Schlagwort-Archive: French Pop

Denn sie ließen Hollywood Hollywood sein! – DTCV

Als klassischen French-Pop mit 60s-Garage und Post-Punk preist der Pressetext das Album Confusion Moderne des französisch-amerikanischen Duos DTCV an. Keine Sorge, DTCV ist keine Gehirnzellen strapazierende Abkürzung, sondern soll vielmehr Detective ausgesprochen werden. Über DTCV hatten wir schon vor 2 Jahren im Zuge unseres jährlichen Weihnachtsspecials geschrieben. Und wenn ich mir Confusion Moderne so anhöre, ist es wirklich höchste Zeit, die Band auch abseits weihnachtlicher Klänge auf dem Blog zu würdigen. Denn jenen so verlockend-charmanten Stilmix, den der Pressetext verspricht, hält die Platte tatsächlich ein!

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Ein Amuse-Gueule! – Nouvelle Vague

Wer nicht nur in Schnellrestaurants verkehrt, wird ihn vielleicht kennen, den Gruß aus der Küche, mit welchem man den Gästen eine erste Kostprobe der zu erwartenden Kochkunst serviert. Im Französischen bezeichnet man dies deftig-lieblich als Amuse-Gueule. Dieses Appetithäppchen soll die Neugier aufs Menü wecken, alle Geschmacksknospen aktivieren. Es soll andeuten, ohne jedoch bereits alle Kniffe des Kochs zu verraten. In der Musik sind solch Amuse-Gueules leider oft verpönt, da wird die Lust auf ein neues Album dadurch geweckt, dass vorab schon der Schweinebraten gereicht wird. Nun verstehe ich natürlich, warum es im Musikgeschäft wenig Platz für Andeutungen gibt. Im ständigen Wettbewerb um Aufmerksamkeit darf nicht erst gekleckert, vielmehr gleich mit der Hitsingle geklotzt werden. Da hat es ein Koch natürlich leichter, wer im Lokal aufschlägt, muss nicht erst zum Essen überredet werden. Dies alles kam mir in den Sinn, als ich in die neue Athol Brose EP des französischen Projekts Nouvelle Vague reinlauschte. Dessen Macher Marc Collin und Olivier Libaux haben es geschafft, mit einem so charmanten wie cleveren Konzept mehrere Alben mit Erfolg zu bestreiten. Man nehme Klassiker des New Wave und interpretiere sie völlig neu, indem man sie in leichtfüßigem Pop – mit entspannten lateinamerikanischen Rhythmen kombiniert – ansiedle und mit zarten Frauenstimmen verbräme.

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Photo Credit: Julian Marshall

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Schatzkästchen 53: RIVE – Vogue

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Nachdem es in den letzten 2 Wochen ein wenig ruhiger auf dem Blog war, werden wir nun im Angesicht des Frühlings wieder aktiver. So einige Tracks, die wir uns in den letzten Wochen notiert haben, sind bislang leider noch nicht auf dem Blog erwähnt worden. Das wollen wir schleunigst nachholen und ausgerechnet mit einer Formation aus Brüssel beginnen. Nun ist Belgien dieser Tage in aller Munde, wird als Chaosland mit finsteren Vierteln geschmäht. Vielleicht macht es gerade in Zeiten wie diesen Sinn, mit Brüssel mehr als nur böse Terroristen und eine chronisch uneinige EU zu assoziieren. Kultur ist immer eine sichere Sache, um sich in ein Land (neu) zu verlieben. Die geschätzte Kollegin Eva-Maria liefert auf ihrem auf Belgien fokussierten Musikblog Plan My Escape Woche für Woche neue Gründe, warum die Nennung des Namens Belgien uns nicht erschaudern lassen muss. Mitte März hat sie beispielsweise die famose Formation RIVE für uns aufgespürt. RIVE sind noch ein unbeschriebenes Blatt, eine Debüt-EP ist für dieses Jahr angekündigt. Mich hat ein erster Vorgeschmack jedoch sofort begeistert! Das Lied Vogue weckt Erinnerung an eine Zeit, als französischsprachiger Pop auch in den Hitparaden hierzulande keine Seltenheit war. Den Jüngeren unter den Lesern muss man vielleicht nochmals verklickern, dass in den Siebzigern und Achtzigern lasziver, leichter French Pop Glücksgefühle ohne Ende verursachte. RIVE knüpfen zumindest mit Vogue an diese Tradition an. Das sieht auch die Kollegin Eva-Maria so, die den Reiz der Nummer so auf den Punkt bringt: „Der einzig bislang veröffentlichte Track „Vogue“ ist jedenfalls ein edles, elegantes und raffiniertes Stückchen Elektropop im France-Gall-Modus. Das erst richtig abzuheben beginnnt, wenn zum Ende hin die satten Synthies einsetzen. Da kriegt man ja sehnsüchtiges Herzklopfen, so schön schimmert das!“

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Die Tradition des Absurden und Anarchischen – Stereo Total

Das unverwüstliche Duo Stereo Total gibt mir durch seine die Jahrzehnte überdauernde Existenz Hoffnung. Stehen doch die unvergleichlichen Françoise Cactus und Brezel Göring geradezu exemplarisch dafür, dass Subversivität kein Privileg der Jugend sein muss. Und mindestens ebenso ermutigend ist der Umstand, dass Stereo Total mit der stets gleichen Masche aufwarten, in ihrer kleinen und feinen Nische glücklich werden, sich jeglicher künstlerischen Fortentwicklung völlig entsagen. Über all die Jahre haben sie sich den ramschigen Charme, den Dada-Witz, den marottigen Esprit stets erhalten, wie auch das jüngste Werk Les Hormones belegt.

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Schlaglicht 43: Radio Elvis

Im Jahr 2015 war meine größte musikalische Inspiration zweifelsohne die französische Formation Radio Elvis. Als logische Konsequenz stand der Song Goliath dann am Ende des Jahres auch an der Spitze meiner Liste mit Lieblingsliedern. Die drei jungen Herren kreieren einen in Sound, Darbietung und Optik singulären Mix aus Chanson, Pop und Indie-Rock. Das beginnt beim Habitus des Sängers Pierre Guénard, der unter anderem dank Brille und Ohrring wie ein um mindestens 25 Jahre zu spät geborener Nerd aus der Provinz wirkt. Und dieses Milchbubi, dessen Gesicht man reflexhaft nach Pickeln als den letzten Überresten der Pubertät absucht, soll tatsächlich das Zeug besitzen, einem der besten neuen Acts aus Frankreich vorzustehen? Er tut es, mit Bravour! Mit einem Hauch von Rebellion! Mit einer ganz speziellen exzentrischen Coolness! Mit einer Stimme, die zu fein für Pop, zu weich für Indie-Rock und noch einen Tick zu jugendlich für die große Tradition des Chansons anmutet. Zusammen mit Manu Ralambo (Bass, Gitarre) und Colin Russeil (Schlagzeug) bildet Guénard ein Trio, das in seiner gesamten Konzeption aus der musikalischen Masse heraussticht. Schlaglicht 43: Radio Elvis weiterlesen

Chic, Charme & Melancholie – Céline Tolosa

Jedes Land mag seine musikalischen Meriten haben. Im Falle Frankreichs wäre das nicht nur, aber ganz speziell der luftige Chic, welchen bereits Generationen von Chanteusen versprühen. Die anmutigsten Vertreterinnen dieser Zunft vermögen mal aufreizend, mal sentimental zu intonieren, immer jedoch schwebt der Gesang mindestens einen Fußbreit über allem Irdischen. Das gilt auch für die Pariserin Céline Tolosa, deren Debüt-EP Cover Girl dieser Tage erschienen ist. Jene vier Lieder umfassende Miniatur präsentiert uns eine Sängerin, die hauchzartem French Pop im lieblichen Geiste der 60er-Jahre zugeneigt ist. Von Melancholie bis hin zu keckem Charme reicht die Bandbreite dieses Werks.

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Lauschrausch XLVIII: Frànçois & the Atlas Mountains

Wenn ich mir in Sachen Musik etwas für 2014 vorgenommen habe, dann nicht länger vor allem in englischsprachige oder skandinavische Gefilde zu schielen, sondern vermehrt das eine oder andere Auge nach Italien oder beispielsweise Frankreich zu werfen. Was hatte Frankreich doch für goldene Zeiten, als das Yé-yé einst für Entzücken sorgte. Seit Jahrzehnten schon erscheint mir das musikalische Selbstverständnis der Grande Nation jedoch angeknackst. Angesichts meines entdeckungshunrigen Vorsatzes kommt die Single La Vérité wie gerufen. Frànçois & the Atlas Mountains haben French Pop mit sachten afrikanischen Einflüssen gekreuzt. Das Resultat ist ein unberechenbar und wohltuend beschwingter Song, dessen Leichtigkeit und Frische durchaus endlich mal wieder jenen unverkennbar französischen Pfiff aufweist. Lauschrausch XLVIII: Frànçois & the Atlas Mountains weiterlesen

Die 10 Besten Songs Zum Rumknutschen – Nr. 2

Stereo Total – Touche moi

Wir lieben auch französisch – aber anders. Wer hier anlässlich unserer Knutschsong Competition das sonst eher unvermeidliche Je t’aime… moi non plus von Serge Gainsbourg und Jane Birkin erwartet hat – dem sei Touche Moi sehr ans Herz gelegt.

Ein Tipp an die Damen in dieser Runde: Der französiche Singsang von Françoise Cactus ist überaus echt – mein französicher Fake Akzent hat aber auch schon verführerische Wunder Qualitäten gewirkt bewiesen – SomeVapourTrails könnte ein Lied davon singen – andererseits stört dies beim Knutschen wieder ungemein.

Sehr amüsant ist auch die offizielle wikipedianische Klassifizierung des Duos:

Stereo Total ist eine Berliner Musikgruppe. Die Stilrichtung der Musik ist eklektisch und wurde beschrieben als „40% Chanson, 20% R’n’R, 10% Punkrock, 3% DAF-Sequenzer, 4% Jacques Dutronc-Rhythmique, 7% Brigitte Bardot and Serge Gainsbourg, 1,5% Cosmonaute, 10% really old synthesizers, 10% 8-bit Amiga-sampling, 10% transistor amplifier, 1% really expensive and advanced instrument“

(Wikipedia)

(Photo by: Simgil)

Sehr sexy ist auch die  Rare Tracks Compilation – die nur darauf wartet, genommen zu werden – das Ganze vollkommen legal und kostenlos.

Tracklist:
1. In/out
2. Prends moi (Take me)
3. Carte postale
4. Ex fan des 60ties
5. Les enfants font des enfants
6. A la sortie du lycée
7. Avec ma valise
8. Bad News from the stars
9. Die Wäscheklammern
10. Party Anticonformiste
11. Schön von unten
12. The other side of you
13. Megaflittchen

Zum Download gehts hier: Stereo Total Rare Songs

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