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Das Bedürfnis des Moments – Fir Cone Children

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Eine abgedroschene Weisheit, keine Frage. Am Wahrheitsgehalt bestehen freilich kaum Zweifel. Ich würde sogar so weit gehen, dass der Satz nicht nur für das Lernen gilt. Auch die Ausprägung des Geschmacks muss in ausgesprochen jungen Jahren erfolgen. Wer im Kindergarten oder gar dem eigenen Kinderzimmer nur einen Rolf Zuckowski vorgesetzt bekommt, wird später einer Helene Fischer verfallen. Und für den Zauber des Indie immer taube Ohren haben. Kleine Racker haben sich also etwas Besseres verdient als ewige Betulichkeit. Und genau hier setzt das Projekt Fir Cone Children des Berliner Tausendsassas Alexander Donat an. Das bereits dritte Album No Gravity Girls begleitet wie schon die Vorgängerplatten das Heranwachsen der eigenen Töchter – und zwar mit Klängen abseits aller Biederkeit.

Das noisige Geschrammel dieses Bubblegum-Pop-Pop besitzt noch immer anarchische Qualität. Wo Kinderlieder zu oft beruhigend oder belehrend sind, auf gewisse Weise dem quirligen Wesen des Kindes entgegenwirken, ist bei Fir Cone Children Übermut und Chaos angesagt. Vor allem aber versinkt diese Musik völlig im Augenblick, sie präsentiert sich als Anhäufung von Stimmungen. Und steht mit diesem punktuellen Ansatz im Widerspruch zur linearen Welt der Erwachsenen, die zur Gegenwart immer gleich Vergangenheit und Zukunft mitdenkt. Das Bedürfnis des Moments – Fir Cone Children weiterlesen

Alles neu, alles aufregend – Fir Cone Children

Bereits mehrfach habe ich den pfiffigen Noise-Pop von Fir Cone Children an dieser Stelle über den grünen Klee gelobt. Das Ein-Mann-Projekt von Alexander Leonard Donat hat als Zielgruppe Babys und Kleinstknirpse auserkoren. Diese sollen zu den flotten Tönen herumwirbeln, durch die Gegend hampeln oder zumindest vergnügt aus dem Kinderbett grinsen. Die Musik von Fir Cone Children darf als Gegenentwurf zu handelsüblichen biederen, einlullenden Kinderliedern verstanden werden. War der Titel der letztjährigen Platte Everything Is Easy noch in jeder Hinsicht wörtlich zu nehmen, gibt sich das soeben erschienene Album Firconium vom Namen her kryptischer. Und doch hat sich an der Formel gar nichts geändert. Noch immer wird die Welt durch Kinderaugen erkundet, dieses Mal stehen die ersten Erfahrung eines Babys – und somit manch kleine Dramen und ganz viel großes Staunen – im Mittelpunkt. Alles ist neu, alles scheint aufregend!

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Ein Tollen durch dick und dünn – Fir Cone Children

Alles ausprobieren, ohne Rücksicht auf Verluste, aber mit viel Liebe zum Detail! Getreu diesem Motto agiert Alexander Leonard Donat, der vom Berliner Umland aus die Welt beinahe jeden zweiten Monat mit einem neuen Album oder zumindest einer EP beschallt. Sticht das eine Projekt durch ambitioniert ausgestalteten Post-Punk hervor, skizziert ein anderes Vorhaben den Berliner Underground mittels Krautrock, Wave und Shoegaze. Letzten Sommer habe ich über Fir Cone Children berichtet, dem wiederum eine ganz spezielle Herangehensweise innewohnt. Es ist der unbändigen, unberechenbaren Energie von Kleinkindern nachempfunden, entzückt durch Noise-Pop der aufgewecktesten Sorte. Fir Cone Children steht für die Achterbahnfahrt eines Kinderlebens, bietet eine Alternative zur oft beschwichtigenden bis einlullenden Musik, die sonst auf Kinder losgelassen wird.

Die EP The Age of Blastbeatles ist als Aufgalopp zum für Sommer angekündigten zweiten Album von Fir Cone Children zu verstehen. Die EP zelebriert eine punkige Attitüde, achtet zugleich darauf, auch immer eine flotte Melodie anzubieten. Das Wortspiel, welches hinter dem Titeltrack The Age of Blastbeatles steckt, spiegelt die Intention des insgesamt vierzehneinhalb Minuten dauernden Werks wider. Vom Schlagzeug wir ein Affenzahn an Tempo vorgegeben, zugleich ist auch sehr garagiger Pop mit retroesker Verklärung anzutreffen. Die Worte „All you need is love“ darf man als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen. Ein Tollen durch dick und dünn – Fir Cone Children weiterlesen

Geburtsstunde einer großen, glücklichen Kindheit – Fir Cone Children

Die Zielgruppe zu benennen, ist meiner Meinung nach schon die halbe Miete. Das gilt für den Geschäftsmann wie für den Musiker. Das im Speckgürtel von Berlin angesiedelte Ein-Mann-Projekt Fir Cone Children hat als Zielgruppe kleine, gerade einmal zwei Jahre alte Knirpse und Knirpsinnen ausgemacht, die mittels Beschallung durch  Punk-Shoegaze-Gewusel so richtig durch den Vorgarten wirbeln sollen. Das Album Everything Is Easy kommt mit knackigen Zweiminütern samt viel verzerrtem DIY-Flair daher. Diese Songs machen Rabatz, sind dabei zugleich wonnig und niedlich. Sie kanalisieren überschüssige Energien, indem sie derart viele Purzelbäume schlagen, dass kein Grashalm ungeschoren bleibt. Everything Is Easy will elfmal zwei Minuten furchtlos Kind sein, richtig unbeschwert durch die Pampa wetzen. Ich meine, dies gelingt.

So tönt Musik, die sich alle Arten von Effekten gleich Bonbons in den Mund stopft, um dann mit dicken Backen zu einem seligen Grinsen anzusetzen. Derart klingt es, wenn alles neu und aufregend und bar jeder Sorgen scheint, wenn großes Staunen und viel Tralala vorherrscht. Vieles gerät zur Entdeckung, alles ist ein Rambazamba und quietschiges Lachen wert. Ob Lo-Fi-Garage oder Noise-Dream-Pop, jenen Liedern wohnt stets lärmiges Frohlocken inne. Auf gewisse Weise fühle ich bei diesem Album an den großartigen Comic Calvin and Hobbes erinnert. Geburtsstunde einer großen, glücklichen Kindheit – Fir Cone Children weiterlesen