Release Gestöber 31a (El Perro Del Mar, Lisa Bozikovic, Samsara, The Mouse Folk)

Wir stürzen uns ohne Umschweife ins Veröffentlichungsgetümmel…

El Perro Del Mar

Unter dem klingenden Namen El Perro Del Mar werkt die Schwedin Sarah Assbring bereits seit mehreren Alben. Ihr letztes Album Love Is Not Pop aus dem Jahre 2009 vermochte mich zu entzücken, nicht zuletzt wegen des tollen Songs Change of Heart. Darum blicke ich ihrem neuen Album Pale Fire auch mit großem Interesse entgegen. Die erste daraus stammende Kostprobe Walk On By entpuppt sich als elegant-unterkühlter Achtziger-Pop, dessen unruhiger Beat die Chose vor einem Abdriften in das Gesäusel einer Sade bewahrt. Anhören lohnt! (Pale Fire erscheint am 09.11.2012 auf Memphis Industries.)

Lisa Bozikovic

Aus der blühenden kanadischen Singer-Songwriter-Szene sprießt eine neue Knospe. Die aus Toronto stammende Lisa Bozikovic veröffentlichte dieser Tage ihr Zweitwerk This Is How We Swim. Und dies ist ein gedankenvolles Album, so dezent wie raffiniert. Weil es weder mit schriller Opulenz um Aufmerksamkeit winselt noch Schlichtheit in wenigen Gitarrenriffs oder Pianoakkorden findet. Die Platte ergeht sich im gefühligem Pop mit zartem, jazzigem Fluss, strömt in klaren Mäandern sinnierend vor sich hin. Light Years zählt dank gedämpfter, weltentschwobener Atmosphäre als traumgleiches Highlight von This Is How We Swim. Auch die mit Country-Einsprengseln belegte Titelballade ist ein Glanzstück, mehr noch freilich das edel arrangierte, in jeder Hinsicht famose No Monument. Lisa Bozikovic ist wirklich ein durch und durch feines Album gelungen, das ich sicher noch öfters auf dem Blog erwähnen werde. (Auf Exclaim! gibt es einen Stream der Platte.)

This Is How We Swim ist in Kanada am 28.08.2012 auf Shuffling Feet Records erschienen.

Samsara

Ich bin nicht wirklich dazu berufen, sehr viele Worte über die Filmmusik der Gegenwart zu verlieren. Bis vor 10 Jahren war ich noch Kinogänger, der zweimal in der Woche Filmkunst und Mainstream-Streifen gleichermaßen genossen hat. Die Zeiten, in welchen ich mich freiwillig mit zu jedem Rascheln entschlossenen Menschen in einen dunklen Saal gesetzt habe, sind lange passé. Und doch bin ich gerade zu einer Ausnahme wild entschlossen: Ron Frickes Film Samsara will und muss ich mir auf der riesigen Leinwand ansehen. Als Verehrer der fotografischen Wucht des Klassikers Koyaanisqatsi, für die Fricke als Kameramann mitverantwortlich zeichnete, erwarte ich auch im Falle von Samsara enorme, das Auge überwältigende Bilder. Und eine musikalische Komponente, die zwar wohl kaum an die Güte eines Philip Glass heranzureichen vermag. Den Score zu Samsara haben Michael Stearns, Lisa Gerrard und Marcello De Francisci ersonnen. Und ersten Eindrücken nach braucht sich dieser Soundtrack keineswegs verstecken. Also anscheuen, erlauschen, staunen, entdecken!

Der Soundtrack zu Samsara ist am 24.08.2012 auf Colosseum Records erschienen.

The Mouse Folk

Indie-Pop mit starken elektronischen Facetten und Hang zu Folk. Was die Berliner Band The Mouse Folk kredenzt kommt auf keinen gemeinsamen Nenner, bleibt stückwerkig. Und doch ist die Scheibe Handle With Care eine echte Wundertüte. Weil sie trotz Unausgegorenheit starke Momente aufweist. The Mouse Folk können sich nicht so recht zwischen Zurückhaltung und großen musikalischen Gesten entscheiden. Exakt diese Schaumgebremstheit führt zu erstaunlichen Ergebnissen. Einen Song wie Paperback beispielsweise mag man so oder so ähnlich schon gehört haben, dem ungelenken Charme dieser flotten Nummer tut dies keinen Abbruch. Das soll beileibe kein vergiftetes Lob sein, vielmehr der Versuch den Reiz des Albums zu verdeutlichen. Wo es der Track Cows, Cars & Ships mit dem elektronischem Gefrickel übertreibt, gibt sich Minesweeper lässig, schrammelig, geradezu very british. Die Formation scheut nicht vor Experimenten zurück und steht allerdings gerade dann ihren Mann, wenn sie darauf vergisst, Versuchsballone steigen zu lassen. Where We Stay etwa beginnt als konventionelle wie ordentliche Ballade, die gegen Ende Opulenz tankt und zeigt, dass The Mouse Folk durchaus mehr als eine der unzähligen Kneipenbands der Hauptstadt sind. Handle With Care sieht die Formation noch nicht auf dem Zenit angekommen. Einer Band bei der Suche nach dem eigenen Sound zuzuhören, das ist jedoch selten so erquicklich wie bei The Mouse Folk.

Handle With Care wurde am 01.08.2012 auf Mikrokleinstgarten veröffentlicht.

Das soll es für heute gewesen sein. Den zweiten Teil dieses Gestöbers gibt es am Wochenende.

SomeVapourTrails

SomeVapourTrails und seine 15 Lieblingslieder 2009

Nun da der Dezember sich demnächst den Feiertagen ergibt, die Welt in quietschbunter Seligkeit in ein neues Jahr schunkelt, ist es höchste Eisenbahn, zuvor noch mittels einer Retrospektive das Jahr in die richtige Perspektive zu setzen. Und so komme ich nicht umhin, die meiner Meinung nach besten mir bekannten Lieder der vergangenen 12 Monate zu benennen. Mein Herz schlägt meist für handwerkende Außenseiter, die nicht auf irgendwelchen Wellen künstlerischer Abgehobenheit schwimmen. Und so begründet sich diese Selektion keinesfalls im mantrahaften Wiederholen der Namen aller Kritikerliebkinder. Grizzly Bear, Animal Collective oder Phoenix werden in Bestenlisten gerne genannt – und sind doch in etwa so fesselnd wie ein zerschlissenes Schuhband. 2009 gab es viel zu entdecken.

1. Too Much Time von John Vanderslice

Begründung: Diese schlichte Ballade alles, was ein großer Song benötigt: Einen markanten Refrain und eine eingängige Melodie. Mehr braucht es nicht. Too Much Time ist als kostenloser Download auf der Homepage des Künstlers verfügbar.

2. Darby Crash And Burn Guitars von Eamon McGrath

Begründung: So sieht eine zeitlos-moderne Mischung aus Folk und Rock aus, keine Warmduscherklänge, vielmehr kräftig und deftig.

3. The Longing von Eels

More Eels music on iLike

Begründung: Das Liebeslied des Jahres. Ohne albernes Gesülze oder Verkitschung wird das Wesen von Sehnsucht seziert, in schlichte Worte gepresst und zu einer schmerzhaft-schönen Wahrheit kondensiert.

4. München von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Begründung: Irrlichtern-wabbernde Reise in einen tosend Strom feinster Electronica mit starken akkustischen Elementen.

5. Zumbi von Major Lazer feat. Andy Milonakis

Begründung: So dreckig kann, darf und soll Dancehall gerne öfter klingen. Hier als kostenloser Download erhältlich.

6. Engel von Mariahilff

Begründung: Während sich deutsche Texte meist in permanenter Mittelmäßgkeit wälzen oder gar bemüht intellektuell daherstelzen, haben Mariahilff eine wundersame Poesie erschaffen.

7. Goodbye Rock von Testsieger

Begründung: Wenn es eines Abgesangs auf den Rock bedurfte, der gut 10 Jahre nach Tocotronics Let There Be Rock den Kreis schloss und einer Dekade den Spiegel vorhielt, dann haben ihn Testsieger mit diesem Song ersonnen.

8. You Will Miss Me When I Burn von Soulsavers

Begründung: Natürlich hätte man ebenso den Titel Sunrise in diese Liste aufnehmen können. Doch während Sunrise durch Erhabenheit besticht, ragt bei You Will Miss Me When I Burn schiere Traurigkeit in ewiger Eleganz hervor.

9. Velvet von The Big Pink

Begründung: Die Briten haben nicht nur Flausen im Hirn, neben Unbands wie Franz Ferdinand tummelt sich mit The Big Pink auch eine Band, die es locker mit den legendären Hymnen von Oasis aufnehmen kann.

10. Tricks Of The Trade von Paolo Nutini

Begründung: Mir ist es schleierhaft, warum Nutini mit Quacksalbern wie James Morrison in einem Atemzug genannt wird. Dies folkige Lied ist ein Glanzstück feinsten Songwritings.

11. Change of Heart von El Perro Del Mar

El Perro Del Mar „Change Of Heart“ from The Control Group on Vimeo.

Begründung: Niveauvoller Pop, es gibt ihn noch! Hier gratis erhältlich.

12. Ain’t Gonna Lose You von Brett Dennen

Begründung: Vielleicht der wichtigste Songwriter der nächsten Dekade, in der Tradition eines Paul Simon oder Bob Dylan. Dieses Lied unterstreicht das Potential.

13. You Turn Me Cold von The Slew

Begründung: Turntablism ist kein Schnee von gestern, wie Kid Koala bezeugt.

14. We Do What We Want To von O+S

Begründung: Eine ätherische Stimme, untermalt von einer bezaubernden Melodie.

15. Still von Great Lake Swimmers

Begründung: Selten klang Folk derart erbaulich. Von hymnischer Qualität.

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)

Free Mp3: El Perro Del Mar – Change of Heart

El Perro Del Mar ist das Projekt der Schwedin Sarah Assbring und überzeugt auch auf dem aktuellen Album Love Is Not Pop mit geschmeidigem, gefälligem, nie langweiligem Pop. Da in hiesigen Breiten die Werbetrommel leider nicht gerührt wurde, mag der Release dem einen oder anderen Liebhaber entgangen sein. Und denjenigen, welche bislang keine Kenntnis von El Perro Del Mar hatten, bietet sich nun dank eines kostenlosen Downloads die Chance, ein im bestmöglichen Sinne angenehmstes, keinesfalls flaches Easy Listening zu erhaschen.

loveisnotpop

Doch genug der Vorschusslorbeeren. Viel Vergnügen mit dem Download von Change of Heart!

Link:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

Downloads für die Nachweihnachtszeit

Unser klingender Adventskalender hat sich ja nun für 11 Monate verabschiedet. Doch auch in den nachweihnachtlichen Wehen sind wir über der Jahreszeit entsprechende Musik gestolpert. Schließen wir für einen Moment die Augen und stellen uns eine verschneite Winterlandschaft vor, in der wir nach Herzenslust Schneebälle auf die Liebsten werfen, Schneemänner mit dicken Bäuchen bauen oder ein wenig durch die Gegend brettern. Hat sich das jeder vergegenwärtigt? Ich für meinen Teil fände viel Vergnügen daran, die werte Mitbloggerin DifferentStars mit ein wenig Schnee einzudecken.

Für solche Momente der Sehnsucht nach Schnee eignet sich folgender Download ausgezeichnet. Die heuer ja schlagartig ins Rampenlicht getretenen, durchaus ein wenig überschätzten Fleet Foxes haben mit dem Track White Winter Hymnal den famosen Soundtrack für eine winterliche Szenerie geliefert. Selbiger ist auf der Seite des Label Sub Pop Records kostenlos erhältlich.

Auch 2009 naht mit Riesenschritten. In englischsprachigen Ländern wird zum Jahreswechsel gern das traditionsreiche Auld Lang Syne geträllert, Silvester ohne dies Lied scheint in jenen Breiten wie Weihnachten ohne Stille Nacht. Nun bietet El Perro Del Mar, ein Pseudonym der Schwedin Sarah Assbring, eine märchenhafte Version des Klassikers zum Download an. Auch wenn sich diese Interpretation von Auld Lang Syne nicht zum alkoholgeschwängerten Mitgrölen eignet, sei sie dennoch sehr empfohlen.

elperrodelmar

Links:

Download von White Winter Hymnal

Download von Auld Lang Syne

El Perro Del Mar (MySpace-Auftritt)

SomeVapourTrails