Wieder Discoking sein – Ratatat

Zugegeben, ich bin kein Teenager mehr, der sich die Nächte in schwülen Clubs um die Ohren schwitzt. Klar, irgendwelche Strandfeten mit Trance-Gewummer können mir schon längst den Buckel runterrutschen. Aber wenn mich wieder etwas auf den Tanzboden locken könnte, dann zweifelsohne das neue Album Magnifique des Brooklyner Duos Ratatat. EDM meets Rock, so die Kurzformel der Lebensfreude versprühenden Platte. Magnifique fällt  unendlich launig aus, zeigt sich überraschend melodisch, umarmt Ideen flinken Schritts. Dem Werk fehlt die Schablonenhaftigkeit herkömmlicher elektronischer Tanzmusik. Stattdessen wird es mit gut abgehangenem, spacigem Rock angereichert. Was das Album jedoch besonders gut beherrscht, ist eine Mischung aus wildem Treiben auf dem Dancefloor und entspanntem Chillen. Allmusic hat es prima zusammengefasst, wenn es das Album als „bouncing between sunny, hook-heavy uptempo tracks that have the kind of manic energy that could lead people to tear off their shirts and seriously lose it on the dancefloor and relaxed, soft rock-inspired songs that serve as a nice soundtrack when one is coming down from those kinds of highs“ beschreibt.

RATATAT – CREAM ON CHROME from theoffstream on Vimeo.

Der Kracher des Werks findet sich gleich zu Beginn. Cream On Chrome sorgt für die Wiederauferstehung des Discokings in mir. Die hypnotische Bassline dieser Nummer ist sagenhaft groovy, dazu gesellen sich noch herrlich auf Bombast getrimmte Gitarreriffs. Cream On Chrome klingt nach der vielleicht durchaus lasziv angehauchten Party, die man immer schon besuchen wollte.  Weiterlesen

Geschichtsstunde in Sachen Groove – Romare

Man kann in Collagen nur das Schnipselhafte, aus jeglichem Kontext gerissene Stückwerk sehen. Man darf in Collagen aber auch die Kunst begreifen, die Essenz von Dingen zusammenzutragen und zu einem Überblick zu verdichten. Der afroamerikanische Künstler Romare Bearden verstand die Collage als Chance, die Bürgerrechtsbewegung der Sechziger aufzuarbeiten, die sich dadurch verändernde afroamerikanische Identität in Bilder zu fassen. Seine Technik ist die einer starken thematischen Zuspitzung, seine Werke wirken nie zufällig oder willkürlich zusammengesetzt. Das Bild dominiert bei Bearden stets die Schnipsel. Sein Ansatz zeigt eine afroamerikanische Lebenswirklichkeit zwischen Tradition und Moderne. Und auch 25 Jahre nach seinem Tod haben seine Collagen nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir Romare Bearden bislang kein Begriff war. Und daran hätte sich vermutlich so schnell auch nichts geändert, wäre mir nicht dieser Tage das Album Projections des in London ansässigen Elektronik-Tüftlers Romare in die Hände gefallen. Dass der junge Musiker seine Inspiration bereits durch die Namenswahl unterstreicht, hat mich neugierig gemacht. Und wie ich nun hier sitze, mich begeistert durch Beardens Collagen wühle und dazu der Hommage Projections lausche, komme ich aus dem Staunen nimmer heraus.

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Was für ein Plumps: We Fell To Earth

Manchmal gibt es Tage, an denen man im Grunde seiner an Schätzen reichen musikalischen Bibliothek überdrüssig wird und gierig nach etwas Neuem lechzt. Und wie durch ein Wunder fällt es dann auch in den Schoß – nicht immer, aber eben an guten Tagen schon.

Wer Richard File nicht kennt, dem sei verziehen. Wer die Gurus der Elektronik, die Band UNKLE nicht kennt, dem sei nicht verziehen. Und nun da sich Herr File von UNKLE verabschiedet und ein neues Projekt ins Leben gerufen hat, darf man selbigem durchaus eine gewisse Erwartungshaltung entgegenbringen. Und der kostenlose Download des Tracks Lights Out übertrifft diese wirklich.

Download: Spinner.com

Mehr hören: Last.Fm


SomeVapourTrails

Berlin Stories – Teil 2

Berlin ist verstörend, zwangsläufig. Ein Überangebot an Eindrücken füttert die Sinne ohne Pause. Der Verstand müht sich das umgebende Chaos in Strukturen zu pressen, ein Ordnungsprinzip zu vermuten. Die Widersprüchlichkeiten einer Metropole schreien nach Erklärungsmustern. Und manchmal liefern Melodien die meditative Basis für ein ansatzweises Begreifen.

Wahrscheinlich eignet sich minimalistische Musik für oben angedeutes Unterfangen besonders. Hierfür empfehle ich diesmal die ausgesprochen gelungene Kollaboration zweier Musiker.

Alva Noto

Alva Noto (© Alex Reynolds)

Hinter dem Pseudonym Alva Noto steckt der deutsche Soundtüftler Carsten Nicolai, welcher im Bereich der Elektronik zur absoluten Crème de la crème des Genres gehört. Seine Werke strahlen eine enorme Überlegtheit aus, eine in sich schlüssige Struktur.

http://flickr.com/photos/joi/2459733138/

Quelle: http://flickr.com/photos/joi/2459733138/

Ryūichi Sakamoto dürfte wohl keiner weiteren Vorstellung bedürfen und vor allem durch seine Soundtracks ein Begriff sein.

Das zweite gemeinsame Album der Soundexzentriker erschien 2005 unter dem Titel Insen. Es besticht durch Sakamotos Piano-Präsenz, die sich perfekt in die Klangteppiche Alva Notos einfügt. Reduziertes elektronisches Flirren trifft auf die schlichten, hellen Töne des Klaviers. Ich kenne kein besseres Beispiel für ruhigen, klaren Minimalismus elektronischer Prägung. Besonders ans Herz gelegt ist der Track Berlin. Das Stück friert das hektische Treiben für einen Augenblick ein, kristallisiert Schönheit heraus, filtert Momentaufnahmen und verdichtet sie zu einem einzigen Bild, welches sich in den Kopf des Hörers schmiegt. Die Essenz dessen, was Berlin für jeden einzelnen von uns ist, wird greifbar und deutbar. Ob Furcht oder Freude, ob Hektik des Alltags oder sacht tänzelnde Entspanntheit, alles passt in das Bild in unseren Köpfen. Ergibt und erlaubt Berlin in den Facetten, die man in der Stadt entdeckt oder entdecken will.

Und hier die Hörprobe:

Alva Noto & Ryūichi Sakamoto – Berlin

SomeVapourTrails

Previewing…The Opposite Of Faith

Für alle Trip-Hop und Electronic House Liebhaber: Ein kleiner Vorgeschmack – mehr über dieses Projekt folgt in Kürze:

The Opposite Of Faith

 

Bandmitglieder: J (Joel Hornsby) (Bass/ Produktion/ Digital Art), Grammy Award Gewinnerin Latrice Barnett (Gesang), DJ Quest (Turntables) und Joel Griffin (Drums)

Meine Anspieltipps fürs Wochenende: If und Phaseshift – hören kann mans hier:
Last.Fm oder da: Myspace oder dort: Reverbnation

DJ Quest-Behind the scenes with the Opposite of Faith

Weniger trip-hoppig und leider ohne die bezaubernden Vocals von Latrice ist das erste Multimedia Projekt des Visual Art – Music – Collectives. Dafür kommen hier Freunde von Spielekonsolen und Animationsfilmen auf ihre Kosten:

Karas AMV Featuring DJ QUEST

 

DifferentStars