Rein ins Auto, ab ans Meer, Gedanken baumeln lassen – Der Nino aus Wien

Der Müßiggang an den Küsten der Adria hat für Österreicher – und speziell für Wiener – eine lange, lange Tradition. Noch zu Kaisers Zeiten flanierten Künstlern durch Triest, auch der gemeine Proletarier vergnügte sich in den Siebzigern und Achtzigern gern in Jesolo oder Caorle. Dass sich also der von mir sehr geschätzte Liedermacher Der Nino aus Wien in dortigen Breiten zur EP Adria inspirieren hat lassen, greift also eine Tradition auf, die in Zeiten des von Ryan Air propagierten Cityhoppings herrlich altmodisch wirkt. Rein ins Auto, ab ans Meer, Gedanken baumeln lassen. Der Charme dieser Idee entfaltet auf dieser sechs Lieder umfassenden EP vollste Wirkung.

nino_presse

 Weiterlesen

Unsere liebsten Songs 2015 (1-25)

Nach dem ersten Teil unserer Lieblingslieder mit den Plätzen 26-50 folgt nun der zweite Teil unserer liebsten Songs des Jahres 2015. Samt Spotify-Playliste, die immer 47 der 50 Titel beinhaltet. Doch genug der Worte, stürzen wir uns ins musikalische Getümmel!

radio-elvis-juste-avant-la-ruee

1.) Radio Elvis – Goliath

Goliath ist nicht weniger als phantastisch, weil es markanten, durchaus an französischen Chansonniers orientierten Gesang mit melodischem und zugleich erstaunlich robustem Indie-Rock verbindet. Die Band ist für mich die Entdeckung des Musikjahres. Und Goliath ist das Lied, dass ich auf immer mit 2015 verbinden werde! (Die EP Juste avant la ruée ist am 09.03.2015 auf PIAS erschienen.)

Wanda Bussi Albumcover ©Vertigo Berlin

2.) Wanda – Bussi Baby

 Weiterlesen

Meister der Milieupoesie – Der Nino aus Wien

Eines der Probleme der Musik unserer Tag liegt im Umstand begründet, dass schon aus einem globalen Denken heraus hautpsächlich auf Englisch gesungen wird. Die Popkultur scheint völlig von dieser Sprache geprägt. Nichts liegt mir ferner, als das zu verteufeln. Sofern man jedoch kein Muttersprachler ist, wird man zwangsläufig so texten und singen, wie man es sich abgeschaut hat. Dialektfärbungen, Milieubezüge und damit verbunden auch Authentizität bleiben dabei auf der Strecke. Eben darum braucht es Liedermacher, die die eigene Muttersprache als Kulturgut pflegen. In Österreich hat sich binnen weniger Jahre Der Nino aus Wien als Verfechter der Wiener Seele etabliert. Seit dem Plattendebüt 2008 hat er Album für Album die Mentalität der Hauptstadt in immer neuen Facetten ausgeleuchtet. Er setzt die Tradition des Wienerliedes ebenso fort wie den Austropop des frühen Ambros oder Georg Danzer. Wer Wien abseits touristischer Klischees begreifen möchte, sollte in die von Nino Mandl gezeichneten Milieus der Strizzis, Ta­chi­nie­rer und Philosophen des Gemeindebaus eintauchen. Gelegenheit dazu bietet Immer noch besser als Spinat, eine jüngst veröffentlichte Werkschau.

 Weiterlesen

Neues zur österreichischen Seele – Der Nino aus Wien

Ganz Europa sinniert gerade über die österreichische Seele – und das nicht ohne Grund! Österreich ist abseits aller Klischees ein Buch mit sieben Siegeln – nicht bloß, aber speziell für den deutschen Nachbarn. Österreich scheint in seiner Mischung aus Lebensfreude und Morbidität, aus ornamentalem Gestus und grundsätzlicher Raunzerei sowohl Insel der Seligen als auch morastiger Sumpf. Das im Ausland vermittelte Österreichbild wird außerdem vielfach vom Wiener Mikroklima dominiert, dazu gesellen sich ab und an noch ein paar Bergvolkmythen. Aber so wird man der überraschenden Vielfalt keineswegs gerecht. Auf kleinstem Raum beherbergt Österreich verschiedenste Temperamente und kulturelle Ausprägungen, die sich in ihrer Gegensätzlichkeit durchaus mit den Unterschieden zwischen Ostfriesland und Bayern messen können. All das darf man nicht vergessen, wenn man sich mit einem jungen österreichischen Liedermacher namens Der Nino aus Wien beschäftigt. Man sollte sich also nicht an der Sprachfärbung festbeißen, gar den Dialekt belächeln, vielmehr den beiden Alben Bäume und Träume mit Neugier begegnen. Hier begegnet Austropop ursprünglichster Ausprägung Indie-Pop-Rock. Larmoyante Tiefschürferei trifft auf eine dadaistische Momente, jugendlicher Überschwang auf eine Poesie im Fluss. Manch Anleihen an das Liedermachertum von Georg Danzer oder Ludwig Hirsch sind unüberhörbar. Der Nino aus Wien steht auch für ein Österreich, das irgendwo zwischen Heurigenseligkeit und Nestbeschmutzung sein Glück findet.

derninoauswien0456_04

 Weiterlesen