Must-Have of this Season: About Christmas Songs 2

Various---About-Christmas-Songs-2---(CD)

Es gibt selten bis fast nie Weihnachtscompilations, die mich voll und ganz begeistern. Meist sind 2 bis 3 Songs drauf, die mir sehr gut gefallen, der Rest ist bestenfalls langweilig. Ganz anders gehts mir mit diesem neuen Weihnachtssampler des feinen Hamburger Labels Devil Duck Records. Kaum zu glauben, dass wir den ersten 2011 verpasst haben. Vielleicht waren wir aber auch nur zu beschäftigt damit, zu glauben, dass wir die einzigen Weihnachtsmusik-Liebhaber und Experten in Deutschland sind. Mit Labelinhaber Jörg Tresp haben wir einen ebenbürtigen Bruder im Geiste gefunden.  Wirklich keine einziger Song ist hier Füllmaterial, stattdessen bietet About Christmas Songs eine wohlüberdachte und handverlesene Auswahl mit vielen Original-Weihnachtssongs, die einem Episodenroman gleicht.

Ein Lied haben wir hier schon auf unseren Seiten gefeatured: The Culture In Memoriam – Santa’s Song – und natürlich waren viele der Interpreten schon zu Gast bei uns. Insbesondere die Sunturns, deren Mitglieder zum Teil als Marking Marks (ehemals My Little Pony) musizieren und uns seit vielen Jahren mit tollen Weihnachtsliedern erfreuen.   Weiterlesen

Unsere Lieblingslieder 2014 – Ein Zwischenstand

Wir haben uns auch dieses Jahr die Ohren wund gehört und so manch Lied hat sich als Balsam für die Gehörgänge entpuppt. Und was wir erst alles (noch) nicht erlauscht und erfühlt haben, weil gut Ding halt Weile braucht und die Zeit ohnehin verrinnt! Nun also zwanzig in loser Unordnung zusammengetragene Songs, die mich und die derzeit schweigsamere Co-Bloggerin in den letzten 6 Monaten bewegt haben.

Andreas DorauReden wir von mir

Begründung: Dorau liefert mit dem famosen Reden wir von mir eine großartige Parodie auf die gegenwärtige Selbstbezogenheit und bewahrt sich dabei eine Naivität, die man einfach knuddeln möchte. (Kurzrezension) [Album: Aus der Bibliothèque / 17.01.2014 / Bureau B]

Mikko JoensuuLand of Darkness

Begründung: Da ich momentan noch zu enthusiasmiert bin, überlasse ich die Einschätzung der werten Eva-Maria vom Polarblog, wo ich auch auf dieses wunderbare Lied gestoßen bin. Sie konstatiert: “Der Track ist ein feines, krautrockig ausuferndes Meditationsstück, dass den üpppigen 70er-Synthiewelten von Vangelis nahesteht. Aber Mikko Joensuu wäre nicht er selbst, wenn der Track nicht in eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen wäre und der liebe Gott mit kindlichem Vertrauen angerufen würde.“ (Hörtipp) [EP: Land of Darkness / Lake of Fire / 07.03.2014 / Fullsteam]

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Der große Sprung nach vorn – Hundreds

Seit Tagen schon möchte ich darauf hinweisen, dass das Hamburger Duo Hundreds mit ihrem neuen Album Aftermath durch deutsche Gefilde tingelt. Die Geschwister Milner haben 2010 mit ihrem selbstbetitelten Debüt für ein bisschen Indie-Furore gesorgt. Jener entrückte, mit einer ordentlichen Prise Electro gewürzte Pop fand Anklang. Wer dunkler Schönheit zugewandt war, kam damals um das Erstlingswerk nicht herum. Vier Jahre später folgt mit Aftermath nun endlich der Ton und Klang gewordene Beweis, dass Hundreds keineswegs Eintagsfliegen waren. Zwischen balladeskem Piano und elektronischen Becircungen entfaltet sich ein Songwriting, welches zum großen Sprung nach vorn nicht bloß ansetzt, ihn vielmehr mutig vollzieht. So geschieht eine Platte, die sich einerseits im Detail verliert, in zärtlicher Tüftelei ergeht, dabei zugleich mit bestimmtem Strich Lieder vorwärtsspinnt. Solch Entschlossenheit gibt den Songs Seele, lässt sie opulent, charakterfest wirken. Eva Milners Gesang verströmt unantastbares Charisma. Ausdruckskraft trifft bei ihr auf Integrität, dieser Stimme scheint jedwede billige Gefühligkeit fremd. Philipp Milner fällt die angesichts jener geschwisterlichen Präsenz doch recht dankbare Aufgabe zu, mit all den Instrumenten (Piano, Synthies) die Ästhetik weiter auszugestalten, Atmosphären zu verdichten.

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Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Konzerte, die man nicht verpassen sollte (III)

Wenn ich dieser Tage Ha anstimme, dann verbirgt sich hinter diesem Ausruf keine soeben getätigte musikalische Entdeckung, es folgt vielmehr ein schnödes tschi! Aus unsäglichen, erkältungstechnischen Gründen gibt es heute deshalb eine abgespeckte Variante unserer Konzertlichtblicke.

Scanners:

Eine der absoluten Lieblingsbands meiner werten Co-Bloggerin DifferentStars begibt sich soeben auf ausgedehnte Deutschlandtournee. Die Scanners haben wir ja schon mehrfach ins Rampenlicht gestellt, da und dort beispielsweise. Das aktuelle Album Submarine ist wahrlich nicht von schlechten Eltern und hat am 24.09. nun endlich auch seinen Deutschland-Release auf Unter Schafen erlebt.

Konzerttermine:

06.10.10 Berlin – Lido
08.10.10 Hamburg – Grünspan
09.10.10 Köln – Stollwerk
10.10.10 Stuttgart – Universum
11.10.10 München – Ampere Club
12.10.10 Leipzig – Sweat Club
13.10.10 Dresden – Beatpol
14.10.10 Frankfurt/Main – Batschkapp
15.10.10 Münster – Sputnikhalle
16.10.10 Kassel – Schlachthof
19.10.10 Köln – Blue Shell
20.10.10 Frankfurt/Main- Sinkkasten
21.10.10 Koblenz – Circus Maximus
22.10.10 Weinheim – Cafe Central
23.10.10 Freiburg – Swamp

Carla Bozulich:

Prince Of Truth

Carla Bozulich wurde vor mir vor kurzem von das klienicum empfohlen. Nun war mir ihr Name durchaus ein Begriff, aber Namen sind mitunter Schall und Rauch. Brav folgte ich seiner Empfehlung und habe mich in die letzte Platte Prince Of Truth eingehört, an der sie als Frontfrau der Band Evangelista mitgewirkt hat. Was soll ich sagen. Was soll ich sagen, außer dass ihre raue, markante, eindringliche Stimme dem anspruchsvollen Hörer Schauer um Schauer über den Rücken zaubert. Laienhaft formuliert, wie ich sie behelfsweise als sinister-experimentelle Inkarnation einer PJ Harvey titulieren. Aufgepasst: Frau Bozulich befindet sich auf Europa-Tour.

Prince Of Truth – EVANGELISTA by Constellation Records

Konzerttermine:

15.10.10 Schorndorf – Manufaktur
16.10.10 Delémont (CH) – S.A.S.
18.10.10 Genf (CH) – L’Usine
02.11.10 Graz (A) – Postgarage
06.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival
07.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival

Natureboy:

Über Natureboy habe ich bereits genügend Worte verloren, schone daher meine angekratzte Stimme und belasse es bei einem nochmaligen Ausrufezeichen bezüglich der anstehenden Tournee.

Na gut, einen Titel als Hörprobe will ich zur stärkeren Verlockung noch ins Feld führen:

Mardi Gras.bb

Über die im Frühjahr zur Welt gekommenen Platte Von Humboldt Picnic habe ich mich ja rundum positiv ausgelassen. An einer Erwähnung in den Top 10 meiner Jahresbestenliste besteht kein Zweifel. Mardi Gras.bb sind eine feine Gruppe. Von daher sei auch ein Konzertbesuch angeraten.

Konzerttermine:

08.10.10 Leipzig – Schaubühne Lindenfels
14.10.10 Köln – Stadtgarten
15.10.10 Koblenz – Café Hahn
30.10.10 Bern (CH) – Mahogany Hall
04.11.10 Hamburg – Knust
05.11.10 Bremen – Lagerhaus
06.11.10 Nürnberg – K4
20.11.10 Stuttgart – Merlin

Hundreds:

Und nochmals alte Bekannte, die ich zuletzt hier zur Live-Betrachtung ans Herz legte. Hundreds haben soeben auch ein neues Video zum Song Solace fabriziert.

Tour-Daten:

20.10.10 Essen – Zeche Carl
21.10.10 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
22.10.10 Würzburg – Café Cairo
23.10.10 Wiesbaden – Schlachthof
26.10.10 Köln – Studio 672
27.10.10 Karlsruhe – Tollhaus
28.10.10 Tübingen – Club Voltaire
29.10.10 Lüneburg – Salon Hansen
30.10.10 Osnabrück – Glanz & Gloria
02.11.10 Neubrandenburg – Mixtape
03.11.10 Rostock – MS Stubnitz
04.11.10 Potsdam – Waschhaus
05.11.10 Weyer (A) – Bertholdsaal
06.11.10 Salzburg (A) – Rockhouse

Das soll es auf die Schnelle gewesen sein. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

Absoluter Konzerttipp: Hundreds

Mit ihrem gleichnamigen Debüt hat das Hamburger Duo Hundreds im Frühjahr im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen lassen. Entrückten Pop mit einer ordentlichen Prise Electro zu würzen und dabei noch originell zu agieren, das verdient Anerkennung, ja sogar Applaus. Irgendwo zwischen Ambient, klarem Piano, kräftigen Synthies und  Beats segelt eine anbetungswürdige Frauenstimme, die mit selten erlebter Souveränität dominiert. Welch ausgefeilt komplexes Songwriting derart präsentiert wird, eben so als wäre solch Können eine ausgemachte Selbstverständlichkeit, das darf man getrost als als Besonderheit anerkennen. Umso mehr, da die meist kühle Brise der Umsetzung ein nahezu ekstatisches Frösteln hervorruft, dem Hörer Schauer um Schauer über den Rücken jagt.

Hundreds – Let’s Write The Streets | Live at Babylon, Berlin from Sinnbus on Vimeo.

Hundreds haben mit diesem Album ein Reifeprüfung abgelegt, die den meisten Acts auch nach ungezählten Versuchen nicht gelingen mag. Tracks wie Fighter oder Let’s Write The Streets kann man getrost als ganz großes Kino titulieren, nicht minder fasziniert der Opener Solace. Und jeder, der die nächsten Tage ein aufregendes Konzert erleben will, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und dem Duo seine Aufwartung machen. Noch treiben sie sich in deutschen Gefilden herum, aber das Album schreit richtiggehend nach dem internationalen Durchbruch. Ich kann diese Band gar nicht genug empfehlen und kaum vehementer zu einem Konzertbesuch raten. Man wird es nie und nimmer bereuen.

Hundreds – I love my Harbour from SkrotzkiundKempf on Vimeo.

Hundreds ist am 30. April auf Sinnbus erschienen.

Konzerttermine:

08.07.10 Berlin – Roter Salon (Hundreds For Trikoton)
09.07.10 Halle – MZ Music Zone
10.07.10 Hagenwerder –  La Pampa Festival
17.07.10 Freiburg – Sea of Love Festival
31.07.10 Dortmund – Juicy Beats
20.08.10 Hannover – Bootboohook Festival
21.08.10 Basel (CH) – Stadtmusik Festival
03.09.10 Erfurt – Musique Boutique

Link:

Offizielle Homepage

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Musikalischer Quartalsbericht 2010 (II)

Ich muss mir heute einmal ein Gähnen aus den verschnarchten Mundwinkel schmieren. Denn irgendwie entsprangen dem zweiten Quartal nur wenige wirklich gelungene Alben.  Doch sollte ich eigentlich mit meinem Geschmack auf Kriegsfuß stehen, würde dieser nämlich nicht mit hündisch flehendem Blick vor MGMT oder Ariel Pink’s Haunted Grafitti zurückweichen, könnte ich dem eben zu Ende gegangen Viertel versöhnter die Pfote reichen. So freilich bleibt Before Today als wirkliches Ärgernis zurück.

Doch genug der  Schreckgespenster, jetzt sollen die famosen Akteure ans Mikro treten. Und dazu gehört zweifelsohne Damien Jurado. Mit Saint Bartlett dribbelte er sich endgültig in die vorderste Reihe der Zunft hervorstechender Singer-Songwriter. Man möchte ihn mit zahlreichen Liebkosungen für eine der ganz großen Scheiben des Jahres danken. Ebenso gewaltig – allerdings auch weitaus weniger beachtet – stellt sich Von Humboldt Picnic der Formation Mardi Gras.bb dar. Auch hier habe ich große Töne vernommen und in meiner Einschätzung auch gespuckt. Wie aus verschiedensten Stilen ein derartig vielgestaltes, dennoch konsistentes Album gefertigt wurde, das verdient ein jubilierendes Chapeau!

Während manche Genres in den letzten 3 Monaten vorbildlich gediehen, herrschte bei anderen doch ab und an Funkstille. In Post-Rock-Breiten zum Beispiel habe ich mir lediglich die Red Sparowes auf meinem Zettelchen notiert – und das deutsche Duo Collapse Under The Empire, deren EP The Sirens Sound in jeglicher Hinsicht vielversprechend geriet. Auch an elektronischen Sahnehäubchen mangelte es ein wenig, was nach den unzähligen tollen Veröffentlichung des ersten Quartals jedoch mit Nachsicht zu bedenken war. Nice Nice lieferten jedoch eine zweifellos gelungene Performance ab. Minimalistische Gemüter wurden von Chapelier Fou bestens bedient. Diese Scheibe dem geneigten Leser näherzubringen, das brennt mir schon länger unter den Nägeln.

Kommen wir nun zu den Ladenhütern, zu grandiosen Werken, denen es nur an einem mangelt: Hörern. Da möchte ich keinesfalls zögern und den werten Reverend Deadeye nennen. Wer nur auf Hochglanz polierte Musik mag, wird jener versifften Dreckigkeit wenig Verständnis entgegenbringen. Allerdings sind die schönsten Dinge der Welt eigentlich doch immer nur dann interessant, wenn sie ein bisschen mit Schmutz behaftet sind: Fußball, Sex – auch Musik. Weshalb die britische Sängerin Daisy Chapman immer noch unbeachtet werkt, vermag ich bei soviel Ausdruckskraft in der Stimme einfach nicht nachvollziehen.

Auch in deutschen Gefilden tat sich so manches. Beginnen wir bei Gisbert zu Knyphausen, dessen Hurra! Hurra! So nicht. die hochtrabenden Erwartung mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit erfüllte. In diesem Zusammenhang sei auch die Schweizer Band Schöftland genannt, die mit der CD Der Schein trügt eine Visitenkarte hinterlassen hat. Die auf den Track Kleinstadt gebannte Kollaboration mit Herrn zu Knyphausen sollte man sich zu Gemüte führen. Mit Nicolas Sturm zeigte sich übrigens ein weiterer deutscher Liedermacher mit Talent. Keinesfalls vergessen will ich jedoch auch die mit englischer Zunge agierenden Hamburger Hundreds. Ihr selbstbetitelte Scheibe erfüllt internationale Standards.

Drei gute Alben sollen noch in diesen Abriss gequetscht werden. Frog Eyes mit Paul’s Tomb: A Triumph etwa, selbstverständlich auch die seit einer Dekade beste Veröffentlichung der Folk-Veteranen Cowboy Junkies, welche auf Renmin Park wirklich glänzen. Singer-Songwriterin Nina Nastasia fügte Outlaster ihrem Schaffen hinzu, auch hierfür gilt großes Lob.

Wenngleich die Fülle und Pracht der Monate Januar, Februar sowie März nicht reproduziert werden konnte, so bleibt unter dem Strich genug in jeder Hinsicht wunderbarer Scheiben, die dem Leser mit gutem Gewissen ans Ohr gelegt werden dürfen.

SomeVapourTrails

Stippvisite – 09/05/10

Kinder, wie die Zeit vergeht. Viel hat sich diese Woche angesammelt, doch fehlte mir die Zeit darüber zu schreiben. Daher nun alles im Schnelldurchlauf…

Konzert- und nochmaliger Albumtipp:

Nina Nastasia gastiert diese Woche in Berlin und wird wohl auch das eine oder andere Stück ihres Anfang Juni erscheinenden Albums Outlaster. Einen ersten Eindruck kann man sich auf der Seite von FatCat Records machen, wo es ein paar Lieder als Stream gibt. Erstes Fazit: Nina klingt noch immer hundertprozentig nach Nastasia. Und das scheint das höchstmögliche Komplimente zu sein, dass man einer sich nicht verbiegenden Künstlerin heutzutage machen darf.

Albumtipp:

Hundreds – I love my Harbour from SkrotzkiundKempf on Vimeo.

Hundreds – ein Hamburger Geschwisterpaar – veröffentlichte vor 2 Wochen ein selbstbetiteltes Debüt. Und während mich einige Tracks in heftige Wallung versetzen, überzeugt die Gesamtschau nicht vollends. Neben atmosphärisch dichten, auf den Punkt experimentierten Titeln wie Fighter und I Love My Harbour sind eben auch allerlei Nervigkeiten im Spiel. Aber was allein beim Song Solace fabriziert wurde, das hat eine filigrane Klasse. Ich werde mich demnächst näher mit der Platte befassen. Bis dahin sei auf einen – nach Preisgabe einer E-Mail-Adresse – kostenlosen Download von I Love My Harbour auf der Webseite von sinnbusrecords verwiesen. Hundreds touren derzeit durch deutsche Gefilde.

12.05.10 Dresden – Scheune
13.05.10 Frankfurt – Das Bett
14.05.10 Magdeburg – Projekt 7
15.05.10 Hamburg – Uebel & Gefährlich
16.05.10 Krefeld – Kulturfabrik
18.05.10 Stuttgart – Schocken
20.05.10 Augsburg – Schwarzes Schaf
21.05.10 Heidelberg – Karlstorbahnhof
22.05.10 Krauchenwies – No Stress Festival
23.05.10 Wien (A) – B72
25.05.10 München – Ampere
26.05.10 Berlin – Comet Club
27.05.10 Leipzig – UT Connewitz
28.05.10 Köln – Gebäude 9

Entdeckertipp:

Die Schweden sind halt aus einem besonderen Holz geschnitzt – nicht nur, aber auch in musikalischer Hinsicht. Und in die lange Reihe feiner Klänge reihen sich auch The Amazing nahtlos ein. Folk-Rock mit viel Gefühl sorgt dafür, dass auch beim Hörer so einiges mitschwingt. Die neue EP Wait For A Light To Come ist jede Menge Aufmerksamkeit wert. Unbedingt erlauschen! Auch das letztes Jahr erschienene, selbstbetitelte Debüt atmet sehr viel Charme, so zum Beispiel der Song Dragon.

Lesetipp:

Eigentlich darf ich mir als Genre-Fan die neue Scheibe von 65daysofstatic ja nicht entgehen lassen und auch mein fallbeilernes Urteil nicht verhehlen. Aber da meine Meinung zu We were exploding anyway so absolut uneindeutig ist, sich bestenfalls in lethargisch getipptem Desinteresse artikulieren würde, will ich lieber aufgrund der Meriten der Band einen wahren Fan über das Album richten lassen. Diese Aufgabe fällt Benedikt von Schallgrenzen zu. Möge er entdeckt haben, was mir leider verschlossen bleibt.

Das soll es für heute auch schon gewesen sein, demnächst mehr!

SomeVapourTrails