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Der klingende Adventskalender: Türchen 7 – Door 7

i am poet. – i don’t care

English version (grey) below the German text

Obzwar dieser klingende Adventskalender zu weiten Teilen von meiner werten Co-Bloggerin bestritten wird, die sich durch unzählige, meist miese Weihnachtssongs hindurchgehört hat, will ich ihr zumindest heute einmal die Feder entreißen. Denn dieser Interpret gehört zu den interessantesten deutschen Künstlern, die ich dieses Jahr erlauschen durfte. Anfang Oktober schrieb mich Maximilian Hohenstatt an und legte uns sein musikalisches Projekt i am poet. ans Herz. Mir gefiel, gefiel sogar sehr, was ich da hörte, weshalb ich die EP phonological. auch mit viel Lob bedachte, wie man hier nachzulesen vermag. Und obschon ich mich eigentlich nicht in die Weihnachtsvorbereitungen meiner Co-Bloggerin einmischen wollte, habe ich den Musikus sofort gefragt, ob er nicht ein Türchen unseres Adventskalenders übernehmen würde. Nun freut es mich, den werten Lesern i don’t care präsentieren zu dürfen. Das Lied soll, so meine ich, als Antithese zu der oftmals zu vernehmenden Weihnachtsfröhlichkeit verstanden werden. Nachdem gestern Jill Sobule bereits lästernd aus dem Türchen winkte, verhindert  i am poet. abermals ein Abtauchen in die (manchmal zwar berechtigten) Wonnen von Friede, Freude, Glühwein und Spekulatius. Wem der Song mundet, und davon gehe ich aus, dem sei die oben erwähnte EP nochmals ans Herz gelegt, welche man auf seiner Homepage im Gegenzug für einen Tweet kostenlos beziehen kann.

I am poet. – i don’t care by iampoet

Although this musical Advent calendar mainly consists of my co-blogger’s handpicked selection, which means she had to listen to a lot of crappy songs to sort out the rare treasures, she has done a great job. Nevertheless I’m going to steal her keyboard today in order to present a young German artist, who contacted me 2 months ago. I immediately listened to his EP phonological. and really loved it. Maximilian Hohenstatt’s project is called i am poet. and that’s no bragging at all. Therefore I asked him if he wanted to contribute to our Advent calendar. Today I proudly present his song i don’t care, a quite reflective tune which has nothing in common with kitschy Christmas songs. Yesterday we enjoyed Jill Sobule’s mockery, this time i am poet. is chasing away any exuberant Christmas spirit. Well done. If you like this song, and I bet you will, you might want to download his EP, which is available on his website for free, if you are willing to pay with a tweet. Undoubtedly i am poet. is among the very best young German artists I know.


Download the Song / Hier geht es zum Download

Link: iampoet.de

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Der Punkt als Ausrufezeichen – i am poet.

Maximilian Hohenstatt lässt seinem Projekt i am poet. gar keinen Raum für irgendeine Relativierung, drückt seiner Musik mit diesem kurzen programmatischen Statement bereits einen Stempel auf. Mit einem Punkt gleich einem Ausrufezeichen stellt er einen unverhandelbaren Anspruch an sich selbst. Nun bin ich es gewohnt, dass in mein E-Mail-Postfach grundsätzlich viele Anschreiben von Musikern trudeln, die in der Tat meinen, die ganze Welt einschließlich meiner Wenigkeit hätte nur auf ihr Auftauchen gewartet. Solch Verblendung ignoriere ich in der Regel, zucke dabei nicht einmal mit der Wimper. Oder höchstens indigniert, wenn allein der gewählte Bandname bereits selten dämlich anmutet. i am poet. hat sich mir nicht als der heißeste Scheiß angepriesen. Dies und der gut gewählte Namen haben mein Interesse geweckt. Und so etwas ist in Zeiten, in welchen im Internet Legionen von Musikern um Aufmersamkeit buhlen, eigentlich schon die halbe Miete. Dass er als Referenz auch schon eine positive Erwähnung auf Coast Is Clear vorweisen konnte, machte mich natürlich hellhörig.

04 faustology #2 (prison) by iampoet

Das gehört zu den wirklich Freuden des Bloggens über Musik, manchmal bekommt man Lieder in den Schoß gelegt, die nicht einmal ein Bluthund in den Weiten des Netzes aufspüren könnte. Nun gut, der Bluthund hätte einfach auch ein wenig aufmerksamer Coast Is Clear lesen können. Egal, so höre ich nun die EP namens phonological. und staune. Neben der zu erwartenden Suche nach dem ureigenen Stil geben die fünf Tracks darüber hinaus Einblick, in die ersten Schritte eines hochveranlagten Musikers. Und nein, er gerät nicht ins Stolpern. Im Gegenteil, i am poet. darf sich mehr Können auf die Fahne schreiben als die meisten Künstler, die Woche für Woche in den Neuerscheinungslisten der Magazine so aufschlagen. Er vermag aus kompositorischer Sicht Stücke zu erschaffen, die Spannung erzeugen, den Hörer nie in Langeweile erstarren lassen, sich letztlich auch gekonnt entladen. Die elektronischen, wavigen Klänge vereinen sich mit einer ausdrucksstarken Stimme, die Drama bietet und Pathos vermeidet. Dies Zusammenwirken zeitigt ein beachtliches Ergebnis, offeriert gediegenen Pop, der retroesk wie frisch tönt. Mehrmals findet man eindringlich-kräftige Passagen, die von Reife und Durchdachtheit zeugen. the protagonist sowie faustology #2 (prison) zählen zu den Hochkarätern der EP, auf welcher lediglich die zu brave, auf Wohlgesang abzielende Piano-Ballade sleep well ein wenig abfällt.

01 the protagonist by iampoet

Handwerker oder Genie, Poet oder Trivialist – das ist oftmals die Frage. Herr Hohenstatt beantwortet sie souverän und macht dem erwählten Namen i am poet. alle Ehre. phonological. zeigt, was für kreatives Potential hierzulande schlummert. Und wäre ich ein Label-Heini, ich würde keine Sekunde zögern. Denn mit ein Teil des Charmes dieser Talentprobe liegt darin, dass sich das Wesen dieses keineswegs glatten Sounds durchaus auch einer breitere Masse erschließen vermag.  Mein E-Mail-Postfach jedenfalls würde sich öfter einmal derartige Klasse im Eingang wünschen. Speziell von deutschen Musikern. Punkt.

Die EP phonological. kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

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