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Lie In The Sound präsentiert: Die 10 besten Tracks 2010

Oft scheint ja der eigene Horizont nur eine iPod-Länge entfernt zu sein. Um diese Begrenztheit im Keim zu ersticken, höre ich mir vielerlei Musik an. Beherzige Empfehlungen von Freunden, notiere das Rauschen in meinem RSS-Feed, leihe den Tipps der Fachzeitschriften ein Ohr,  sogar den Mätzchen von Micky-Maus-Bloggern widme ich Aufmerksamkeit. Irgendwie will sich jedoch Angesagtheit partout nicht in meinen Gehörgängen verankern, verheddere ich mich ebensowenig in Geschmacksverpflichtungen. So sind es letztlich die Dauerbrenner und Underdogs, die die Liste meiner liebsten Songs pflastern. Obwohl ich mindestens 100 Lieder präsentieren könnte, die mich 2010 begeisterten, sollen heute zunächst 10 hervorgehoben werden. Weitere 40 werden im Laufe der Woche noch lobende Erwähnung finden. Diese 10 Tracks, welche nun den Anfang machen, sind fraglos edel und ohne Ablaufdatum.

01. Clem SnideI Got High

Begründung: Mastermind Eef Barzelay kreiert einen Song, der hymnische Momente in einen sanften Sound bindet und textlich am Gemächt der amerikanischen Jugend sägt.

02. GrasscutThe Tin Man

Begründung: Weil das vielschichtige Experimentieren unabdingbarer Bestandteil von Musik ist, muss man vor Grasscut den Hut ziehen. Sie schmiedeten viele Versatzstücke zu einem meisterhaft gänsehäuternen Track.

03. Xiu XiuDear God, I Hate Myself

Begründung: Eine derart larmoyant wie augenzwinkernde Electro-Pop-Hymne hat es 2010 kein zweites Mal gegeben.

04. Sharon Van EttenDon’t Do It

Begründung: Mit dem Album Epic stieg sie vom Singer-Songwriter-Talent zur Könnerin empor. Den eindringlichsten, eingängigsten, hintergründigsten Track der Platte bekommt man nicht mehr aus dem Ohr. Warum auch sollte man dies wollen?

05. Fang IslandLife Coach

Begründung: Ein Song, zu dem es sich prima grölen und Bierdosen werfen lässt. Dass ausgerechnet der Auftritt der Band beim diesjährigen Berlin Festival zu den schwächer besuchten geriet, bleibt unverständlich, da die Herren live die reinste Wonne darstellen.

06. Damien JuradoArkansas

Begründung: Jurado könnte spielend 4 Tracks in meinen Top 50 platzieren, bescherte dieses Jahr Momente bestechenster Liedkunst. Das Sahnehäubchen Arkansas überzeugt durch seine sofortige Überwältigung des Hörers.

07. Johnny CashAin’t No Grave

Begründung: Der Auferstehungsgesang einer Legende.

08. SeligVon Ewigkeit zu Ewigkeit

Begründung: Eine schönere Liebeserklärung in deutscher Sprache habe ich 2010 nirgendwo vernommen. Jan Plewka darf sich zumindest meiner ewigliche Verehrung gewiss sein.

09. Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Begründung: Startet funkig-sirenesk, flirtet zwischendurch mehrmals heftig mit minimalistischen Motiven, um doch wieder und wieder das Hauptthema aufzugreifen und derart zu forcieren, dass man sich in eine Zeit zurückfühlt, als allein schon die Erkennungsmelodie von Die Straßen von San Francisco vor die Glotze lockte.

10. Justin Townes EarleHarlem River Blues

Begründung: Ein Hochkaräter des Country. Mit einem nicht minder hochkarätigen Song aus dem gleichnamigen Album. In deutschen Gefilden nahezu unbekannt, warum eigentlich?

Fortsetzung folgt…

SomeVapourTrails

Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Playlüsternes Mixtape (I) – Diesmal mit Pinup Saints, Sweet Sweet Moon und vielen mehr

Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr. Sie ist ganz eigenartig. Sobald ich eine interessante, gerne auch krude Mischung an putzigen Musikempfehlungen in unserer Rubrik Stippvisite poste, führt dies zu fast schon überschwänglicher Ignoranz seitens der werten Leser unseres Blogs. Wenn ich jedoch irgendwo den Begriff Mixtape fallen lasse, erweist eine erkleckliche Anzahl von Besuchern dem Beitrag die Ehre. Nun denn, der Kunde ist König, soll die Chose halt Mixtape heißen. Was auf der Verpackung prangt, das ist letztlich einerlei, der Inhalt zählt. Und der ist dieses Mal besonders vielfältig.

Diego Bernal:

Über Diego Bernal habe ich bereits vor über einem Jahr berichtet und sein Album For Corners heftigst empfohlen. Vor wenigen Monaten hat nun „Besides…“ das Licht der Welt erblickt und bietet wiederum kräftige Beats en masse samt Latino-Flair. Ich werde mich der Angelegenheit noch ausführlicher widmen, für heute sei Lunch Money (Brown Paper Box) auf unserem Mixtape platziert. „Besides…“ ist via bandcamp kostenlos erhältlich.

Big Blood:

Eigentlich sind die Zeiten, in welchen ich auf Last.fm aktiv war, schon lange, lange vorbei. Aber ein paar Kontakte habe ich mir erhalten und diese senden mir ab und an auch sehr gediegene Empfehlungen. Big Blood wurde mir unlängst vehement angepriesen, inbesondere das Lied Oh Country (Skin & Bones). Wer angeschrägtem Folk und Alternative Country etwas abzugewinnen vermag, der wird die Platte Big Blood & The Bleedin‘ Hearts lieben. Sie darf hier gratis heruntergeladen werden.

Sweet Sweet Moon:

Meinen österreichischen Landsleuten traue ich in musikalischer Hinsicht eigentlich nicht besonders viel zu. Die wenigen guten Bands kann man auch noch an einer verkrüppelten Hand abzählen. Daher war ich eigentlich skeptisch, als mir die Kunde überbracht wurde, dass der unter dem Namen Sweet Sweet Moon agierende Singer-Songwriter Matthias Frey eine Coverversion eines Songs von Beirut aufgenommen hat. Zach Condon nachzueifern – diese Chuzpe muss man sich ja erst einmal herausnehmen. Aber My Night With The Prostitute From Marseille gerät in dieser Fassung erstaunlich eigenständig und stilvoll. Dicke Empfehlung!

Sweet Sweet Moon – My Night With The Prostitute From Marseille by Siluh Records

Milhaven:

Man darf mir viel vorwerfen, aber nicht, dass ich kein übergroßes Herz für Post-Rock besäße. Milhaven ist eine deutsche Post-Rock-Band, über die Peter von Schallgrenzen unlängst einige Zeilen verfasst hat. Für mich war danach die Sache gebongt und so habe ich mir die selbstbetitelte näher angehört – und für gut befunden. Ein paar Überraschungsmomente mehr könnte die Scheibe schon vertragen, aber der Track Miami Jesus verfügt über alle notwendigen genretypischen Zutaten. Sehr schön! Das Album ist hier als kostenloser Download verfügbar.

Pinup Saints:

Electro-Pop bewährt sich als Mode unserer Zeit. Aber neben den erfolgreichen Protagonisten werken auch unbekanntere Acts, die nicht minder interessante Töne von sich geben. So zum Beispiel die aus Montreal stammende Band Pinup Saints. Der neue, soeben gratis verfügbare Track Helluva ist ungemein catchy. Sollte man nicht verpassen.


Grasscut:

Was auf Ninja Tune erscheint, dass wird auf Verdacht mit Lorbeer bekränzt. Das Label, dessen Geschmackssicherheit der meinen um nichts nachsteht, hat soeben das Album 1 Inch/ 1/2 Mile des britischen Duos Grasscut zur Veröffentlichung verholfen. Speziell der Titel The Door In The Wall ist luftiger, Experimenten aufgeschlossener Electro-Pop, der nicht mit Kuriosität geizt.

Vello Leaf:

Coast Is Clear fördert öfters Perlen ans Tageslicht. Einmal mehr gelang ihm dies mit Vello Leaf, einer griechischen Shoegaze-Band. Speziell den Song Bitter habe ich ins Herz geschlossen, obwohl es ein durchaus geradliniger, sogar mainstreamtauglicher Titel ist. Aber Stimme, Melodie und Instrumentierung harmonieren hier einfach prima.

Jacob Faurholt:

Dringen wir nun zuletzt in das klassische Singer-Songwriter-Metier ein. Der dänische Liedermacher Jacob Faurholt schickt sich an, seine Platte Are You In The Mood For Love? am 27.08. in Deutschland zu veröffentlichen. Auf selbiger gibt es einige sehr gelungene, eindringliche Songs zu entdecken. Zum Beispiel Rusty Country Cage. Wir werden uns der Scheibe demnächst eingehend widmen.

Das soll es für heute gewesen sein, ich wünsche Hörgenuss ohne Ende!

SomeVapourTrails