Frauenpower voll trockenem Humor – Half Girl

Eine angeblich unheimliche All-Girl-Super-Group, die sich als Rasselbande geriert, kann entweder verdammt keck oder unglaublich langweilig klingen. Auch Sixties-Garage und Singalong-Punkrock made in Berlin besitzen sowohl Potential für vergessenswerten Lärm als auch für eine kleine, feine Lo-Fi-Rebellion. Im konkreten Fall lohnt es sich freilich, die Ohren aufmerksam zu spitzen. Denn als Referenzen können die Mitglieder des Quartetts Half Girl unter anderem die Mitgliedschaft bei Formationen wie Britta, Die Heiterkeit oder Luise Pop vorweisen. Grund genug also, dem Album All Tomorrow’s Monsters sogar mit einer gewissen Erwartungshaltung zu begegnen. Bei beinahe allen Nummern der Platte wird diese mehr als nur erfüllt! Das Augenzwinkern der Texte und der oft parodistische Vortrag zählen zu den Stärken der Platte. Das Lied Narzissten mit Zeilen wie „Narzissten lieben mich. Soll das so sein? Ich glaube nicht. Ich glaub‘ an nichts.“ offenbart einen Humor, dessen Wurzeln man unschwer zur Hamburger Schule und zur NDW zurückverfolgen kann. Half Girl sind von der Attitüde her eher mit der Generation der Lassie Singers zu vergleichen als mit auf Krawall gebürsteten Hipster-Girl-Groups gegenwärtiger Prägung. Solch vermeintlich altmodischer Ansatz tritt auch bei fast naiven, herrlich harmlosen Melodien hervor, die von den vier Frauen jedoch gern genüsslich persifliert werden. Auf derart liebenswerte Weise jedoch, dass als Resultat eine launige Single wie Girl In A Band als Power-Pop zum Niederknien begeistert!

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Keine Flitzpiepen mit Faible für Gras – Talkative

Immer wieder gerne verweise ich auf Bands aus Portland, Oregon. In den letzten Jahren hat sich Portland zum musikalischen Indie-Hotspot gemausert und dem im Nordwesten der Vereinigten Staaten über lange Jahre dominierenden Seattle den Rang abgelaufen. Sobald in Promo-Mails und Newslettern Portland als Herkunft genannt wird, ist meine Aufmerksamkeit geweckt. Und diese wurde auch im Fall von Talkative nicht enttäuscht. Die Band, die gerade durch deutschsprachige Landen tourt, hat einen Sound im Gepäck, dessen Kunterbuntheit kaum zu beschreiben ist. Mit Psych-Surf-Rock-Slacker-Noise-Punk bin ich in der Einordnung aber wohl auf der sicheren Seite. Anlässlich der Tour wurde dem bereits 2014 veröffentlichten Album Hot Fruit Barbeque ein Deluxe-Release in hiesigen Breiten spendiert. Besser spät als nie!

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Famose griechische Slacker-Hippie-Rebellen – The Noise Figures

Es gibt nichts, was es nicht gibt! Beispielsweise famosen psychedelischen Desert-Garage aus Griechenland! Das Duo The Noise Figures macht ihren abgetakelten Van startklar, klappert und holpert über die sandigen bis schottrigen Nebenstraßen dieser Welt, nimmt uns mit auf eine dreckige Zeitreise durch die späten Sechziger und frühen Siebziger. Aphelion ist ein Album, das die Vergangenheit nicht einfach imitiert, sondern sie ohne spleenige Verklärungen oder ironische Brechungen beinahe wiederauferstehen lässt. Wer der urtümlichen Kraft von Rock verfallen ist, wird von Aphelion schlicht begeistert sein! Allerdings sorgt die Herkunft des Duos für im Rock eher ungewöhnliche Untertöne.

2012 haben sich die Jugendfreude George Nikas und Stamos Bamparis zusammengetan und in der Musik ein Mittel zur Bewältigung der tristen Krise im Lande gefunden. Dennoch frönt die Platte keinem reinen Eskapismus zu. Das in Musik und Text gewählte Außenseitertum bietet sowohl die Scheißegal-Attitüde von Slacker-Hippies als auch reichlich rebellisches Außenseitertum.  Weiterlesen

Geburtsstunde einer großen, glücklichen Kindheit – Fir Cone Children

Die Zielgruppe zu benennen, ist meiner Meinung nach schon die halbe Miete. Das gilt für den Geschäftsmann wie für den Musiker. Das im Speckgürtel von Berlin angesiedelte Ein-Mann-Projekt Fir Cone Children hat als Zielgruppe kleine, gerade einmal zwei Jahre alte Knirpse und Knirpsinnen ausgemacht, die mittels Beschallung durch  Punk-Shoegaze-Gewusel so richtig durch den Vorgarten wirbeln sollen. Das Album Everything Is Easy kommt mit knackigen Zweiminütern samt viel verzerrtem DIY-Flair daher. Diese Songs machen Rabatz, sind dabei zugleich wonnig und niedlich. Sie kanalisieren überschüssige Energien, indem sie derart viele Purzelbäume schlagen, dass kein Grashalm ungeschoren bleibt. Everything Is Easy will elfmal zwei Minuten furchtlos Kind sein, richtig unbeschwert durch die Pampa wetzen. Ich meine, dies gelingt.

So tönt Musik, die sich alle Arten von Effekten gleich Bonbons in den Mund stopft, um dann mit dicken Backen zu einem seligen Grinsen anzusetzen. Derart klingt es, wenn alles neu und aufregend und bar jeder Sorgen scheint, wenn großes Staunen und viel Tralala vorherrscht. Vieles gerät zur Entdeckung, alles ist ein Rambazamba und quietschiges Lachen wert. Ob Lo-Fi-Garage oder Noise-Dream-Pop, jenen Liedern wohnt stets lärmiges Frohlocken inne. Auf gewisse Weise fühle ich bei diesem Album an den großartigen Comic Calvin and Hobbes erinnert.  Weiterlesen

Schlaglicht 2: The Fireworks

Garage meets Indie-Pop und irgendwie schleicht sich noch ein naseweiser Punk in dieses quirlige Trara. So tönt die britische Band The Fireworks, die in puncto Dynamik und Überraschungsmoment ihrem Namen alle Ehre macht. Ihre kurzen, knackigen Songs gleichen Partys, die sofort zur Sache kommen, bei denen der Raum binnen Kurzem in Alkohol und Konfettis getränkt scheint und sämtliche Gliedmaßen allerlei Verrenkungen huldigen. In dieser Manier klingt das am 10. Februar erscheinenden Albumdebüt Switch Me On, zu dem sich prima eine kesse Sohle aufs Parkett legen lässt.  Weiterlesen