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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 8

Weihnachten in der Postmoderne taugt eigentlich zum mittleren Drama. Ob es nun bloß mit ironischer Brechung begangen wird oder aber zum seichten Wohlfühlfest verkommt. Ob es von Traditionalisten dazu missbraucht wird, alle Veränderung zu beklagen, gerade so als wäre Welt und Zeit tatsächlich irgendwann stillgestanden. All diese Zugänge führen zu einer Atmosphäre, die jegliche Besinnlichkeit erschwert. Da kommt eine Formation wie Erdmöbel gerade recht. Sie hat längst einen ganz eigenen, kleinen Weihnachtskosmos entworfen. Seit 10 Jahren beschert uns die aus Markus Berges (Gesang, Gitarre), Ekki Maas (Bass), Wolfgang Proppe (Keyboard) und Christian Wübben (Schlagzeug) bestehende Band Kompositionen, die sowohl um Abgrenzung zum weihnachtlichen Wahnsinn bemüht sind, als auch Ehrfurcht vor der Anziehungskraft dieses Fests offenbaren. Erdmöbel zeichnet lakonisches Understatement und trockene Poesie – gepaart mit gewitztem Indie-Pop – aus. Was immer sich an allerlei Wünschen, Erinnerungen, Enttäuschungen vor Weihnachten ansammelt, es schlägt sich im Schaffen Erdmöbels nieder. Das 2014 veröffentlichte Album Geschenk zählt zweifelsohne zum Besten, was deutscher Pop je zum Fest beigesteuert hat. Bereits letztes Jahr wurde es um 3 Lieder erweitert, 2016 gibt es einen weiteren neuen Track zu vermelden. Weihnachten im Weltall, ein Duett mit Rula Loucopoulos, versprüht altbekannten musikalischen Charme. Im vermeintlichen Sci-Fi-Dada dieses Stücks verbirgt sich einmal mehr Nachdenklichkeit. Die Zeile „Wir alle spüren von Jahr zu Jahr mehr den freien Fall.“ lässt sich leicht aus dem Kontext der Weltraumgeschichte herausbrechen und zu einer generellen Einschätzung der Gegenwart umdeuten. Erdmöbel reflektieren oft humorvoll bis bittersüß, nie belehrend oder verbittert. Eine Aura der Liebenswürdigkeit umgibt den kauzigen Kern der Lieder. Das macht sich auch bei Weihnachten im Weltall bemerkbar, dem in bester Tradition ein komisches Musikvideo spendiert wurde.

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Wie Topf und Deckel – Erdmöbel

„Weihnachten mag ein religiöses Fest, eine rauschende Familienzusammenkunft, eine Explosion des Konsumterrors oder ein Höhepunkt einsamer Schwermut sein. Vor allem ist es ein wiederkehrender Ausnahmezustand, dessen Ausgeburten Erdmöbel zu begegnen wissen. Geschenk versöhnt die Erfahrungswerte mit den Erwartungshaltungen, die man an Weihnachten und – weiter gefasst – an das Jahresende so haben kann. Seit 2006 schon bietet die Formation mit Liedern zwischen klugem Verlierertum, auf die Schippe genommenen Gepflogenheiten und dezenter Schunkel-Heiterkeit einen alljährlichen Gegenentwurf zum penetranten Jingle-Bells-Einerlei.“ hatte ich 2014 auf diesem Blog geschrieben. Was letztes Jahr galt, hat auch 2015 nichts an Gültigkeit eingebüßt. Die deutschen Indie-Pop-Veteranen vermochten die letzte Weihnacht mit ihrer Platte zu verschönern. Und spätestens jetzt wäre es wieder an der Zeit, das Album aus dem Regal zu holen und bis Heiligabend zu genießen. Doch halt! Geschenk wurde dieses Jahr nicht nur neu aufgelegt, sondern mit drei weiteren Liedern ordentlich aufgemotzt.

Geschenk +3 verfestigt den Eindruck, dass Erdmöbel ihre Bestimmung gefunden haben. Dass es sich mit Weihnachten und Erdmöbel wie mit Topf und Deckel verhält. Die Band hat dem Fest in den letzten zehn Jahren bereits mehr Aspekte abgerungen als die übrige deutsche Musikwelt zusammen. Erdmöbel sind die Chronisten von Weihnacht in der Postmoderne. Wie Topf und Deckel – Erdmöbel weiterlesen

Weihnachtsmedizin, die man süffeln sollte – Erdmöbel

Ich hoffe, ich trete der deutschen Indie-Pop-Institution Erdmöbel nicht zu nahe, wenn ich gestehe, dass ich das lakonische Understatement und die legere Melancholie ihres Tuns nie übermäßig zu würdigen wusste. Erdmöbel sind meiner Meinung nach zwar eine Band, deren schiere Existenz der deutschen Musiklandschaft fraglos gut tut. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich sie mir auch oft anhören muss. Die Formation ist wie die Sorte Medizin, zu der man seinen Mitmenschen rät, die man selbst jedoch oft brüsk – weil unnötig – von sich weist. Kurzum, ich hätte wohl auch dem neuen Album Geschenk nur beiläufiges Gehör geschenkt, wenn es nicht der alljährlich Ende Dezember vollzogenen Feiertäglichkeit einiges Augenzwinkern, trockene Poesie und die nötige Nachdenklichkeit abtrotzen würde. Unser Blog verfällt um diese Jahreszeit immer in einen milden Weihnachtswahn, der nach der richtigen Dosis aus Kitsch, Festlichkeit und Skurrilität ringt. Und hier erweisen sich Erdmöbel als Verbündete im Geiste, deren Affinität zu Weihnachten sich nicht etwa darauf beschränkt, den ewig selben Weihnachtsliedern mit halbherzigen Neuinterpretation zu Leibe zu rücken. Die Gruppe zeigt Originalität, indem sie das Karma gegenwärtiger Weihnachten in besinnliche Episoden gießt.

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Stream: Erdmöbel: ding ding dong (jesus weint schon)

Ich muss gestehen, bisher haben wir die jährliche Weihnachtssingle der Erdmöbel hier auf unseren Seiten nicht genug beachtet. Dieses Kleinod wollte ich euch aber auf keinen Fall vorenthalten. Musikalisch sehr eingängig, der abgründige Humor sowieso köstlich, ein guter Grund mich weniger über die Weihnachtsmuffeligkeit heimischer Bands zu beschweren.

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