Schatzkästchen 97: Vlimmer – Körperkonstante (Songpremiere)

IDM in Zeitlupe, undergroundiges Zwielicht trifft auf lichte Synthie-Schauer. So stellt sich mir der Track Körperkonstante vor. Ich kann mir die Assoziation an ein von Kugelfesseln gehandicaptes Strafgefangenenballett nicht verkneifen. Durch die kleinen vergitterten Fenster beleuchtet ein Lichtblick in Form von Meteoritenschauer dieses gehemmte, von Tristesse und Isolation umgebene Tänzchen. Körperkonstante verkörpert trotz seiner wavig-düsteren Grundstimmung einen Moment verträumter Kontemplation. Fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Nummer von Vlimmer, einem Projekt des musikalischen Tausendsassas Alexander Leonard Donat, stammt. Vor mittlerweile zwei Jahren hat er sein auf 18 EPs ausgelegtes Projekt Vlimmer gestartet, mit den Doppel-EPs IIIIIIII​/​IIIIIIIII ist selbiges nun bei der Halbzeit angekommen. Sich solch ein Mammutprojekt vorzunehmen, ist die eine Sache, in dessen Verlauf jedoch mit der Aufgabe zu wachsen und nicht in Langeweile abzukippen, das verdient ganz große Anerkennung.  Weiterlesen

Schatzkästchen 55: Vlimmer – Erschöpfung

Wir sind es so sehr gewohnt, dass alles nach Schema F abläuft. Auch im Musikgeschäft. Alle zwei bis drei Jahre ein Album herauszubringen, scheint ein ungeschriebenes Gesetz der Branche zu sein. Im Mainstream ebenso wie im Indie-Bereich. Doch warum eigentlich? Wenn die Kreativität mehr ausspuckt, spuckt sie eben mehr aus. Werfen wir irgendein längst überholtes Business-Einmaleins endlich über Bord! Mit Musik ist ohnehin in der Regel recht wenig zu verdienen. Veröffentlichungen müssen also nicht danach getaktet werden, sie vollumfänglich auszuschlachten. Wer hundert Ideen im Kopf hat, Zeit und Muße findet, diese dann auf Band zu bannen, der soll all die Einfälle den Hörern vor den Latz knallen. An der britischen Formation SPC ECO schätze ich, dass sie im Monatstakt neues Single und EPs auf Bandcamp hochlädt. Warum denn auch warten, bis man genügend Lieder für ein ganzes Album zusammengekratzt hat?! Der werte Musiker und Tausendsassa Alexander Leonard Donat geht mit seinen vielen Projekten sogar noch einen Schritt weiter. Quasi jeden zweiten Monat kommt er mit EPs oder Platten um die Ecke, immer andere Genres beankernd, stets neue Akzente setzend. Das ist verdammt viel Futter für die Ohren, jedoch nie Fast Food. Denn jedes seiner Projekte besitzt eine ganz eigene Stimmung. So ist Feverdreamt auf exotischen Krautrock getrimmt, Fir Cone Children punktet mit quirlig-unbeschwertem Noise-Pop, Leonard Las Vegas offenbart sich als hochambitionierter Post-Punk mit Fokus auf Storytelling. Und Vlimmer ist ausgesprochen stimmungsvoller, fast sakraler Lo-Fi-Underground. Zu den im November letzten Jahres veröffentlichten EPs I und II kam mir damals folgendes in den Sinn: „Wenn es einen passenden Ort gibt, an dem man die Düsternis von Vlimmer vollauf genießen kann, dann muss das ohne Zweifel ein von Humanität abgeschiedener, dreckiger, finsterer Platz sein. Ein Raum, an dem die klaustrophobische Seele in aller Einsamkeit die Wände hinauf klettern kann, an dem jegliche Existenz surreal und leer erscheint.“

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