Schlagwort-Archive: Helgi Hrafn Jónsson

Free Mixtape: Indie-Pop & Folk fürs Neue Jahr

Foto: Hedwig Storch

Meine lieben Damen und Herren, nun ist es da, das Neue Jahr, mit ihm gleich das neue Jahrzehnt. Mein Co-Blogger nahm dies nun endgültig zum Anlass mich wieder an die Tastatur, die die Blogwelt bedeutet, zu schubsen. Mein kleiner „zwischen den Jahren“-Arbeitsstreik, andernorts auch Urlaub genannt, traf beim werten Herrn SomeVapourTrails auf mehr als nur ein kleines Stirnrunzeln. Daher hier für ihn und für euch eines neues meiner allseits beliebten Free Mixtapes, diesmal wieder mit verträumtem Indie-Pop und folkig Nachdenklichem.

1. Purse SnatchersLazy Dominoes

Die Handtaschenräuber haben sich zu den Stars unseres Adventskalenders gemausert und Christmas Lights ist auch einer meiner Top 3 Weihnachtssongs 2009. Allein dafür war e sschon das mühsame Durchhören von geschätzten 100K irgendwie mit Weihnachten verbandelten Liedern wert.

2. PapercutsWhite are the Waves

MP3:> Papercuts: „White Are the Waves“

Jason Quever alias Papercuts fabriziert nicht nur famosen Indie-Pop, sondern gibt sich auch immer wieder spendabel und verteilt feinste Lieder kostenlos an die hungrigen Ohren dieser Welt. Klar, dass er schon mehr als das ein oder andere Mal ein Gastspiel gab auf diesem Blog. Future Primitive hat’s dann auch auf Platz 30 von Stereogum’s 50 Most Downloaded MP3s Of 2009 geschafft.

3. The SablesSweet Rain

Mp3: The Sables – Sweet Rain
[audio:The Sables – Sweet Rain.mp3|titles=Sweet Rain|artists=The Sables]

Die liebenswerten Zobel schenkten uns an Weihnachten einen Song, der überhaupt nichts mit dem Fest der Liebe zu tun hat, außer das er mit viel Liebe verschenkt wurde. Anfang des Jahres wird das neue Album Fall von The Sables erscheinen, bis dahin, erfreuen wir uns am süßen Regen.

4. Mumford & SonsSister (New Version)

Die britische Combo habt 2009 die Blogoshpäre erobert und auch der Liebste und Co-Blogger ist ganz begeistert. Eher ruhig, getragen und nachdenklich ist dieses Lied. Auf Musicglue könnt ihr euch nach E-Mail-Registrierung Sister (New Version) abholen. Zur Mp3 geht’s hier.

Mumford & Sons – Sister (live & unplugged, Munich 2009)

6. Alessi’s ArkRibbon Lakes

Auch von Alessi’s Ark schwärmte ich sehr im vergangenen Jahr. Tatsächlich bin ich sehr erstaunt, dass ihr der große Durchbruch nicht gelang. Zu Beginn des Jahres noch in der englischen Fachpresse gehypt, dachte ich glatt, sie wird zur neuen Amy McDonald und erklimmt die Top Charts. Hab ich mich geirrt, kann aber noch werden. Mal schaun, was 2010 so für die junge Britin bereit hält. Die Mp3 könnt ihr euch hier nach E-Mail-Registrierung kostenlos downloaden.

7. Helgi Hrafn Jonsson – Digging up a Tree

Ein weiterer Star des Adventskalenders und unter unseren Top Endeckungen 2009. Der liebenswerte Isländer mit bezauberndem österreichischem Akzent hat unsere Herzen mit seinem Charme und musikalischem Talent erobert. Diggin up a Tree ist eines meiner Lieblingslieder von ihm und kann ebenfalls nach E-Mail-Registrierung auf Music Glue gedownloadet werden.

8. Mein Mio – Du bist immer da

Mein Mio wohnen teilweise bei uns um Eck, Lokalpatrioten unseres Blogs sozusagen und  vom Co-Blogger zu den Top Neuentdeckungen 2009 auserkoren. Noch bis zum 6. Januar verlosen wir hier ihre aktuelle CD Irgendwo in dieser großen Stadt. Du bist immer da ist eine wunderschöne Liebesballade und wurde speziell für den klingenden Adventskalender geschrieben. Da haben wir uns sehr drüber gefreut und sind natürlich auch ein kleines bisschen stolz.

DifferentStars

Neuentdeckungen 2009 – Umfrage und Gewinnspiel

Entdeckungen2009

Update: Bis 06.01. 23:59 könnt ihr noch abstimmen!

Werte Leserschaft, wer nun glaubte, Lie In The Sound käme ohne Jahresendumfrage aus, der hat geirrt. Allein dem Umstand geschuldet, dass DifferentStars bis zum heutigen Tag es nicht geschafft hat, sich mit sich selbst zu einigen, welches nun ihre Top 3 Alben des Jahres sind und noch immer an den Top 10 Alben kaut, hier nun unsere ganz eigene – wie wir finden auch spannendere – Umfrage:

Was sind eure Neuentdeckungen des Jahres 2009? Es müssen nicht zwingend Newcomer sein, ist auch bei uns nicht immer der Fall.

Zu gewinnen gibt es 3 CD-Pakete, bitte gebt in den Kommentaren an, welches ihr favorisiert. Dazu natürlich die Künstler, die ihr in diesem Jahr kennen und lieben gelernt habt.

Gewinne:

Paket 1

Album: Mein Mio – Irgendwo in dieser großen Stadt
Single: The Alexandria Quartet – Into The Light
Single: Great Lake Swimmers – Pulling On A Line

Paket 2

Album: Helgi Hrafn Jónsson – For the Rest Of My Childhood
Single: The Alexandria Quartet – Into The Light
Single: Great Lake Swimmers – Pulling On A Line

Paket 3

EP: Timo Brekker – Learn & Wait
Single: The Alexandria Quartet – Into The Light
Single: Great Lake Swimmers – Pulling On A Line

Die Preise kommen nicht von ungefähr, wobei, die Great Lake Swimmers gehören schon seit langem zu unseren Lieblingsbands. The Alexandria Quartet, Helgi Hrafn Jónsson, Timo Breker und Mein Mio haben wir erst 2009 entdeckt und in unser Herz geschlossen.

Unsere Top-Entdeckungen 2009:
DifferentStars

White Lies
Paolo Nutini
Metric
Florence + the Machine
The Alexandria Quartet
Timo Breker
Soulsavers

SomeVapourTrails

Mein Mio
Helgi Hrafn Jónsson
Eamon McGrath
Mariahilff
Daisy Chapman
The Low Anthem
Mike Bones

Abstimmungsende ist der 06. Januar 2010.

DifferentStars

Gib den Affen Zucker! – Helgi Hrafn Jónssons unwiderstehliches Angebot an Fans

Bei all den angestrengten Überlegungen, wie Musiker finanziellen Nutzen und eine damit verbundene Existenzsicherung aus ihrem Tun zu schöpfen vermögen, wird das Hauptaugenmerk meist auf ein Erschließen neuer Hörerkreise gelegt. Auf Teufel komm raus exerzieren gerade im Internet – man nehme MySpace als Beispiel – viele Newcomer klägliche Versuche vor, Gott und der Welt ihre Lieder schmackhaft zu machen. Und so unabdingbar der Aufbau einer Fanbase auch ist, bedeutet dies jedoch für den Künstler auch eine Verpflichtung. Sobald die kritische Masse an Liebhaber erreicht scheint, muss das vorrangige Ziel nicht in der Hinzugewinnung neuer Fans, vielmehr im Verhätscheln bereits in den Bann gezogener Menschen sein. Heute wollen wir darum das Prinzip von Pledge Music unter die Lupe nehmen und auch ein Beispiel der Funktionsweise zum Besten geben.

Als aufkommender Star der Indie-Szene wurde in den vergangenen Monaten Helgi Hrafn Jónsson gefeiert. Auch wir konnten uns seinem Zauber nicht entziehen, lobten das Album und vermochten seine Live-Performance in höchsten Tönen zu bejubeln. So wagen wir denn auch das Statement, dass dieser Herr mit Können, Charme und Fleiß Hörer an sein Werk zu binden weiß. Seine neueste EP Kví, Kví bezeugt die Vermutung, dass For the Rest Of My Childhood nicht einfach als Eintagsfliege durch den Äther summte. Auf die Hoffnung aufbauend, dass die Platte für mehr als zeitlich begrenzte Flirts mit iPods und CD-Playern taugt, hat Jónsson seiner Anhängerschaft nun mehr als nur einen Knochen vor die Füße geworfen. Kví, Kví ist im besten Sinne ein Sahnehäubchen und der Versuch neue Wege der Vermarktung und Finanzierung zu beschreiten. Gibt den Affen Zucker, lässt sich das Unternehmen liebevoll zusammenfassen.

kvi,kvi

Das Projekt Pledge Music setzt auf eine von Fans getragene Finanzierung von Alben oder Konzertreisen, ohne die sattsam bekannten Nebengeräusche. Der Musiker behält die Rechte am Werk, darf Gewinne aus Touren und Merchadising behalten, Anhänger werden nicht auf den Status von Investoren zusammengestaucht, sondern erhalten einen speziellen Anreiz. Eine vor Beginn der Kampagne klar definierte Geldsumme ist als Ziel ausgegeben, nur wenn diese auch erreicht wird, werden die Zahlungsversprechen der Fans auch wirklich bindend. Im diesem Fall erwerben die Interessenten mit ihrer Zahlung nicht lediglich CDs, die nach Fertigstellung versandt werden, vielmehr können sie aus einer breiten Palette von Angeboten auswählen. Ob man nun ein personalisiertes Video mit einem ausgewählten Song wünscht, eine Skype-Session mit dem Künstler, signierte Alben oder ein Ölgemälde – die Möglichkeiten sind vielfältig. Exakt darin liegt der Charme der Aktion begründet. Man partizipiert nicht bloß an einer Mittelbeschaffungsoffensive, pickt sich eher die ganz persönliche Rosine aus dem Kuchen heraus. Dazu gesellt sich natürlich auch gespannte Erwartung, ob der avisierte Betrag auch tatsächlich erreicht wird. Denn wie gesagt, nur in diesem Falle wird der Pledge – wie sich die monetäre Zusicherung nennt – und die damit verbundene exklusive Leistung auch Realität. Klingt nach einem fairen Deal.

Prinzipiell halte ich diese in transparenter Manier umgesetzte Idee für besonders erwähnenswert. Sowohl die von Pledge Music klar benannten Anteile am Gewinn – 15% der erzielten Summe – als auch das vom Künstler selbst zusammenstellbare Angebot machen die Sache für Musiker und deren Liebhaber interessant. Selbstverständlich wird solch eine Offerte nie die klassische Produktionswege ersetzen können, als zusätzliche Option darf jenes Fundraising jedoch positiv erachtet werden.

Ich wünsche mir, dass Helgi Hrafn Jónsson mit dieser Strategie sein Ziel erreicht. Der nette Isländer und seine famose Musik haben es sich verdient. Musiker und Sänger, die uns bewegen und träumen lassen, wachsen schließlich keinesfalls mir nichts, dir nichts von den Bäumen. Und auch wenn Filesharing-Apostel eine gegenteilige These vertreten, in Saus und Braus leben – abgesehen von Madonna und Co. – die wenigsten Musiker. Will the die-hard fan please stand up!

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Link:

Offizielle Homepage

Der Song Jólalag versteckt sich auch hinter Türchen 1 unseres klingenden Adventkalenders

SomeVapourTrails

Türchen 1: Helgi Hrafn Jónsson – Jólalag

helgi hrafn24-photo jonatan gretarsson

Das erste Türchen unseres klingenden Adventskalenders barg auch für uns eine kleine Überraschung. Wir ahnten ja nicht, was es genau mit dem Song Jólalag auf sich hat. Am Sonntag trafen wir dann Helgi Hrafn Jónsson zum Interview vor seinem Konzert im Berliner Admiralspalast. Bis dahin war’s für uns „einfach“ nur ein weiteres wunderschönes Lied von dem Isländischen Sänger, in seiner Heimatsprache gesungen. Das es ein Weihnachtslied ist,  wussten wir natürlich schon, des Isländischen jedoch nicht mächtig, wollten wir mehr erfahren und haben Helgi am Sonntag vor seinem Konzert im Berliner Admiralspalast gebeten, uns ein bisschen über Jólalag zu erzählen.

Helgi:

Das ist meine erste Nummer überhaupt. Ende November 2002, wo ich eigentlich noch überhaupt keine Ahnung gehabt habe. Das ist tatsächlich der erste Song, den ich geschrieben habe, überhaupt.

Und…es war so…ich saß bei mir zuhause in Graz und ich bin einkaufen gegangen und hab Mandarinen gekauft, zum ersten Mal in dem Jahr. Und ich bin so… also…wo ich die erste Mandarine geöffnet hab, dass hat so geduftet, ich bin dann so in eine Weihnachtsstimmung gerutscht, so irgendwie…Heimweh, oder nicht Heimweh, sondern: So Vorfreude auf alles, und dann hab ich gedacht, jetzt muss ich einfach was machen, jetzt muss ich ein Lied schreiben und hab dieses Lied geschrieben und dann eine Woche später aufgenommen mit Freunden im Universitätsstudio, des ist eben diese Aufnahme. Da kling ich noch ganz anders.

(Das ganze Interview in Kürze bei uns)

Da mein Liebster und Co-Blogger SomeVapourTrails – Österreicher von Geburt und aus Überzeugung, 11 Jahre in Graz gelebt hat und erst von mir ins teutonische Berlin gelockt wurde, parlierten die beiden während dem Interview in prächtigstem Österreichisch, dieses hier schriftlich wiederzugeben, ich leider nicht ganz im Stande bin. Dennoch – den ersten Song von Helgi überhaupt hier kredenzen zu dürfen, ist natürlich eine besondere Ehre.

MP3: Helgi Hrafn Jónsson – Jólalag

ChristbaumBrandenBurgerTor3
Foto: SomeVapourTrails

Kleiner Handy-Schnappschuss zwischen Interview und Konzert am Sonntag . In echt sieht das Brandenburger Tor voll winzig aus, vor allem mit riesigem Weihnachtsbaum davor 😉

Lesetipps bei uns:

Konzert-Review: Bist du narrisch! – Ein Abend mit der Rampensau Helgi Hrafn Jónsson

Album-Review: Rezeption remixed – Lobreden über Helgi Hrafn Jónsson

Mehr Infos:

Offizielle Homepage
MySpace-Auftritt mit Hörproben

Special Link-Tipp:

Helgi Hrafn Jónsson auf PLEDGE music

DifferentStars

Die bisher geöffneten Türchen unseres Adventskalenders 2009 findet ihr hier:
Adventbanner

Bist du narrisch! – Ein Abend mit der Rampensau Helgi Hrafn Jónsson

Ab heute wollen wir die Leser unseres Blogs mit einem mehrteiligen Special über einen isländischen Singer-Songwriter verwöhnen, der aus mehrerlei Gründen die besten Voraussetzungen mitbringt, sich in deutschen Gefilden dauerhaft zu etablieren. Ein Teil der Strahlkraft von Helgi Hrafn Jónsson wird im in Kürze hier zu findenden Interview deutlich, welches wir im Rahmen seines Berliner Auftritts führen durften. Und auch unser klingender Adventkalender wird dem werten Herren ein Türchen widmen.

Helgi(Berlin)

Gestern gastierte Helgi Jónsson im Saal 101 im Berliner Admiralspalast, bestach mit einer rundum kurzweiligen, musikalisch intensiven und ungewöhnlich charmanten Show. Zahlreiche Besucher strömten in den Admiralspalast, entflohen dem adventlichen Trubel der Friedrichstraße, begehrten die stimmungsvollen Songs eines zukunftsträchtigen Talents zu hören. Doch vorher gab seine Landsmännin Ragga Gröndal eine Kostprobe ihres Talents ab. Was meiner Co-Bloggerin DifferentStars nicht gefallen mochte, rang mir durchaus positive Eindrücke ab. Frau Gröndals Darbietung isländischer Folklore fehlte vielleicht eine gewisse eigenständige Note, die Tatsache jedoch, dass sie blaue Strümpfe zu einem vermutlich für die ländlichen Regionen der Insel nicht untypischen Kleid trug, sorgte jedenfalls für eine nachhaltige Erinnerung.

Kurz nach 22 Uhr enterte Helgi Jónsson mit zwei Begleitmusikern die Bühne, zauderte nicht lange und intonierte inbrünstig ein brandneues Lied namens I am God. Sofort wurde der Raum in den Bann des in hingebungsvoller Trance schwelgenden Sängers gezogen. Da werden ja schwere Geschütze aufgefahren, dachte ich so bei mir. Und wunderte mich ein wenig über das Bühnen-Alter-Ego, welches sich so komplett von der Person zu unterscheiden schien, die ich zuvor im Backstage-Bereich als humorvollen, sehr lebendigen und eloquenten Menschen erlebt hatte. Noch irritierter zuckte meine Augenbraue, als sich der Sänger auf Englisch vorstellte. Herr Jónsson hat seine Studienzeit in Graz und Wien verbracht und beherrscht die deutsche Sprache ausgezeichnet – mit Schwerpunkt auf Idiome der Alpenrepublik. Doch bereits nach dem zweiten Song taute er auf, begann in herrlichstem österreichischem Dialekt zu parlieren, mutierte zu einer an Scherzen reichen, selbstironischen Rampensau, die die hochgradig tiefgründige, ab und an bleischwere, stets beseelte Aura seiner Lieder mit launigen Kommentaren brach und für allgemeine Erheiterung sorgte. Und doch bändigte er das amüsierte Publikum stets, schuf Sekunden der Besinnung, ehe sich abermals Schwaden nachdenklicher Schönheit im Saal fläzten.

Unter kollektivem Prusten erzählte der gesellige Sänger, wie sein Song Ashes Away bereits zu Studienzeiten entstand, nachdem eine am Keyboard mit Aufnahmefunktion nach eigenem Urteil geniale Komposition von seinem WG-Genossen versehentlich mit dem eigenen ungelenken Spiel gelöscht worden war. Auch Helgis Wunsch einmal derart erfolgreich zu sein, dass er es sich leisten könne, zwischen seinen Liedern leichtgeschürzte Schönheiten, wie man sie vom Boxen kennt, per Tafel die Songs ankündigen zu lassen, wurde belächelt. Worauf Herr Jónsson diese Vision dann auf den Aufmarsch isländischer Bauernjungen mit politischen Botschaften downgradete. Und all die spitzbübischen Kommentare waren von dem schönsten aller Dialekte durchtränkt und mit typisch östereichischen Ausdrücken wie Bist du narrisch gespickt.

Und doch war es die wundersam wirkende Musik, allen voran September , welche unterstrich, dass er kein Dampfplauderer oder schlichte Epigone isländischer Lichtgestirne ist. Sein Singsang perlte schimmernd, oft von einem Schlagzeug untermalt, welches nicht nur den Rhythmus vorgab, vielmehr schönste Klangeffekte kreierte. Auch Dry Run oder das mitreißende, als letzter Track vor der obligatorischen Zugabe gespielte Digging Up A Tree überzeugten die ihm bereits vollends verfallenen Besucher.

Nach gut 80 Minuten entließ Helgi Hrafn Jónsson ein durch und durch zufriedenes Publikum, das neben guter Laune besonders die Eindrücke virtuoser, charismatischer Klänge aufgesogen hatte. Für mich persönlich eines der authentischsten Konzerte, welches ich je gesehen habe. Der Sänger will Deutschland auch 2010 mit seiner Anwesenheit beehren. Und dies ist  ein Versprechen, dessen Einhaltung man herbeisehnen sollte.

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Rezeption remixed – Lobreden über Helgi Hrafn Jónsson

Heute tellerrändere ich den eigenen Horizont der Deskriptionsfertigkeiten und ziehe die Beschreibungskünste der allerwertesten Kollegen am Nasenring des Zitatenschatzes durch unsere Manege. Wenn sich wohlwollende Meinungen zu lobhymnischer Tendenz verdichten und die Essenz desssen, was gesagt werden muss, bereits auf den Punkt gebracht wurde, will ich diesem Treiben keine unnötige Wiederholung hinzufügen.  Eher schon einen Remix erkenntnisreicher Aussagen, denen ein schulterklopfendes Nicken zuteil werden soll. Von Striemen durchdrungene Schreiberhände haben einander die Pfoten gereicht und in einem Chorus der Buzzwords Helgi Hrafn Jónsson kollektiv mit offenen Armen empfangen. Mit gutem Grund – meine ich. Doch lassen wir Blogger und Magazine selbst in Zungen reden.

helgi hrafn24-photo jonatan gretarsson

Stimme: an­dro­gyn wir­ken­d/ einzigartig gefühlsstark/ entrückt und verzaubernd/ mit leicht melancholischem Unterton klagend/ exaltiert/ glasklar entwaffnend mit herzzerreißenden Schlenkern/ wabernd/ ein betörend schönes Falsett, das einlädt, Schneeflocken zu zählen.

Herkunft: Stern am wolkenbehangenen Himmel Islands/ Mondoberfläche, oder auch Island (soll ja so ähnlich aussehen, nur mit Geysiren)/ Land mit der Einwohnerzahl einer gut gefüllten Telefonzelle/ aus dem Land der Geysire und Minister für Feen.

Klingt wie: fragile, nordische Klangwelten von Sigur Rós und Radioheads leise und zarte Momente grosser Reinheit/ Phantasiesprache – typisch isländisch halt/ irgendwo zwischen Bono und Thom Yorke mit spacigeren Songs als der Ire und weniger beeindruckenden als der Irre/ isländische Antwort auf Robin Proper-Sheppard und Sophia/ Musik vom Mond.

Höhepunkte: This Solicitude – unaufgeregt spielende Dorfkapelle schafft Spagat zwischen wahren und großen Gefühlen/ September – vor Passion berstende Stimme hat Erlebnischarakter/ Love Mind mit schleichender Klavierspur und „Feeling tired of all this shit, when I swallow all of this, being lost and what the hell…“.

Superlativ: der Begriff Pop wäre hier eine Beleidigung/ zehn zerbrechliche Schönheiten, gefühlvolle Balladen schweben an mir vorbei, lassen Ruhe und Zufriedenheit zurück/ ein kleines Glücksgefühl schwappt über die Nordsee/ selten war Eskapismus so positiv zu bewerten/ großartiges Kopfkino/ hoffnungslos melodieverliebt und schrullig genug um anzuecken/ viel Platz für Trä­nen und Schwer­mut, ge­nau­so wie für Hoff­nung und in­ne­re Zu­frie­den­heit.

fortherestofmychildhood

Was die werten Musikenthusiasten, Klangexperten und Schöngeister hier in Worte kleiden, trifft des Pudels Kern. Das Album For the Rest Of My Childhood dackelt schlichtweg fabulös arrangiert daher, begnadet wieselt Herr Jónsson über den Parcours emotionsintensiven Songwritings, ohne auch nur einmal in die aufgestellten Hindernisse „Langeweile“, „Pathos“ oder „Kitsch“ zu purzeln. Doch nicht nur Helgi Hrafn Jónsson sei ob seiner Leistung Tribut gezollt, auch den geschätzten Kollegen sei ein gutes Zeugnis verliehen. Wer grandiose Musik virtuos zu würdigen weiß, forciert eine Kultur gehaltvoller, unabhängiger Internet-Schreibe. Fein!

Herr Jónsson tourt dieser Tage durch hiesige Breiten. Eine Pflichtveranstaltung für Herbstmelancholiker.

Tour-Termine:

24.11.09 Zürich (CH) – Hafenkneipe
25.11.09 München – Atomic Café
26.11.09 Wien (A) – B72
27.11.09 Köln – Studio 672
28.11.09 Hamburg – Beatlemania
29.11.09 Berlin – Admiralspalast 101

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MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails hat hier die Einschätzungen von Rote Raupe, Nordische Musik, Schallgrenzen, Alternativmusik.de, Alles ist Pop, munitionen, Mainstage, WhiteTapes, Crazewire, Beautiful Sounds, Småstad Music Blog zitiert. Dank und Gruß an Kenner und Könner!