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Unsere Lieblingslieder 2014

Heute wollen wir den werten Lesern unsere 30 Lieblingslieder des Jahres 2014 vorstellen. Diese 30 Tracks sind uns ans Herz gewachsen und werden auch 2015 nicht aus dem Gedächtnis purzeln. Natürlich hätten wir locker 100 Songs nennen können, der Übersichtlichkeit halber haben wir uns auf diese Liste beschränkt. Weiters gilt: Nummerierungen sind Schall und Rauch, höchstens die Top 5 sind mit einem besonderen Ausrufezeichen versehen. Viel Vergnügen beim Erlauschen!

amore_wanda

1. Wanda – Bologna

Schon das erste Lied der Platte gerät zum Volltreffer. Bologna gefällt als verhinderte Inzest-Hymne (“Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen/ Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht“), lässt Italien als Sehnsuchtsort für Amore und Dol­ce­far­ni­en­te wiederauferstehen. All den Irrungen und Wirrungen des Fühlens steht ein kehlig geschmettertes, die Liebe bejahendes Lebensgefühl entgegen.

ausderbibliotheque

2. Andreas Dorau – Reden wir von mir

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Unsere Lieblingslieder 2014 – Ein Zwischenstand

Wir haben uns auch dieses Jahr die Ohren wund gehört und so manch Lied hat sich als Balsam für die Gehörgänge entpuppt. Und was wir erst alles (noch) nicht erlauscht und erfühlt haben, weil gut Ding halt Weile braucht und die Zeit ohnehin verrinnt! Nun also zwanzig in loser Unordnung zusammengetragene Songs, die mich und die derzeit schweigsamere Co-Bloggerin in den letzten 6 Monaten bewegt haben.

Andreas DorauReden wir von mir

Begründung: Dorau liefert mit dem famosen Reden wir von mir eine großartige Parodie auf die gegenwärtige Selbstbezogenheit und bewahrt sich dabei eine Naivität, die man einfach knuddeln möchte. (Kurzrezension) [Album: Aus der Bibliothèque / 17.01.2014 / Bureau B]

Mikko JoensuuLand of Darkness

Begründung: Da ich momentan noch zu enthusiasmiert bin, überlasse ich die Einschätzung der werten Eva-Maria vom Polarblog, wo ich auch auf dieses wunderbare Lied gestoßen bin. Sie konstatiert: “Der Track ist ein feines, krautrockig ausuferndes Meditationsstück, dass den üpppigen 70er-Synthiewelten von Vangelis nahesteht. Aber Mikko Joensuu wäre nicht er selbst, wenn der Track nicht in eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen wäre und der liebe Gott mit kindlichem Vertrauen angerufen würde.“ (Hörtipp) [EP: Land of Darkness / Lake of Fire / 07.03.2014 / Fullsteam]

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Tagebuch eines Stehaufmännchens – Eels

Eels 2 ©PiperFerguson
Photo Credit: Piper Ferguson

Es gibt Platten, die musst du suchen, andere finden dich – und mit manchen wieder hast du bereits eine Verabredung, obwohl sie noch als ungelegte Eier im Kopf des Künstlers schlummern. Zu solch einem Rendezvous treffe ich mich mit den Alben, die Mark Oliver Everett mit seinem Projekt Eels fabriziert. Everetts Historie als Stehaufmännchen ist gut dokumentiert, familiäre Schicksalsschläge haben seinem Leben den Stempel aufgedrückt. Ein typischer Song aus Eels’scher Feder trägt Traurigkeit in sich, vergrübelt sich in Vergangenes und Zukünftiges, hängt verpassten Gelegenheiten und verlorenen Lieben nach, kratzt allen Optimismus zusammen und vergewissert sich dabei, noch bei Verstand zu sein. Everett vermag die Schattenseiten menschlicher Triebe abzubilden, zugleich illustriert er oft auf wunderbare Weise die zerbrechliche Kostbarkeit menschlichen Seins. Auch von diesen Dingen weiß das jüngste Werk The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett das eine oder andere Lied zu singen.

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Release Gestöber 46 (Späti Palace, Andreas Dorau, Eels)

Späti Palace

Wer heutzutage ein Label gründet und dabei über Liebhaberei hinausgehende Ambitionen hegt, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Dabei braucht es Klein- und Kleinstlabel, die mit Herzblut Nischen beackern, Vielfalt schaffen. Das neugegründete Berliner Label Späti Palace etwa möchte in Berlin wirkende Bands unterstützen. Und wenn man sich die aus aller Herren Länder nach Berlin gepilgerten Scharen von Musiker so ansieht, erscheint eine Bestandsaufnahme durchaus sinnvoll. Ende letzten Jahres wurde deshalb die Collection #1 präsentiert. Selbige verdeutlicht, dass man in Berlin quasi an jeder Straßenecke inspirierenden Acts begegnen kann. Ich hätte mir die Zusammenstellung wohl nicht angehört, wenn sie eben nicht einen dezidierten Bezug zu Berlin gehabt hätte. Und da wäre mir tatsächlich einiges entgangen. Beispielsweise der gedämpfte Indie-Pop-Track Holly der Formation Skiing. Oder Fenster mit der traurig-schmachtenden Ballade He’s Gone Away. Wer auf dieser Compilation irgendwelche Schülerbands aus der Hauptstadt vermutet, wird enttäuscht werden. Späti Palace unterstreicht mit diesem Sampler die Internationalität Berlins. Schwermütig, atmosphärisch dicht fällt Oil des Lap-Steel-Gitarristen Fredrik Kinbom aus, glitterbunt und shoegazig wiederum schrillt The History Of Colour TV mit Let’s Get Sick. Diese sehr feine Mischung, die die Magie des Musikersehnsuchtsortes Berlin bestens einfängt, ist als kostenloser Download auf Bandcamp erhältlich. Man glaubt es kaum, aber auf ein solch Label wie Späti Palace hat Berlin tatsächlich noch gewartet!

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Aus dem Sumpf des Lebens – Eels

Manch scheinbares Erfolgsgeheimnis offenbart sich bei näherer Betrachtung als bar aller Rätsel. Man neigt öfter dazu, Kunst mit dem Funken einer außerhalb der Alltagswirklichkeiten angesiedelten Inspiration zu verklären. Die Wahrheit über gelebte Kreativität entpuppt sich als wesentlich trivialer. Im besten Falle reflektiert sie die Ängste, Wünsche und Erkenntnisse des Künstlers. Werke sind gelebte Träume, durchkomponierte Lebensweisheiten, Szenarien des Glücks und der Furcht. Mehr auch nicht. Das Wirken von Mark Oliver Everett bekräftigt diese These. Was er mit seinem Projekt Eels seit Mitte der Neunziger vorexerziert, zeigt die menschliche Kreatur geschunden, am Abgrund, im Wahn, nach Liebe dürstend. Doch so sehr E. sein lyrisches Ich auch oft in den Seilen hängend verortet, findet sich kaum ein Album in seinem Schaffen, welches sich nicht aus dem Sumpf des Lebens zieht. Schicksal ist, was man daraus macht. Auch die neue Platte Wonderful, Glorious wandelt am Rande von Hoffnung, balanciert über dem Abgrund, hofft, sehnt, verzweifelt, hampelt herum. Wer Licht und Schatten versteht, das Elend von gestern als Hoffnung für ein Morgen interpretiert, der muss sich nicht erst bemühen, ein Fan von Eels zu werden. Eels sind für solch Daseinsgrübler quasi Bestimmung.

© EWorks/Cooperative Music
© EWorks/Cooperative Music

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Unsere musikalische Möbelnomenklatur

Unser Blog ist eine heimelige Rotunde, in der wir unsere Lieblingsmusiker namentlich einkerkern. Mag in der Welt da draußen auch noch so sehr die Post abgehen, wir riskieren nur selten einen aus dem Fenster gerichten Blick, der sich jedoch flugs vor Langeweile abwendet und schnell wieder die edle Inneneinrichtung überschweift. Ab und an klopft es an der gut gepolsterten Tür. Gemächlich kommen wir aus der Verschanzung gekrochen, gehen dem Pochen nach. Entriegeln die Sicherheitsschlösser, öffnen die Tür einen Spalt breit, spähen eher ungnädig über die Türkette hinweg. Wer uns da aller seine Visage entgegen hält! St. Vincent etwa. Rumms! Tür zu. Weiters Portugal. The Man. Denen würde ich zwar Obdach gewähren, jedoch unter der Bedingung, dass sie John Gourley, zweifelsohne mit einer der nervigsten, dünnen Stimmen der Gegenwart geschlagen, in die Wüste schicken. Und den ganzen Chart-Clowns und singenden Sex-Bömbchen wollte ich ohnehin nur mit Elektroschocker in der geballten Faust begegnen. So schnell könnte eine Beyoncé gar nicht die Laufmaschen in ihren Strümpfen zählen, ehe ich sie schon wutschnaubend vom Gelände jagen würde. Rihanna bekäme den geschwungenen Regenschirm zu sehen, verbunden mit der Ermahnung, dass ein einziges nettes Wölkchen noch kein Donnerwetter entfacht.

Im Inneren unseres Häuschens haben wir haben uns längst die eigenen Möbelnomenklatur gezimmert, die Gegenstände nur nach den verehrtesten Bands benannt. So lehnen in einer Ecke des Wohnraums einträchtig zwei wackelige Regale an der Wand, beide schon ein wenig ramponiert. Wenn man aus den Untiefen des einen etwas zu Tage befördern möchte, schlingert es, stößt unweigerlich gegen den anderen Schrank. Wir haben sie daher schlicht die Gallaghers getauft. Daneben an der Wand hängt ein Poster, eine mehrfach variierte Pietá in bester Tradition der Pop Art. Es kostete uns nicht einmal einen Gedanken, das Bild Madonna zu widmen. In der Mitte des Raumes steht ein Sofa ausgewähltester Behaglichkeit. Hier lässt es sich gemütlich fläzen, ein gutes Buch in den Händen oder einfach nur tagträumend den eigenen Gedanken hinterhergleiten. Solch wohliger Hort wurde von uns Mazzy Star tituliert.  Davor lümmelt ein Couch-Tischchen. Es neigt zu Eskapaden, steht umfallenden Weingläsern aufgeschlossen gegenüber. Seit eine gewisse britische Sängerin im Sommer verstorben ist, harrt das Tischchen einer abermaligen Namensgebung. Sollte wir uns doch noch zum Konsum von Kokain durchringen, wäre Doherty die erste Wahl. Der sich auf der einen Wand des Zimmers mächtig ausbreitende Schreibtisch schrie regelrecht danach, einem Singer-Songwriter die Reverenz zu erweisen. Der Poeten und Dichterinnen gibt es viele, aber Joni ragt hervor. Habe ich schon unseren überbunten Teppich gewürdigt? Sicher man tritt ihn Tag für Tag mit Füßen, doch lässt sich darauf auch abhotten, was das Zeug hält. Ähnlich ergeht es Moby. Mögen ihn Kritiker auch in Grund und Boden reden, für tänzerische Leibesertüchtigung hat der werte Herr einiges im Köcher. Selbst der übliche Nippes im Raum ist samt und sonders mit Namen versehen: Ob Placebo, Goldfrapp oder Travis, sie alle lächeln von Regalen und Kommoden herüber. Der kleine verschrumpelte Zinngartenzwerg mit dem langen Bart etwa, der auf dem Schreibtisch thront, was streichle ich Mr. E von den Eels nicht oft liebevoll über den Kopf.

Ein Modell, das - wie ich meine - nur The Boss heißen kann. (Photo Credit: Uwe Besendörfer aus de.wikipedia.org / Lizenz: CC-BY-SA-3.0 von Wikimedia Commons)

Natürlich existiert auch problematischeres Mobiliar. Welcher Künstler möchte etwa seinen Namen mit einem Bücherschrank assoziiert sehen, wenn darin Kaliber vom Schlage eines Kafka oder Rilke die Feder schwingen? Welchen Liederschreiber überfällt dann nicht das Muffensausen? Ich habe den Bücherschrank guten Gewissens Nick Cave verehrt. Oder der chromglänzende, filigran von der Decke baumelnde Kronleuchter. Den will man nur einer wahren Lichtgestalt zuschreiben. Keinesfalls einem sinister gestimmten Persönchen. Darf man solch einen Leuchter mit dem Etikett Röyksopp behängen, ohne dass Ikea sein Monopol auf skandinavisch klingende Einrichungsgegenstände gefährdet sieht? Zu guter Letzt, der Papierkorb. Ein unverzichtbares Accessoire, zweifelsohne. Zugleich aber kaum zu Ehrungen taugend. Eben jene hätten die Papercuts freilich mehr als verdient.

Was fühlt man sich den Möbeln nicht gleich inniger verbunden, wenn sie weder Billy, Ivar noch Klippan heißen. Würde man eine mit verträumtem Motive versehene Vase namens Sigur Rós jemals versehentlich vom Tisch fegen? Niemals, das würde sich nicht mal die ungeschickte Co-Bloggerin trauen.

SomeVapourTrails

Free Mp3: Grey’s Anatomy Soundtrack Folge 708 „Druck“

Episode 708:

„Druck“

OT: “Something’s Gotta Give”

 

 

Heute läuft musikalisch gesehen eine ganz besondere Folge, lauter Lieblingskünstler unseres Blogs sind mit dabei. Besonders heiß geliebt werden natürlich Metric von mir, Fran Healy (Travis) von uns beiden und Eels fast gottgleich verehrt vom Liebsten und Co-Blogger.  Mackintosh Braun entdeckten wir bereits zu Anfangszeiten unserer Blogleidenschaft auf einer längst untergegangenen Indie-Musik-Community names Fuzz.com. Azure Ray begründeten nicht nur den Flip-Flop-Gaze, sondern Maria Taylor und Orenda Fink (O+S) wurden auch mit ihren Solo- und Nebenprojekten vielfach auf Lie In The Sound gewürdigt. Einzig Herr K’naan wird stiefmütterlich behandelt und fristet sein mißachtetes Dasein. Ach und ich vergaß fast die bezaubernde Neko Case, die sich das Stelldichein mit dem werten Herrn Healy gibt, natürlich wurde auch die Diva von Herrn SomeVapourTrails schon auf das Feinste hier rezensiert. Pro7 lässt auf seiner Seite verlauten, heute ginge es nur ums Vögeln, Sex sells, müssen wir uns Sorgen um die Quoten machen oder haben die Marketing-Texter erst jetzt entdeckt, was unsere Crew sonstso im On Call Room treibt? Egal – wenn ihr nochmal nachlesen wollt, was genau beim Ertönen der Lieder geschah, dann seid ihr bei Paul von den TVsongs.de genau richtig.

 

K’naan – “Dreamer”

K’NAAN NFL Draft Ad featuring Dreamer

Free Mp3s:

Auf der Seite des  Messengers I-III Project gibt’s u.a. die Songs Belly Full (Bob Marley Tribute) und Let’s Start (Fela Kuti Tribute).

Fran Healy – “Sing Me To Sleep Feat. Neko Case”

Free Mp3s:

Fran Healy:

Auf der Homepage des Wahlberliners bekommt ihr nach E-Mail–Signup den Song Holiday als Dankeschön.

Neko Case:

Auf der Homepage der Künstlerin gibt’s im Download-Bereich vier Songs als Free Downloads: People got a Lotta Nerve, Star Witness, Hold On, Hold On und If You Knew. Damit nicht genug, betterprogaganda bietet zwei weitere Tracks als kostenlose Appetithappen an, dort könnt ihr euch Magpie To The Morning und Middle Cyclone abholen. (Download-Link)

 

Eels – “Gone Man”

Free Mp3s:

Eels Trilogy Ep:

 

Azure Ray – “Shouldn’t Have Loved”

Free Mp3:

Download hier via Saddle Creek (Label) Widget:

 

 

Silverlake und Drawing Down The Moon. Direkt auf der Label-Seite stehen mit If You Fall, November und Sea of Doubts drei weitere Songs zur kostenfreien Verkostung bereit. Zum Download gelangt ihr, wenn ihr im Bands-Tab Azure Ray auswählt und dann auf Downloads klickt – leider ist diese Seite ein bei Labels gern genommenes Flashmonster 😉

 

Metric – “Dead Disco”

Free Mp3s:

Das Lied Gimme Sympathy (Acoustic) gibt’s hier via Widget nach E-Mail-Signup:

Auf betterpropaganda könnt ihr euch Monster Hospital gratis downloaden.
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Via Stereogum gibt’s ne akkustische Version von Help I’m Alive:

Mp3: Metric – Help I’m Alive (Acoustic)

Last but noch least sevieren wir hier im RCRD.LBL-Widget noch ne akkustische Version von Front Row:

Das Album Fantasies hab ich hier besprochen. Würd‘ mich freuen, wenn ich ein paar von euch mit meiner Begeisterung anstecken könnte… Kleiner Tipp am Rande, wer Metric mag sollte auch mal den Scanners lauschen (Review/Free Mp3s: hier + hier).

Mackintosh Braun – “Could It Be”

Free Mp3s:

Den wunderschönen Track Could It Be via offiziellem Youtube-Channels der Band könnt ihr hier kostenlos als zip-Datei (Rechtsklick/Speichern unter) runterladen.

Als zweites Bonbon via Soundcloud gefällt euch hoffentlich der Song Wake up:

Wake Up by Mackintosh Braun

Viel Spaß damit!
DifferentStars

 

PS:

Mehr Beiträge zum Soundtrack der jüngst gesendeten Folgen findet ihr in unserer Übersicht zur Staffel 7. Zur Übersicht der Staffel 6 kommt ihr hier.

Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Füllhorn an Glücksmomenten – Eels

Nach den Ausnahmezuständen regieren nun also die Gewichtigkeiten der Normalität. Simpler gefasst: Nach Blitz und Donner, gefolgt von sieben Tagen Regenwetter, blinzelt also nun die Sonne vom Himmel. Wie lange wohl, das vermag auch Mark Oliver Everett nicht zu ermessen – und schreitet doch fast schon euphorisch vorwärts. Nach dem genial ersonnenen Hombre Lobo, einem von Verlangen verzehrtem Werwolf,  und End Times, dem Schmerzensschrei des Verlassenen, führt Mr. E seine Trilogie einem zukunftsträchtigen Abschluss entgegen. Mit Tomorrow Morning schlagen die Eels ein neues Kapitel auf. Wer den nahezu halbjährlich erschienen Alben bislang Gehör schenkte, wird das heute veröffentlichte Werk ebensowenig vom Plattenteller schubsen. Es atmet auf, wo zuvor keuchend gestöhnt und hernach stoßgeseufzt wurde. Auf den zugebuddelten Abgründen führt Everett nun ein elektronischen Sounds zugetanes Freudentänzchen auf.

Photo Credit: Rocky Schenck

Wenn sich die Eels abermals den Verzückungen und Widrigkeiten des Lebens stellen, dann wird dies in den Zeilen „Ghosts flying all around my life/ Sent a message both bold and bright/ Good morning, mystery of life“ oder „No more sorrow, no more strife/ Always some daylight following the night/ Good morning, mystery of life“ verdichtet. Die Schatten auf seiner Seele wird Mr. E nicht mehr los, dennoch umarmt er nach all den Tiefen die Geheimnisse des Seins innig, triumphiert über alle Schicksalschläge. Mit Mystery Of Life sei auch gleich eines der Highlights des Werks genannt, das sich mit hymnischem Electro-Krawumm in Freudenchören ergießt. Nicht minder zuversichtlich und voller Vorfreude auf ein Tête-à-tête wummert This Is Where It Gets Good, das nach kurzer Gesangspassage einen hypnotischen, schier endlosen, mit Streichern und spacigen Samples untermalten Trip-Hop-Beat zur Entfaltung bringt. Beziehungstechnisch wird über Everetts lyrischem Ego ein wahres Füllhorn an Glücksmomenten ausgeschüttet, was sich auch in dem im altbewährten Sound der Eels gekleideten Song I Like The Way This Is Going manifestiert. Wie Blut beim Massaker hingegen spritzt Optimismus bei Oh So Lovely („I feel my heart changing in mysterious new ways„) ohne Ende, eine barock-burleske Abstreifung jedweder Hoffnungslosigkeit. Ebenso ergötzlich fällt Spectacular Girl aus, welches im Eels’schen Schaffen die Rolle des chartstauglichen Hits einnimmt.

Man sollte die gesteigerte Elekrifizierung der Eels dank Drum Machine und Loops jedoch nicht überbewerten, letztlich wirkt Mr. E mit seiner verschrobenen Stimme weiterhin die Wunder, hat sich das markante wie eigentümliche Songwriting erhalten, obschon der werte Herr den aus einem Albtraum Erwachten gibt, Sarkasmus und Pein überwunden fühlt. Wenn auf The Morning die Worte „In the morning yesterday is just a dream/ Out the window take a look at all you see/ Baptized by the sun go on and have some fun/ Why wouldn’t you want to have the greatest day?“ erschallen, versprüht dies eine Zuversicht, die nur der zu geben imstande scheint, dem selbst viel Leid zuteil wurde.

Tomorrow Morning hält einer liebevollen Überprüfung genauso stand wie dem überkritischen Blick. Wenn Mark Oliver Everett Wohlbehagen verspürt, klingt eine Scheibe der Eels noch immer tiefgründig, freudig kontemplativ, angeschrägt. Nicht zuletzt deshalb fasziniert seine Integrität die Hörer, gönnt man ihm auch weiterhin Sonne in seinem Leben und Wirken.

Tour-Termine:

28.08.10 Zürich (CH) – Winterhur Festival
07.09.10 Hamburg – Große Freiheit 36
10.09.10 Berlin – Astra
11.09.10 München – TonHalle
12.09.10 Wien (A) – Arena
13.09.10 Graz (A) – Orpheum
14.09.10 Hohenems (A) – Eventcenter

Links:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Musikalischer Quartalsbericht 2010 (I)

Das erste Quartal war in jeglicher Hinsicht üppig und eigentlich voll von schlagenden Argumenten, dass es keine Krise der Kreativen gibt. Was Musiker so ersannen und in den letzten 3 Monaten in Deutschland veröffentlichten, wird man nicht schnell vergessen können und mögen.

Beginnen wir zunächst mit Electronica. Wenn Blockhead, Four Tet, Bonobo und Autechre allesamt innerhalb kürzester Zeit gewaltige Alben veröffentlichen, strahlt mein Herz zufrieden. Vier Platten feinster Qualität und großer Diversität, angeführt von Blockheads in jeder Hinsicht hervorragenden The Music Scene.  Doch auch pointiertes Songwriting konnte 2010 in all seinen Facetten genossen werden. Ob nun in Form einer existentiellen Wehklage von Eels, der Rückbesinnung der The Magnetic Fields auf ein durch und durch sophisticated und gleichsam eingängiges Songwriting oder auch im famosen Vexations, mit dem Konstantin Gropper alias Get Well Soon endgültig unter Beweis stellte, dass er zu den sehr wenigen deutschen Musikern mit internationalem Format gehört. Völlig unbeachtet lieferten Clem Snide mit The Meat of Life ein kleines, in den Details zündendes Stück gediegensten Songwritings ab.

2010 bot auch ein letztes Abschiednehmen von Johnny Cash, dessen Ain’t No Grave von der Kritik als Leichenfledderei zerpflückt wurde. Ein Schwachsinn und Frevel, denn diese Lieder in einem Archiv versauern zu lassen, das wäre ein Sakrileg der besonderen Sorte gewesen. Auch die letzten gemeinsamen Aufnahmen von Ali Farka Touré mit Toumani Diabaté sind ein gelungenes Vermächtnis, Ali and Toumani gehört fraglos zu den erlesensten Scheiben der World Music dieses Jahres.

Kommen wir zu poppigen Tönen, Sambassadeur aus Schweden konnte mit European eine frische Mischung aus Twee und Indie-Pop finden, welche Genre-Fans sicher durch den Frühling bringen wird. Auch The Postmarks verzauberten mit erquickenden Sounds, die man in hiesigen Breiten noch zu gering schätzt. Das weit zu fassende Feld des Post-Rocks wurde einerseits von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra in erwartbarer Finesse beackert, andererseits begeisterte The Album Leaf mit schlichte Besinnlichkeit von A Chorus of Storytellers.

Zwei Platten verdienen eine besondere Erwähnung. Jaga Jazzist vermochten mit One-Armed Bandit ein kompositorisch komplexes Werk zu erschaffen, dass dennoch pure Hörfreude atmet. Vor solch Können muss man den Hut ziehen. Und fast noch mehr beeindruckte eine unbekannte deutsche Formation namens The Blue Angel Lounge, deren gleichnamiges Debüt unglaublich starken psychedelischen Rock beschert. So gut, dass man die Band partout nicht in Deutschland verorten mag.

Einige Wortfetzen seien auch Enttäuschungen und vorhersehbaren Zumutungen gewidmet. Tocotronic ergaben sich einem Gaga-Dadaismus, der all die Tugenden dieser Band zu einer Fratze verzerrte. Eine Frustration sondergleichen! Dass Vampire Weekend eine richtig flüssiges, also überflüssiges Contra ablieferten, das hingegen war keinerlei Überraschung. Und Joanna Newsoms neuestes Attentat auf kultivierte Gehörgänge ebenso. Aber es wird wohl auch immer Platten geben, die vom Feuilleton in einem Akt von Gesinnungsterror angepriesen und letztlich doch Zumutungen bleiben.

Das Resümee könnte trotz Querschläger nicht besser ausfallen. Die Hoffnung, dass sich die Fülle an Wundertaten im nächsten Quartal wiederholen wird, scheint überzogen. Für den Moment jedoch sollte Zufriedenheit regieren.

Die 10 besten Tracks:

Johnny Cash – Ain’t No Grave
Broken Bells – Trap Doors
Clem Snide – I Got High
Get Well Soon – We Are Free
Sambassadeur – Stranded
Massive Attack – Paradise Circus
Scanners – A Girl Like You
The Postmarks – Thorn In Your Side
Xiu Xiu – Dear God, I Hate Myself
Blockhead – Tricky Turtle

Die besten 10 Alben:

Jaga Jazzist – One-Armed Bandit
Scanners – Submarine
The Blue Angel Lounge – The Blue Angel Lounge
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – Kollaps Tradixionales
Get Well Soon – Vexations
The Postmarks – Memoirs At The End Of The World
THUS:OWLS – Cardiac Malformations
Bonobo – Black Sands
Blockhead – The Music Scene
Sambassadeur – European

Die 5 schlechtesten Alben:

Joanna Newsom – Have One On Me
Tocotronic – Schall & Wahn
Vampire Weekend – Contra
Owl City – Ocean Eyes
Delphic – Acolyte

SomeVapourTrails