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Stoßseufzer und Willkommensfähnchen – DJ Shadow

Wenn man einmal in kollektive Ungnade fällt, ist es verdammt schwer, Herzen neu zu erobern. Ohne das Schlüpfen in ein Büßergewand geht gar nichts. Meines Wissens hat DJ Shadow eben dies nicht getan. Sein Album The Outsider bedeutete den Knackpunkt der Karriere. Galt er bis dahin als Meister der Samplings und des instrumentalen Hip-Hop, bot The Outsider ein Mischmasch an Genres von mainstreamhaften Pop-Rock à la Coldplay (You Made It) über ein gänzlich absurdes Shakespeare-für-Arme-triff-Irish-Folk-Elfe (What Have I Done) bis hin zu der Menge an hibbeligem Rap, für den viel zu viele Gäste vors Mikro gebeten wurden. Von diesem Flop hat sich DJ Shadow kaum erholt. So sehr er in der ersten Hälfte seiner Karriere mit Lob überschüttet worden war, so durchschnittlich wird sein Schaffen seit The Outsider wahrgenommen. Mit der jünst veröffentlichte Platte The Mountain Will Fall vermag sich Josh Davis nun fast vollständig zu rehabilitieren. Der lange abhandengekommene Flow scheint wiedergekehrt. Als zweites Endtroducing….. überzeugt das Album zwar nicht, dazu fehlt es an der Leichtigkeit, wirkt die Chose mitunter doch sehr ertüftelt, in puncto Kohärenz knüpft es aber wieder an das Debüt von 1996 oder The Private Press (2002) an. Endlich, möchte man stoßseufzen!

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Photo Credit: Derick Daily

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Schlaglicht 55: DJ Shadow

Der Fluch der großen Tat! Jeder, der die Neunziger abseits musikalischen Mainstreams verbracht hat, wird noch heute Loblieder auf das Album Endtroducing… singen. Die 1996 veröffentlichte Platte war nicht weniger als ein echter Meilenstein der Electronica und des instrumentalen Hip-Hop und ihrem Schöpfer DJ Shadow ein Debüt für alle Ewigkeit gelungen. Auch danach blieb der sich durch die Musikgeschichte sampelnde Kalifornier ungemein kreativ. Zusammen mit James Lavelle fabrizierte er als UNKLE das großartige Werk Psyence Fiction. Und als wäre das nicht schon Genialität genug gewesen, erschien 2002 mit The Private Press ein zweites Studioalbum. Speziell der Track Six Days mit dem kongenialen Video Wong Kar-Wais ist bis heute unvergessen. Die elektronische Musik hatte ihr großes Mastermind! Von nun an ging’s bergab. The Outsider von 2006 bescherte der Fangemeinde eine veritable Enttäuschung. DJ Shadow hatte zur Zusammenarbeit geladen und viele waren gekommen, zu viele. „Here, ultimately, the DJ remains resolutely in the background. And that was never the point.“ urteilte NME. „It’s hard to imagine anyone going for the whole album, because it doesn’t hold together.“ schrieb die New York Times. Wer die gesammelten Kritiken zu The Outsider auf Metacritic durchstöbert, merkt rasch, dass sich DJ Shadow mit dieser Platte keinen Gefallen getan hat. Auch zehn Jahre später vermag sie nicht zu überzeugen. 2011 sah schließlich die Veröffentlichung von The Less You Know, The Better, das den geschätzten Meister aus meiner Sicht teilweise rehabilitierte. So wusste etwa das wuchtig-bullige I Gotta Rokk völlig zu überzeugen.

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Stippvisite 15/11/11 (Was einen nicht kält lässt, wärmt schon mal das Herz)

Blogtipp:

Der geschätzte Kollege von Hey Tube hat zu einer Abstimmung über Die besten Musikblogs 2011 aufgerufen. Nun halte ich es für problematisch, wenn Hinz und Kunz über etwas abstimmen sollen, wovon sie keine wirkliche Ahnung haben. Uns wird ja bei diversen Wahlen stets vor Augen geführt, dass die größten Knallchargen in der Regel die meisten Stimmen bekommen. Ein Votum kann immer nur das Populäre abbilden, kaum das Beste. Allerdings sollte der mündige Leser von Musikblogs auch nicht vor Amateuren kapitulieren. Nicht jede knallbunte Seite mit Musikclips und ein paar kurzen Sätzen im Pennälersprech scheint wirklich dazu angetan, über Musik kompentent, zumindest aber charmant zu informieren. Ei freilich darf es harmlos nette Blogs geben, aber man muss sie ja nicht gleich mit Gütesiegeln überhäufen. Die Nutte, die einem einen guten Blowjob verpasst, ist ja auch nicht gleich Miss Universe.

Es gibt verdiente Blogs, die sich für Musiker und kleine Labels den Arsch aufreißen. Oder mit enormer thematischer Bandbreite punkten, oft auch sprachlich glänzen. Einige der geschätztesten Kollegen habe ich in unserer Blogroll verewigt. Nur so als Wink mit dem Zaunpfahl.

Videotipp:

Als großer Fan von DJ Shadow habe ich bisher noch nicht durchringen können, etwas zu seinem vor wenigen Wochen erschienenen Album The Less You Know, The Better (VÖ: 30.09.2011 auf Island) auf den Blog zu kleckern. Hauptsächlich deshalb, weil der werte Herr eine eigentlich nicht besonders stimmige Platte mit ein paar hervorragenden Tracks bestückt. Nach dem in jeder Hinsicht unbefriedigenden The Outsider (2006) scheinen die guten Geister endlich wieder zu DJ Shadow zurückgekehrt zu sein, zumindest auf Teilzeitbasis. An Tracks wie dem wuchtig bulligen I Gotta Rokk, einem aberwitzigen Give Me Back The Nights oder dem martialischen Border Crossing will ich keinen Jota bekritteln. Entspannter gibt sich der nette Titel Scale It Back mit Vocals von Little Dragon. Und zu selbigem existiert ein gelungen seltsames Video.

Downloadtipp:

Ja, zugegeben, es ist mir ein bisschen peinlich, wenn eine meiner Lieblingsbands etwas veröffentlicht und ich davon erst auf einem anderen deutschen Blog erfahre.  Dass amerikanische wie britische Blogs und Magazine zuerst davon Wind bekommen, geschenkt! Aber wenn die Veröffentlichung schon den einen oder anderen Monat auf dem Buckel hat, dann hab ich schlichtweg nicht aufgepasst. Die Rede ist von Clem Snide und der EP Clem Snide’s Journey (VÖ: 29.07.2011). Mastermind Eef Barzelay zählt zu den verkannten Könnern, er kann sogar einem Sonnenaufgang auf einem Parkplatz von Walmart noch eine schöne Seite abgewinnen. Das letztjährige Album The Meat of Life rangierte auf Platz 2 meiner Bestenliste 2010, der Song I Got High war für mich das beste Lied des Vorjahres. Ich bin also waschechter Bewunderer von Clem Snide. Und die mit sechs Coverversionen der US-Band Journey gespickte, bereits im Sommer veröffentlichte Miniplatte beweist, dass Barzelay eine feine Arbeit als Exorzist leistet. Wie er aus 80er-Jahre-Rock-Trash einen brauchbaren Kern herausschält und diesen in ein neues Gewand packt, das imponiert mir sehr. (via mixahula)

Der Song Any Way You Want It ist auf betterPropaganda als kostenloser Download verfügbar.

Veröffentlichungstipp:

Es gibt Label, die mag man eben. Zum Beispiel das Leipziger Label analogsoul. Weil Musik hier mit Sorgfalt und Ernsthaftigkeit begegnet wird, jedoch ohne elitäres Gehabe oder angestrengte Überintellektualität. Nun muss die Formel Seriöse Menschen machen seriöse Sachen nicht zwangsläufig einen vor Genialität strotzenden Katalog hervorbringen, aber analogsoul liegen überwiegend richtig. Das unterstreicht auch die am 02. Dezember erscheinende EP Yes my friend but what is von Mud Mahaka. Als ersten Vorgeschmack liegt ein Clip zum Track Yes vor. Wir werden die EP demnächst noch näher vorstellen, wollen heute vorläufig dem vom Pressetext verliehenen Prädikat Post-Pop nicht widersprechen. (via analogsoul blog)

Entdeckertipp:

Frei nach dem Motto Was einen nicht kält lässt, wärmt schon mal das Herz. Es gibt Lieder, deren Schönheit man sich nicht entziehen kann und wohlig in die Seele inhaliert. Von dieser Qualität zeigt sich mir der Track Everlasting Evening, den der Brooklyner Musiker Tristan O’Donnell unter dem Namen Guilty Ghosts in Kooperation mit Sea Oleena fabriziert hat. Ein fein ätherischer Song, dem guten Debüt Veils entnommen. Unbedingt erlauschen! (via Schallgrenzen, natürlich!)

Das soll es für heute auch schon wieder gewesen sein. Demnächst – wie immer – mehr…

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)