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Die schönsten Lieder für Silvester und Neujahr

Wie in jedem Jahr bin ich einerseits froh, andererseits wiederum traurig, dass Weihnachten und somit auch unsere Jagd nach neuen Weihnachtssongs vorüber ist. In den vergangenen Jahren ist mir zum Jahreswechsel hin immer die Puste ausgegangen, nicht so in diesem Jahr und ich habe es endlich geschafft, ein Mixtape mit den schönsten Songs für und über Silvester und Neujahr zusammen zustellen. Zugegeben, am Ende hakt es dramaturgisch gewaltig, aber so einige Lieder konnte und wollte ich euch nicht vorenthalten. Sollte ich noch ein absolutes Must-have vergessen haben, dürft ihr mir natürlich in den Kommentaren weiterhelfen.

Update: Nicorola hat für euch eine feine Playlist auf Spotify erstellt, die viele unserer Lieblings-Silvester-Lieder enthält.

Jeff Buckley – New Year’s Prayer



Link:
jeffbuckley.com

Beach House – New Year

Link: beachhousebaltimore.com

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Musikalischer Quartalsbericht 2010 (II)

Ich muss mir heute einmal ein Gähnen aus den verschnarchten Mundwinkel schmieren. Denn irgendwie entsprangen dem zweiten Quartal nur wenige wirklich gelungene Alben.  Doch sollte ich eigentlich mit meinem Geschmack auf Kriegsfuß stehen, würde dieser nämlich nicht mit hündisch flehendem Blick vor MGMT oder Ariel Pink’s Haunted Grafitti zurückweichen, könnte ich dem eben zu Ende gegangen Viertel versöhnter die Pfote reichen. So freilich bleibt Before Today als wirkliches Ärgernis zurück.

Doch genug der  Schreckgespenster, jetzt sollen die famosen Akteure ans Mikro treten. Und dazu gehört zweifelsohne Damien Jurado. Mit Saint Bartlett dribbelte er sich endgültig in die vorderste Reihe der Zunft hervorstechender Singer-Songwriter. Man möchte ihn mit zahlreichen Liebkosungen für eine der ganz großen Scheiben des Jahres danken. Ebenso gewaltig – allerdings auch weitaus weniger beachtet – stellt sich Von Humboldt Picnic der Formation Mardi Gras.bb dar. Auch hier habe ich große Töne vernommen und in meiner Einschätzung auch gespuckt. Wie aus verschiedensten Stilen ein derartig vielgestaltes, dennoch konsistentes Album gefertigt wurde, das verdient ein jubilierendes Chapeau!

Während manche Genres in den letzten 3 Monaten vorbildlich gediehen, herrschte bei anderen doch ab und an Funkstille. In Post-Rock-Breiten zum Beispiel habe ich mir lediglich die Red Sparowes auf meinem Zettelchen notiert – und das deutsche Duo Collapse Under The Empire, deren EP The Sirens Sound in jeglicher Hinsicht vielversprechend geriet. Auch an elektronischen Sahnehäubchen mangelte es ein wenig, was nach den unzähligen tollen Veröffentlichung des ersten Quartals jedoch mit Nachsicht zu bedenken war. Nice Nice lieferten jedoch eine zweifellos gelungene Performance ab. Minimalistische Gemüter wurden von Chapelier Fou bestens bedient. Diese Scheibe dem geneigten Leser näherzubringen, das brennt mir schon länger unter den Nägeln.

Kommen wir nun zu den Ladenhütern, zu grandiosen Werken, denen es nur an einem mangelt: Hörern. Da möchte ich keinesfalls zögern und den werten Reverend Deadeye nennen. Wer nur auf Hochglanz polierte Musik mag, wird jener versifften Dreckigkeit wenig Verständnis entgegenbringen. Allerdings sind die schönsten Dinge der Welt eigentlich doch immer nur dann interessant, wenn sie ein bisschen mit Schmutz behaftet sind: Fußball, Sex – auch Musik. Weshalb die britische Sängerin Daisy Chapman immer noch unbeachtet werkt, vermag ich bei soviel Ausdruckskraft in der Stimme einfach nicht nachvollziehen.

Auch in deutschen Gefilden tat sich so manches. Beginnen wir bei Gisbert zu Knyphausen, dessen Hurra! Hurra! So nicht. die hochtrabenden Erwartung mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit erfüllte. In diesem Zusammenhang sei auch die Schweizer Band Schöftland genannt, die mit der CD Der Schein trügt eine Visitenkarte hinterlassen hat. Die auf den Track Kleinstadt gebannte Kollaboration mit Herrn zu Knyphausen sollte man sich zu Gemüte führen. Mit Nicolas Sturm zeigte sich übrigens ein weiterer deutscher Liedermacher mit Talent. Keinesfalls vergessen will ich jedoch auch die mit englischer Zunge agierenden Hamburger Hundreds. Ihr selbstbetitelte Scheibe erfüllt internationale Standards.

Drei gute Alben sollen noch in diesen Abriss gequetscht werden. Frog Eyes mit Paul’s Tomb: A Triumph etwa, selbstverständlich auch die seit einer Dekade beste Veröffentlichung der Folk-Veteranen Cowboy Junkies, welche auf Renmin Park wirklich glänzen. Singer-Songwriterin Nina Nastasia fügte Outlaster ihrem Schaffen hinzu, auch hierfür gilt großes Lob.

Wenngleich die Fülle und Pracht der Monate Januar, Februar sowie März nicht reproduziert werden konnte, so bleibt unter dem Strich genug in jeder Hinsicht wunderbarer Scheiben, die dem Leser mit gutem Gewissen ans Ohr gelegt werden dürfen.

SomeVapourTrails

Kopf wie Herz in Atem haltende Troubadoure – Schöftland

Bekanntheitsfaktor, ahoi! Freilich werden die Werke renommierter Bands von mir mit dem Fluch einer gewissen Erwartungshaltung belegt. Eine durchschnittliche Platte der Element of Crime erfährt so weitaus weniger Wohlwollen, als ich es Newcomern aus Castrop-Rauxel zugestehen würde. Mitunter schert mich das Prestige einer Band einen feuchten Kehricht, dann nämlich wenn das Album durch Stimmigkeit fasziniert. Eben das darf sich die Schweizer Formation Schöftland mit ihrer CD Der Schein trügt auf die Fahnen heften.

Schöftland präsentieren sich als von philosophisch-poetische Troubadoure, deren Bilder eine aufgeräumte Sehnsucht an den Tag legen, dabei nie in eine post-moderne Entrücktheit abgleiten. Den Zeitgeist zu treffen, ohne von seinem Zynismus niedergestreckt zu werden, sich Hoffnungen zu erhalten, ohne Luftschlösser zu bauen, voll Empathie den Alltag zu durchleuchten und dabei nie Trivialiäten zu überhöhen, all das verlangt Beobachtungsgabe und präzisen Ausdruck. Die beziehungstechnischen Wehwehchen und die schmerzlichen Sinnsuchen des urbanen Zeitgenossen erscheinen fein porträtiert, mit dem passenden Kolorit versehen, feinsinnig und keinesfalls plump. Dazu wird Indie-Rock gereicht, der die Wirkung der Texte stimmungsvoll unterstützt. Dass sich Gisbert zu Knyphausen zu einem Gast-Auftritt verleiten ließ, deutet bereits an, in welche Schublade Schöftland einzusortieren sind.

Wenn die Worte „Wir wissen alles nur nicht weiter“ während des Openers Der Sturm erschallen, gerät das zum fast beiläufigen Credo, das sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Der Titeltrack Der Schein trügt mit  gut eingesetztem Saxophon ist ein nicht minder aufwühlendes Lied über das Strebens ins Scheinwerferlicht. Doch auch bei Beziehungskisten werden nicht die üblichen Schablonen angelegt, Liebesbrief und Komet verströmen ein fast schon pittoreskes Ideal von Liebe und Sehnsucht. „Seit einer Ewigkeit dreht der Mond um die Erde und die Erde um die Sonne und ich mich um dich.“ drückt die Essenz von Zuneigung in einer schlichten, wärmenden Ehrlichkeit aus, während der Satz „Du erinnerst dich an deine Träume und ich weiß immer nur, dass ich schlief.“ in Dass ich schlief die Distanz zwischen Liebenden thematisiert und das Trennende gegenüber dem Einenden hervorkehrt. Mit dem angenehm lakonischen Wir könnten fliegen stellt sich gegen Ende noch ein Highlight ein, welches einen Sven Regener vor Neid erblassen lässt. Und mit der zusammen mit Gisbert zu Kynphausen vorgetragenen Ode an die Kleinstadt wird letztlich ein klares Gegenkonzept zu den Reflexionen über den in Selbsterfüllungswünschen, tagtäglicher Verlorenheit und Sehnsucht verstrickten  Zeitgenossen geboten, eine Rückbesinnung auf die kleinen Dinge und Traditionen in geradezu aufreizender Getragenheit artikuliert. Die Moderne funktioniert mit der Kenntnis der Vergangenheit am besten, mit dem Wissen um die eigene Verwurzelung.

Schöftland vermögen mit Der Schein trügt ein schlüssiges Album vorzulegen, dessen reduzierte, langsame Nummern von unnachahmlicher Eindringlichkeit geprägt sind und Kopf wie Herz in Atem halten, aber nie mit Bedeutungsschwere überfrachten. Aber auch schnellere Stücke mit kräftigen Gitarren stehen der Band gut zu Gesicht. Die Reife des Ausdrucks zeugt von der Qualität dieser Platte, da dürfen sich viele arrivierte Bands ruhig eine Scheibe abschneiden. Ein veritabler Geheimtipp deutschsprachiger Liedmacherkunst.

Links:

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SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 2

Auch dieses Mal wollen wir eine bunte Mixtur an bekanntem und unbekanntem, wichtigem und besonders wertvollem Liedgut vorstellen. Und obzwar Listen immer den Geschmack des Erstellers widerspiegeln, haben wir doch versucht über den Tellerrand zu lugen. So mag ob des Haareraufens nun das eine oder andere davon in der Suppe schwimmen. Dennoch wollen wir uns ans  Servieren machen – umso mehr, da wir der bloggenden Nachbarschaft mit dampfender Terrine und gutem Vorbild voranschreiten. Teil 1 offerierte bereits jede Menge Leckerbissen, jetzt folgt der Nachschlag.

500Tracks(Teil2)

wallofarmsThe Maccabees – Love You Better (2009)

someofmybestfriendsaredjsKid Koala – Skanky Panky (2003)

ghostsofthegreathighwaySun Kil Moon – Glenn Tipton (2003)

kidaRadiohead – The National Anthem (2000)

whateveryouloveyouareDirty Three – I Offered It Up To The Stars & The Night Sky (2000)

keystotheworldRichard Ashcroft – Words Just Get In The Way (2006)

siberiaEcho & The Bunnymen – In the Margins (2005)

championsoundJaylib – Champion Sound (2003)

lostchannelsGreat Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast (2009)

zMy Morning Jacket – Dondante (2005)

Update: Gisbert zu Knyphausen/ Lichter – Covervesionen – Free Download

Angesichts der frohen Kunde via Visions – hab ich den Beitrag nochmal hervor gekramt. Die beiden Coverversion stehen jetzt auf der Lichter-Seite als kostenloser Download bereit. Folgt diesem Link und freut euch!

Gibt es so etwas wie Synchronität – so scheint es, dass da nicht nur ein jemand – sondern die Kraft, die uns, unsere Kreativität und die anderer lenkt, dazu bewegen zu wollen, den Blick nicht nur in die Ferne – sondern auch in heimische musikalische Gefilden zu lenken. Langer Rede, kurzer Sinn. Hier und andernorts werden wir uns  künftig vermehrt der deutschen Musikszene widmen.

Ein deutscher Singer-Songwriter, den SomeVapourTrails ins Herz geschlossen und schon besprochen hat ist Gisbert zu Knyphausen. Dieser ist zur Zeit mit Lichter auf Tour. Als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung, haben sie sich nun gegenseitig gecovered auf Empfehlung von Kevin Hamann (ClickClickDecker / Bratze) nachzulesen hier.

Hören kann man die Ergebnisse hier:

Lichter covern Spieglein

www.myspace.com/lichtermusik

Gisbert zu Knyphausen covert Leerer Raum

www.myspace.com/gisbertzuknyphausen

Grundsätzlich sei erwähnt, während DifferentStars eindeutig für Lichters Version von Spieglein plädiert, lässt SomeVapourTrails nichts auf seinen Gisbert kommen… Aber hören Sie selbst meine Damen und Herren 😉 Immerhin – die jeweils andere Seite findet beim Hören Gnade. So schwanken unsere Urteile zwischen hört sich nicht schlecht an und ich bin ganz begeistert.

Für alle, denen die genannten noch kein Begriff sind, hier die Originalversionen. Als besonderes Schmankerl gibt es einen Link zu Lichters Label Loob Musik – dort ist Leerer Raum als kostenlose Mp3 erhältlich.

Lichter – Leerer Raum

Gisbert zu Knüphausen – Spieglein

Konzerttermine

18.02.09 –  Bielefeld, Falkendom
19.02.09 –  Dornbirn, Spielboden
20.02.09 – St.Peter, Beim Höller
21.02.09  – Innsbruck, Weekender
23.02.09  – Wien, B72
24.02.09  – Frankfurt, Das Bett
25.02.09  – Bonn, Kult41

DifferentStars

Gisbert zu Knyphausen vs. Lichter

Gibt es so etwas wie Synchronität – so scheint es, dass da nicht nur ein jemand – sondern die Kraft, die uns, unsere Kreativität und die anderer lenkt, dazu bewegen zu wollen, den Blick nicht nur in die Ferne – sondern auch in heimische musikalische Gefilden zu lenken. Langer Rede, kurzer Sinn. Hier und andernorts werden wir uns  künftig vermehrt der deutschen Musikszene widmen.

Ein deutscher Singer-Songwriter, den SomeVapourTrails ins Herz geschlossen und schon besprochen hat ist Gisbert zu Knyphausen. Dieser ist zur Zeit mit Lichter auf Tour. Als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung, haben sie sich nun gegenseitig gecovered auf Empfehlung von Kevin Hamann (ClickClickDecker / Bratze) nachzulesen hier.

Hören kann man die Ergebnisse hier:

Lichter covern Spieglein

www.myspace.com/lichtermusik

Gisbert zu Knyphausen covert Leerer Raum

www.myspace.com/gisbertzuknyphausen

Grundsätzlich sei erwähnt, während DifferentStars eindeutig für Lichters Version von Spieglein plädiert, lässt SomeVapourTrails nichts auf seinen Gisbert kommen… Aber hören Sie selbst meine Damen und Herren 😉 Immerhin – die jeweils andere Seite findet beim Hören Gnade. So schwanken unsere Urteile zwischen hört sich nicht schlecht an und ich bin ganz begeistert.

Für alle, denen die genannten noch kein Begriff sind, hier die Originalversionen. Als besonderes Schmankerl gibt es einen Link zu Lichters Label Loob Musik – dort ist Leerer Raum als kostenlose Mp3 erhältlich.

Lichter – Leerer Raum

Gisbert zu Knüphausen – Spieglein

Konzerttermine

18.02.09 –  Bielefeld, Falkendom
19.02.09 –  Dornbirn, Spielboden
20.02.09 – St.Peter, Beim Höller
21.02.09  – Innsbruck, Weekender
23.02.09  – Wien, B72
24.02.09  – Frankfurt, Das Bett
25.02.09  – Bonn, Kult41

DifferentStars

Das Beste und das Schlechteste 2008 – eine Rückschau

Wollen wir nun also wie angekündigt einen Rückblick auf das vergangene Musikjahr vom Stapel lassen und mit Lob und Kritik nicht sparen und all die beleuchten, die medial für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Neben gerechtfertigten Hypes – wie das gepriesene Solo-Debüt von Peter Fox – gab es auch massenhaft schöngeredete Langweile. Ein besseres Beispiel als Coldplay findet sich 2008 nicht.

Während virtuose Comebacks von Portishead und The Verve ewig schimmernde Perlen darstellen, es allgemein eine Tendenz zur Auferstehung zu alter Größe gab – R.E.M.! -, wurden aber auch leider unter viel Jubel die ewig gleichen Lieder AC/DCs als irgendwie relevant bezeichnet.

Madonna wiederum schaffte es zum ersten Mal in ihrer Karriere nicht, auf einen Trend aufzuspringen und ihm ihren Stempel aufzudrücken. Was sie ablieferte, war einfach nur ärgerlich. Doch jeder Enttäuschung folgen auch positive Erlebnisse. Die unten erwähnte Newcomerin Amy Macdonald hat sehr positiv überrascht und tolle eingängige Lieder präsentiert, die zeigten das auch konsensfähiger Mainstream mit Pfiff vorgetragen werden kann.

Beste Band/Künstler

1. Portishead

2. Travis

3. Die Ärzte

Schlechteste Band/Künstler

1. Madonna

2. Metallica

3. Bushido

Interessanteste Newcomer

1. Amy Macdonald

2. Gisbert zu Knyphausen

3. Peter Fox

Comeback des Jahres

1. Portishead

2. The Verve

3. Grace Jones

Überflüssigstes Comeback des Jahres

1. Guns N’ Roses

2. AC/DC

3. Udo Lindenberg

Enttäuschung des Jahres

1. Coldplay

2. Snow Patrol

3. Thomas D

SomeVapourTrails

Die 10 Lieblingsalben des Jahres 2008 (ausgewählt von SomeVapourTrails)

Das Jahr neigt sich mit Riesenschritten dem Ende zu und wir beginnen nun mit den überfälligen Rückblicken auf schöne und schlimme musikalische Momente des Jahres. 2008 zählt eher zu den Jahren, in welchen sich eben nicht Highlight an Highlight kuschelt. An gruseligen Momenten mangelte es hingegen nicht. Doch werden wir diese in den nächsten Tagen auch noch abhandeln…

1. Silver Mt. Zion – 13 Blues for Thirteen Moons

2. Sun Kil Moon – April

3. Lotte Kestner – China Mountain

4. Portishead – Third

5. Gisbert zu Knyphausen – Gisbert zu Knyphausen

6. Nine Inch Nails – Ghosts I-IV

7. Sigur Rós – Með suð í eyrum við spilum endalaust

8. Travis – Ode To J. Smith

9. xxx

10. Joan As Police Woman – To Survive

Wer sich am Ende des Jahres noch etwas Gutes tun will, soll in die Alben hineinschnuppern. Ich behaupte mal, dass es sicher lohnen wird. Mit Joan As Police Woman ist zum Beispiel mein ganz persönlicher Lieblingstrack des Jahres vertreten: To Be Lonely. Travis wiederum haben ihre Stagnation auf höchstmöglichem Niveau fortgesetzt und mit Before You Were Young ein weiteres Sahnehäubchen draufgesetzt. Gisbert zu Knyphausen hat der maroden deutschen Liedermacherzunft neues Leben eingehaucht und bewiesen, dass Melancholie kitschfrei beschrieben werden kann. Sigur Rós erschufen einen bemerkenswerten leichtfüßigen, sommerlichen Soundtrack, Nine Inch Nails hingegen eine mehr als gespenstische Atmosphäre. Mit einem opulenten Comeback haben Portishead die definitive Wiedergeburt des Trip-Hop eingehämmert und sich selbst übertroffen. Lotte Kestners sperriger, kammermusikalische Abgesang an die Liebe ist der Geheimtipp des Jahres. Sun Kil Moon bedarf keiner weiterer Erklärung, Mastermind Mark Kozelek ist der beste Songwriter der Gegenwart. Bleiben noch Silver Mt. Zion, die mit ihrem bis dato schwächsten Album dennoch ein fulminantes Lebenszeichen von sich gaben und erneut bewiesen, dass sie den Post-Rock letztlich definieren.

SomeVapourTrails

Sinn und Unsinn des Liedermachens – Gedanken über zu Knyphausen und die Rezeption

Was soll man über den Liebling der musikkritischen Zunft noch schreiben? Wie den Liebesschwüren der Blogging-Szene noch ein Sahnehäubchen aufsetzen? Ein Zugang scheint in der unprätentiösen Betrachtung des Genres „Liedermacher“ zu liegen. Eine Option liegt im scharfen Blick auf die Rezeption Knyphausenschen Wirkens. All dies klingt trocken, nahezu langweilig. Versuchen wir es dennoch, schustern wir mit Chuzpe angereicherte Gedanken zusammen.

Die guten Liedermacher sind die Poeten unserer Tage. Sie schnüffeln nicht den Lockstoff des Kommerzes. Sie transportieren Gefühle mit ungefilterten Emotionen, hemmungslos direkt und oft mit grottig realistischen Bildern. Die Ansätze können gesellschaftliche Relevanz ebenso umfassen wie auch die individuelle Befindlichkeit des Menschen greifbar machen. Der klassische Songwriter ist in erster Linie ein Schreiber, Chronist der Zeit, dadurch oft mit zeitlosen Wahrheiten bewaffnet. Musik ist das Mittel der Message, aber nie die Botschaft selbst. Ob Bob Dylan oder Leonard Cohen, in deutschen Gefilden Wolf Biermann, für Österreich etwa Georg Danzer, alle eint die Unterwerfung von Melodien und Harmonien unter die Macht des Wortes. Die Reduktion von Musik auf eine nahezu vernachlässigbare Größe erlaubt Liedermacher und Hörer den unbeschränken Fokus auf die Botschaft.

Gisbert zu Knyphausen hat sich mit seinem gleichnamigen Debüt nun in Windeseile in den elitären Zirkel relevanter Liedermacher gedrängt. Die Ehrung ist Fluch zugleich. Jede Silbe, jeder Akkord wird auf bedeutungsschwangere Passagen abgeklopft. Wenn es nicht gefällt, wirft der Ankläger den Texten pathetische Melancholie vor. Wem die Texte aus der Seele sprechen, dem entgleiten gefühlsechte Superlative. Einer nüchternen Einschätzung entzieht sich ein Songwriter ohnehin, zu groß sind die emotionalen Barrikaden, welche die Meister mit ihren direkt präsentierten Anliegen auftürmen.

Welche Bilanz kann man über Herrn zu Knyphausen ziehen? Welche halbwegs objektiven Charakteristika erlauben eine kritische Würdigung? Kehren wir nochmals zum Stichwort Poesie zurück. Selbige funktioniert meist auf zwei Arten: Ausladende Breitbild-Szenerie oder auf Realismus reduzierte Wortgewalt. Und hier offeriert Gisbert zu Knyphausen die Alltagssprache als Motor für knappe Fantasien von Liebe und Glück („Doch irgendwann ist auch der tiefste Rausch vorbei. Dann wird es hell, dann fängt das wundervolle Leben und der ganze blöde Scheiß von vorne an.„)  Traurigkeit wird von humoresken Formulierungen flankiert („Ich hab gute Nachrichten für die unter euch, die schlechte Neuigkeit so gerne mögen. oder „Das Leben ist ein Kopfschmerz und es wird Zeit, dass du ihn spürst, hab keine Angst, er ist schnell wieder vorbei.„), Sentimentalitäten sabbern nicht („Ich bau ein wunderschönes Grab für jeden neuen Tag.„) und Tränen tropfen leise. Resümieren wir kurz und knapp. Seit dem Album „Hier“ der Band Selig gab es keine solch authentischen deutschsprachigen Texte mehr. Und eben jene Authentizität beschert den Erfolg, weil sie nicht glattgebügelt oder geschönt wirkt, keine Belanglosigkeit verbreitet. Er sprich in Zungen von den Dingen, die man selbst gerne artikulieren will.

Muss man dem Hype erliegen oder wie Spex trotzig Schwachstellen mokieren? Angesichts der mauen Konkurrenz (ja, Tomte! Und Kettcar!) und der auf hohem Niveau stattfindenden Stagnation von Element Of Crime erscheint zu Knyphausen als feiner Impuls. Wer sonst fickt Melancholie ins Knie?

Links:

MySpace

Spex-Rezension

Welt-Rezension

SomeVapourTrails

Wikipedia und die Musik – Ein Vandalenakt

Heute zimmern wir uns einen abscheulichen Bewohner des Internets. Dazu bedarf es lediglich eines simplen Bausatzes. Wichtige Voraussetzungen sind ein Mindestmaß an Schriftkenntnissen, Geltungsbewusstsein sowie ein Quäntchen Aggression. Fügen wir eine winzige Prise von Bildung hinzu und schmecken das Ganze mit Boshaftigkeit ab. Voilà, fertig ist der Albtraum des vernunftbegabten Menschen. Jetzt muss die Kreatur noch in den passenden Lebensraum verfrachtet werden. Die Menge an Biotopen erschwert die Entscheidung. Seien wir mutig, setzten wir den kleinen Racker in die Gefilde Wikipedias aus.

Die beste Überlebensstrategie auf Wikipedia ist Tarnung. Chamäleonesques Verhalten ist auf Dauer erfolgsversprechend, donnergrollendes Fletschen der Zähne jedoch nicht. Eine weitere Begabung liegt in der Flinkheit. Die leichtfüßig emsige Termite höhlt die Enzyklopädie besser aus, ein wildgewordener Godzilla wird leichter zur Strecke gebracht. Mit solch Taktiken vertraut kann man in der Wildbahn Wikipedias spielend Beute schlagen. Lassen wir nun unseren Satansbraten das Revier markieren. Hier wird ein Artikelchen mit einer Duftmarke versehen, dort mittels Hufschlag ein Beitrag ins Nirvana gekickt. Prima!

Wenn die Bestie nun das Terrain erkundet hat, dann beginnt der Spaß erst richtig. Leidenschaftlicher Vandalismus gepaart mit der oberflächlichen Einhaltung der Hackordnung führen zum gewünschten Resultat. Löschen, völliges Auslöschen von Wissen ist einfach.

Wie und wo kann man der Kreatur begegnen? Fokussieren wir unseren Blick auf die musikalische Abteilung der deutschen Wikipedia. Dort sind zum Beispiel die Artikel zu Musikern und deren Alben gerne von Löschungen bedroht. In den vergangenen 2 Wochen wurde der vom Olymp deutschen Songwritings herabgestiegene, von allen Fachmagazinen gepriesene Gisbert zu Knyphausen von einer Löschung wegen mangelnder Relevanz bedroht. Ebenso der Eintrag zum Album „Infidels“ des ehrenwerten Bob Dylan. Das zugegeben schlechte Debüt „Take Your Chance“ von Alexander Klaws war auch gefährdet, obwohl es durchaus beispielhaft für den Hype rund um diverse Casting-Shows steht. Anstatt Artikel zu verfeinern werden manche oft gelöscht, weil sie – nach Meinung der Vandalen – zuwenig Information transportieren.

Unter dem Aspekt, dass Wikipedia heute die Online-Enzyklopädie schlechthin ist, sollte sich jeder Nutzer durchaus kritisch mit den Inhalten des Angebots auseinandersetzen. Denn die Vor-Filterung der Relevanz definiert auch unsere Wahrnehmung. Während Experten und interessierte Laien im Bereich Musik ihr Internet-Dasein für das Schreiben von Blogs aufwenden, wird vor allem die deutsche Wikipedia Tummelplatz geschmacksfaschistischer Vandalen. Selbige zimmern sich Richtlinien zurecht, welche den Versuch sabotieren, musikalisches Wissen auf Wikipedia zu bündeln. Insofern sollten wir alle Kammerjäger spielen und helfen die Qualität der Artikel zum Thema Musik zu verbessern, damit die dort vagabundierenden Löschmonster nicht die Oberhand gewinnen.

Weiterführende Links:

Löschkandidaten

Richtlinien für Musikalische Werke

SomeVapourTrails