Free EP: Golau Glau – The Silver Tear

Bereits zum fünften Mal erfreut uns das anonyme Musiker- und Künstlerkollektiv Golau Glau mit einer weihnachtlichen EP. Die experimentelle Electronica der Formation fasziniert stets aufs Neue, ebenso wie die geradezu mythischen Geschichten, mit denen die Band ihren Sound unterfüttert. Bei all der Rätselhaftigkeit erzählen und ergründen Golau Glau Sagen, die ganz und gar losgelöst von der Trivialität der Gegenwart tief in eine verlockende wie verstörende Historie zurückweisen. Die Kunst ist dann am spannendsten, wenn sie Mythen kreiert. Und gerade ein religiöses Fest ist für jede Art der Überlieferung besonders empfänglich. Was sich hinter dem Titel The Silver Tear verbirgt, das erklärt die Band am besten selbst.  Weiterlesen

Release Gestöber 19 (Jennie Abrahamson, Yppah, Golau Glau, The Magnetic Fields)

Ein bisschen fühlen wir uns ja gleich Partnervermittlern, die aus dem Fundus an Beziehungswilligen den Interessenten exakt jene vorschlagen, die wir persönlich knorke finden. Und so wie wir weder Busenwundern noch Machos frönen, so geraten auch unsere musikalischen Empfehlungen speziell, hoffentlich jedoch frei von übertriebenen Fetischen. Vielleicht erzeugt der eine oder andere Tipp einmal mehr ein Leuchten in den Augen des Lesers. Dann hätten wir unsere kupplerische Mission bravourös erfüllt.

Jennie Abrahamson

Schweden darf sich vieler Singer-Songwriter rühmen. Jennie Abrahamson mag noch nicht zur vordersten Garde gehören, tätsächlich fehlt ihrem Liedermacherhandwerk oft der zündende Funke, eine Emotionen bindende Melodie mit ausgeprägter Halbwertszeit. Dabei liefert Abrahamson lebendigere Popsongs ab als viele ihr Landsfrauen, doch oft ist diese Quirligkeit mit allzu angestrengtem Bemühen und unsäglichen Marotten verbrämt. Diesen Kritikpunkten zum Trotz komme ich am Album The Sound of Your Beating Heart nicht vorbei. Weil eine Ballade wie Running ausgiebig zwischen enervierenden Höhen und ausgetüfteltem Arrangement pendelt, Hard To Come By im Refrain als robuster Ohrwurm funktioniert, A Better allerlei No-Gos und Versatzstücke zu einem schönen Midtempo-Stück bastelt. Prinzipiell nämlich sollte sie ihr Keyboard dringend entsorgen. She Don’t Lie klingt so abgedroschen, dass es selbst in den Achtzigern als hoffnunglos altmodisch angesehen worden wäre. Darum fällt mein Resümee auch zwiespältig aus. Denn entweder trifft Jennie Abrahamson ins Schwarze oder ihre Versuche verfehlen meilenweit das Ziel. Das macht das neue Werk zu einer zwischen Ärgernis und Beifallsbekundung schwankenden Platte. (Den Track Hard To Come By gibt es hier als kostenlosen Download.)

The Sound of Your Beating Heart ist am 27.01.2012 auf How Sweet the Sound erschienen.

Yppah

Kommen wir nun zu einem Anfang April anstehenden Album. Electronica vom Feinsten bescherte uns Yppah bereits mit dem Vorgängerwerk They Know What Ghost Know. Man tut gut daran, Yppah nur mit den besten Genre-Zampanos in einem Atemzug zu nennen, Bonobo beispielsweise. Der neuen Platte Eighty One begegne ich mit hohen Erwartungen, auch weil der Track D. Song (feat. Anomie Belle) einen munter forschen Beat mit abgründigem, nicht einfach nur ätherisch süßem Gesang mengt. Eighty One erscheint am 02.04.2012 auf Rough Trade. D. Song gibt es hier als kostenlosen Download.

Golau Glau

Mehrfach hat sich dieser Blog dem Schaffen des Musikerkollektivs Golau Glau gewidmet. Die anonym werkende Formation gibt ihren Tracks stets ein Unterfutter, gräbt tief in Mythen, forciert Konzepte. Die soeben veröffentlichte, kostenlose EP Revenant Branch beschäftigt sich anlässlich des National Libraries Day 2012 mit den Geistern toter Bibliotheken, die mit der Mahnung, nicht weitere Büchereien zu schließen, aus dem Grab steigen. Und natürlich wurden diese elektronischen Klangfragmente in bereits zugesperrten englischen Bibliotheken aufgenommen. Als Resultat schält sich ein gespenstischer, von verstörender Atmosphäre geprägter Abgesang heraus. Die EP sei speziell fortgeschrittenen Genre-Liebhabern empfohlen.

The Magnetic Fields

In weniger als vier Wochen erscheint hierzulande mit Love at the Bottom of the Sea das neue Werk von The Magnetic Fields. Mastermind und Exzentriker Stephin Merritt hatte bereits 2010 mit der Scheibe Realism an die Magie seiner in den Neunzigern erschaffenen Werke anknüpfen können. The Magnetic Fields stehen für ironiebegabten Pop, der oft aus Understatement seine Würze bezieht, die zuhauf vorhandenen Spleens nicht mit Pomp zelebriert. Im Grunde beschert uns Merritt einen Anti-Pop, welcher die Charakteristika eines Genres völlig negiert, Gefühle nie für bare Münze nimmt, oft bricht oder mit einem Beigeschmack versieht. Das Video zu dem Songs Andrew in Drag bestätigt diese Einschätzung einmal mehr.

Love at the Bottom of the Sea erscheint am 05.03.2012 auf Domino Records.

 

SomeVapourTrails

Der klingende Adventskalender 2011: Türchen 24

See English version below!

Nun öffnen wir das letzte Türchen unseres klingenden Adventskalenders und hoffen mit liebevoll bis ehrfürchtig interpretierten Versionen alter Klassiker oder gar originellen Neuschöpfungen unbekannterer Bands und Künstler ein wenig Weihnachtsstimmung versprüht zu haben. Als letzten kostenlosen Download haben wir uns die EP The Masque Of Bruma aufbehalten. Das Kollektiv Golau Glau wurde von uns bereits in der Vergangenheit mit Lob überschüttet, weil all der Unberechenbarkeit stets Originalität entspringt. So auch dieses Jahr, wenn der Song The Yule Cat einem isländischen Mythos nachforscht. Dort wurden diejenigen von einem Katzenungeheuer geholt, die anlässlich des Julfestes keine neue Kleidung trugen. Der Grund lag darin, dass alle, die eifrig Wolle gesponnen hatten, dafür neue Kleidung erhielten. Denjenigen jedoch, die sich an dieser gemeinschaftlichen Anstrengung nicht beteiligen wollten, wurde eine abschreckende Mär aufgetischt. Das Volklied The Owd Tup wiederum knüpft an die Tradition des Mummers Play an, eine Folklore aus britischen Breiten, bei der Spielleute vor allem zur Weihnachtszeit von Haus zu Haus ziehen und kleine Stücke aufführen und mit Gesangsdarbietungen aufwarten. Darüber hinaus offeriert die EP auch elektronische Versionen uralter Weihnachtslieder wie God Rest Ye Merry Gentlemen oder Coventry Carol. Zweifelsohne haben Golau Glau mit dieser EP auf großartige Weise Tradition mit Moderne verwoben.

Christmas is all about tradition. Golau Glau, a band from Wales, has a soft spot for traditions. Their new Christmas EP The Masque Of Bruma has a unique modern approach in rediscovering myths and folklore. The song The Yule Cat for example offers us an old Islandic tale.

„The oldest written sources on the Yule Cat are from the Nineteenth Century. These refer to the fact that those who do not get a new item of clothing for Yule are destined to become offerings for the Yule Cat. It may sound strange that the deprived ones will also become the sacrifices, but this tradition is based on the fact that every effort was made to finish all work with the Autumn wool before Yule. The reward for those who took part in the work was a new piece of clothing. Those who were lazy received nothing. Thus the Yule Cat was used as an incentive to get people to work harder.“ (Source)

The track The Owd Tup deals with the custom of Mummers Play. Other tracks on this EP like God Rest Ye Merry Gentlemen or Coventry Carol are electronic renditions of very old Christmas carols. Golau Glau have put a lot of thoughts into The Masque Of Bruma. They are not just giving away a few Xmas tunes, they provide intriguing songs that go back to the roots of ancient Yuletide tradition.

Download

Wir wünschen allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest! We wish our readers a very merry Christmas!

Und hier geht es zu den anderen Türchen unseres klingenden Adventskalenders! / Go to our Advent Calendar site to find more Christmas treats!

SomeVapourTrails

Der klingende Adventskalender: Türchen 14 – Door 14

English text in grey!

Golau Glau – Myrrh & Myth

Golau Glau sind im besten Sinne, im übertragenen Sinne und im wörtlichen Sinne unfassbar (gut). Das Künstlerkollektiv aus Wales produziert feinste Kunst auf höchstem Niveau und verbirgt sich im Schatten der Anonymität. Selbst im Gewande des Mysteriums auftretend, ist zentraler Mittelpunkt ihrer Musik immer die walisisch-keltische Tradition. Im vergangenen Jahr erzählten sie mit Foolstide ein Stück längst vergangener Weihnachtsgeschichte – auch in diesem Jahr liefern sie keinen beim ersten Takt einschlagenden Weihnachtsschlager, sondern ein Konzeptalbum, das die Bräuche der Weihnachts- und Winterzeit reflektiert und zelebriert. Mit den Worten der Künstler: „Christmas, Yule, the solstice, Sinterklaas, Mari Lwyd, secular fun – all are celebrated here.“ Weihnachten, Julfest, Wintersonnenwende, Sinterklaas, Mari Lwyd und weltliches Vergnügen werden hier gefeiert.

Die Schönheit von Myrrh & Myth entblättert sich langsam, so sei den eilig auf den Adventskalender Gerauschten geraten ein bisschen Zeit zu investieren, um  in die Welt von Golau Glau einzutauchen. Für den Fremden, mit der Musik noch nicht Bekannten, sei der Track Stolen by Sailors als Einstieg angeraten.

„St. Nicholas replaces Artemis, Santa Claus replaces Nicholas.“
The history of the bearded chap(s) in red. Video

Track für Track spinnen Golau Glau ein Zeiten und Kulturen umspannendes Netz, in dem sie nicht ohne Ironie den „Raub“ des einen Kultes hin zum Wandel des anderen „neuen“ Festes besingen. Organisch fügt sich das traditionelle Weihnachtslied O Come, O Come Emmanuel in das Gebilde, welches vor allem im angelsächsischen Raum einen festen Platz auf jeder Weihnachtsfeier hat. Wobei, auch hier ist Vorsicht geboten. Zu jedem Lied haben Golau Glau ein Video produziert, um die Doppelbödigkeit ihrer Interpretationen zu ergründen, sollte man nicht nur mit einem Ohr lauschen, sondern auch zwei Augen auf die Visualisierung werfen.

O Come, O Come, Emmanuel from Golau Glau on Vimeo.

Golau Glau are special to say the least. The Welsh artist collective is producing fine art. They hide in the shade of anonymity. Being some kind of mystery of their own, it’s quite fitting that their work is richly influenced by the welsh tradition and their mysteries. Last year their Christmas Single Foolstide told us a piece of almost forgotten history. This year we can’t expect to get an Christmas smash hit either, no tune that’s easy to sing along with but a concept album celebrating a diversity of traditions round Christmas and wintertime. „Christmas, Yule, the solstice, Sinterklaas, Mari Lwyd, secular fun – all are celebrated here.“, are Golau Glau writing on their blog. The beauty of Myrrh & Myth needs time to reveil itself to the listener. To all those rushing in for a quick visit: Take your time, it will take your breath, I promise, it’s totally worth it. A good song to start with is the quite catchy Stolen by Sailors.

Track by track Golau Glau are spinning a web connecting different ages and cultures which doesn’t happen without any irony. Singing about the theft of one tradition that lead to the birth of a new one. The traditional Chrismas carol O Come, O Come Emmanuel fits in quite organically though you always have to be aware of Golau Glau’s ambiguousness. The band produced a video for each song, metaphorically speaking: You’ll get the whole picture by watching them.

Der Mari Lwyd-Mythos:

Mari Lwyd/Pwnco from Golau Glau on Vimeo.

Mari Lwyd – (Englische Übersetzung: „Grey Mare“ – Deutsch: „Graue Stute) ist ein alter walisischer Brauch zu Neujahr, der fast vergessen, heute wieder reaktiviert wird. Die Tradition wird auf die keltische Göttin Rhiannon zurückgeführt. Die Mari Lwyd Gestalt besteht aus einem Pferdekopf auf einem Stab und weißen Tüchern, unter denen die Träger des Schädels versteckt sind. Mancherorts werden die Augen des Schädels mit grünem Glas ausgekleidet. Bei manchen Varianten sind die Unterkiefer mit Sprungfedern befestigt, so dass der unter den Tüchern Verborgene mit der Mari Lwyd  nach den Passanten  schnappen kann. Während der Zeremonie wird der Pferdeschädel von einer Gruppe durch die Straßen der Dörfer getragen, die vor den Haustüren hält und dort traditionelle Lieder singt. Manchmal tragen die Teilnehmer der Prozession einen Verswettbewerb mit den Bewohnern aus, indem sie sich gegenseitig mit den besten Reimen zu überbieten trachten.

The Mari Lwyd (or Grey Mare in English) is a Welsh new year celebration (see Calennig). Perhaps deriving from an ancient rite for the Celtic goddess Rhiannon, the Mari Lwyd is associated with south-east Wales, in particular Glamorgan and Gwent, but was almost forgotten during the mid-20th century. Nowadays, some folk associations in Llantrisant, Llangynwyd, Cowbridge and elsewhere are trying to revive it.

The Mari Lwyd consists of a mare’s skull fixed to the end of a wooden pole; white sheets are fastened to the base of the skull, concealing the pole and the person carrying the Mari. The eye sockets are often filled with green bottle-ends, or other coloured material. The lower jaw is sometimes spring-loaded, so that the Mari’s ‚operator‘ can snap it at passers-by. Coloured ribbons are usually fixed to the skull and to the reins (if any). During the ceremony, the skull (sometimes made of wood) is carried through the streets of the village by a party that stands in front of every house to sing traditional songs. The singing sometimes consists of a rhyme contest (pwnco) between the Mari party and the inhabitants of the house, that challenge each other with verses.

Source: Wikipedia

More Info: www.museumwales.ac.uk (English)

Golau Glau – Myrrh & Myth

Tracklist:
1. Golau Glau – Oak Moon
2. Golau Glau – Yew
3. Golau Glau – Stolen by Sailors
4. Golau Glau – O Come, O Come Emmanuel
5. Golau Glau – Mari Lwyd/Pwnco
6. Golau Glau – Oak Moon (The Head Technician’s Electronic Rhythm Mix)
7. Golau Glau – Foolstide – Bonus Track
8. Golau Glau – Stolen By Sailors (Radio Edit) – Bonus Track

Free Download: golauglau.bandcamp.com/

Stream:

Latest tracks by Golau Glau

Anschauen/ Watch: http://www.vimeo.com/album/1488740

Links: Golau Glau Blog, Golau Glau MySpace

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Türchen 5: Golau Glau – Foulstide

Nicht die Weihnachtsgeschichte, sondern ein wichtiges Stück Geschichte mit Weihnachten in der Hauptrolle kredenzen uns Golau Glau mit Foulstide.

GolauGlauChristmas

Golau Glau sind ein junges walisisches Ensemble, dass vor kurzem 6-monatiges Bestehen feierte. Mich haben sie irgendwann irgendwie über MySpace gefunden und sie gehören zu den wenigen Bands, bei denen ich froh bin, dass sie mir eine Freundschaftsanfrage gesendet haben. (Ich werd‘ gerade überflutet). Neugierig gemacht hat mich wohl der spezielle, ganz eigene Klang. Hier mischen sich Electronica mit mittelalterlichen Chorälen. Speziell ist auch der Name, dieser bedeutet so viel wie:

‘light quickly’ and is pronounced ‘Goll Eye Gly’ – it being an amalgam of “normal Welsh” and “superarchaic odd Welsh” [THEIR WORDS]

Quelle: bedtimebunnage.com

Kurz übersetzt: Schnell erleuchtet  – die Aussprache übersetzt ich nicht, konnte schon im Englischunterricht nichts mit Lautsprache anfangen 😉 Golau Glau ist eine Mischung aus „normalem Walisisch“ (auch Kymrisch genannt) und „super archaischem, merkwürdigem Walisisch“ (so die Band).

Foolstide erzählt, wie die Puritaner im 17ten Jahrhundert für 13 Jahre Weihnachten verbannten.

Wikipedia zur Weihnachtsverbannung der Puritaner:

Auch die Quäker und die Puritaner des 17. Jahrhunderts lehnten Weihnachten als Feiertag ab und gingen wie auch sonst ihren Geschäften nach. Das englische Weihnachtsfest umfasste in jener Zeit nicht nur den Gottesdienst, sondern auch Gelage, Besäufnis, Tanz und Glücksspiel. 1647 erließ das Parlament ein Verbot derartiger Feste. Das führte zu Straßenkrawallen zwischen Befürwortern und Gegnern des Weihnachtsfestes.[1] Nach 1660 wurde das Festverbot nicht mehr angewendet. (Mehr hier)

Zusammen mit der Single Foolstide, findet ihr in der Zip-Datei die B-Side A Tragic Error und ein sehr schön illustriertes Songsheet (Preview). Die Zeichnung auf dem Cover stammt von Mr Steven Horry the Second. Die Idee hinter der Illustration ist es zu zeigen, wie Father Christmas als Waffe im Krieg zwischen Puritanern und den Festlichkeiten der Weihnachtszeit benutzt wurde.

[audio:Foolstide.mp3|titles=Foolstide|artists=Golau Glau]

foulstide_cover_klein

DOWNLOAD ‘FOOLSTIDE’ BY GOLAU GLAU – CLICK HERE

Mehr Infos findet ihr auf dem Golau Glau Blog.

DifferentStars

Die bisher geöffneten Türchen unseres Adventskalenders 2009 findet ihr hier:
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