Unsere Lieblingslieder 2014

Heute wollen wir den werten Lesern unsere 30 Lieblingslieder des Jahres 2014 vorstellen. Diese 30 Tracks sind uns ans Herz gewachsen und werden auch 2015 nicht aus dem Gedächtnis purzeln. Natürlich hätten wir locker 100 Songs nennen können, der Übersichtlichkeit halber haben wir uns auf diese Liste beschränkt. Weiters gilt: Nummerierungen sind Schall und Rauch, höchstens die Top 5 sind mit einem besonderen Ausrufezeichen versehen. Viel Vergnügen beim Erlauschen!

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1. Wanda – Bologna

Schon das erste Lied der Platte gerät zum Volltreffer. Bologna gefällt als verhinderte Inzest-Hymne (“Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen/ Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht“), lässt Italien als Sehnsuchtsort für Amore und Dol­ce­far­ni­en­te wiederauferstehen. All den Irrungen und Wirrungen des Fühlens steht ein kehlig geschmettertes, die Liebe bejahendes Lebensgefühl entgegen.

ausderbibliotheque

2. Andreas Dorau – Reden wir von mir

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Ein Herz, das zwickt und zwackt – Erland & The Carnival

Ein Herz, das zwickt und zwackt. Dazu flausendes Grübeln im Kopf und ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Sophisticated Pop war noch selten kompliziert gefühliger. Der britischen Formation Erland & The Carnival ist so ein feines, feines Werk gelungen. Dabei hatte schon 2011 das Vorgängeralbum Nightingale für Entzücken gesorgt. Jene Platte vermochte psychedelischen Britpop und skurrile Folktronica zu kredenzen, weswegen ich Erland Cooper, Simon Tong und Konsorten als traurige Harlekine bezeichnete. Mit dem nun endlich veröffentlichten dritten Album Closing Time wurde der zuvor praktizierte Rock und die eingestreute groteske Note von einem kultivierten, leidenden Pop abgelöst. Coopers feierliche Stimme trägt meist eine Träne im Knopfloch – und das meine ich keinesfalls abschätzig. Dazu gesellt sich ein kammermusikalischer Sound, der die bekenntnishafte und eingeständnisreiche Würde des Werks unterstreicht.

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Lauschrausch LVI: Erland & The Carnival

Die britische Formation Erland & The Carnival vermochte 2011 mit ihrem Album Nightingale ein ausgesprochen feines Werk vorzulegen, dass ich damals irgendwo zwischen psychedelischem Britpop und skurrilem Folktronica verortet habe. Nun endlich schicken sich Sänger Erland Cooper, der bereits bei Bands wie The Verve und Gorillaz mitwirkende Veteran Simon Tong und Konsorten an, eine neue Platte folgen zu lassen. Closing Time ist für Ende August angekündigt, einen ersten Vorgeschmack bietet der Song Quiet Love. Der Pressetext nennt Closing Time „eine subtile, nach innen gekehrte Sammlung von Songs, verbunden mit atemberaubenden Streicher-Arrangements und dem umwerfenden Gesang von Erland“. Tatsächlich ist das bedächtige, fast balladesk-kontemplative Quiet Love ein echtes Versprechen. Coopers Stimme trägt eine Träne im Knopfloch durch einen edlen, pittoresken Sound spazieren. Darum ist meine Vorfreude groß.

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Unsere musikalischen Favoriten 2011 – Ein Zwischenstand und Vorausblick

Es gibt durchwachsene Jahre und grandiose Jahre. Bislang scheint 2011 noch einen schüchtern bescheidenen Eindruck zu hinterlassen, sich nicht voreilig entscheiden zu wollen. Natürlich verstecken sich feine Platten in den Tagen und Monaten des bislang so flugs verlaufenden Jahres. Aber zünftige Paukenschläge, welche das Herz in höchste Sphären katapultieren, fehlen bis dato mehrheitlich. Oftmals wird aus dem vermeintlichen Trommelwirbel dann doch ein Triangelgeklingel. Das gilt insbesondere für Alben, denen ich recht insbrüstig entgegen geharrt habe. Das neue Werk Take Care, Take Care, Take Care der mir ans Herz gewachsenen Post-Rock-Kulleraugen Explosions In The Sky wirkt ansprechend, aber nie völlig geniedurchblitzt. Die über alle Maßen verehrten The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble haben mich mit From The Stairwell zwar überzeugt, leider jedoch nicht derart enthusiasmiert, wie sie es mit ihren Vorgängerscheiben taten.  Ähnliches ließe sich auch über Joan As Police Woman oder The Low Anthem sagen. 2011 verlangt mir also Neuentdeckungen ab, zumal ich mit den gängigen Charts-Stürmern eher wenig anzufangen weiß. Herbert Grönemeyers Schiffsverkehr wirkt auf mich recht lustlos durchgewunken, die Foo Fighters etwa hatten auch schon mal distinktivere Hits im Repertoire. So sind es eben die jüngst aufgespürten Künstler, welche mir die erste Hälfte des Jahres speziell verzuckerten. Ein Ausblick auf demnächst zur Veröffentlichung anstehende Alben verspricht auch für den Rest des Jahres das eine oder andere Glanzlicht. Man darf gespannt bleiben, immer mit einem weit geöffneten Ohr den Neuerscheinungen begegnen…

Album-Favoriten 2011

Erland & The CarnivalNightingale

Joel AlmeWaiting For The Bells

Anna CalviAnna Calvi

Dark Dark DarkWild Go

Susanne SundførThe Brothel

Sin FangSummer Echoes

PapercutsFading Parade

Amon TobinISAM

Juliette CommagereThe Procession

Africa Hitech93 Million Miles

Lieder 2011:

Sin Fang – Two Boys

Sin Fang : Two Boys from morr music on Vimeo.

Low – Try To Sleep


Low – Try to Sleep (OFFICIAL VIDEO) von subpoprecords

Francesca Lago – On My Way Back From The Moon

Finde weitere Künstler wie Francesca bei Myspace Musik

Beady Eye – Wigwam (simfy)

Erland & The Carnival – Wealldie (simfy)

Dark Dark Dark – Something For Myself

Joel Alme – When Old Love Keeps You Waiting (simfy)

White Lies – Bigger Than Us


WHITE LIES – BIGGER THAN US (official music video) von elnino

Pat Appleton – Männer ohne Pferd

Lotte Kestner – Halo

Veröffentlichungsausblick:

Early Day Miners – Night People (VÖ 12.08.2011)
Beirut – The Rip Tide (VÖ 26.08.2011)
Tinariwen – Tassili (VÖ 02.09.2011)
Sóley – We Sink (VÖ 02.09.2011)
Dear Reader – Idealistic Animals (VÖ 02.09.2011)
Ladytron – Gravity The Seducer (VÖ 09.09.2011)
Cant – Dreams Come True (VÖ 09.09.2011)
dEUS – Keep You Close (VÖ 16.09.2011)
Ane Brun – It All Starts With One (VÖ 16.09.2011)
Shimmering Stars – Violent Hearts (VÖ 16.09.2011)
Laura Marling – A Creature I Don’t Know (VÖ 23.09.2011)
Björk – Biophilia (VÖ 30.09.2011)
Dum Dum Girls – Only In Dreams (VÖ 30.09.2011)
DJ Shadow – The Less You Know the Better (VÖ September 2011)
Noel Gallagher’s High Flying Birds – Noel Gallagher’s High Flying Birds (VÖ 14.10.2011)
Still Corners – Creatures Of An Hour (VÖ 14.10.2011)

SomeVapourTrails

Traurige Harlekine – Erland & The Carnival

Mit schnöder Regelmäßigkeit beeindrucken neue, unverbrauchte Bands von der Insel. Kaum hat sich etwa The Strange Death of Liberal England endgültig einen prominenten Platz im heimeligen Hinterstübchen meines Gedächtnisses gesichert, kommt auch schon Erland & The Carnival um die Ecke und begehrt dies ebenso. Nun ist meine Gastfreundschaft durchaus ausgeprägt, sofern die Band gewisse Mindestanforderungen erfüllt. Natürlich tun sie das. In der Tat paart das Album Nightingale Momente des Spektakels mit Zurückhaltung, tönt mal markanter, mal subtiler sophisticated, agiert irgendwo zwischen psychedelischem Britpop und skurrilem Folktronica. Dieser Platte sitzt ein surrealer Schalk im Nacken, sie wirkt viel hintergründiger als die bubihafte Chose vieler anderer Acts.

Doch werfen wir einen wohldosierten Blick auf eine Handvoll Tracks, klamüsern wir die Sache  auf die Schnelle auseinander. So Tired In The Morning betätigt sich als Opener wie aus dem Bilderbuch. Eine Einstiegsdroge der opulenten Sorte, der integre Ohrwurm für feingeistige Gemüter. Was für eine spritzig-verquollene, aus dem Pyjama geschüttelte Hookline! Der fantasiegeladene Galopp durch einen Geisterwald peitscht Emmeline vorwärts, ein Ritt durch eine albträumerische Szenerie, die im Verlauf des Albums immer wieder auftaucht. I’m Not Really Here darf als durchaus programmatische Ansage verstanden werden, entkommt die Band um Sänger Erland Cooper doch über den Umweg durch retroeske Gefilde in ein Zauberland der schmerzhaften Erinnerung. Wie sich das Lied Nightingale soundgewittrig aufschwingt und entfleucht, lässt das Herz vor Weltflucht welken. Das balladesk-liebliche East & West vermag den Hörer auf Anhieb zu entzücken, während ein in zwei Hälften zerbrochenes Wealldie als echtes Kleinod erst ausgiebiger begutachtet werden will. The Trees They Grow So High begibt sich abermals auf unwirkliches Terrain, Soundeffekte hallen durch das Dickicht, immer wieder von Groteske karikiert.

Erland & The Carnival – Map of an Englishman from erlandandthecarnival on Vimeo.

Erland & The Carnival – ‚Nightingale‘ Album Teaser from erlandandthecarnival on Vimeo.

Erland & The Carnival geben sich einen surrealistischen Anstrich, geizen nicht mit Experimenten, verkopfen jedoch nie ihr Werk auf akademisches Niveau. Sie wahren fraglos Distanz, schleimen nie herum oder ein, sind traurige Harlekine, deren buntes musikalisches Gefieder manch Düsterheit nur oberflächlich kaschiert. Das anspruchsvolle Werk Nightingale gehört zu den großen Kalibern der Gegenwart, obwohl es vom Gestus der Nuancen lebt, brachiale Anbiederung vermeidet, vielmehr vom Hörer sorgsam ergründet werden möchte. Exzentrischere und zugleich stilsicherere Newcomer werden aus Großbritannien dieses Jahr kaum mehr mehr zu erwarten sein. Ich komme nicht umhin, eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen.

Nightingale erscheint am 11.03.11 auf Full Time Hobby.

Konzerttermine:

27.04.11 Köln – Blue Shell
28.04.11 Hamburg – Prinzenbar
29.04.11 Berlin – Privatclub
30.04.11 Dresden – Beatpol
02.05.11 Frankfurt – Das Bett
03.05.11 Zürich (CH) – Exil
04.05.11 Freiburg (CH) – Fri-Son
05.05.11 Basel (CH) – Parterre
06.05.11 Schorndorf – Manufaktur
07.05.11 Ebensee (A) – Kino Ebense

Links:

Offizielle Homepage

Erland & The Carnival auf Facebook

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