Indie-Track-Auslese 2014 (Januar/Februar/März) – Teil 1

Hier eine Auflistung einiger Tracks, die wir in den ersten drei Monaten 2014 so gehört und für sehr gut befunden haben. Da sich noch die eine oder andere feine CD des jungen Musikjahres in unseren Regalen stapelt, wird es im April einen Nachklapp zu dieser Liste geben. Für den Moment jedoch gilt: Viel Vergnügen beim Anhören!

Mikko JoensuuLand of Darkness (Finnland) EP: Land of Darkness / Lake of Fire (VÖ: 07.03.2014 auf Fullsteam)

Doug PaisleyIt’s Not Too Late (To Say Goodbye) (Kanada) Album: Strong Feelings (VÖ: 24.01.2014 auf No Quarter)

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Wie für die NSA gemacht – Highasakite

Skandinavischen Edel-Pop, der zu divaresk anmutet, um als Indie-Pop durchzugehen, und zugleich zu fantasievoll arrangiert und instrumentiert tönt, um als schnöder Radio-Pop bezeichnet werden zu dürfen, beschert uns die norwegische Formation Highasakite. Das dieser Tage veröffentlichte Album Silent Treatment steht für eine von A bis Z durchbuchstabierte melodische Eleganz, die kammermusikalische Intimität und gefühlsträchtige, mächtige Refrains zusammenführt. In mancherlei Hinsicht erinnert die Sängerin Ingrid Helene Håvik an ihre Landsfrau Ane Brun, beispielsweise in der unnachahmlichen Mischung aus Grandezza und Lebendigkeit. Gerade bei percussionlastigen Songs wie etwa Iran sticht dies Merkmal deutlich hervor.

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Lauschrausch XV: Highasakite

inandoutofweeks

Heute möchte ich norwegische Formation in den Fokus rücken, die ich bereits vergangenes Jahr mit viel Lob bedacht habe: Highasakite. Dieses Quintett kann sich zwar schon eines Debütalbums mit dem Titel All That Floats Will Rain rühmen, trotzdem wird jetzt mit einer EP namens In And Out Of Weeks nochmals durchgestartet. Selbige bietet allerdings kein neues Material, vermag somit die bereits vorhandenen Fans kaum zu Freudensprünge zu animieren. Wer diesem Indie-Pop-Zauber noch nicht erlegen ist, hat freilich nun die Gelegenheit dazu. Starke Melodien treffen auf Wohlgefühl und Melancholie, mal balladesk, dann wieder mit Twee-Charme (Son Of A Bitch). Highasakite sind angenehm unberechenbar, mordslebendig, durchaus auch wunderfein hymnisch, wie der atemberaubend schöne Song Indian Summer belegt. Im Pressetext ist so trefflich von schimmernden Synthie-Flächen die Rede, dazu gesellt sich noch ein liebenswert schräge Percussion, über allem thront die beglückende Stimme von Ingrid Helene Håvik. Fertig ist ein Lied, welches man nicht so schnell vergessen möchte. Ebenfalls toll fällt der Song Winner’s Don’t Come Easy aus. Highasakite sollten mit dieser EP den noch Uneingeweihten den einen oder anderen Lauschrausch bescheren. Wer diesem schon jetzt anheimfallen will, kann den Track Indian Summer auf SoundCloud kostenlos downloaden.

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Unsere 10 Newcomer des Jahres 2012

Wir machen weiter mit unserer Rückschau auf das abgelaufene Musikjahr. Nun wollen wir einen Blick auf Newcomer werden, die uns doch ein wenig beeindruckt haben. Nun ist der Begriff Newcomer ohnehin ein schwammiger. Der Duden definiert den Newcomer so: „Jemand, der in einer Branche, einem Geschäft o. Ä. neu ist, noch nicht viel Erfahrung [aber schon einen gewissen Erfolg] hat“. Der kritische Punkt in jener Beschreibung liegt eindeutig beim gewissen Erfolg. Gerade im Indie-Bereich ist Erfolg ein herrlich unscharfer Begriff. Hat man schon den Durchbruch erzielt, wenn man über 1000 Likes auf Facebook erlangen konnte? Oder wenn eine Band bei einem Konzert nicht bloß in bestens bekannte Gesicher in den Zuschauerreihen blickt, darf man dann schon von einer Karriere sprechen? Angesichts dieses Dilemmas haben wir einfach Acts aufgelistet, die uns 2012 über den Weg liefen und denen wir für ihre musikalische Zukunft viel Glück wünschen. Denn Erfolg ist letztlich Glücksache – und keine Frage des Talents.

Beste Newcomer

1. WALL (Großbritannien)

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Stippvisite 24/11/12 (XXL-Edition frisch von der Schlemmermeile)

Das Internet ist eine elendslange Schlemmermeile, auf welcher jeder Musikfan auf den Geschmack kommt. Man findet, wonach immer auch das Herz begehrt. Wo jedoch die kulinarischen Genüsse einer Schlemmermeile stets einen sofortigen Obulus erfordern, erwarten uns in den Weiten des Netzes jede Menge Kostproben gratis. Wo in manch Lokalen das Prinzip All-you-can-eat regen Zuspruch findet, die Besucher sich dies durchaus einige Euros kosten lassen, im Wissen das Harakiri keinen Teil einer gesunden betriebswirtschaftlichen Kalkulation darstellt, haben sich im Internet Streamingdienste etabliert, welche für ’nen Appel und ’nen Ei Millionen Tracks feilbieten. Der Stream ist längst eine allgemein akzeptierte Form des Musikkonsums. Wir würden uns in die eigene Tasche lügen, wenn wir tatsächlich glaubten, dass Musiker von Streams finanziell profitieren. Das Angebot eines Streams sieht den Künstler auf seinem desperaten Höhepunkt. Eine Band oder ein Singer-Songwriter tun dies, weil sie an die Chance glauben (wollen), dass das Hören eines Songs zu einem Kaufimpuls animiert. Doch ach, drei Dinge stehen diesem Verlangen im Weg. Zunächst einmal die eigene pekuniäre Situation. Wohnen wird teurer, Strom auch nicht billiger, Gebühren und Steuern steigen unaufhörlich, Essen sollte man freilich auch. Die gegenwärtige Krise definiert für viele Menschen das Wort Luxus neu. Zumal Werbung Prioritäten gewichtet. Wir gönnen uns besonders das, was heftig beworben wird. Ein David Garrett verkauft sehr viele Platten, bei der talentierten schwedischen Indie-Combo sieht die Sache schon anders aus. Der zweite Punkt ist die Halbwertszeit von Klängen. Was den Musikenthusiasten rund um den Veröffentlichungstermin in Mark und Bein fuhr, geradezu in den Ohren schmolz, das scheint zwei Monate später längst von Dutzenden neuen Platten aus der Erinnerung gedrängt. Lohnt sich also tatsächlich ein Kauf? Doch nur bei Alben, mit denen einige schöne Jahre verbringen will! Für einen One-Night-Stand wird man doch in der Regel auch nicht so tief in die Tasche greifen wie für die ausgeguckte Lebensabschnittspartnerin. Und letztlich verhindert als drittes Motiv die Gratis-Kultur einen Kauf. Wir wollen naschen, stibitzen, auf Rechnungen legen wir im digitalen Dschungel keinen sonderlichen Wert. (Mehr zum Thema Stream hat Nicorola hier zusammengetragen.)

Das Internet ist eine lange Schlemmermeile voll frischer Leckerbissen. Ein paar Köstlichkeiten will ich auch diesmal wieder kredenzen. Wenn heute der internationale Kauf-Nix-Tag begangen wird, dann sehe ich das durchaus ambivalent. Eine Überprüfung des eigenen Konsumverhalten erscheint immer mal wieder angebracht, aber als Resultat sollte keine plakative Konsumverweigerung stehen, vielmehr ein klares Ja zum bewussten Kauf. Denn gerade im Bereich der Musik haben wir es vielfach verlernt, eine von penetranter Werbung unbeeinflusste Kaufentscheidung zu treffen. Vielleicht sollten wir sogar viel öfter mal musikalisch schlemmen – und dann auch unsere Zeche zahlen.

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