Schlagwort-Archive: folk pop

Zurück ins Jahr 1969 – Is This Really Me

Flower Power hat einst die Welt verändert, auch wenn Hippies damals wie heute gern als zum Scheitern verurteilte Wirrköpfe dargestellt werden. Doch haben ihre vermeintlichen Flausen tatsächlich zu einem Zeitenwechsel geführt. Retrospektiv gesehen ist speziell der Umstand bemerkenswert, dass lange, lange vor der weltweiten Vernetzung durch das Internet bereits eine nationale Grenzen überwindende Bewegung entstanden ist. So naiv wie oftmals dargestellt, waren Hippies nie. Viele Errungenschaft modernen Denkens hat erst die Blumenkindergeneration angestoßen. Weshalb ich gerade heute eine Lanze für die Hippies breche? Weil mich das Album The Iron Door an diese Epoche erinnert! Und zwar nicht nur aus nostalgischen Anwandlungen heraus. Der finnischen Formation Is This Really Me ist mit dem Werk eine Zeitreise ins Jahr 1969 geglückt. Diesem Folk-Pop mit psychedelischer Prägung gelingt nicht nur ein warmer, einnehmender Sound, auch in den Lyrics schlägt sich viel des damaligen Lebensgefühls nieder. Schauen wir uns die Platte doch ein wenig genauer an!

Photo Credit: Sakari Luhtala

Nehmen wir doch nun den Opener Sun, der nach den Fleet Foxes voll lichtem Spät-Sixties-Charme anmutet. Panu Artemjeff, Mastermind der Band, nennt den Sonnengesang von Franz von Assisi als Inspiration für das Lied. Zeilen wie „In the end we all will find it out/ Sun means love/ And love means life“ greifen das Lebensgefühl der Hippies auf. Spiritualität wird ohne die Beschränkungen durch Religion erfahren, das Hin-zur-Natur bildet die Ursprünge der Öko-Bewegung ab. Zurück ins Jahr 1969 – Is This Really Me weiterlesen

Schatzkästchen 93: Is This Really Me – Sun (+Videopremiere)

Photo Credit: Sakari Luhtala

Reinsten Balsam für die Ohren möchte ich den geschätzten Lesern heute anbieten. Der finnischen Formation Is This Really Me ist mit Sun eine fröhliche, beschwingte Folk-Pop-Nummer geglückt. Wer sich die Fleet Foxes voll lichtem Spät-Sixties-Charme vorstellen mag, bekommt eine ungefähre Ahnung von der Schönheit des Songs. Die zarte Magie von Sun stützt sich vor allem auf eine Akustikgitarre, ein heiter klimperndes und erhebenden Harmoniegesang. Der zunächst andächtige Anfang geht bald in hymnische, Wohlgefühl versprühende Rhythmen über. Sun ist ein kleiner Moment der Glückseligkeit, geradezu ein Lichtschimmer, der die Seele streichelt. Panu Artemjeff, Mastermind von Is This Really Me, nennt den Sonnengesang von Franz von Assisi als Inspiration für das Lied. „The sun has been the god for the people during the most of human history. Worshipping the Sun means worshipping the existence of ones‘ mind, the place where everything is valorized. Music, dance and noises of the partying people are old ways to summon the light to our lives. This song was written to this very old purpose. It is a rock bottom riser, a celebration of beauty of life in this lonely planet we occupy.“ fügt er weiter an.

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Welcher Vogel hat denn diese Tracklist verbrochen? – Angus & Julia Stone

Ich meine mich zu erinnern, dass ich auf das australischen Geschwisterpaar Angus & Julia Stone bislang keine Zeile verschwendet habe. Was ich im Lauf der Zeit so aufgeschnappt habe, war zwar stets nett, aber zugleich nichts, was mich aus den Socken gehauen hätte. Eine ähnliche Einschätzung wäre auch dem neuen Album Snow zuteilgeworden, wenn ich mich während der ersten Lieder in der Nähe meines Computers befunden hätte. Denn dann wäre die Chance groß gewesen, dass ich mich in der vorgefassten Meinung bestätigt gesehen und mich dem nächsten Album zugewandt hätte. So jedoch schaffte es die Platte bis zum siebten Track und ab dann hat sie mich tatsächlich um den Finger gewickelt. Auf meinem Schreibtisch türmen sich Alben voll künstlerischem Anspruch, gesellschaftlicher Relevanz und kreativem Potential, Snow ächzt nicht unter solch Erwartungshaltungen und entpuppt sich vermutlich gerade deshalb als echtes Hörvergnügen.

Photo Credit: Jennifer Stenglein/UniversalMusic

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Schlaglicht 73: Vil

Entschleunigung und Entspannung. In fordernden, geradezu auslaugenden Zeiten sehnt man sich nach ein wenig Ruhe. Viele Bücher überbieten sich mit Tipps, wie es denn mit der Work-Life-Balance endlich klappt. An Ratgeberei mangelt es nicht. Aber allen Vorsätzen steht das Funktionieren entgegen, auf das man zu lange schon getrimmt wurde. Auch Rückzugsorte sind schwer zu finden, speziell im Zustand permanenter Erreichbarkeit. Wo alles Motivations – und Meditationsgequatsche ins Leere läuft, kann vielleicht Kunst – und ganz speziell Musik – in die Bresche springen. Dabei habe ich freilich keinerlei esoterisches Gedudel im Sinn, vielmehr das dänisch-isländische Duo Vil, dessen Album Mens vi falder stille skandinavische Kargheit mit chansonesker Leichtigkeit verbindet. Folk und Ambient prägen die Platte, manche Stücke sind durchaus melodisch gehalten, andere wiederum fragmentarisch und zerbrechlich, verhalten und intim.

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Gut gemeint? Sehr gut gemacht! – Moddi

Gut gemeint, so unkt man gern, sei das Gegenteil von gut gemacht. Wenn sich also ein Singer-Songwriter verbotenen, zumindest aber verpönten Liedern aus allen Teilen der Welt annimmt, darauf aufmerksam machen möchte, dass sich Musik immer auch gegen Tyrannei, Krieg und Unrecht gewandt hat, will man der Idee applaudieren. Mit der Intention allein gewinnt man freilich keinen Blumentopf.  Auch die konkrete Umsetzung muss überzeugen. Lieder des Protests haben über die Zeit deshalb ihre Wirkung entfaltet, weil sie oftmals von Menschen in Bedrängnis für unterdrückte Menschen geschrieben wurden. Kann also ein junger norwegischer Singer-Songwriter namens Moddi mit seinem Album Unsongs tatsächlich jenen Ärger, allen Zorn und die bisweilen große Verzweiflung reproduzieren, die den ursprünglichen Werken innewohnt? Und ist der Indie-Musikfan die Zielgruppe, die mit solch Attitüde etwas anzufangen weiß? Ich meine ja, ich hoffe ja.

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Photo Credit: Jørgen Nordby

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Der Anfang im Ende – Laura Gibson

Nicht jede Platte, die Beziehungsenden und Aufbrüche beschreibt, verfügt wirklich über besondere emanzipatorische Kraft. Empire Builder jedoch besitzt diese! Das von einem Neuanfang erzählende Album der US-Singer-Songwriterin Laura Gibson ist ohne Zweifel bemerkenswert. Denn auch wenn es allein in diesem Jahr hunderte Platten geben wird, die thematisch ähnlich angelegt sind, können es zugleich nie genug sein. Weil Frauen viele Jahrhunderte nachholen müssen, in denen sie in Literatur und Musik kaum eine Stimme hatten. Weil Frauen erst in den letzten 50 Jahren allmählich ein selbstbestimmtes Leben führen konnten. Von Singer-Songwriterinnen ersonnene Alben, die von Abschieden und Neuorientierung berichten,  haben stets ihre Berechtigung. Sehr gute Werke umso mehr!

Empire Builder besticht mit folkigem, von urbanem Flair erfülltem Pop. Gibsons makellos helle, angenehm fragile Stimme besorgt den Rest. Schon der Opener The Cause versprüht Streicher-Chic, erinnert an den Sixties-Charme des East Village, ein wummernder Bass und eine aus dem Hintergrund jaulende E-Gitarre kontrastieren die Chose. Es schließt ein Liebeskapitel und wendet sich neuen Dingen zu. Natürlich ist die Neuorientierung nichts, was mit einem Fingerschnippen funktioniert. Der Anfang im Ende – Laura Gibson weiterlesen

Bittere Süße & süße Bitterkeit – The Birds Of Passage

Textlich mit Emotionen und der Liebe ringend, musikalisch von Lagerfeuerwärme erfüllt, so präsentiert sich der akustische Folk-Pop des Albums Ruska. Die Sachtheit des Duos The Birds Of Passage gerät perfekt, auf bemerkenswerte Weise unaufdringlich, regelrecht scheu. Die im finnischen Helsinki beheimatete Formation entwickelt einen herrlich fragilen Zauber, der gemeinsame Gesang von Tanja Ingley und Patrik Andersson kreist um Gitarrenmusik und den einen oder anderen Streicher-Akzent. Mit recht überschaubaren Mitteln wird eine verhaltene Stimmung erschaffen. Eine Atmosphäre eigentümlicher Vertrautheit kreiert, der Blick in ein nachdenkliches, zuweilen unsicheres und dennoch hoffnungsvolles Inneres gewährt.

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Schatzkästchen 49: Andrew Butler – Fiona

Letzten Herbst habe ich den werten Lesern eine bemerkenswerte Stimme vorgestellt, bei der es mich letztlich doch ein bisschen gewundert hat, dass es auf diesen Post kaum Resonanz gegeben hat. Ich nehme das auf meine Kappe, an der Qualität dessen, was der britische Singer-Songwriter Andrew Butler anbietet, kann es keinesfalls gelegen haben. Der werte Herr Butler verfügt nämlich über eine Gabe, die man sich mit Geld nicht kaufen kann. Einen gesanglichen Vortrag nämlich, der durch Eigenheit und Charakter besticht. Die zärtliche Helle seiner Stimme ist außergewöhnlich, wirkt nie poliert, vielmehr von feinen Runzeln durchwoben. Der Londoner folgt mit seinem Tun der großen Tradition britischer Troubadoure. Der Track Fiona liefert einen weiteren Vorgeschmack auf das für dieses Frühjahr angekündigtes Debüt Chalk. Fiona vermengt zeitlose Pop-Melodie mit einem bardenhaften Folk-Gesang, erzählt vom Taumel einer Liebe, der die Schwere des Herzens gegen Leichtigkeit eintauscht. Der Refrain „If you have a heavy heart/ I’ll make it light as a feather/ And if it’s been ripped apart/ I’ll stitch it back together“ vermag mit schlichter Glückseligkeit und geradezu schüchternem Trost zu berühren. Schatzkästchen 49: Andrew Butler – Fiona weiterlesen

Schatzkästchen 48: Flora Cash – For Someone

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Photo Credit: Stefan Lundaahl

Ich würde mich nicht als größten Anhänger des Valentinstag-Getues bezeichnen. Wobei natürlich nichts gegen kollektive romantische Impulse zu sagen ist. Wäre ich jedoch Musiker, würde ich rund um den 14. Februar ein tieftrauriges Liebeslied platzieren. Als Kontrapunkt, als Trost für all die Verschmähten und Alleingelassenen. Doch solange ich mich nicht unter die Musiker begebe, muss jemand anders den Job machen. 2016 tut dies das schwedisch-amerikanische Duo Flora Cash mit seiner bezaubernden Ballade For Someone. Bereits im Zuge unseres Weihnachtsspecials 2015 haben wir voll Genuss dem Lied Snow, Lights gelauscht, schon damals beschlossen, ein Auge auf das Duo zu haben. Nun gibt es Neuigkeiten zu verkünden, für Mitte März ist das Debüt Can Summer Love Last Forever terminiert. Die nun erscheinende Single For Someone beschert uns sehr bittersüße, sachte Folk-Pop-Klänge als Vorgeschmack. Der Song berichtet vom Ende einer so sehr herbeigesehnten, so seligmachenden Liebe. Schatzkästchen 48: Flora Cash – For Someone weiterlesen

Schlaglicht 40: Lily & Madeleine

Im Herbst 2014 habe ich folgende Zeilen über ein Schwesternpaar aus Indianapolis geschrieben: „Lily & Madeleine erstrahlen als Perfektion in Mädchengestalt, taugen als Projektionsfläche für keineswegs unanständige Träume männlicher Musikfans. Sie repräsentieren das Ende der Unschuld, den Moment, wo eine jugendliche Unsicherheit in heranreifendes Wissen übergeht. Sie betören mit juveniler Nachdenklichkeit, kichern nie, schwärmen nicht, sie wirken wie eine auf Ästhetik und Anstand getrimmte Fantasie, die den Hirnen kultivierter, älterer Herren entsprungen ist. Das Geschwisterpärchen bildet somit die völlige Antithese zu forsch-naivem Backfischtum. Und natürlich scheint es auch meilenweit von einer Jeunesse dorée oder jeglicher Emo-Miesepetrigkeit entfernt.“

Einem Song wie The Wolf Is Free habe ich damals attestiert, dass das Feuer der Jugend nicht nur gemütlich vor sich hin flackert, sondern durchaus auch bedrohliche Flammen produziert. Dass nicht nur sittsames Sehnen durch die Szenerie schleicht, sondern auch gefährliche Wünsche herumspuken, die zwischen den Frustrationen der Adoleszenz lauern. Lily & Madeleine haben mit ihrem Album Fumes fraglos mehr Entwicklungsroman als Teenie-Träumchen vorgelegt. Aus diesem Grund habe ich schon mit Spannung auf neue Klänge des Duos gewartet. Für 26. Februar ist nun das dritte Studioalbum namens Keep It Together angekündigt. Schlaglicht 40: Lily & Madeleine weiterlesen