meine ewigen Lieblinge, auch wenn mich ihr Werk der letzten 10 Jahre nicht mehr ganz so vom Hocker schleuderte. Wie sich diese besondere Liebe manifestierte, hatte ich schon einmal ausführlich geschildert. Am 18.10.11 beglücken uns die Kanadier mit einer neuen Platte namens Sing In My Meadow. Vorab darf schon dem vorzüglichen Titelsong gelauscht werden. Denn dieser ist als kostenloser Download erhältlich. Im November führt eine Tour auch durch deutsche Gefilde. Viel Grund zur Vorfreude also.

Konzerttermine:

03.11.11 Hamburg – Fabrik
04.11.11 Hannover – Capitol
05.11.11 Berlin – Passionskirche

Dauerbrennertipp:

Matthew Sweet zählt zu denen, die schon ewig im Geschäft verbleiben und durchgängig solide Alben hervorbringen. Mit dem vor über zehn Jahren veröffentlichten Song Millennium Blues hat er sich nachhaltig mein Wohlwollen gesichert. Obschon das neue, in den USA am 27.09.11 erscheinende Album Modern Art abermals keinen Geniestreich darstellt, würde ich es ohne Zögern über das Gros der Veröffentlichungen stellen. Sweets Alternative Rock schert sich wenig um neue Trends, wirkt von der Sonne ausgebleicht. Und das meine ich als Kompliment. Der wirklich gute Track Late Nights With The Power Pop ist bei dem interessanten Blog Muruch als kostenloser Download verfügbar. Das Album ist auf dem amerikanischen Rolling Stone als Stream zu erlauschen.

Newcomertipp:

Bereits vor 2 Monaten hatte ich Lana Del Rey als eine Blog auf, Blog ab völlig zurecht gefeierte Entdeckung dem werten Leser vorgestellt. Der Song Video Games ist schlicht weg atemberaubend, für mich einer der besten 10 Titel des Jahres. Der Track Blue Jeans steht diesem um fast nichts nach. Im November kommt Lana Del Rey nach Deutschland, man darf gespannt sein, welche Lieder sie sonst noch im Köcher hat.

Kozerttermine:

12.11.11 Köln – Gebäude 9
14.11.11 Berlin – Roter Salon

Synthietipp:

Beim hochgeschätzen Blog Coast Is Clear werde ich immer fündig. Kaum eine Woche, in der der werte Kollege mir nicht Unbekanntes nahe – mitunter sehr, sehr nahe – bringt. So auch dieses Mal. Die dänische Formation Tiger Baby hantiert mit Synthie-Pop samt heiter gehauchtem Gesang. Das neue Album Open Windows Open Hills entstammt der feine Track Landscapes, der zumindest in meinem Ohren angenehmst wurmt. Anhören!

Tiger Baby – Landscapes by Tiger Baby

Das soll es für heute auch schon gewesen sein. Demnächst gibt es weitere Empfehlungen. Garantiert.

SomeVapourTrails

Musikalischer Quartalsbericht 2010 (II)

Ich muss mir heute einmal ein Gähnen aus den verschnarchten Mundwinkel schmieren. Denn irgendwie entsprangen dem zweiten Quartal nur wenige wirklich gelungene Alben.  Doch sollte ich eigentlich mit meinem Geschmack auf Kriegsfuß stehen, würde dieser nämlich nicht mit hündisch flehendem Blick vor MGMT oder Ariel Pink’s Haunted Grafitti zurückweichen, könnte ich dem eben zu Ende gegangen Viertel versöhnter die Pfote reichen. So freilich bleibt Before Today als wirkliches Ärgernis zurück.

Doch genug der  Schreckgespenster, jetzt sollen die famosen Akteure ans Mikro treten. Und dazu gehört zweifelsohne Damien Jurado. Mit Saint Bartlett dribbelte er sich endgültig in die vorderste Reihe der Zunft hervorstechender Singer-Songwriter. Man möchte ihn mit zahlreichen Liebkosungen für eine der ganz großen Scheiben des Jahres danken. Ebenso gewaltig – allerdings auch weitaus weniger beachtet – stellt sich Von Humboldt Picnic der Formation Mardi Gras.bb dar. Auch hier habe ich große Töne vernommen und in meiner Einschätzung auch gespuckt. Wie aus verschiedensten Stilen ein derartig vielgestaltes, dennoch konsistentes Album gefertigt wurde, das verdient ein jubilierendes Chapeau!

Während manche Genres in den letzten 3 Monaten vorbildlich gediehen, herrschte bei anderen doch ab und an Funkstille. In Post-Rock-Breiten zum Beispiel habe ich mir lediglich die Red Sparowes auf meinem Zettelchen notiert – und das deutsche Duo Collapse Under The Empire, deren EP The Sirens Sound in jeglicher Hinsicht vielversprechend geriet. Auch an elektronischen Sahnehäubchen mangelte es ein wenig, was nach den unzähligen tollen Veröffentlichung des ersten Quartals jedoch mit Nachsicht zu bedenken war. Nice Nice lieferten jedoch eine zweifellos gelungene Performance ab. Minimalistische Gemüter wurden von Chapelier Fou bestens bedient. Diese Scheibe dem geneigten Leser näherzubringen, das brennt mir schon länger unter den Nägeln.

Kommen wir nun zu den Ladenhütern, zu grandiosen Werken, denen es nur an einem mangelt: Hörern. Da möchte ich keinesfalls zögern und den werten Reverend Deadeye nennen. Wer nur auf Hochglanz polierte Musik mag, wird jener versifften Dreckigkeit wenig Verständnis entgegenbringen. Allerdings sind die schönsten Dinge der Welt eigentlich doch immer nur dann interessant, wenn sie ein bisschen mit Schmutz behaftet sind: Fußball, Sex – auch Musik. Weshalb die britische Sängerin Daisy Chapman immer noch unbeachtet werkt, vermag ich bei soviel Ausdruckskraft in der Stimme einfach nicht nachvollziehen.

Auch in deutschen Gefilden tat sich so manches. Beginnen wir bei Gisbert zu Knyphausen, dessen Hurra! Hurra! So nicht. die hochtrabenden Erwartung mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit erfüllte. In diesem Zusammenhang sei auch die Schweizer Band Schöftland genannt, die mit der CD Der Schein trügt eine Visitenkarte hinterlassen hat. Die auf den Track Kleinstadt gebannte Kollaboration mit Herrn zu Knyphausen sollte man sich zu Gemüte führen. Mit Nicolas Sturm zeigte sich übrigens ein weiterer deutscher Liedermacher mit Talent. Keinesfalls vergessen will ich jedoch auch die mit englischer Zunge agierenden Hamburger Hundreds. Ihr selbstbetitelte Scheibe erfüllt internationale Standards.

Drei gute Alben sollen noch in diesen Abriss gequetscht werden. Frog Eyes mit Paul’s Tomb: A Triumph etwa, selbstverständlich auch die seit einer Dekade beste Veröffentlichung der Folk-Veteranen Cowboy Junkies, welche auf Renmin Park wirklich glänzen. Singer-Songwriterin Nina Nastasia fügte Outlaster ihrem Schaffen hinzu, auch hierfür gilt großes Lob.

Wenngleich die Fülle und Pracht der Monate Januar, Februar sowie März nicht reproduziert werden konnte, so bleibt unter dem Strich genug in jeder Hinsicht wunderbarer Scheiben, die dem Leser mit gutem Gewissen ans Ohr gelegt werden dürfen.

SomeVapourTrails

Alte Liebe rostet nicht – Cowboy Junkies

Es wird irgendwann im Herbst 1994 gewesen sein, ich war gerade in die große Stadt gezogen, machte mich mit jugendlichem Leichtsinn ans Studium und genoss nebenbei in vollen Zügen die Annehmlichkeiten einer eigenen Wohnung samt Kabelfernsehen. MTV lief bei mir oft, hatte noch Stil und tatsächlich musikalischen Wert. Eines Nachts flimmerte ein Video über den Schirm, welches ich davor und danach nie mehr auf MTV erhaschte. Trotz aller Gebanntheit vermochte ich den Bandnamen nicht auszumachen und so stiefelte ich in den darauf folgenden Wochen durch die Plattenläden Wiens und suchte. In Vor-Internet-Zeiten machte man das. So fahndete ich, und als ich schon das Lied geträumt zu haben meinte, nach einer halben Ewigkeit kam plötzlich ein Heureka aus meinem Munde. Die Band nannte sich Cowboy Junkies und sollte mir seitdem viele Jahre versüßen. Es hat etwas mit der Passion des Findens zu tun, dass das Gefundene so überaus schimmert – und den Glanz auf den Entdecker überträgt.

Auch nach weit über 20 Jahren sind die Cowboy Junkies mit ihrer je nach Album verschiedentlich ausgeprägten Mischung aus Alternative Country, Folk und Rock ein Fixstern am kanadischen Musikhimmel. Wenngleich ich mit den Veröffentlichungen der letzten Dekade weniger anzufangen weiß und vielmehr die ersten 6 Platten als das Nonplusultra ihres Schaffens ansehe, so kann ich nicht umhin, das Lebenswerk der Formation abgöttisch zu verehren. Bereits das 1986 erschienene Debüt Whites Off Earth Now!! präsentierte intensive, fast schon verstörend bluesige Coverversionen von Bruce Springsteens State Trooper oder John Lee Hookers Decoration Day samt virtuos arrangierter Gitarre, die ein veritabel düsteres Gegengewicht zum Gesang von Frontfrau Margo Timmins darstellte. Das eigentlich Magnum opus gelang der Band bereits zwei Jahre später mit The Trinity Session, in der Church of the Holy Trinity in Toronto aufgenommen. Von lullend-ausdrucksstarker Engelsgleiche getragen entfalteten sich in beseelter Atmosphäre getragene Klänge, die von Sehnsucht, Abschied und Verlust kündeten und deren Lyrics mit der Feder eines reinen Herzens geschrieben wurden. To Love Is To Bury oder Misguided Angel gerieten zu wundersamen Eigenkompositionen, Sweet Jane wurde auf ewig Lou Reed gestohlen. Und über allem die Ummäntelung des Klassikers Blue Moon in ein eigenes Gewand: Blue Moon Revisited (Song For Elvis).

Wie vermag man ein Überwerk, welches vielleicht sogar das Vorstellungsvermögen der Band übersteigt, mit einem Danach zu versehen, das nicht in blanke Enttäuschung bei Fans und Kritikern mündet? Daran hatten auch die Cowboy Junkies zu knabbern, vermochten auf The Caution Horses (1990) und Black Eyed Man (1992) jedoch Antworten zu finden, die zwar nicht mehr über die komplette Länge einer Platte überzeugten, aber Highlights wie Neil Youngs Powderfinger oder Sun Comes Up, It’s Tuesday Morning vollbrachten das Kunststück, den Charme der Band weiter zu auszuprägen. Black Eyed Man vermochte auch mit einem zärtlich countryesquen Duett mit dem heillos unterschätzten John Prine zu entzücken, If You Were The Woman And I Was The Man lautete der Titel. Townes Van Zandt widmete den 3 Geschwistern Michael, Margo und Peter Timmins sowie Bassist Alan Anton das Cowboy Junkies Lament, dem sie einen standesgemäßen Spirit einhauchten. Die folgende Platte Pale Sun Crescent Moon verlor ein wenig an Eindringlichkeit, es mangelte besonders an zum Staunen anregenden Covern. Die Songs Crescent Moon sowie White Sail freilich setzten die große Tradition gebührend fort.

Wenn es einen Wendepunkt gab, an dem sich die Gruppe kurzzeitig in die Gefilde des Mainstreams vorwagte, dann darf dieser mit 1996 angesetzt werden. Lay It Down klang direkter, die Stimme von Sängerin Margo Timmins wurde stärker in der Musik verankert, schwebte endgültig nicht mehr in einer eigenen Verfasstheit. Die Ballade Angel Mine bildete den fast schon heiteren Höhepunkt eines wenig schwermütigeren Werks. Wie auch Hold On To Me Hoffnung versprühte, das Blei der Schwere ins Bockshorn jagte.  Die letzte Veröffentlichung der Cowboy Junkies benannten sie Miles From Our Home (1998). Und in der Tat hatten sie sich von den Anfängen emanzipiert, waren aufwändiger produziert, ohne jedoch die Magie des frühen Schaffens vollends zu behalten. Das beste Lied des Albums stammte einmal mehr aus der Feder des damals eben erst verstorbenen Townes Van Zandt: Blue Guitar.

Mit diesem Album endete auch meine Amour fou mit der Band. Trotz vereinzelt an alte Größe anknüpfende Songs vermochten mich die Aufnahmen der letzten 10 Jahre nicht mehr so in den Bann zu ziehen. Doch alte Liebe rostet nicht. Bis zu diesem Tag zaubern mir die Lieder ein Glitzern in die Augen, stellen auch nach Jahren des steten Hörens eine fokussierte Ästhetik dar, die sich nicht abnutzt, ein lebenslanges Begleiten verspricht. Und natürlich springen meine Sinne stets wieder einer neuen Platte der Band entgegen. Das am 15. Juni erscheinende Renmin Park streckt seine Fühler aus – und schleicht sich näher ans Zentrum meines Herzens, als dies die unmittelbaren Vorgänger durften. Noch will ich mich zu keinem Urteil aufschwingen, zu frisch wirkt der Eindruck, aber so ein klitzekleinwenig lodert und brodelt es wieder vermehrt in mir, erscheinen die Songs der Cowboy Junkies wie Küsse samt vorwitziger geführter Zunge. Dem mag ich mich gar nicht erst entziehen.

Zwei kostenlose Downloads des neuen Werks, die Songs Stranger Here und Cicadas finden sich hier.

Link:

Offizielle Webseite

SomeVapourTrails

Populäre Irrtümer der Generation Mp3

Segen und Fluch von Mp3s zu gleich ist, dass sie schnell kopiert und noch blitzschneller verbreitet werden können. So nahmen einige der populärsten Irrtümer der Musikgeschichte ihren Lauf. Einmal falsch benannt (getaggt) ließ sich bald kaum noch jemand davon abhalten, den vermeintlichen für den echten Interpreten zu halten. Und auch ich wurde in einem Fall vom Liebsten und Co-Blogger des Irrglaubens überführt. Hier die 4 bekanntesten Fälle:

1. Mazzy Star und Sweet Jane

Auch wenn immer wieder irrige Fans den Song hübsch bebildert mit Hope Sandoval auf Youtube hochladen oder falsch getaggt via Filesharing verbreiten. Die The Velvet Underground Cover-Version ist natürlich von den Cowboy Junkies.

Cowboy Junkies – Sweet Jane

Vielen bekannt dürfte diese Version vom Natural Born Killers Soundtrack sein.

2. Mazzy Star und Wild Horses:

Stimmt auch nicht, der Song (ebenfalls ein Cover) wurde von The Sundays eingespielt.

The Sundays – Wild Horses

Vom Glauben abfallen, musste ich hier:

3. Cat Stevens und Cats In The Craddle

Hm… und ich war mir so sicher, Komponist und Interpret ist jedoch Harry Chapin.

Cats in the CraddleHarry Chapin

Wikipedia widmet der Geschichte einen ganzen Abschnitt und wartet gleich noch mit weiteren Verwirrung um eine Coverversion auf:

„Cat’s in the Cradle“ is widely mistakenly credited to artist Cat Stevens, in part due to a mistitled MP3 version of the song widely circulated on the internet. As well the style and vocals sound akin to a Cat Stevens song, and the song and the singer both contain the word, ‚Cat‘. In 1977, Stevens‘ former label, Deram Records released a compilation album, Cat’s Cradle.[3] Jack Black contributed to this confusion, playing part of the song in a Saturday Night Live sketch where Black’s character claimed the song was by Yusuf Islam, a.k.a. Cat Stevens. There are no known verifiable recordings of Cat Stevens performing the song, however, and a Cat Stevens fan web site assures readers that Stevens has never performed the song, „not live, not in the studio, and not even privately“.

The cover of the song by Ugly Kid Joe is furthermore often confused for a cover by Guns n‘ Roses, a band which never recorded the song. This is due to an incorrect MP3 circulating on P2P networks; which contains the Ugly Kid Joe version even though the file credits it to Guns n‘ Roses.[4] (Quelle: Wikipedia)

4. Aretha Franklin und Rescue Me:

Hm… hättet ihr gewusst, dass der Song von Fontella Bass ist?

Fontella BassRescue Me

In diesem Fall haben sich findige Werbestrategen die Verwirrung Zunutze gemacht:

Pizza Hut – Aretha Franklin „Deliver Me“

Mehr dazu von Wikipedia:

The hit version of the song is often misattributed to Aretha Franklin, another singer with gospel training who has a similar style to that of Bass. In 1993, Franklin did record a portion of „Rescue Me“ (with a very similar arrangement to Bass’s original) for an American Express commercial. The original song was also used during the films Air America and Sister Act.

Quelle: Wikipedia

Gerne dürft ihr in den Kommentaren eure größten Irrtümer bekannt geben, ich freu‘  mich drauf.

DifferentStars

One

One

Es gibt wenige Lieder, bei denen ich mir nicht sicher bin, welche Version ich am liebsten mag. Meistens ist es einfach – die Originalversion – Coverversionen mißraten häugig zu einem müden Abklatsch. Ein Lied, dass immer wieder zu neuer Schönheit erblüht ist U2’s One. Unumstritten eines der großartigsten Musikstücke der Rock- und Popgeschichte überhaupt. Immerhin konnte ich mich dann auf 4 Lieblingsversionen beschränken.

U2

Cowboy Junkies

Johnny Cash

Mary.J.Blige. (feat.U2)

Link:Wikipedia (engl.)

DifferentStars