Schlagwort-Archive: Dream Folk

Gralshüterin der Melancholie – Hope Sandoval & The Warm Inventions

hopesandoval

Während die Hektik alltäglicher Bruchstücke sich in ein Puzzle von Geschäftigkeit fügt, Wochen ohne Spuren ineinander strömen, die geordnete Funktion der Abläufe eine Routine züchtet, die für ihr Tagwerk Träume als Fußabstreifer nutzt, während all dies so wohldosiert das Dasein dominiert, währt die Suche nach Trutzburgen und Rückzugsgebieten, in welchen sich das erodierte Sentiment melancholischer Verträumung in unserem Fühlen neu verästelt. Eben jene Augenblicke in unserer aller Leben, wenn Zeit einen Stillstand erfährt, schwingen nach, sind Gegengewicht zur Schnelllebigkeit.

Hope Sandoval umgarnt mit ihrem neuen Album Through The Devil Softly eben die Musikfreunde, welche das Heil einer konzertierten Alltagsflucht im Hören edelster Klänge finden. Sie bestrickt mit verhuschtem Gesang, der die Fenster der Seele mit sachter Seide verhängt, alle überbordenden Eindrücke aussperrt und in dieser Kammer eine Essenz der Gefühle in flüchtigen Schwaden schweben lässt. Surrealisierte sie früher dank losgelöster Stimme als Protagonistin der Band Mazzy Star, so ummanteln nun The Warm Inventions, angeführt von Colm Ó’Cíosóig, die sphärische Intimität. Nahtlos nimmt Sandoval den Faden des Debütalbums Bavarian Fruit Bread auf und spinnt das traurige Ebenmaß weiter.

Die gespenstischen Echos von Unwirklichkeit segeln in sanften Wellen durch rätselhafte Gefilde, nicht greifbare, entrückte Wogen, die märchenhaft flüstern und schäumen. Rund um den wispernden Gesang geistern vor allem Gitarre und Harmonika, doch verdichten sich manch Lieder zu fülligen Balladen, auf deren Rundungen die Könnerin haucht, murmelt und diskret raunt. Und immer lauert ein Schatten auf ihrem Timbre, dessen Stachel schwermütig die hellen Töne sämtlicher Instrumente sticht. Dornenverrankt, von verwunschenem Liebreiz verziert, so fremd den Dingen, die nicht dem eigenen Emotionskosmos angehören, präsentiert sich Through The Devil Softly jedoch nie verzweifelt oder in Schockstarre vermodert. Es taucht ein Schimmer in die Tristesse, den die Gralshüterin der Melancholie grazil umkreist.

Die Magie einer Zeitlosigkeit umschmiegt die 11 nuancenreichen Songs. Blanchard und auch For The Rest Of Your Life erinnern von der Grundstimmung und Instrumentierung her an Mazzy-Star-Glanztaten. Schillernd wie zu Zeiten eines David Roback jault hier die Gitarre, während die akkustische Textur von Wild Roses die Art filigranen Charmes entfaltet, der bereits die Vorgängerplatte in Beschlag genommen hat. Die bluesige Anmutung im Vortrag von Trouble mit der Zeile „The trouble is that the trouble says:  There’s trouble in you.“ gerät ebenso zu einer Wonne wie das von Percussion und Saitengezupfe getragene Fall Aside, welches in seiner lebendigen Manier Referenzstück für die Kategorie Dream Folk scheint.  Das verrauschte, an Meeresgetöse erinnernde Satellite schaukelt sanft eine Platte aus, die über gesamte 50 Minuten lang eine Transzendenz in ein Traumland ewiger Berückung vollführt und die Stimme einer einzigartigen Sängerin auf einer Gefühlsklaviatur spielen lässt, die kein Alltag je erreichen mag.

Infos zu kostenlosen Downloads hier und da und dort erhältlich.

hope_cover

Label: Nettwerk

Tracklist:

1. Blanchard
2. Wild Roses
3. For The Rest Of Your Life
4. Lady Jessica and Sam
5. Sets The Blaze
6. Thinking Like That
7. There’s A Willow
8. Trouble
9. Fall Aside
10. Blue Bird
11. Satellite

Live erleben:

Hope Sandoval & The Warm Inventions
02.11.09 Hamburg @ Kampnagel / K2
03.11.09 Köln @ Gloria Theater
06.11.09 Berlin @ Astra Kulturhaus

Link: Offizielle Homepage

SomeVapourTrails