Schlagwort-Archive: Dave Gahan

Unsere liebsten Songs 2015 (26-50)

Heute will ich ohne große Ansprache den ersten Teil unserer 50 Lieblingslieder vorstellen. Natürlich sind wir keine Listenfetischisten, die aus der Reihenfolge eine Wissenschaft machen wollen. Die Nummerierung dient vor allem der Übersichtlichkeit! All die hier aufgeführten Songs wurden von uns 2015 gerne und viel gehört. Es würde mich sehr freuen, wenn zumindest ein paar dieser Tracks auch beim werten Leser Wirkung zeigen.

keepthevillagealive

26.) Stereophonics – C’est la Vie

Die Pub-Rock-Hyme des Jahres! Das Lokal, in dem diese Nummer ohne jedwede Resonanz durch die Boxen dröhnt, muss erst noch eröffnet werden! (Das Album Keep The Village Alive ist am 11.09.2015 auf Stylus Records erschienen.)

aforestofarms

27.) Great Lake Swimmers – The Great Bear

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Unsere liebsten Alben 2015

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit… Moment, der Platzhaltertext ist natürlich ein Scherz. Sogar zwischen den Feiertagen fällt mir ein Gedanke zum Musikjahr 2015 ein. Ich meine nämlich, dass Musik zwar nach wie vor eine große Rolle spielt, sie zugleich weniger wahrgenommen wird. Wir hören Musik, aber wie viele Lieder könnten wir zumindest im Refrain tatsächlich mitsingen? Wären wir tatsächlich noch in der Lage, die Intention unseres liebsten Albums des Jahres in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Ist es nicht fast erschütternd, dass die Texte, die sich den meisten Menschen einprägen, ausgerechnet aus schlimmen Genres stammen oder problematische Weltanschauungen verfechten? Zeilen aus Schlagern gehören zum Allgemeingut, auch die Protagonisten des Deutschrap haben genug Hörer, die an ihren Lippen hängen, selbst die Texte der völlig unsäglichen Frei.Wild finden willige Abnehmer. Wie aber sieht es mit den Heroen des Indie-Genres und den Kritikerdarlingen aus? Wer könnte Thees Uhlmann, Sufjan Stevens oder Julia Holter aus dem Effeff zitieren? Wir erleben eine Wahrnehmungskrise jener Musik, die für sich in Anspruch nimmt, wertvoll zu sein. Woran liegt das? Ich will es kurz machen, die Schuld teilen sich Künstler, Musikkritik und Hörer zu gleichen Teilen. Wenn Bands und Musiker soziale Netzwerke mit jeder Menge Fotos bespaßen oder mit allerlei Veranstaltungshinweise vollpropfen, dabei aber komplett vergessen, ihre Lyrics und/oder Gitarrentabulaturen zu verbreiten, dann dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn Hörer vielleicht lustige Schnappschüsse eher in Erinnerung behalten als die Inhalte der letzten Platte. Die Musikkritik wiederum wird sich mit Klickstrecken und der Ausrichtung auf Tablet und Smartphone zu Tode layouten. Dazu kommt noch die Facebook-Hörigkeit, die eine Platte mit wenigen knackigen Worten teasert. Rezensionen geraten oberflächlich, weil der Transport der eigenen Meinung über dem Verständnis einer Platte steht. Und dann wäre da noch der Hörer, dem Musik oftmals so wichtig ist, dass er sie gar nicht mehr käuflich erwerben muss. Nichts spricht gegen Streaming als Ergänzung zur CD-Sammlung. Ein Stream kann jedoch nie den Besitz einer Platte ersetzen, ihm fehlt jedwedes haptische Erlebnis, ihm fehlt der zeitliche Aufwand – ja generell der zielgerichtet Akt des Kaufs. Wir sehen also, die Krise ist umfassend! Und wird bestenfalls dort überwunden, wo die Musik Botschaften und Lebensgefühl mittransportiert. Das tut der Schlager, das tut leider auch Bushido. Wo also bleibt das Indie-Lebensgefühl? 2015 hat es trotz vieler toller Alben gefehlt. Doch genug geredet, hier nun unsere liebsten Platten!

1.) Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba – Ba Power

Bassekou-Kouyate-Ba-Power-Cover

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Wo zum Teufel steckt Ian Glover? – Dave Gahan & Soulsavers

Vielleicht vermute ich einen Krimi, wo gar keiner ist. Aber vorsorglich sollte man den Gärtner ersuchen, die Stadt nicht zu verlassen. Rekapitulieren wir zunächst die Fakten! Das englische Produzentenduo Soulsavers macht seit über 10 Jahren fabelhafte Alben, für It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land (2007) und Broken (2009) konnte man mit  Mark Lanegan einen echten Charismatiker für die Zusammenarbeit gewinnen, bei The Light The Dead See von 2012 trat mit Dave Gahan sogar die Ikone von Depeche Mode ans Mikro. Wo auf vergangenen Platten Gäste die Soulsavers gesanglich verstärkten und auch Lyrics beisteuerten, scheint beim neuesten Streich Angels & Ghosts vieles anders. Das fängt bereits damit an, dass es kein reines Soulsavers-Album mehr ist, stattdessen firmiert es als Dave Gahan & Soulsavers. Die Ergebenheit geht sogar noch weiter. Die Soulsavers sind eigentlich beim Label V2 beheimatet, welches mittlerweile zu [PIAS] Cooperative gehört. Für Angels & Ghosts sind die Soulsavers jedoch zu Columbia gewechselt,  was natürlich auch mit Dave Gahan zu tun hat. Insgesamt verstärkt sich der Eindruck, dass Gahan den Zampano gibt, dem das Projekt Soulsavers nun auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Zugegeben, einem Gahan hörig zu sein, ist wohl nicht die schlechteste Idee. Aber wer steckt eigentlich hinter dem Projekt Soulsavers? Bislang galt die auch in Wikipedia gemeißelte Wahrheit, dass sich dahinter das Duo Rich Machin and Ian Glover verbirgt. Wenn man sich jedoch die Pressetexte so durchliest, wird mit jedem Album weniger von Ian Glover gesprochen. Bei Angels & Ghosts findet sich weder in den Credits des Albums noch auf dem Waschzettel eine Silbe über Ian Glover. Es ist immerzu von Rich Machin beziehungsweise den Soulsavers die Rede. Auch auf den offiziellen Promofotos sieht man nur Gahan und Machin. Und beide schauen eher ungemütlich drein. Haben sie gar etwas zu verheimlichen? Hat schon jemand Herrn Machins Garten umgegraben? Wo zum Teufel ist Ian Glover?

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Photo Credit: SonyMusic

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Schlaglicht 28: Dave Gahan & Soulsavers

Das englische Produzentenduo Soulsavers, namentlich die Herren Rich Machin and Ian Glover, macht seit über 10 Jahren großartige Alben. Es ist gut damit gefahren, markante Stimmen an Bord zu holen. Für It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land (2007) und Broken (2009) hat man mit dem großen Mark Lanegan zusammengearbeitet, für The Light The Dead See von 2012 wurde Dave Gahan gewonnen. Das in wenigen Wochen erscheinende Album Angels & Ghosts setzt die Zusammenarbeit mit Gahan fort. So weit, so gut, möchte man annehmen. Allerdings irritieren mich ein paar Details. Etwa dass es diesmal Dave Gahan & Soulsavers heißt, Gahans Name das Werk somit dominiert. Oder der Umstand, dass Pressetext und Pressefoto nur noch Rich Machin als Gesicht der Soulsavers präsentieren. Wo zum Henker ist Glover abgeblieben? Seit der Kooperation mit Gahan exisitiert außerdem eine gesangliche Exklusivität, die weitere Gastsänger fernhält. Damit verliert das Soulsaver-Projekt ein Stück weit seinen Reiz. Andererseits lässt sich natürlich auch eines klar feststellen: Der Frontmann von Depeche Mode hat in der Arbeit mit den Soulsavers mehr als nur ein kleines Nebenprojekt gefunden. Schlaglicht 28: Dave Gahan & Soulsavers weiterlesen

Endlichkeit & Erlösung – Soulsavers

Manch Poet schreibt sich die Finger wund, um eine sorgfältig ausgeschmückte Geschichte, die ein Anliegen oder eine Weltanschauung vermitteln will, zu erzählen. Andere Dichter wieder greifen persönliche biografische Zäsuren auf, bändigen die ureigensten Ängste oder Sehnsüchte in Worte. The Light The Dead See, das neue Album der Soulsavers, fällt in die letztere Kategorie. Nach der in Broken (2009) mündenden Zusammenarbeit mit Mark Lanegan konnten Rich Machin und Ian Glover diesmal niemand Geringeren als Dave Gahan als Kollaborateur an Land ziehen. Gahans Lyrics und Gesang drücken diesem gravitätischen Pop-Album den Stempel auf. Der von schwerer Krankheit genesene Sänger scheut nicht davor zurück, über Endlichkeit und Erlösung zu sinnieren. Und so tritt das Werk aus dunkler Nacht in den lichtumrankten Tag, bricht dabei jedoch nicht in schieren Jubel aus, weil auch Ungewissheit bleibt.

Photo Credits: Steve Gullick

Bereits In The Morning versöhnt mit der Düsternis einer unruhigen, von Zweifeln beseelten Nacht, verspricht Geborgenheit („So I am nothing/ If I’m not with you/ In the morning we’ll forget this night somehow„). Die alles einhüllende, beängstigende Dunkelheit findet sich auch bei Longest Day wieder, wenngleich abgeschwächt, konturumformt durch den mächtigen, vollen Sound, der die Soulsavers weit weg von ihren elektronischen Wurzeln zeigt. Presence Of God macht dem Unbehagen Luft, verheddern sich in grüblerischen Beschäftigung („These thoughts torment me/ They mold and shape me/ There’s a man that I should be/ Or someone I could be„), zeigt Trotz. Quasi als Antwort auf alles schwingt sich Just Try zu einem dezent-süßen und trotz Ermattung der Erlösung und dem Glück huldigenden Stück mit Soul-Note auf. Gahan kommt zum Ergebnis: „You’ll have to believe in something/ Something bigger than you/ Like the great wide open spaces/ There’s religions too„. Mit dem Gospel-Track Take Me Back Home wird der Gedanken der Erlösung voller Sehnen fortgesponnen, scheint die Liaison zwischen den Soulsavers und dem Frontmann von Depeche Mode vollends gelungen.  Fast empfindet man die Herren Machin und Glover als Zeremonienmeister, die Gahans Neugeburt mit Geschick und Einfühlungsvermögen perfekt kanalisieren. Hat man seinen Gesang jemals zuvor derart in den Mittelpunkt gerückt erlebt wie bei dem auch als Lebensbeichte zu verstehenden Bitterman? Diese stimmliche Opulenz war mir nicht bekannt. In das selbe Horn stößt ein energisches, elegantes I Can’t Stay, welches die Tage gezählt sieht und davon ermutigt den Aufbruch wagt. „Take, take all you can/ From the life you’ve been given/ And stop making plans“ wird zum Credo des Liedes Take. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der frischgebackene Fünfziger Gahan in der Erkenntnis der Endlichkeit sinnstiftenden Trost findet, mehr noch die Kraft zur Veränderung. Mit dieser Einsicht wird der Hörer aus dieser Scheibe entlassen. Aus einem Album von ausgesprochen intimer Natur und ungeheurer Substanz, zugleich subtil, das Glück nicht mit der Brechstange in die richtige Bahn hebeln wollend.

Nach dem wunderbaren Vorgängerwerk Broken möchte ich den Soulsavers wirklich nicht zu nahe treten. The Light The Dead See ist allerdings weitaus mehr eine Schöpfung Gahans, die sie mitausformen durften, denn eine Platte der Soulsavers, die durch Dave Gahans Stimme lediglich veredelt wird. Doch einerlei, die Kollaboration zeitigt ein anspruchsvolle Platte, die das haushoch übersteigt, was man gemeinhin von Zusammenarbeiten erwarten darf. Der Sänger kehrt das Innerste nach außen, vollzieht die völlige Entfaltung, die Soulsavers wiederum scheuen sich nicht, einen Teppich an Orgeln und Streichern auszubreiten, chorale Schönheit zu versprühen. Was für ein Werk von ungemeiner Intensität und Strahlkraft! War Gahan denn schon jemals besser? Als Songwriter zweifelsohne und gesanglich wohl ebenso nicht. Darum ein Muss.

The Light The Dead See ist am 18.05.2012 auf V2/Cooperative Music erschienen.

Links:

Offizielle Homepage (Soulsavers)

Offizielle Homepage (Dave Gahan)

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