500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)

Geschmäcklerischer Senf

Intro ist ein ehrenwertes Magazin und eine durchaus verlässliche Quelle für Neuigkeiten und Albenrezensionen. Musikjournalismus ist ja stets eine hochgradig subjektive Materie, da darf eine einzelne Rezension, die man als Griff ins Klo (v)erkennt, nicht am Ansehen rütteln. Die neueste Ausgabe der Rubrik Platten vor Gericht, in welcher Musiker, Fans und Promis ihre Gedanken zu neu veröffentlichten CDs absondern, ließ mir allerdings die schockergrauten Haare zu Berge stehen. Schon die prinzipielle Frage, ob man innerhalb des redaktionellen Auftritts (also nicht in einem Forum) der Meinung von Laien Raum geben sollte, bedarf einer grundsätzlichen Erörterung. Aber dazu später.

Oder doch gleich. Welche Befähigung braucht es, um sich im Rahmen eines journalistischen Angebots zu Musik zu äußern? Ist die Beherrschung eines Instruments vonnöten? Das Notenlesen ein zu erfüllender Anspruch? Vielleicht auch nur die analytische Begabung Wissen verknüpfend anzuwenden? Oder benötigt man lediglich die Veranlagung zur konzisen, polemischen, aburteilenden Schreibe? Fragen über Fragen, die nach einer Rechtfertigung lechzen. Fragen, denen sich unser Blogprojekt ebensowenig entziehen kann wie der Rolling Stone, spex oder eben Intro.

Die Kenntnis der Materie ergibt in der Kombination mit schriftlichen Fertigkeiten das Anforderungsprofil für intelligenten Output und der – unter der Prämisse der Subjektivität – hochwertigen Erörterung von Musik, so zumindest meine Privatmeinung. Ich beherrsche kein Musikinstrument und empfinde dies als enormen Makel, der mir die Möglichkeit einer Kanalisierung meiner Kreativität nimmt. Und dennoch erdreiste ich mich, im Rahmen dieses Blogs Gedanken zu Künstlern und deren Schaffen abzusondern. Darf  Otto Normalverbraucher dieses Recht für sich in Anspruch nehmen? Natürlich. Muss dies im Ambiente eines renommierten Musikmagazins erfolgen? Nicht unbedingt.

In der aktuellen Ausgabe der oben erwähnten Intro-Rubrik wird unter anderem auch die neue Platte der Ausnahmekönner Dälek durch den Kakao gezogen. Ausgewiesene Verfechter der Hochkultur, Frank Zander und Piet Klocke, geben ihren Senf ab und verteilen standgerichtliche Aburteilungen. Herr Zander nennt die Scheibe krank und Herr Klocke vermutet, dass die Band zuhause keinen hat, der zuhört. Soviel fachlich-tiefschürfende Analysen werden nur von der laut Intro getätigten Äußerung eines Mitglieds der Kaiser Chiefs übertroffen. „He sounds like a twat.“ urteilt Andrew White über den Sänger von Dälek. Unterste Schublade.

Brauchen wir Musikmagazine, die einer seriösen Rezeption von Musik entsagen? Wäre nicht viel mehr eine Qualitätsoffensive angebracht, die Musik nicht auf provokant aufbereitete Banalitäten reduziert? Das Recht auf die eigene Meinung sei jedermann unbenommen, aber Dilettanten auf die Bühne zu hieven, dies kann wahrlich nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Falls Intro dies anders sieht, hab ich zu guter Letzt noch einen Vorschlag parat: Fans von Tokio Hotel nehmen Mozart, Bach und Beethoven aufs Korn. Ein weiteres Bad in geschmäcklerischem Senf  – wohl bekomm’s!

Ach ja, seriöse Rezensionen zu Gutter Tactics wollen wir nicht unter den Tisch fallen lassen:

Kritik auf plattentests.de

Rezension auf laut.de

SomeVapourTrails