Und heute? – Fela Kuti

Fela Kuti habe ich auf diesem Blog schon mehrfach ausführlich gewürdigt, einen Abriss seines Schaffens gegeben, seine frühen Jahre beleuchtet. Ich habe somit hoffentlich bereits verdeutlicht, weshalb ich ihn für den Inbegriff eines Künstlers erachte. Sein kreativer Impuls wirkte derart unvermittelt, so als würde er Kompositionen aus dem Handgelenk schütteln. Dazu war er noch mit großem Charisma ausgestattet. Kuti hätte sich also auf die Rolle des exzentrischen, menschenfängerischen Genies zurückziehen können. Doch war sein Leben auch ein Kampf gegen Unterjochung, ein Ringen um Identität. Er war mindestens so sehr Aktivist wie Musiker. Ein tragischer Held, der mit vollstem Einsatz für hehre Ideale kämpfte. Ein Irrläufer, der sich in seiner Unangepasstheit oft hoffnungslos verrannte. In all dieser Widersprüchlichkeit wäre Fela Kuti im Hier und Jetzt eine vermutlich hoch umstrittene Figur, die den Zeitgeist herausfordern würde. Als Kolonialismuskritiker wäre er Hassobjekt neoliberaler Globalisierer, sein polygamer Lebensstil würde Feministinnen auf die Palme bringen, die Kritik an der Bevormundung durch Religion würde ihn zur Zielscheibe von Boko Haram machen, die Aufsässigkeit gegenüber international salonfähigen Despoten würde der EU nicht wirklich in den Kram passen. Stattdessen müsste er mit dem Applaus der neuen Rechten rechnen, wenn er Migration und den damit einhergehenden Braindrain missbilligen würde. Spinnen wir den Gedanken an einen Fela Kuti im Jahre 2018 doch ein bisschen weiter fort, indem wir ein paar Alben des kürzlich veröffentlichten Vinyl Box Set #4 in einen gegenwärtigen Kontext stellen. Sieben Platten auf Vinyl, kuratiert von Erykah Badu, erfahren so eine Wiederveröffentlichung, wurden mit viel Bonusmaterial und Hintergrundinfos aufgepeppt.

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Die beste Medizin bei Verstimmungen – Fat Freddy’s Drop

Ich bin dieser Tage über eine interessante Studie gestolpert. Menschen, die aus Verdruss oder Traurigkeit heraus triste oder aggressive Musik hören, um Dampf abzulassen, also negative Emotionen auszuleben, schaden damit ihrer psychischen Gesundheit. Für Laien will ich es so zusammenfassen: Wer überwiegend unfröhlicher Musik lauscht, sie als Ventil nutzt, läuft Gefahr, sich eine handfeste Depression oder ähnliches einzuhandeln, sofern er/sie diese nicht bereits hat. Nun juckt es mich in den Fingern, dazu den einen oder anderen Gedanken loszuwerden. Doch ich will es bei der zugegeben subjektiven Empfindung belassen, dass fröhliche Musik oft wenig musikalische Komplexität oder gedankliche Tiefe aufweist. Wir stehen somit vor dem großen Problem, dass mit einem Funken Intellekt ausgestattete Hörer an ernster bis trister Musik hängen. Wer darum nun um die eigene Gemütsverfassung bangt, dem kann freilich geholfen werden. Eine der launigsten Platten des Jahres ist zugleich eine, die spielerisch und schlau Soul, Reggae, Jazz und hypnotische EDM miteinander vermengt, dadurch einen wunderbar entspannten Flow erzeugt. Der neuseeländischen Formation Fat Freddy’s Drop, einem gern gesehenem Gast auf diesem Blog, ist mit Bays abermals ein feines Album gelungen. Ob Dr Boondigga & The Big BW von 2009 oder Blackbird (2013), stets hat die Truppe einen in seiner Leichtigkeit fast an Jam erinnernden Sound kredenzt. Dieses Geschick stellt sie auch 2015 unter Beweis.

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Schlaglicht 30: Fat Freddy’s Drop

Das neuseeländische Soul-Funk-Dub-Orchester Fat Freddy’s Drop muss man hoffentlich nicht mehr vorstellen. Zumindest der treue Leser dieses Blogs wird schon mehrfach über diese Combo gestolpert sein. Zur letzten Platte Blackbird (2013) etwa ist mir folgende Beschreibung des Sounds der Band eingefallen: „Wenn Sänger Dallas Tamaira (aka Joe Dukie) mit seiner zärtlichen, angenehm beseelten Stimme loslegt, muss er keine Schneise in das instrumentale Dickicht schlagen. All die ausgetüftelten Arrangements tänzeln mal federleicht, stapfen dann wieder anmutig durch Gluthitze, sind stets üppig, geben dem gefühligen, von RnB inspirierten Gesang freilich immer Raum.“. Auch das für Oktober in Aussicht gestellte neue Werk Bays hat vermutlich nichts vom Flow eingebüßt,  wenn man von der ersten Hörprobe Razor auf die ganze Platte schließen darf. Razor erscheint mir die elektronische Komponente stärker zu betonen, der Band-Flair steht bei dieser speziellen Nummer weniger im Vordergrund, als man dies bislang gewohnt war. Und doch zeigt auch dieses Stück die Begabung zu einem hypnotischen, detailreichen Sound, der der Formation schon viele Fans eingebracht hat. Einen sicher nicht geringen Teil davon haben Fat Freddy’s Drop auch durch intensive, bunte Auftritte gewonnen. Im November ist die Band einmal mehr quer durch Europa unterwegs.  Weiterlesen

Kuddelmuddel zuhauf, ein Album der vielen Aha-Momente – Dobie

Alben funktionieren nicht wie Bilder. Bilder können als gedeckte Portraits beeindrucken, mit detailverliebten Stillleben überzeugen oder auch durch Landschaften im Zwielicht punkten. Natürlich sollte man den Wert abstrakter Fantasie nicht unterschätzen oder gar auf die Meriten der Pop Art vergessen. Bilder verraten uns stets einiges auf den ersten Blick, nur um ihre gesamte Geschichte peu à peu mit jedem neuen Blinzeln zu erzählen. Musik hingegen vermag auf den ersten Eindruck zu täuschen. Ein Lied oder gar nur ein Refrain verrät nur einen winzigen Teilausschnitt, eine verlässliche Einschätzung eines Albums benötigt mehr Zeit. Und letztlich möchte der leidenschaftliche Musiker doch noch immer an der Gesamtheit einer Platte gemessen werden, nicht nur am einzelnen musikalischen Pinselstrich. Was uns beispielsweise Dobie mit dem in Kürze erscheinenden Album We Will Not Harm You vermitteln will, präsentiert sich als Kaleidoskop dessen, was elektronische Klänge so hergeben. Ob Hip-Hop, Dubstep, Funk, House – alles und mehr findet sich auf dieser kunterbunten Platte. Es wirkt wie ein mit Augenzwinkern erstelltes Sittenbild, das uns die ganze Fülle elektronischer Musik quasi spielerisch aufdröselt.

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Zündet erst bei sommerlichen Temperaturen – Gecko Turner

Tja, manch Veröffentlichungstermin gerät schwer nachvollziehbar. So wie man es tunlichst vermeiden sollte, ein Weihnachtsalbum im Wonnemonat Mai unter das Volk zu bringen, derart befremdlich wirkt auch eine sommerlich-leichte Platte im trostlosen Grau des Novembers. Als sich das Rezensionsexemplar von Gone Down South in meinen Briefkasten verirrte, flirrte noch die sengende Julisonne am Himmel. Ab 05.11. ist die Scheibe nun in den Plattenläden erhältlich und will sich so gar nicht die weitverbreitete Herbstdepression fügen. Denn obwohl der spanische Singer-Songwriter Gecko Turner eine über weite Strecken quirlig-fluffige Platte ersonnen hat, bleibt eben jene easy-going Attitüde im novemberlich-kratzigen Halse stecken, ein Privileg, welches um diese Jahreszeit sonst nur Spekulatius genießt.

Die Melange aus fruchtigem Afro-Sound und funkigen wie souligen Stücken schlürft eine bekömmliche, ab und an schwüle Leichtigkeit. Bereits der beschwingte wie lässige Opener Truly bringt die besten Momente hervor, lässt Bläser jubilieren, lädt zum Tanz ein. Ámame, Mímame wiederum bietet afrikanische Percussion mit R’n’B und Sprechgesang und obzwar das letzte Quäntchen Eingängigkeit fehlt, ist die Chose durchaus rund. Noch besser gelingt Mbira Bira (Guadiana En Los Ojos), welches mit verspielt heiterer Percussion Wohlgefühl zufächert.  Der ideale Track für einen überhitzten, lichtdurchfluteten Sommertag! When I Woke Up hingegen watet im Retro-Funk, ohne dass sich Herr Turner nasse Füße holt. Und mit The Love Monk präsentiert sich der Künstler eine Prise herber, weniger entspannt, dafür komplexer in der Aufmachung.  Bei Cuanta Suerte träufelt auch mal ein Spritzer spanisches Blut hervor,  doch wirkt der Track zu zerfahren, um zu überzeugen. Und just das ist denn auch der Makel der Platte, dass ein paar Songs unfokussiert verharren. So bietet das rhythmisch nicht schlechte Tea Time (And The Five O’Clock Jam) Rap, der nach einer Minute abbricht, während das Lied noch zwei Minuten ziellos dahinplätschert. Ärgerlich.

Gecko Turner – Truly from Lovemonk Discos Buenos on Vimeo.

Gone Down South entpuppt sich trotz phasenweiser Unausgereiftheit als ordentliche Scheibe, die man sich bereits für den nächsten Sommer vormerken sollte. Auch wenn Gecko Turners Sangeskünste keine großen Schatten werfen, der Gesang manchmal gar zu unauffällig tönt, besitzt sein Vortrag Charme, zeigt der Herr ein Händchen für gute Kompositionen. Auch wenn sie erst bei sommerlichen Temperaturen richtig zünden.

Gone Down South erscheint am 05.11. auf Lovemonk.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Gute Laune frei Haus!

The Coup – My Favorite Mutiny

Viel besser als Johanniskraut-Tee oder Orangenduft-Öl! Viel mehr gibt’s da eigentlich nicht zu sagen. Hip Hop und Funk gibt’s sonst eher selten im Hause Lie In The Sound zu hören. Ausnahmen bestätigen die Regel. My Favorite Mutiny gehört zu DifferentStars liebsten Tanz aka wild Rumhüpf-Songs.

Kostenlos und legal runterladen kann man es hier.

DifferentStars