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Stippvisite 09/11/10

Die letzten Tage kam ich nicht zum Bloggen, da ich meiner Schwiegermutter in spe Berlin zeigen musste. Nun da sie die Heimreise angetreten hat, will ich rasch ein paar Empfehlungen von der Zunge schnalzen...

Konzerttipp:

Die Berliner Formation Mariahilff rund um Schauspieler Lars Rudolph ist eine poetische Ausnahmeerscheinung voll lebendiger Exzentrik, wie man sie einmal gehört nicht wieder missen möchte. Die 2009 erschienene, selbstbetitelte Platte zählt zu den charismatischsten Werken der letzten Jahre und ist eine Entdeckung wert. Am 10.11. spielt die Band im Heimathafen Neukölln, eine gute Gelegenheit eine exzellente, aufreizend schräge Band kennenzulernen.

Videotipp:

Bereits vor einem Monat habe ich auf den lieblichen Track Never Come Around hingewiesen, der als erster Vorgeschmack auf das 2011 erscheinende Debütalbum dienen soll.  Nun hat Katy Goodman mit ihrem Projekt La Sera auch einen Clip zu dem Song gedreht. Diesem humorig-trashigen Video darf man getrost seine Aufmerksamkeit widmen – und der kommenden Platte natürlich auch. (Mit Dank an Coast Is Clear für das Aufspüren des Clips.)

Never Come Around ist übrigens noch immer als kostenlose Mp3 hier verfügbar.

Downloadtipp:

Oasis hat ein Ende mit Schrecken gefunden. Nun darf man gespannt sein, was Liam Gallagher mit seiner neuen Formation Beady Eye so einfällt. Der Song Bring The Light steht am 10.11. ab 11.00 Uhr zum freien Download auf der offiziellen Webseite der Band bereit. Wir harren der Dinge, die da kommen mögen.

Entdeckertipp:

Eine Band aus Neuseeland läuft einem auch nicht jeden Tag über den Weg. Secret Knives verteilen soeben ihr Debütalbum Affection, welches man sich zum Beispiel hier kostenlos herunterladen darf. Wer flockigem Pop mit shoegaziger Note nicht die kalte Schulter zeigt, den vermag die Formation voll und ganz zu becircen. Ein heißer Tipp. (via Days Of Music)

Streamtipp:

Über Woodsman habe ich vor ziemlich genau einem Jahr bereits ein paar Worte fallen gelassen. Denen will ich jetzt spät aber doch weitere folgen lassen. Da bietet sich die jüngste Daytrotter-Session der Band aus Denver als Aufhänger an. Besonders der Track Balance, auf der Mystery Tape EP vom Juni 2010 aufzufinden, tönt psychedelisch-hypnotisch fein. Anhören!

Für heute will ich es bei dieser Handvoll Empfehlungen belassen, demnächst gibt es mehr, viel mehr.

SomeVapourTrails

Zwei Hochkaräter bitten zum Tanz – Justin Townes Earle / John Vanderslice

Zwei Hochkaräter bitten zum Tanz. Justin Townes Earle mit einer gelungenen, viel zu kurzen Daytrotter-Session, die Lust auf seine neue Scheibe macht. John Vanderslice mit einer kostenlosen EP.

Wir haben Justin Townes Earle bereits öfters erwähnt. Dieser Tage erscheint sein neuestes Werk Harlem River Blues. Wem der Country-Barde bislang noch immer kein Begriff ist, dem sei er hiermit nochmals, nachdrücklich wie eindringlich nahegelegt. Sein Vater, Steve Earle, ist ebensowenig ein Unbekannter wie Townes van Zandt, dem er seinen zweiten Vornamen verdankt. Damit wurde ihm ja eine Bürde in die Wiege gelegt, der er jedoch bislang mit Würde und Anstand gerecht wurde. Sein Zugang zu Country ist unverkrampft, nicht auf ein Verwerfen des Althergebrachten ausgelegt, textlich gut beobachtend, kitschfrei, nahe an den Realitäten. Zur nochmaligen Einstimmung auf sein Schaffen seien zwei Balladen empfohlen – und natürlich die neue Daytrotter-Session. Wir werden natürlich auch die aktuelle Platte ausgiebig besprechen. Das gebietet mein Faible für Herrn Earle.

Wenden wir uns nun einer Gratis-EP namens Green Grow The Rushes zu, die John Vanderslice soeben unter das Musikvolk gebracht hat.

Vanderslice ist eine Singer-Songwriter-Konstante. Er produziert kaum mal Vernachlässigbares. Ich habe auch sein letztes Album Romanian Names mit Freude gehört und mindestens zwei Tracks auf ewig ins Herz geschlossen. Von solch exorbitanter Qualität sind die hier vertretenen sechs Titel zwar nicht, aber das experimentelle Penthouse Window mit seiner grandiosen Klarinette gerät nur auf den ersten Blick zur Fingerübung und das von Sythies dominierte I’ll Never Live Up To You präsentiert den Liedermacher mit starken Lyrics. Lay Down ist der kompletteste Song dieser EP, allein – aber nicht nur – dieser Track lohnt bereits den Download von Green Grow The Rushes. Bitte hier dankbar zugreifen! (via das klinicum)

Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

Metric zu Gast bei Daytrotter

Wir glauben ja fest daran, dass Metric in jedweder Hinsicht eine durch und durch famose Band sind und Emily Haines DIE Frontfrau schlechthin darstellt. Das letzte Jahr erschienene Album Fantasies hat unseren Blog seitdem fast monatlich beschäftigt. Sei es nun durch neue Videoclips oder als essentieller musikalischer Bestandteil mehrerer Folgen von Grey’s Anatomy. Nun präsentiert Daytrotter die Tracks Help I’m Alive und Gimme Sympathy als gelungene Akustikversionen, die trotz weniger Wucht keinesfalls am Intensität einbüßen. Dies gilt speziell für Help I’m Alive. Wir wünschen viel Vergnügen mit den nach kostenloser Anmeldung gratis herunterzuladenden Tracks und nutzen die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass wir ab morgen die neuen Episoden von Grey’s Anatomy natürlich auch wieder musikalisch durchleuchten werden.

SomeVapourTrails

Stippvisite – 17/04/10

Es hat sich wieder einiges an Links angesammelt…

Lesetipp:

Ich bin ja nach wie vor skeptisch, wenn ich an die eben zu Ende gegangene re:publica 2010 denke. Das Problem mit einem Treffen der Bewohner des Netzes, die eben nicht in die Konsumentenrolle gedrängt werden wollen, sondern das Web selbst mitgestalten, liegt in gutgemeinten, aber eben auch falschen Ansätzen. Meiner Meinung nach geht es im Grunde nicht darum, ob Netzneutralität oder Datenschutz oder Meinungsfreiheit im Internet eine Rolle spielen. Eigentlich sind dies Selbstverständlichkeiten, die man sich zwar immer wieder einmal neu erkämpfen muss, letztlich jedoch Grundwerte darstellen, welche bei Meinungsführern immer genug Erregungspotential aufweisen, um Gegenströmungen zu etablieren und auch durchzusetzen. Die eigentliche Crux kann gerade die re:publica nicht lösen, nämlich wie man aus einer Horde von Lämmern Herdenführer macht, also die überwiegende Anzahl an passiven Konsumenten, die keinerlei Bewusstseinsbildung entwickelt haben, dass das Netz ein aktives Mitgestalten verlangt, aufweckt. Wie kann ein solches Treffen einer Elite dazu beitragen, dass es zu einer Solidarisierung im Internet kommt, der durchschnittliche Nutzer Verantwortung übernimmt und nicht hinter eine (vorgegaukelte) Anonymität zurücktritt. Und das ist nicht einfach mit einem Mitgrölen gelöst, wenn die Opinion Leader loskläffen. Dass gesalzene Eintrittspreise Otto Normaluser von einem Besuch der re:publica samt manchem Aha-Erlebnis abhalten, macht die Veranstaltung noch suspekter.

Die taz und Spiegel Online gewähren einen ungefähren Einblick in die Thematik des Treffens.

Hörtipp:

Horst von Hey Tube hat Drink Up Buttercup zu seinen Dark Horses 2010 gezählt. Eine neue Daytrotter-Session – die erste findet man hier – erlaubt einen Eindruck, warum die Band durchaus zu höheren Weihen befähigt scheint.

Lesetipp:

Last.fm wird in Zukunft kein On-Demand-Streaming mehr anbieten. Die Gründe und Auswirkungen hat die taz gut zusammengefasst. Prinzipiell lassen sich zwei Erkenntnisse daraus ableiten. Einerseits, dass es mit den meisten Internet-Startups den Bach runtergeht, sobald sie einem risiegen Medienkonzern einverleibt werden. Dadurch verliert sich auch das innovative Potential, man ist nicht mehr am Puls der Zeit, Experimente müssen erst lange Entscheidungsinstanzen abklappern, ehe sie genehmigt oder abgelehnt werden. Außerdem zeigt das Ende des kostenfreien Streamings, dass die Musikindustrie nach wie vor desperat auf der Suche nach dem Stein der Weisen scheint. Werbefinanzierung funktioniert letztlich aus mehrerlei Gründen nicht oder höchstens im Ansatz. Und das Entdeckungspotential, das in der Verfügbarkeit von gezielt ausgewählten Streams liegt, die eben nicht auf 30 Sekunden eingedampft sind, wird auch negiert. Last.fm hat in der Anfangszeit viel richtig gemacht, aber bereits vor dem Verkauf an CBS wurden genug Fehler begangen. Dank der momentanen Strategie wird Last.fm weiter an Bedeutung verlieren. Es verkommt zum personalisierbaren Radio – das ist nun wirklich nichts weltbewegendes mehr.

Entdeckertipp:

Wirklich guter, frischer Pop kann auch Sprachbarrieren durchbrechen. Das beweist mir das schwedische Ensemble Symfoniorkestern. Der Song Den Lilla Flykten ist herrlich frühlingshaft und luftig. Entdeckt habe ich die Band bei Days Of Music und Eardrums, der auch verrät, wo es das Lied als kostenlose Mp3 gibt.

Videotipp:

Manch Clip braucht keine großartige Idee oder komplizierte Handlung, ein gutes Musikvideo lebt auch davon, dass es die Stimmung der Musik widerspiegelt. Das tut Northern Lights von Bowerbirds wirklich gekonnt, da wird kein unnötiges Larifari hineingeheimst.

„Northern Lights“ by Bowerbirds from Secretly Jag on Vimeo.

Den Track kann man sich kostenlos auf Label-Seite von Dead Oceans herunterladen.

Downloadtipp:

Sarah Jaffe ist ein US-amerikanische Singer-Songwriterin, der man mit dem neuen Album Suburban Nature einen Durchmarsch in die Erfolgsgefilde zutrauen darf. Die besten Argumente für meine These sind Gratis-Downloads, die hier oder auch im Magnet Magazine verfügbar sind.

Viel Vergnügen mit unseren Tipps!

SomeVapourTrails

Stippvisite – 16/03/10

Und wieder soll abgehandelt werden, was die werten Bloggerkollegen erwähnen, die Fachpresse mehr oder minder klug schwätzt und Musiker und Bands so abliefern…

Genusstipp:

Wenn Bonnie ‚Prince‘ Billy Daytrotter seine Aufwartung macht, darf man durchaus zentnerschwere Qualität erwarten. Freilich wird man dabei nicht enttäuscht.

Vorfreutipp:

James aus Manchester veröffentlichen im April ihr neues Album The Night Before. Dass es die Band in all den Jahren nie in die erste Reihe geschafft haben, liegt wohl auch am dümmstmöglichen Namen für eine Band. Aber die Musik ist mit das Beste, was Großbritannien so zu bieten hat.

Entdeckungstipp:

Foto: Bart Pettman

Aufgepasst, Freunde der deftigen Töne. Castrovalva schreien sich die Seele aus dem Leib – und das ist gut so. In wenigen Wochen erscheint das Album We Are A Unit. Und wer es auf die harte Tour mag, der sollte sich die kostenlosen Mp3s Donut und Pump Pump zu Gemüte führen. Wir werden die Herren demnächst noch ausgiebiger vorstellen. Und meine werte Co-Bloggerin DifferentStars wird mich angesichts des Lärms, den sie dann ertragen muss, wohl verfluchen…

Diktiertipp:

Seit einigen Tagen wollte ich schon Emit Bloch an dieser Stelle erwähnen, doch trotz interessanter Ansätze konnte mir der Herr nicht die absolute Begeisterung abringen. Nun hat sich das klienicum der demnächst erscheinenden Scheibe Dictaphones Vol. 1 angenommen. Dieser alternative Lo-Fi-Zugang zu Country und Bluegrass ist zweifellos nicht nach jedermanns Geschmack, sollte aber dennoch einer Entdeckung unterzogen werden.

Lesetipp:

Verkümmert das Gehör durch Mp3-Dateien? Was so reißerisch klingt, als wäre die Bild wieder investigativ tätig geworden, ist als ernste Frage in der Futurezone des ORF gestellt. Trotz des Versuchs einer wissenschaftlichen Unterfütterung der These bleibe ich skeptisch.

Hörtipp:

J Dilla mag gestorben sein, aber Material, welches es noch zu veröffentlichen gilt, scheint reichlich vorhanden. Via Prefix habe ich seine instrumentale Interpretation des 80er-Klassikers Safety Dance gefunden. Beste Hintergrund-Musik für die U-Bahn-Fahrt zur Arbeit!

Videotipp:

Julian von DieKopfhörer hat mich auf ein Video von Emmanuelle Seigner aufmerksam gemacht. Dingue ist ein wirklich feiner Song, und Frau Seigner anzusehen tut auch nicht weh.

Geheimtipp:

Eine Band, von der man noch viel hören wird, ist Pacific Theater. Als Appetithappen sei auf den Album-Stream von Animals At Night auf Last.fm verwiesen, wo es auch noch 2 kostenlose Downloads gibt. Insbesondere der Song Lions ist eine feine Nummer. (Gefunden bei The End of Irony)

Lions from Whale Heart Records on Vimeo.

Vorhörtipp:

Laura Marling bringt demnächst das Album I Speak Because I Can heraus. Und da ich das Talent der Dame nicht gering bemesse, waren meine Erwartungen durchaus hoch geschraubt. Der Album-Stream auf Times Online bestätigt die Ansprüche auch. Unbedingt zurücklehnen und lauschen!

SomeVapourTrails

Free Mp3s: Bonobo – We Could Forever + Echo & The Bunnymen – Daytrotter-Session (und mehr)

Demnächst erscheint Black Sands, das neue Werk des Briten Simon Green aka Bonobo. Mit seinen Electronica-Sounds, die man dem Downtempo zuordnen kann, vermochte er auf Animal Magic und Dial ‚M‘ For Monkey sehr zu beeindrucken. Leider hielt das 2006 erschienene Album Days To Come das hohe Niveau über weite Strecken nicht. Die ersten Hörproben aus Black Sands versprechen freilich so einiges. Und obzwar das Jahr 2010 bereits zahlreiche Leckerbissen für die Freunde von Beats und Samples im Köcher hatte, ließe sich ein weiteres formidables Album durchaus ertragen. Auf NME ist der Track We Could Forever als kostenloser Download erhältlich.

Black Sands erscheint am 26.03. bei Ninja Tune.

Auch von einem anderen Electronica-Magier gibt es derzeit einen Remix als Gratis-Download. Four Tet hat sich Stick To My Side von Pantha du Prince angenommen. Den Link dazu findet man hier.

Das Original von Pantha du Prince hört und schaut sich übrigens so an:

Kommen wir nun noch zu einer Daytrotter-Session, die Ian McCulloch, Frontmann von Echo & The Bunnymen, aufgenommen hat. Dabei fokussiert er sich vor allem auf Songs aus dem letztes Jahr zu Unrecht ein wenig untergegangenen Album The Fountain. Wer diese Scheibe irgendwie verpasst hat, kann sich von der wirklich tollen Qualität überzeugen. Think I Need It Too ist wirklich ein schöner Song, dasselbe gilt für den Titeltrack. Beide sind auch in der kostenlos erhältlichen Daytrotter-Session zu hören.

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Fein abgehangene Stimme mit Falten und Rissen – Kris Kristofferson zu Gast bei Daytrotter

Die Knurrigkeit des Alters führte bereits bei Johnny Cash zu edlen, für immer in Erinnerung verhafteten Ergebnissen. Und auch die restliche Garde der exzellent gealterten Country-Barden liefert in letzter Zeit gediegene Spätwerke ab. Auch wenn selbigen die Dimensionen der monumentalen American Recordings fehlen, bemerkens- und bestaunenswert sind sie allemal. Kris Kristofferson darf sich mit seinem neuen Album Closer To The Bone in die illustre Riege einreihen. Ohne Brimborium wird eine fein abgehangene Stimme mit all ihren Falten und Rissen und dennoch ungebrochenem Charisma auf den Hörer losgelassen. So gestaltet wandelt Country zielsicher in eine kitschfreie Zone.

closertothebone

Die in den vergangenen Wochen so absolut hochkarätigen Daytrotter-Sessions erfahren mit dem Auftritt Kristoffersons eine wiederholte Krönung. Welch begnadete Sänger und Bands sich hier die Klinke in die Hand geben, das verdient uneingeschränkt gezollten Tribut.

Ich kann jedem Musik-Enthusiasten die knorrige Wohlgestalt von Closer To The Bone nur wärmstens empfehlen. Ein Entdecken lohnt und wird nicht nur Puristen in Faszination versetzen.

Links:

Daytrotter-Session

Besprechung auf www.DieKopfhoerer.de

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Begehrliche Spärlichkeiten – Shelley Short

Oft bedarf es lediglich einer Stimme und kalkuliert spärlicher Instrumentierung, um die Begehrlichkeit des Erlauschens zu wecken. So wie ein streng den Regeln der Grammatik und Rechtschreibung abgerungenes Geschreibsel noch lange nichts über Inhalt oder Wirkung kundtut, ebenso braucht es keine komplexen Melodien, wenn die Simplizität des Ausdrucks blendend funktioniert. Eben dies darf man der US-amerikanischen Singer-Songwriterin Shelley Short bereits über weite Strecken ihres Albums A Cave, A Canoo bescheinigen. Die aus Portland im Bundesstaat Oregon stammende Musikerin wartet mit sorgsam arrangiertem Folk auf, der nicht nachäfft und phasenweise gelungen zeitlos wie altmodisch anmutet. Klug und effektiv vermeidet Short jeglichen Ballast und zieht damit den Hörer in den Bann.

ShelleyShort
Suchbild: Wo versteckt sich die Sängerin?

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dies ist eine selten unspektakuläre Platte, deren Intention Liebhaber von Folk, Alternative Country oder sogar filigran gepolten Pop zu umgarnen weiß. In A Cave, A Canoo finden sich keine kunstvoll aufgebrezelten Texte oder Botschaften, es fehlen erinnerungsschwere Harmonien und selbst die glockenhelle Stimme zeigt keinerlei Charakteristika, welche besonderen Wiedererkennungswert aufweisen. Doch nichtsdestotrotz schwelgt das Album innerhalb klar definierter Grenzen des Machbaren in einer tagträumerischen Versunkenheit, die man gern mit den Attributen lieblich und gedankenvoll auskleiden darf.

ACaveACanoo

Eine der schlichten Attraktionen der CD ist Familiar, in dem der Gesang wie ein Echo von prägnanten Streichereinsätzen oder E-Gitarre verstärkt wird. Mit geringen Mitteln wird eine wirksame Atmosphäre erschaffen, die sich aus feinen Nuancen speist. Oder nehmen wir den Song A Cave, auf dem ein leierndes Bar-Piano das sperrig antiquierte Geträller Shorts vorantreibt. Ganz klassisch in schwermütiger Tradition verhaftet mündet Mockingbird in ein im wahrsten Sinne des Wortes pfiffiges Solo. Jedes Lied birgt sein eigenes Kalkül, verziert mit einem anderen Reiz. How Was The Water? ergreift mit für Dream-Pop typischem Gitarrengeschrammel, während Hard To Tell im Ambiente einer Seemannsballade schippert. Dies Kolorit feinster Schattierungen lädt zu vielerlei Entdeckungen ein, nimmt mit jedem Hördurchlauf an Fahrt auf.

Shelley Short besticht als Musterbeispiel für sehr durchdachtes,  feinsinniges Songwriting, an dessen konsequenter Umsetzung sich viele Singer-Songwriter mit eindringlicherem Organ oder zarterem Händchen für Melodien mehr als nur ein Scheibe abschneiden können. Vor dieser Finesse ziehe ich den Hut und empfehle die Dame als Lehrbeispiel uneingeschränkt weiter. A Cave, A Canoo werden Connaisseure zu schätzen wissen.

Via Hush Records gibt’s den Free Download von A Cave.mp3.

Tourdaten:

08.11.09 Genf (CH) – L’Usine
10.11.09 Leipzig – Galerie D21
11.11.09 Frankfurt – Ponyhof
12.11.09 Berlin – Schokoladen
13.11.09 Köln – Limes Club

Link:

MySpace-Auftritt

Schallgrenzen-Besprechung mit Gratis-Download

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Bilanz einer Songwriterin – Carly Simon

Was macht man im Herbst einer langen Karriere? Neben dem Versprühen von Altersweisheit darf ab und an auch Bilanz gezogen werden. Und dies tut derzeit Carly Simon auf dem soeben in den Staaten veröffentlichten Album Never Been Gone, auf welchem sie Neuinterpretation ihrer größten Erfolge mit veränderten Arrangements wagt. Sie wirkt in Würde gealtert, stimmlich abgeklärt. Das Album mit einem wahrlich unschmeichelhaften Cover-Bild ist zweifelsohne mehr als der simple Versuch, noch den einen oder anderen Dollar in die Kasse zu hieven. Insgesamt mögen zwar manche Lieder Kilometer hinter den Originalen hinterher hinken und freilich wäre eine noch harschere Reduktion ein radikalere Standortbestimmungen gewesen, dennoch wirkt die CD durchaus als mit einem Hauch Melancholie verbrämte Erinnerung an große Zeiten. Boys In The Trees und Anticipation sind als Anspieltipps empfohlen, auch das unvermeidliche You’re So Vain klingt nach wie vor kräftig, wenngleich nachvollziehbarerweise die Greifbarkeit der Wut fehlt.

NeverBeenGone

Wer eine Neuerfindung erwartet und mit dem Werk Simons noch nie etwas anzufangen wusste, dürfte auch mit Never Been Gone nicht auf den Geschmack kommen. Wohlmeinende Fans dagegen werden Anerkennung nicht verhehlen können. Wer sich mit Carly Simon bislang nicht näher beschäftigt hat, der erhält derzeit ausgiebige Gelegenheit ihr zu lauschen.  Dazu geeignet ist einerseits die aktuelle Daytrotter-Session, und natürlich auch der Album-Stream auf ihrer Webseite. Viel Vergnügen dabei!

Gegen die Bekanntgabe seiner E-Mail bekommt man auf der Homepage die kostenlose, legale Mp3 von Let The River Run.

Link:

Daytrotter-Session

Offizielle Webseite

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Und wieder ein starkes Stück Daytrotter

Die werten Stammleser unseres Blogs werden es kaum glauben mögen, aber auch der männliche Schreiberling dieses Blogs ist fehlbar. Selbst meinen sorgsam austarierten Ohren, die als Horchposten quer um die Welt nach großer Musik fahnden, entgeht mitunter die eine oder andere Anbetungswürdigkeit. Natürlich ist mir Jason Molina als Mastermind von Magnolia Electric Co. ein Begriff, aber irgendwie sperrte ich ihn stets in die Kategorie eines guten, aber eben nicht überragenden Songwriters. Aus dieser Schublade will ich ihn hiermit feierlich schubsen und mich überaus angetan von seiner neuen Daytrotter-Session zeigen. Was für eine einmalige Gelegenheit seine Musik vertiefend zu ergründen – und für wunderbar zu befinden. Zeitloser, kraftvoll bis nachdenklich vorgetragener Rock, der countryneske Einflüsse nie verleugnet, gehört schon immer zu meinen Steckenpferden. Und nun findet sich eben ein Gaul mehr in meinem Stall. Gerade heute hüten ich und meine Co-Bloggerin krankheitsbedingt das Bett, da gerät Magnolia Electric Co. zum Balsam für die wunden Kehlen.

Magnolia-15
Foto von Will Claytor

Link:

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