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Geplatzte Träume und ohrwürmelnde Melodien – Haley Bonar

In meinen Zeilen zum 2014 veröffentlichten Last War habe ich die Haley Bonar einiges Lob spendiert. Ihren fiebrigen, nach Ausbruch trachtenden Gesang hervorgestrichen, ihre Texte, die die geplatzten Träumen kleiner Leute thematisieren, für stark befunden, Bonar quasi zu einem weiblichen Springsteen gekürt. Auch dem neuen Album Impossible Dream wird man mit dieser Charakterisierung fraglos gerecht. Indie-Rock, versetzt mit Post-Punk und ein bisschen Synthie-Pop, alles getränkt mit nostalgischen Achtziger-Melodien, mit solch musikalischer Ausrichtung vermag Impossible Dream abermals zu überzeugen. An Bonars Texten hat sich ebenfalls nichts geändert, noch immer dominiert die Enttäuschung über den Zustand eines erwachsenen Lebens, das all die Freuden und Torheiten der Jugend hinter sich gelassen hat, nach wie vor ist ein Aufbäumen gegen alle Stagnation spürbar, weiterhin kämpft das lyrisches Ich mit der kleinstädtischen Enge, die Veränderungen unmöglich macht.

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Kein Sturm im Wasserglas – Haley Bonar

Manchmal muss man ausholen, um auf den Punkt zu kommen. Bevor ich also diesmal das wunderbare Album Last War der US-amerikanischen Singer-Songwriterin Haley Bonar bespreche, möchte ich kurz in die Grundsätzlichkeit abgleiten. Und darum folgende Fragen anreißen: Wie nimmt man eine weibliche Liedermacherin heutzutage wahr? Legen Mann und Frau an Sängerinnen noch immer andere Maßstäbe an als an Sänger? Ist die vielgepriesene Emanzipation vielleicht nur ein schöner Schein? Wie stereotyp vollzieht sich die Wahrnehmung weiblicher Stimmen im Indie- und Alternative-Bereich? Werden Sängerinnen nicht immer noch arg benachteiligt? Die ganze Leidensgeschichte beginnt bei männerdominierten Plattenfirmen, setzt sich im Bereich der ebenfalls männerdominierten Rezeption fort und macht auch vor Hörern und Hörerinnen nicht Halt. Frauen müssen weitaus mehr Erwartungshaltungen und Klischees bedienen. Wo Mann nach Herzenslust experimentieren darf, sollte Frau süß, engelsgleich oder zumindest herzzerreißend leidend agieren. Wo Mann im zerzausten Hipster-Outfit samt Bart und Brille auf der Bühne stehen darf, möchte man Frau adrett geschniegelt im Kleidchen auftreten sehen. Natürlich darf Frau auch görig daherkommen, allerdings verfestigt sich auch hier der Eindruck, dass damit lediglich ein männlicher Fetisch befriedigt wird. Nun will ich unbedingt daran glauben, dass die Mehrheit aller aufgeklärten Männer das andere Geschlecht als völlig gleichwertig wahrnimmt. Es ist meiner Meinung keine Frage der künstlerischen Ausdruckskraft und des handwerklichen Geschicks, es scheint vor allem diese Extraportion Optik, die von Sängerinnen zusätzlich zu ihrem Können abverlangt wird. Aber nicht nur. Während der Singer-Songwriter über das Leben erzählen darf, dreht sich die Texte von Liedermacherinnen oftmals um eine emotionale Verfasstheit. Frauen will Mann fühlen hören. Aus all den angedeuteten Problemstellungen ergibt sich einmal mehr der Eindruck, dass Singer-Songwriterinnen wesentliche Widrigkeiten überwinden und Kompromisse eingehen müssen, um ihre Kunst unters Volk zu bringen.

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