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Probate Mittel für Opulenz und Mysterien – worriedaboutsatan

Es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich worriedaboutsatan nicht in Bälde in der Nische minimalistischer, melodischer Electronica etablieren. Vor einigen Wochen erschien das Album Arrivals auf dem britischen Label Gizeh Records, wie wir bereits zu berichten wussten. Heute wollen wir nochmals einen durchdringenderen Blick auf das Werk der beiden Briten Gavin Miller und Thomas Ragsdale werfen.

Arrivals

Das Projekt vermengt Ambient-Einflüsse mit sachten Downtempo-Elementen und erlangt durch Hinzufügung von Gitarren einen Post-Rock-Touch. Vereinfacht formuliert sind worriedaboutsatan mehr als lediglich Verfechter elektronischer Klänge, durchdringen Genre-Grenzen und lassen Flair, Opulenz und Mysterien des Post-Rock in ihr Schaffen wabbern. Und dies klingt einerseits auch so komplex, wie die ungelenke Beschreibung anmutet, und bietet andererseits viel Raum für ein Abtauchen in repetitive, gern minimalistisch skizzierte Klanglandschaften, die auch  mit Vocals beschallt werden. Wobei eben jener Gesang Teil des Soundgemäldes bleibt, nicht hervorragt, sich als Mosaiksteinchen in das Ganze einfügt.

worriedaboutsatan

Beispielhaft will ich ein drei Tracks unter die Lupe nehmen. Auf you’re in my thoughts füttert die Gitarre den sacht melodischen Anfang, ehe ein knisternder Beat das Kommando übernimmt und verdumpfte Vocal-Samples einen Kontrapunkt setzen, um im zunehmend stärker werdenden Gefiepse abzutauchen. Unüberfrachtet tüftet sich hier IDM den steinigen Weg ins Hirn des Hörers. evil dogs wiederum inszeniert langatmig eine mit Schlägen verhallte Geräuschkulisse, der plötzlich flotte Beats entgegenhämmern und eine ätherische Sangesstimme abgehoben entrückt beitritt. Pathos flutet im Zwischenspiel hoch, wenn eine tiefe Sprechstimme mit den Soundscapes ertönt. Der zuvor vibrierende Mix wird nochmals hochgespült und mit den Worten „everything’s gonna be fine“ ausgeklungen. Das Stück all things but you are silent stellt verschwommenen Gitarren, die von Explosions In The Sky geklaut sein könnten, eine Synthie-Verfunkung zur Seite, die so außerirdisch klingt, dass man die grünen Männchen bereits hinter dem Rücken erspürt. Der stetig wachsende, sich ständig wiederholende, von Weite getragene Space-Sound schwelgt wunderbar.

Als Fazit kann man den an Überlappungen interessierten Connaisseuren oben genannter Musikrichtungen worriedaboutsatan nur ins Einkaufswägelchen wünschen. Ohne bemühte Langeweile huldigen Miller und Ragsdale kopflastiger Loslösung – mit sehr probaten Mitteln. Eine absolute Empfehlung meinerseits bezeugt die Finesse dieser Scheibe!

Links:

Offizieller MySpace-Auftritt

Kostenloser Download von you’re in my thoughts

SomeVapourTrails

Die Rückkehr fragiler Verträumtheit – Hope Sandoval und ein kostenloser Download

Manch Dinge sind zu schön, um wahr zu sein. So zum Beispiel die Kunde, dass Hope Sandoval diesen Herbst ein Comeback gibt. Die Meisterin der sanft-hauchenden Stimme betörte Shoegaze-Liebhaber bereits als Sängerin von Mazzy Star. Mit Hope Sandoval & The Warm Inventions veröffentlichte sie 2001 ein weiteres Album, ehe unter Liebhabern Jahre der Entbehrung ins Land zogen. Fans ätherischer Klänge freilich dürfen nun endlich aufatmen. Die Platte Through The Devil Softly ist für Mitte September angekündigt. Ein mittleres Wunder!

Und heute dürfen wir mit zitternden Händen den werten Lesern des Blogs, einen Download-Link zum ersten Vorgeschmack auf dies wohl zweifelsohne hervorragende Werk überreichen. Blachard nennt sich die erste Single-Auskopplung und gemahnt jede Sekunde lang an alte Größe. Anhänger fragiler Verträumtheit werden garantiert nicht enttäuscht sein.

Blanchard

Gespannt harren DifferentStars und meine Wenigkeit unserer beider Lieblingssängerin neuester Glanztat. Der erste, via Stereogum als kostenloser Download erhältliche Appetithappen sorgt für wohlige Wärme in der Magengrube. Zum Download geht es hier.

SomeVapourTrails

Mehr Max Herres braucht die Welt

Wenn ich die Verkörperung eines gutmenschelnden, engagierten Musikers mit Bodenhaftung in Vor- und Zunamen kleiden müsste, würde ich wohl in hiesigen Gefilden Max Herre nennen. Der Freundeskreis-Frontmann symbolisiert die Art von knuffigen Zeitgenossen, den man für seine weise Naivität ins Herz und Hirn schließen mag. Wenn später im Jahr das zweite Soloalbum erscheint, dann darf man wiederum 110% Authentizität und tolle Lieder erwarten. Dem Einheitsbrei schmalzigster Plastikgefühle setzt Herre unverkrampft weltverbessernden Optimismus entgegen.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Platte Ein geschenkter Tag gibt der kostenlose Download von Blick nach vorn. Und bereits dieser Titel bestätigt die lang gehegte Vermutung, dass die Welt mehr Max Herres dringend bräuchte. Sowohl in musikalischer Hinsicht und eben auch als Botschafter einer solidarischen Gesellschaft.

SomeVapourTrails

Fucking Erbauungsmusik!

Klappe aufreißen und selbige vor Geschnatter nicht mehr schließen – das können viele. Die Herren des Projekts Soulsavers hingegen gehören wohl zu den mundfaulen Vertretern ihrer Zunft, wie dieser prägnante Blogeintrag auf MySpace ahnen lässt. Nun ja, vielleicht meinen sie jedoch auch, dass ihre Musik für sich spricht, die einprägsame Qualität mehr als hunderte marktschreierische Aktionen wirkt. Freuen wir uns also auf das Broken betitelte Album der Soulsavers-Masterminds Ian Glover und Rich Machin, die auf ihrer neuen Scheibe von Mark Lanegan und Will Oldham unterstützt werden.

soulsavers

Einen ersten Vorgeschmack erlaubt der Track Sunrise. Opulent und erhaben entfaltet sich der Song, glitzert jede Nuance farbenfroh, angenehm predigend schillert der Sonnenaufgang vor dem geistigen Auge. Unter diesem Vorzeichen darf man gespannt wie ein Flitzebogen der Dinge harren und dem 21.08. andächtig entgegenfiebern. Die Mischung aus zarten Beats, kräftiger Folk-Rock-Instrumentierung und majestätischem Gesang ließe sich gern ein gesamtes Album aushalten. Wir werden es uns nicht nehmen lassen, darüber zu berichten.

soulsaverscover

Direkt vom Label Cooperative Music (Originalzitat: Ladet euch den Song runter // Hört rein // feel free to spread around!) kommt der ein wenig abenteuerliche (aber absolut legale) Link auf das tolle Sunrise. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

The Art Of Noise – Ad Noiseam und eine kostenlose Compilation

Man soll mir mit dem Geschwätz aufhören, dass die böse, reiche – auch gern menschfressende – Musikindustrie doch Musik zerstört und all dem Tralala. Es existieren genug Labels, die auch den feinsten, ausgefallensten Gaumen zu befriedigen wissen. Man muss sie nur entdecken wollen und nicht erwarten, dass das Budget kleinerer Plattenfirmen für werbende Dauerpenetration auf dem Radiosender des Vertrauens ausgelegt ist. Die Fähigkeit zur vernunftbegabten Google-Suche fördert so manche innovative Mucke zutage, wenn man sie finden will. Eines dieser Label, welches wir in Zukunft wohlwollendst anblinzeln wollen, schimpft sich Ad Noiseam, stammt aus Berlin, und hat sich der Nische elektronischer Klänge verschrieben. Vor wenigen Wochen erschien nun eine Bestandsaufnahme derzeitig im Repertoire vertretener Künstler als kostenlose, zum Download freigegeben Compilation.

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Wozu also der Götze Filesharing huldigen und immer die lahme Ausrede nutzen, man wolle ja neue Musik entdecken und alles kräftig auschecken, wenn das Auffinden, Runterladen und Unter-die-Lupe-nehmen sich derart unkompliziert erweist. Als Fan der Formation The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble bin ich auf der Suche nach einem etwaigen Nachfolgealbum zum selbstbetitelten Geniestreich aus dem Jahre 2006 auf das Label Ad Noiseam gestoßen, auf welchem TKDE im Januar eine feine EP namens Mutations veröffentlicht haben. Ein Track davon findet sich ebenfalls auf der erwähnten Auswahl. Doch auch andere Stücke versprechen dem Gourmet extravagante Töne, machen richtig Laune und bestärken das Gefühl in der Magengrube, welches bauchredend ein „Gib kleinen Labels eine Chance“ ruft und sich nun an dem Festmahl delektiert. So strahlt das lärmig-verjazzte Epistrophy von Spyweirdos, John Mourjopoulos and Floros Floridis hervor, erfreut Larvaes Turning Around und hievt sich dem Fan das Breakcore-Gemetzel eines Sickboy in die Gehörgänge – die werte Mitbloggerin DifferentStars hingegen nennt dies einfach nur Lärm.

Somit kann ich lediglich die von Herzen kommende Empfehlung aussprechen, diesen freien Angebot als Futter für die Ohren dankbar anzunehmen. Der Geist alternativer Musikkonzepte spukt durch die gesamte Zusammenstellung. Hier geht es nun zum Download. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

Ane Brun und ein famoser kostenloser Download

Vor gut einem halben Jahr habe ich Ane Bruns Cover-Version von True Colors in höchsten Tönen gelobt. Wie ich überhaupt Frau Brun immer mal wieder tiefrote Rosen gestreut und das Album Sketches als Balsam für meinen MP3-Player eingestuft habe. Dieser Tage beehrte die ausdrucksstarke Norwegerin Daytrotter mit ihrer Gegenwart. Und tatsächlich darf sich das Ergebnis mit staunenden Augen wohlwollend begutachten lassen.

Und hier geht es – nach einer kostenlosen Registrierung – zum Download dieser wie gewohnt sparsam instrumentiert und mit viel Gänsehaut vorgetragenen Akkustik-Session.

Links:

Unsere Besprechung von Sketches

Offizielle Webseite von Ane Brun

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Wenn es dir spanisch vorkommt, ist es russisch!

Nun, ich gestehe gerne, dass meine musikalischen Ohren im Regelfall gen Westen schlackern. Gewissen Ländern und den dort verorteten Künstlern gehört meine vollste Aufmerksamkeit. Kanada mit seinen Post-Rock-Apologeten fällt in die Kategorie, ebenso das von sanft-verträumten Stimmungen geschwängerte Island. Von meinem Scheuklappenblick missachtet bleibt hingegen nahezu jegliche Musik aus dem ehemaligen Ostblock, nicht aus einem Prinzip heraus, vielmehr weil es sich nicht aufdrängt. Abgesehen von den Post-Rockern Klever (aus Sankt Petersburg), welche ihre Kunst instrumental darbieten, gähnt die Leere in meinen Playlisten, wenn ich selbige nach russischen Klänge durchforste.

Dieser Umstand erfährt gerade ein erfreuliches Ende. Dies ist dem in Berlin lebenden Tausendsassa Simon Goldfain zu verdanken. Den werten Herrn lernten wir im Zuge unseres Interesse an MEIN MIO kennen, wo er als Gitarrist fuhrwerkt. Diese vielversprechende Band wird – so viel sollte in einem Nebensatz erwähnt sein – am 28. August ihr Erstlingswerk Irgendwo in dieser großen Stadt veröffentlichen, und diesen Termin haben wir uns schon dick im Kalender eingekringelt. Doch zurück zu dem vielseitigen Herrn Goldfain und einem ansehnlichen Nebenprojekt. Als Simon The Russian fabriziert er seit geraumer Zeit in russischer Sprache dargereichten Trip Hop, welcher ungemein intensiv, atmosphärisch dicht erschallt und mit wippendem Flow begeistert.

uselesssumma

Musik Of A Useless Summa nennt sich sein bis dato letztes Werk, welches dieser Tage in einer limitierten, handgemachten Digipack-Ausgabe beim Künstler selbst erhältlich ist. Eine Entdeckung der zumindest für meine Gehörgänge zunächst fremd anmutenden Tracks lohnt sich. Musikalisch orientiert sich Simon The Russian an bester Portishead-Tradition und überzeugt mich mit sprechgesanglichem Talent für Zwischentöne davon, dass die russische Sprache für eine Trip-Hop-Darbietung gerade prädestiniert scheint. Der Titelsong hoppelt mit hohem Wiedererkennungswert durch die Boxen und schiebt Sprachbarrieren beiseite. Die Stimmung, das Gefühl regiert – und dies wird zum Beispiel bei What Are You Thinking Of (When You Sleep With Me) überaus spürbar. Toll!

Was mir anfangs spanisch vorkam, entpuppte sich als entspannt auf Russisch geträllerter Trip Hop. Ich kann jedermann nur dringend auf ausgiebige Hörproben, welche als kostenlose Downloads auf der offiziellen Homepage lauern, verweisen und dem sympathischen Musiker jede Menge neuer Fans wünschen.

Link:

Offizielle Homepage

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Ecstasy Mocks Fantasy (Scanners)

Warum schafft es eigentlich jedes bessere Popogewackel aus dem hintersten Winkel des Erdenrunds in Schallgeschwindigkeit in die Karstadt-CD-Abteilungen? Ein ansprechend locker vom Hocker instrumentiertes, mit entwaffender Stimme bestücktes Album namens Violence Is Golden schnuppert hingegen erst mit dreijähriger Verspätung deutsche Morgenluft. Klar kackt die Dampfe, wenn zeitgleiche, weltweite Releases als Ding der Unmöglichkeit scheinen und Anhänger physischer Tonträger auf meist wenig kostengünstige Importe angewiesen sind. Irgendwann letztlich erbarmt sich dann ab und an ein obskures, mit höchster Geheimhaltungsstufe bewaffnetes Kleinstlabel und bringt die Platten unter ein Volk, dass meist nicht wirklich die Chance hatte, die vielversprechende Band kennenzulernen. Im digitalen Zeitalter mögen wir in globalen Dörfern leben, aber so richtig über den Tellerrand des Ortsschilds lugt der Blick selten. Was nicht mit der Intensität eines Meteoritenschauer als Hype auf uns einprasselt, das nimmt der Durchschnittsnutzer nicht wahr. Wozu es dieser auf lokale Märkte zugeschnittenen, mehr oder minder aufwändigen Marketingfeldzüge bedarf, das würde ich gerne verstehen. Die Londoner Band Scanners musste den steinigen Weg hin zum Überspringen der Wahrnehmungsgrenze marschieren. 2006 erfolgte die Veröffentlichung des Debüts in den USA, 2008 schließlich in UK und 2009 darf sich Deutschland beglückwünschen.

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In den seit dem Erscheinungstermin verfassten Rezensionen wird Frontfrau Sarah Daly als Nacheiferin der immer selben Sängerinnen genannt – was entweder die blanke Wahrheit darstellt, oder aber auf gebetsmühlenartiges Nachbeten des Promotion-Textes zurückzuführen ist. Für mich klingt Sarah Daly verdammt nach… Sarah Daly! Jene Dame haucht dem Wave-Rock-Indie-Pop-Punk-Alternative-Irgendwas (Zutreffendes bitte ankreuzen) einen durch sämtliche Fahrwasser durchgängig schimmernden Glanz ein. Prall perlen pittoreske Stimmverwuchtungen auf manchmal ordentlich scheppernde Stücke und mitunter getragene Balladen. Ihr Charisma bewahrt den Songs eine Frische, die 80-er-Jahre-Tracks wie dem schlagzeuggetriebenen Lowlife mehr als lediglich den derzeit grassierenden Retro-Sound und Changing Times eine bombastische Verzweiflung einhauchen. Auch ein Bombs, das wie ein wiederentdecktes Blondie-Lied anmutet, gerät zur One-Woman-Show. Air 164 brettert dank fieberhaft-lärmender Gitarren zügellos daher und entblättert die punkige Essenz der Ekstase. Ekstatisch wird vorgetragen, was jedweder Beschreibung spottet, tun sich mit Percussion vertiefte Abgründe auf (Evil Twin), wird bei Raw energetische Rohheit zur geballten Faust heftigsten Begehrens. Mit dem verspukten High Flier und dem nicht minder verwunschenen In My Dreams wird gelungenes Songwriting unterstrichen, das vieles wagen  und gelegentlich auch scheitern darf, weil Frau Daly jede Aufgabe souverän zu meistern und Schwachstellen zu kitten versteht.

Violence(Cover)

Trauen wir einer jungen Band wie den Scanners durchaus zu, ein Debüt zu verbrechen, das nicht einfach bloß zitateklauend durch die Wave-Geschichte brandschatzt, vielmehr fantasievoll neue Spielarten auslotet und nachhaltig zu beeindrucken weiß. Sarah Daly darf man getrostet als Synonym für Ekstase in die Thesauri der Welt hauen und Violence Is Golden in die hauseigene Plattensammlung aufnehmen.

Link:

MySpace-Auftritt

Free Download von Lowlife

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Rotschopfiges Enigma dechiffriert – Tori Amos

Eine Tori Amos begräbt Klischees und hebt sie aus der Taufe. Ihre schwer greifbaren Images reichen von lasziver Verruchtheit über depressive Selbstbestimmtheit bis hin zu papierhäutiger Düsterkeit. An all den Alben baumelt das Etikett feinsten, kryptischsten Songwritings. Amos ist Darling jener Kritikerzunft, welche vermeintlich hohe Kunst in die Charts zu hieven bestrebt ist. Und ihre Anhängerschaft hält der akademischen Emotionalität mit besonderer Nibelungentreue die Stange. Über die Jahre scheint die Fanschar einem gewaltigen Missverständnis anheim gefallen zu sein. Die werte Dame badet in einem Meer betörender Arrangements und knuffig-eleganter Harmonien, ihr textliches Œuvre freilich ist mitunter faulem Zauber geschuldet.

Tori_Amos

Auch das mittlerweile zehnte Studio-Album setzt Traditionen fort. Abnormally Attracted to Sin verpackt verqueres Wortgestammel in butterweiche, handgeschöpfe Sounds, staffiert eine intensive Stimme in einem prächtigen klanglichen Kleid zu wogender Anmut aus. Die mit 17 Stücken nahezu überladene Platte tüffelt an einem Ganzen, anstatt auf den Schimmer einzelner Perlen zu setzen. So wirken die Songs abwechslungsreich und ergeben aber eben erst in der Zusammensetzung ein harmonisches Gesamtwerk. Dafür sorgt nicht zuletzt das längst vertraute Personal: Matt Chamberlain als Drummer, der auf Not Dying Today mit wohlfeiler Percussion zu begeistern vermag, und natürlich Jon Evans am Bass und Mac Aladdin als Herr der Gitarren. Dass Amos‘ Mann Mark Hawley wieder für den guten Ton sorgte, versteht sich von selbst. Und obzwar alles mit routinierter Professionalität dargereicht werden könnte, serviert der glitzernste Stern am weiblichen Songwriter-Himmel ein beseeltes Stück delikaten Anspruchs frei Haus.

Tori_Amos_Cover

Besonders wonnig zergeht Abnormally Attracted To Sin auf der Zunge, wenn es nicht die englischsprachigen Geschmacksnerven tangiert. Manch Sänger oder Sängerin säuselt derart inniglich, dass sie oder er auch aus dem Telefonbuch vorträllern könnten, ohne an Wirkung einzubüßen. Bei Tori Amos wünscht man sich dies Telefonbuch herbei. Police Me schwurbelt kantig und knackig daher und wird von bedeutungsschwangeren Lyrics in die Lächerlichkeit befördert. Auch ein Ausflug in die Metaphysik, wie man ihn auf Flavor entdeckt, funktioniert nur mit dem Fokus auf ungeheure stimmliche Noblesse. Je konkreter die Texte, desto überzeugender agiert Frau Amos. That Guy begeistert als düster-getragene, von einem hingebungsvollem Fragezeichen unterlegte  Ballade mit souligem Touch.

Das rothaarige Enigma ist eine göttliche Pianoschlampe mit facettenreichem stimmlichen Timbre und kompositorischem Feingefühl, welches nicht vom Grabbeltisch stammt. Manchmal jedoch wünscht man der Madame ein wenig mehr Bodenhaftung, ein bisschen weniger Spiel mit Erscheinungsbildern. Den Fokus auf umfassende Tiefenwirkung, die nicht auf gekünstelte Chiffren setzt und keiner ruchlos getrimmten Sündenverklärung bedarf. Für dieses Mal seien die Lieder Lady In Blue mit großem finalen Pathos, Welcome To England als gelungener Augenaufschlag in Richtung Charts sowie das hoffnungsfrohe 500 Miles als Kennenlerntipps empfohlen.

Links:

Offizieller Webauftritt

Tori Amos auf MySpace

Nach wie vor erhältlich ist der kostenlose Download des Songs Maybe California. Mehr dazu hier.

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Das Lied des Jahres als free Download (Too Much Time)

Heute wird die Welt beglückt. Mit einem der herzerweichendsten Lieder, die je durch den Äther geschallt sind. Doch genug der Untertreibungen, greifen wir zu Superlativen. Der in hiesigen Landen nicht eben sonderlich bekannte Songwriter John Vanderslice veröffentlicht demnächst sein neues Album Romanian Names.

Romanian Names

Vorab sind bereits zwei Tracks als kostenlose Downloads erhältlich. Und mit dem Titel Too Much Time ist Vanderslice ein Wunder gelungen. Die warme Ballade ist ein eingängiges, zurückhaltendes, von einem greifbaren Hauch wohliger Traurigkeit getragenes Stück. Dieses Lied macht die Realität vergessen und lädt für 3 Minuten in eine Verträumung ein.

Hier geht es zum Download. Wir wünschen viel Freude damit und werden uns sicher demnächst auch mit dem Album näher beschäftigen.

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