Musikalisches Tohuwabohu (V): Siinai, Jarle Skavhellen, Escondido

Und wieder habe ich mir feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Mögen Sie auf gespitzte Ohren stoßen!

Siinai

Wem die finnische Formation Siinai kein Begriff ist, der hat in den letzten Jahren gleich mehrere starke Alben verpasst. Die Zusammenarbeit mit Spencer Krug (aka Moonface) bei Heartbreaking Bravery (2012) und My Best Human Face (2016) hat mir ungemein imponiert, sodass ich mir vorgenommen habe, die Band im Auge zu behalten. Dieses Ansinnen trägt nun Früchte, für Oktober ist das Album Sykli angekündigt. Dessen erste Kostprobe, der Track Ananda, reißt mich wirklich vom Hocker.  Weiterlesen

Unsere Lieblingsplatten 2016

Was für den Rückblick auf das Jahr 2015 gegolten hat, ist leider auch 2016 aktuell. Daher nochmals letztjährige – nur hinsichtlich der Jahreszahlen aktualisierte – Betrachtungen…

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit… Moment, der Platzhaltertext ist natürlich ein Scherz. Sogar zwischen den Feiertagen fällt mir ein Gedanke zum Musikjahr 2016 ein. Ich meine nämlich, dass Musik zwar nach wie vor eine große Rolle spielt, sie zugleich weniger wahrgenommen wird. Wir hören Musik, aber wie viele Lieder könnten wir zumindest im Refrain tatsächlich mitsingen? Wären wir tatsächlich noch in der Lage, die Intention unseres liebsten Albums des Jahres in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Ist es nicht fast erschütternd, dass die Texte, die sich den meisten Menschen einprägen, ausgerechnet aus schlimmen Genres stammen oder problematische Weltanschauungen verfechten? Zeilen aus Schlagern gehören zum Allgemeingut, auch die Protagonisten des Deutschrap haben genug Hörer, die an ihren Lippen hängen, selbst die Texte der völlig unsäglichen Frei.Wild finden willige Abnehmer. Wie aber sieht es mit den Heroen des Indie-Genres und den Kritikerdarlingen aus? Wer könnte Thees Uhlmann, Sufjan Stevens oder Julia Holter aus dem Effeff zitieren? Wir erleben eine Wahrnehmungskrise jener Musik, die für sich in Anspruch nimmt, wertvoll zu sein. Woran liegt das? Ich will es kurz machen, die Schuld teilen sich Künstler, Musikkritik und Hörer zu gleichen Teilen. Wenn Bands und Musiker soziale Netzwerke mit jeder Menge Fotos bespaßen oder mit allerlei Veranstaltungshinweise vollpropfen, dabei aber komplett vergessen, ihre Lyrics und/oder Gitarrentabulaturen zu verbreiten, dann dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn Hörer vielleicht lustige Schnappschüsse eher in Erinnerung behalten als die Inhalte der letzten Platte. Die Musikkritik wiederum wird sich mit Klickstrecken und der Ausrichtung auf Tablet und Smartphone zu Tode layouten. Dazu kommt noch die Facebook-Hörigkeit, die eine Platte mit wenigen knackigen Worten teasert. Rezensionen geraten oberflächlich, weil der Transport der eigenen Meinung über dem Verständnis einer Platte steht. Und dann wäre da noch der Hörer, dem Musik oftmals so wichtig ist, dass er sie gar nicht mehr käuflich erwerben muss. Nichts spricht gegen Streaming als Ergänzung zur CD-Sammlung. Ein Stream kann jedoch nie den Besitz einer Platte ersetzen, ihm fehlt jedwedes haptische Erlebnis, ihm fehlt der zeitliche Aufwand – ja generell der zielgerichtet Akt des Kaufs. Wir sehen also, die Krise ist umfassend! Und wird bestenfalls dort überwunden, wo die Musik Botschaften und Lebensgefühl mittransportiert. Das tut der Schlager, das tut leider auch Bushido. Wo also bleibt das Indie-Lebensgefühl? 2016 hat es trotz vieler toller Alben gefehlt. Doch genug geredet, hier nun unsere liebsten Platten!

1. Tricky – Skilled Mechanics

Neukölln erwächst zum Sehnsuchtsort für die, die Konformität im großen, hippen Chaos anstreben. In solch Getümmel scheint Tricky tatsächlich nur die Rolle des Betrachters zu bleiben. Auf gewisse Weise ist ihm diese Position nicht fremd. Denn auch sein musikalisches Schaffen blickt von außen auf Business und Szene, freilich mit der Gelassenheit und Weisheit eines Typen, der sich und anderen nicht mehr viel beweisen muss oder sogar möchte. (Review) VÖ: 22.01.2016 (False Idols)

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Unsere Lieblingslieder 2016

Nach einer kleinen gesundheitlichen Zwangspause geht es jetzt munter weiter…

Musik ist für die Ewigkeit gemacht. Sie läuft nicht davon. Gerade im Zeitalter digitaler Verfügbarkeit nicht. Es muss wohl diese Erkenntnis gewesen sein, die mich 2016 dazu veranlasst hat, viele – sehr viele – Platten bewusst nicht zu hören. Ich habe noch in keinem Jahr meines Bloggerdaseins mir aus verschiedensten Gründen so viele Alben geliebter Künstler aufgespart. Etwa das Vermächtnis Leonard Cohens, die Trauerbewältigung Nick Caves, und viele mehr. Paul Simons diesjährige Scheibe werde ich erst 2017 so richtig hören, auch The Divine Comedy muss noch warten. Und ob ich je tiefer ins jüngste Werk Radioheads eintauche, wird die Zeit zeigen. Und diese neu gewonnene Seelenruhe soll sich 2017 auch stärker auf dem Blog äußern. Eine Platte verliert nicht an Relevanz, nur weil sie bereits den einen oder anderen Monat oder sogar Jahr am Buckel hat. Natürlich ist mir bewusst, dass sich Promotionfirmen und Labels geballte Berichterstattung ums Datum der Veröffentlichtung wünschen. Das sollen aber Magazine leisten. Ein Blog ist ein Blog – und kein Einmannmagazin. Da sich die Co-Bloggerin und meine Wenigkeit 2016 intensiv in der Flüchtlingshilfe engagiert haben und dieses Engagement nicht abnehmen wird, wird dieser Blog 2017 noch mehr Hobby sein denn je zuvor. Ein Hobby aber, das wir nicht missen möchten. Und nun genug der Vorrede. Hier sind die Lieder, die uns im letzten Jahr über den Weg gelaufen sind. Die uns erfreut und bewegt haben. Unsere liebsten Lieder halt!

1. James – Nothing But Love (Review)

2. Kevin Morby – I Have Been to the Mountain (Review)

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Eine kleine Playlist meiner bisherigen Lieblingslieder 2016

Ehe es in ein fraglos spannendes letztes Drittel des Musikjahrs 2016 geht, habe ich eine kleine Playlist mit Songs zusammengestellt, die mir 2016 im Ohr haften geblieben sind. Keines dieser Lieder habe ich aus dem Hut gezaubert, im Lauf des Jahres wurden alle bereits mit lobenden Worten bedacht. Wer beim Anhören dieser 12 Tracks hellhörig wird, darf sich gern durch die Posts stöbern, in denen ich mich mit den Stücken ein wenig näher beschäftigt habe.

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Den Prärien und Wüsten Nordamerikas entsprungen – Escondido

Heute möchte ich den Lesern ein wirkliches Schmankerl offerieren. Ich zumindest war in höchstem Maße angetan, als ich über dieses Album gestolpert bin. Walking With A Stranger scheint den Prärien und Wüsten Nordamerikas entsprungen, wirkt irgendwo in Texas, New Mexico oder Arizona verortet, dem Kernland des klischeeumrankten Wilden Westens. Das Album ist allerdings keine Cowboy-und-Indianer-Fantasie, der Radiosender KCRW beschreibt es als Mischung aus „glamorous, rhinestone-encrusted, 70s-era country queens“ und „elements of dreamy psychedelia, driving rock hooks and, of course, the plaintive, high-lonesome atmosphere of dusty desert landscapes“ – und dieser Einschätzung kann ich mich nur anschließen, wobei ich den Faktor Pop unbedingt hinzufügen möchte. Dem in Nashville, seines Zeichens Hauptstadt des Country-Mainstreams, beheimateten Duo Escondido glückt ein feines Stück Alternative Country, welches kaum in Richtung Americana oder Folk schielt, dem vielmehr der sonnengetränkte Pop-Rock vergangener Dekaden als Vorbild dient. Mariachi-Trompeten und Westerngitarre sorgen gelegentlich für Flair, knackige Popmelodien für jede Menge nicht nur Genrefetischisten umgarnenden Appeal.

Jessica Maros and Tyler James ist mit Walking With A Stranger ein Werk gelungen, das beim Hören richtiggehend auf der Zunge zergeht. Selten kommt mir Musik unter, die es herrlich einfach macht, sie Mal für Mal mit wachsender Begeisterung zu hören.  Weiterlesen