Free EP: Das unweihnachtliche Geschenk der PINS vor der Adventszeit

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Wie der Titel des Posts schon sagt, bin ich musikalisch zur Zeit mal wieder in ganz anderen Gefilden unterwegs. Nicht vor Ende November hatte ich mir selbst geschworen, eigentlich, sollte es mit weihnachtlicher Musik hier auf dem Blog losgehen. Wird jetzt aber wohl doch eher morgen oder übermorgen werden. Es gibt besondere Musiksnob-Festtage, die gehen das Jahr über vollkommen spurlos an mir vorbei. Eine der Jahresjubelfeiern der wahren Musikkenner wäre da der Cassette-Store-Day, welcher gleich gefolgt vom Record-Store-Day pure Ignoranz meinerseits erntet. Ich gehöre zu der Generation, die Bleistifte nicht zum Zeichnen kunstvoller Gemälde, sondern dem Wiedereinfädeln des Kassetten-Bandsalats verwendete. Meine Beziehung zur Vinyl ist ähnlich herzlich. Beim Immer-Wieder-Hören-Wollen meiner Lieblingslieder krachte die Plattennadel zu oft auf die Schallplatte und hinterließ denkbar ungeliebte Kratzer. Wie gut, dass irgendwann die CD erfunden wurde und dann ja auch die Mp3. Langer (Vor-)Rede, kurzer Schluß:

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Ein Rambazamba in jede Bude rockend – Snøffeltøffs

Existentielle Wahrheiten sind eine feine Angelegenheit. Auch das Philosophieren oder ein schwelgerisches Sinnieren mag den einen oder anderen Tag versüßen. Aber was wäre das Dasein ohne schiere, pure Unterhaltung, die so richtig auf den Putz haut? Und exakt dieses Lebensgefühl vermittelt die in Berlin ansässige Band mit dem putzigen Namen Snøffeltøffs. Die Band nennt die Chose Shit-Fi-Garage und so abgedreht klingt es denn auch. Die EP Female Dreams ist großartiger, schmissiger Trash zum Anfassen. Kurz, knackig, immer mit einem Fuß im bierversifften Schlamassel. Das ist lärmiger Schund, wie die Welt ihn braucht. Die ganze EP klingt wie knapp vor einer Kneipenschlägerei eingespielt. Sie tönt unangepasst punkig, Gitarre, Bass, Drums und ne Orgel plärren um die Wette, immer die flotte Sohle aufs Parkett legend und eine dicke Lippe riskierend.

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Free Mp3: September Girls & The #1s – I Want You Back (For Christmas)

Wir waren in diesem Dezember bisher sehr Folk-lastig, rettend eilen jetzt die September Girls verstärkt von den The #1s herbei. Vorbei mit Besinnlichkeit. Dreckig rotzen die Iren uns einen super-noisigen Garage-Pop-Song hin, der obendrein gleich noch ein Liebeslied ist. Klingt ein bisschen so, als hätte jemand die  Dum Dum Girls mit Weihnachtsbaum und viel Eierpunsch in eine Garage gesperrt und heimlich einen alten Kassetterecorder mitlaufen lassen. Anders ausgedrückt, was den einen an Authenzität fehlt, dürften die anderen gerne noch soundtechnisch aufhübschen. Trotzdem ich kein Lo-Fi-Fan bin, gefällt mir I Want You Back (For Christmas) außerordentlich gut. Mehr Indie-Rock-Christmas Songs braucht das Weihnachtswunderland.

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Lang leben die Sechziger! – Hooded Fang

Die schlichte Faustregel für Retro-Töne: Wenn es in der jeweiligen Epoche relevant gewesen wäre, dann darf man es auch heute goutieren. Falls jedoch der Retro-Sound bereits vor zwanzig oder vierzig Jahren einfach nur einen müden Abklatsch des bereits Bestehenden bedeutet hätte, dann kann man puristisch angelegte, gegenwärtige Renaissancen des Vergangenen ruhig mal mit einem verächtlichen Blick strafen. Im Falle der kanadischen Formation Hooded Fang führt uns die Zeitreise in die Mittsechziger, als vieles noch neu, flott lebensgefühlig und unverdorben anmutete. So entsteht ein unverwüstlicher Garage-Rock-Flair, der das gerade einmal 23 Minuten lange Album Tosta Mista flutet.

Hätte man diese Platte also auch vor fast 50 Jahren voll Begeisterung gehört? Ich meine schon. Obwohl das Album zwar nicht von dräuenden Revolutionen kündet, verkommt es zugleich nie zur nostalgisch angelegten, harmlosen Nummernrevue. Es bewahrt sich die nötige Frische, Clap beispielsweise ist so quietschlebendig, von einem jugendlichem Tatendrang durchdrungen, der simple Dinge nicht zu verkomplizieren trachtet. Wie sich die Band surfmusikalisch in das pralle Leben stürzt, den Versprechungen der Liebe nachspürt, ohne dabei ein honigmondenes Paradies zu betreten, all das verleiht dem Album eine ureigene juvenile Energie. Solch tadellos umgesetzte Attitüde war, ist und wird stets eine sichere Bank sein. ESP lockt das Weib mit Liebesschwüren, umgarnt, bestrickt. Breitet eine Zukunft aus, in der die angestrebte Zweisamkeit lichterfüllt, aller Sorgen überlegen erscheint. Glück wirkt nur eine Hingabe, ein gehauchtes Ja entfernt. Die Naivität jenes Ansatzes bleibt ein ewiger Trumpf der Kunst, weil sie nie die Zeche der Erfüllung zahlen muss. Nicht minder schmissig fällt auch der Titeltrack Tosta Mista aus, ganz zu schweigen von Jubb, einem mir besonders ins Ohr gedrungenen knackig-kurzen Song mit prägnantem Loser-Refrain („I’ve been around but I don’t know to score„). Mit dem keinesweg üblen Den of Love bricht die Platte zum Ende in dramatisch-balladeske Gefilde auf. Leistet sich hierbei den einzigen kleinen Schnitzer, da just dies Lied seine Schnittmuster erkennen lässt.

Ich fühle mich oft des Retro überdrüssig. Vergesse möglicherweise, dass der Blick zurück nicht automatisch eine Rückwärtsgewandtheit in sich birgt. Dass man einer vergangenen Epoche ohne Wehmut begegnen kann, ihr vielmehr eine beherzte Fußnote hinzufügen möchte. Das ist der Band Hooded Fang gelungen. Tosta Mista setzt uns eine unschuldige, herzwunde wie hoffende Hommage an bessere Zeiten vor.  Und dies mit großer, elanschwangerer Überzeugungskraft. Lang leben die Sechziger!

Tosta Mista erscheint am 16.03.2012 auf Full Time Hobby.

Konzerttermine:

18.05.2012 Mannheim – Maifeld Derby Festival
20.05.2012 Hamburg – Molotow
21.05.2012 Köln – Gebäude 9
22.05.2012 München – Atomic

Links:

Offizielle Homepage

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