Schatzkästchen 56: Erin Costelo – Fighter

Es existieren zwei Sorten von Soulsängerinnen. Die mit Stimme und jene mit Talent. Die unzähligen Castingsshows der letzten 15 Jahre haben oft auf Soul gesetzt, weil das Genre den Gesang in den Vordergrund stellt. Auch deshalb wurden unzählige Soul-Pop-Zombies hervorgebracht, die sich zwar von Oktave zu Oktave hangeln können, es allerdings stets verabsäumen, Lieder mit Seele auszufüllen. Und eben weil ich an Soul wirklich hohe Ansprüche habe, wird das Genre hier auf dem Blog eher selten erwähnt. Heute freilich möchte ich eine Ausnahme machen. Die Kanadierin Erin Costelo hat mich mit ihrem Song Fighter mehr als nur überzeugt. Sie hat – und das ist unter keinen Umständen rassistisch gemeint – eine ausgesprochen schwarze Stimme, ein Organ mit Ecken und Kanten. Ihr Vortrag ist kräftig und rau, bei ihr springt Emotion über. Nichts scheint ihr ferner zu liegen, als schieren Schöngesang praktizieren. Fighter imponiert als angenehm altmodisch instrumentierter, auf neumodischen Schnickschnack verzichtender Song, der in dieser Form auch vor 20 oder 30 Jahren hätte aufgenommen werden können. Speziell Soul-Pop – auch das ist ein Teil des Problems – wirkt oftmals hoffnungslos überproduziert. Da lobe ich mir Fighter, etwa wegen einer herrlich aus der Zeit gefallenen Gitarre und einem wie aus dem alten Lehrbuch entnommenen Background-Gesang, der Worte echot, harmonische Akzente setzt. Auch deshalb gilt: Wenn das Album Down Below, The Status Quo das Niveau dieses Tracks nur halbwegs halten kann, habe ich meine liebste Soulplatte des Jahres 2016 bereits gefunden!  Weiterlesen