Schlagwort-Archive: Electronica

Schatzkästchen 35: Lea Porcelain – Bones

The Cure meets Joy Division, dazu gesellt sich ein voll nachlässigem Schmelz leidender Crooner, so mutet der Track Bones an. Dass das Duo Lea Porcelain dazu sogar noch aus Deutschland kommt, setzt Bones die Krone auf. Denn die Ian-Curtis-Gedächtniskapellen rund um den Erdkreis sehen angesichts dieser Nummer ganz schön angestaubt aus – und die vielen Nachahmer eines Robert-Smith-Sounds ebenfalls. Der Track ist Vorbote einer demnächst erscheinenden EP, der man mit großer Spannung entgegenfiebern darf. Denn Manchester hätte man eigentlich nicht im Rhein-Main-Gebiet verortet. Es wäre dringend an der Zeit, wenn deutsche Wunderkinder die Musikwelt erobern würden. Der letzte Act, der diesbezüglich großes Potential gezeigt hat, wäre meiner Erinnerung nach Get Well Soon. Gut, man sollte angesichts eines Tracks die Kirche im Dorf lassen. Aber man wird ja angesichts des wunderbaren Bones durchaus hoffen dürfen! Schatzkästchen 35: Lea Porcelain – Bones weiterlesen

Elektronische Subkultur in der Blüte – Peru Boom

Gerne wird ja die Musikszene zum Global Village verklärt. Doch das ist eigentlich Bockmist. Denn das globale Dorf ist voller Einbahnstraßen, die von Europa und Nordamerika zwar in alle Welt führen. Aber wieviel bekommen wir eigentlich davon mit, was in Afrika oder Südamerika an neuen Sounds entsteht? In der Regel erfahren wir das über Umwege, etwa wenn europäische und amerikanische Produzenten und DJs exotische Trends aufgreifen und in unsere Clubkultur einführen. Solch Filter sorgen jedoch auch dafür, dass der durchschnittliche Musikfan die diversen Subkulturen nie wirklich wahrnimmt. Hand aufs Herz, wem etwa ist bewusst, dass es in Peru einen lebhafte elektronischen Underground gibt? Mir zumindest nicht. Und dies wäre wohl auch so geblieben, wenn ich nicht diese sehr informative Review von Bob Cluness auf The Quietus gelesen hätte, in der die Compilation Peru Boom – Bass, Bleeps & Bumps From Peru’s Electronic Underground gewürdigt wird. Diese Zusammenstellung bringt uns Tropical Bass näher, führt uns in die Lebendigkeit der südamerikanischer Clubatmosphäre ein. Es ist ein Eintauchen in eine Welt, die sich nicht auf heißblütige Klischees berufen muss. Diese Szene braucht nicht lang und breit um ein Selbstverständnis ringen. Sie scheint im Augenblick verhaftet, ständig in Bewegung, stets im Austausch, versöhnt Tradition und Moderne. Verkörpert somit all das, was einer Subkultur zur Blüte verhilft.

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Soul für zarte Seelen – Barbarossa

In den letzten Jahren habe ich bereits mehrfach über Barbarossa geschrieben. Hinter diesem sehr aussagekräftigen Decknamen verbergen sich der Londoner James Mathé und sein Faible für melancholischen Electro-Soul. Barbarossa steht für gefühlsversunkene Zärtlichkeit, die von Electro-Pop oder feingesponnener Electronica ummantelt wird. Nun gilt es also, sein neues Werk Imager zu würdigen. Herr Rotbart hat nämlich wieder sehr vieles richtig gemacht, eine ätherische-soulige Stimmung aus dem Hut gezaubert, die bei eingehender Betrachtung ausnehmend gefällig tönt, richtiggehend verfängt. Mathé schenkt dem Soul eine rare Behutsamkeit.

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Lauschrausch LIX: Paris XY

Das im englischen Leeds beheimatete Duo Paris XY vermengt zünftig-waberndes Electro-Humptata mit einer kräftigen, ausdrucksstarken Frauenstimme. Derart entfaltet sich ein düsterer Chic, bei dem man die Ohren spitzen sollte. Ein Song wie The Return kreiert eine Aura gespenstischer Trance, entwickelt einen dunklen Sog aus dominanten, trippelnden Beats und flackernden, wuseligen Soundcollagen. Alice Smith und James Orvis verstehen sich auf einen dramatischen Ausdruck, auf eine Widersprüchlichkeit, die sich zwischen dem seelenvollen Gesang und der stylishen Electronica auftut. The Return ist dabei kein Einzelfall, Panic Attack bestätigt die Methode. In den stärksten Momenten erinnert Smiths Stimme mehr an die abgründige Diva eines Bond-Titellieds als an das, was man sonst so in diesem Genre gesanglich aufgetischt bekommt.

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An der Schnittstelle zum Zeitgeist-Trigger – Robots Don’t Sleep

Downtempo meets Pop meets Gospel, so behelfsmäßig könnte man zusammenfassen, was der deutsche Produzent Robot Koch zusammen mit dem US-Sänger John LaMonica unter dem Namen Robots Don’t Sleep ersonnen haben. Mirror ist eine Platte an der Schnittstelle, sie ist ob ihre klar zugeschnittenen Melodien voller Verve auch Hörern des Mainstream-Pop zuzumuten, zugleich wird die sachte Electronica auch denjenigen keineswegs sauer aufstoßen, die Charts-Kram sonst so fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Nun klingt Schnittstelle natürlich fein, weniger wohlmeinende Gemüter würden eher von einem Konsensalbum samt dem einen oder anderen faulen Kompromiss sprechen. Doch erscheint mir Mirror gelungen, weil es aus dem gedimmten Halbdunkel heraus funkelt, nie das grelle Scheinwerferlicht sucht. LaMonica singt oftmals mit sanftem Flüstern in der Stimme, doch hat der gedämpfte Ausdruck keinen soften, schnuckeligen Schlafzimmerblick im Sinn. Die handfesten wie berechnenden Hintergedanken, mit der uns Massenmusik um den Finger wickeln möchte, sind dieser Platte fremd.

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Lauschrausch LII: Yppah

Wer – so wie meine Wenigkeit – auf in Traumhaftigkeit schwelgende Electronica abonniert ist, möchte den US-Amerikanier Yppah nicht missen. Anlässlich der letzten Platte Eighty One attestierte ich dem hinter Yppah steckenden Herrn Joe Corrales Jr. die virtuose Fähigkeit, Budenzauberszenerien zu entwerfen. Wird man dann eins mit seinem Werk, „winden sich Schauer kindlichster Erregung durch die Glieder, gerät man zum glückseligsten Teil des Spektakels.“ Was auf Eighty One gemünzt war, lässt sich generell über sein freudvoll-magische Œuvre sagen. Musik und Fröhlichkeit sind bei Yppah eine verschworene Einheit. Ein Titel seiner 2009 erschienen Platte They Know What Ghost Know hieß damals A Parking Lot Carnival – und auf gewisse Weise darf man sein gesamtes Schaffen unter diesem Motto verstanden wissen. Dieser Tage nun hat der Klangschmied völlig unvermutet einen neuen Track namens Bushmills vorgestellt. Ich werte selbigen als Vorboten eines hoffentlich baldigen neuen Albums. Und freue mich. Weil der Budenzauber auch bei Bushmills in jeder Sekunde blinkt und funkelt. Welch Lauschrausch!

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Lauschrausch XLV: Hazy Mountains

Ich habe seit Jahresbeginn sehr wenig Musik gehört. Mir ist nicht etwa die Freude daran vergangen, aber zwei Wochen lang hat mir doch arg der Kopf gebrummt. Nun freilich sind die Gehörgänge wieder frei für neue Töne. Dem regelmäßigem Bloggen über Musik steht also nichts im Wege. Heute möchte ich auf einen Track verweisen, dem schon die werten Bloggerkollegen von Schallgrenzen und das klienicum mit Lobesworten begegnet sind: Neon Velvet ist eine wunderbare Mischung aus Shoegaze, Electronica und Synthie-Pop, ätherischer Ohrenschmeichler und Energiebündel zugleich. Bei diesem Track fällt die Wahl des Titels keinesfalls willkürlich aus. Die Nummer pulsiert einerseits voll kühler Helle des Neonlichts und lullt zugleich weich und zärtlich ein. Mit diesem Stück will der unter dem Namen Hazy Mountains werkende Deutsche Julian Prott auf sein für Frühjahr avisiertes Album aufmerksam machen. Und ja, Neon Velvet kreiert einen derart betörenden Lauschrausch, dass ich der Platte voll Neugier entgegensehe.

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Free EP: Golau Glau – The Silver Tear

Bereits zum fünften Mal erfreut uns das anonyme Musiker- und Künstlerkollektiv Golau Glau mit einer weihnachtlichen EP. Die experimentelle Electronica der Formation fasziniert stets aufs Neue, ebenso wie die geradezu mythischen Geschichten, mit denen die Band ihren Sound unterfüttert. Bei all der Rätselhaftigkeit erzählen und ergründen Golau Glau Sagen, die ganz und gar losgelöst von der Trivialität der Gegenwart tief in eine verlockende wie verstörende Historie zurückweisen. Die Kunst ist dann am spannendsten, wenn sie Mythen kreiert. Und gerade ein religiöses Fest ist für jede Art der Überlieferung besonders empfänglich. Was sich hinter dem Titel The Silver Tear verbirgt, das erklärt die Band am besten selbst. Free EP: Golau Glau – The Silver Tear weiterlesen

Stream: Maps – Merry Christmas (My Friend)

Der ehrwürdige Guardian hat das im Sommer dieses Jahres veröffentlichte Album Vicissitude mit einem nicht unpassenden Vergleich bedacht: „[A] lysergic-soaked Pet Shop Boys meeting Moby at his most electronic and blissful„. Dem als Maps firmierenden Briten James Chapman ist in der Tat ein Spagate schaffendes Meisterwerk gelungen, welches speziell dann, wenn es in elektronischem Shoegaze aufgeht, überaus erfüllend klingt (Left Behind). Vicissitude zählt zu jenen Platten, über die ich in den vergangenen Monaten unbedingt einmal ein lobendes Wort verlieren wollte, auch weil ich einige nicht besonders vorteilhafte Rezensionen gelesen hatte, die ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Dieser Tage nun hat sich unverhofft eine Gelegenheit ergeben, dem werten Leser Maps endlich doch ans Herz zu legen. Mit dem Titel Merry Christmas (My Friend) reiht sich Chapman in die Gilde derer ein, die sich dem Thema Weihnachten nicht verschließen wollen. Stream: Maps – Merry Christmas (My Friend) weiterlesen

Am Puls der Metropole – Seams

Metropolen sind stets Sehnsuchtsorte, an denen Träume auf Wirklichkeiten treffen. Es ist diese starke Spannungssituation, jene emotionale Fallhöhe, die eine Metropole von einer stinknormalen Stadt unterscheidet. Metropolen leben vom Zuzug, sind offen und feindselig zugleich. Denn wer sich hier einen Platz erobert hat, will diesen nicht von Dahergelaufenen angegriffen wissen. Metropolen sind daher Horte des Misstrauens, wo Zuwanderer und Eingeborene sowie die Durchsetzungfreudigsten vorangegangener Besiedlungswellen um die Vorherrschaft streiten. Aus diesen Gründen ist eine lederbehoste Auster wie München einfach nur Stadt, während Berlin eben Berlin ist. Metropolen können Hort der Kreativität und Jugendlichkeit sein oder aber vor geldlichen Verlockungen strotzen (Frankfurt!). Es gäbe genug über Reiz von Metropolen zu sagen. Und doch braucht es dazu nicht immer Worte. Auch elektronische Musik vermag den Puls der Weltstadt zu erfühlen. Das Album Quarters des in Berlin lebenden Briten James Welch schafft dies vorzüglich. Unter dem Namen Seams hat er einen feinen Berlin-Soundtrack vorgelegt.

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