Schlagwort-Archive: Indie-Folk

Schlaglicht 70: Jarle Skavhellen

Man muss schon wirklich etwas goldrichtig gemacht haben, wenn es gleich der Debüttrack auf über eine Million Plays auf Spotify bringt. Die Rede ist von Jarle Skavhellen, einem im norwegischen Bergen angesiedelten Singer-Songwriter, der mit The Ghost In Your Smile zu verzücken weiß. Der Song entpuppt sich als wunderbares Stück Indie-Folk. Die kargen, eindringlichen Passagen werden von akustischer Gitarre und verhalltem Gesang getragen, dazwischen sattelt der Rhythmus mehrfach auf, entwickelt The Ghost In Your Smile Bandcharakter. Skavhellens Stimme zittert fast unhörbar vor Erregung, während die Lyrics „If you poke/ My glass eye/ I’ll be the ghost/ In your smile/ I’ll be the black tooth/ In your Hollywood grin/ I’m a mosquito/ On your lips saying grace“ von geradezu schicksalshafter, verwunschener Leidenschaft künden. Die herzzerreißender Intensität dieser Nummer beeindruckt. Schlaglicht 70: Jarle Skavhellen weiterlesen

Herrlich amerikanisch, schön lakonisch – The T.S. Eliot Appreciation Society

Wenn ein Pressetext verspricht, dass die mitunter halluzinatorischen Texte eines Albums Geschichten von Menschen erzählen, die Sinn in chaotischen Zeiten suchen, rennt er bei mir offene Türen ein. Über den Sinn des Lebens kann gar nicht genug gegrübelt werden. Und weil dies in konkretem Fall bestens gelingt, möchte ich den werten Lesern heute das wirklich feine Indie-Folk-Projekt The T.S. Eliot Appreciation Society näherbringen. Hinter dem fast großspurigen Namen verbirgt sich der Niederländer Tom Gerritsen, dessen Musik trotz überschaubarer Mittel nie dröge klingt. Seine weiche Stimme und sein gefühlvoller Vortrag verfallen nämlich nie ins Jammern, die Lieder sind erstaunlich pfiffig arrangiert. Die Bandbreite des jüngst erschienen Albums Turn It Golden! reicht vom introspektiven Rahmen, bei dem Gesang und Klampfe im Vordergrund stehen, bis hin zu charmantem Folk-Rock, bei dem es sich positiv bemerkbar macht, dass Gerritsen Mitstreiter für sein Projekt gefunden hat.

Herrlich amerikanisch, schön lakonisch – The T.S. Eliot Appreciation Society weiterlesen

Schlaglicht 35: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros

Als vor ein paar Jahren im US-Fernsehen der Trailer zu einer neuen NFL-Saison mit dem Song Home unterlegt wurde, bin ich damals auf die Formation Edward Sharpe and the Magnetic Zeros aufmerksam geworden. Ich besitze zwar noch immer kein Album der Band, aber sobald ich besagtes Home höre, geht mir immer wieder das Herz auf. Und die Co-Bloggerin fragt stets aufs Neue, meist nachdem sie schon eine Weile mitgeträllert hat, wie die Band denn heißt. Sie kann sich den Namen schlicht nicht merken. Dieses Problem habe ich zwar nicht, aber aus irgendeinem Grund habe ich es in all den Jahren dennoch versäumt, tiefer ins Schaffen der Band aus Los Angeles einzutauchen. Schade. Aber vielleicht sollte ich gerade jetzt einen Anlauf nehmen. Anlass dafür ist ein wenige Tage alter Post des Kollegen Nicorola, in welchem er auf den Song Hot Coals hingewiesen hat. Hot Coals ist Vorbote des für Anfang 2016 angekündigten, bereits vierten Studioalbums der Band. Und dieser Vorgeschmack hat es in sich.  Der Song irritiert zunächst durch hohen Falsettgesang und folkiges Schweben, ehe er sich unvermutet in soulig-funkige Gefilde aufmacht, ein Quäntchen Jam erfüllt die Chose, über sieben Minuten entwickelt sich der Song, entpuppt sich als feine Mischung aus jazzigen Elementen und andächtigem Americana. Schlaglicht 35: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros weiterlesen

Schlaglicht 18: Small Feet

Ich plaudere keine streng geheime Lebensweisheit aus, wenn ich meine Beobachtung preisgebe, wonach die bescheidensten Menschen oft mehr Talent haben als Großkotze. Wenn sich also ein Musiker den Namen Small Feet verpasst, scheint die Chance groß, dass er vom Können her eigentlich auf großem Fuß lebt. Mastermind Simon Stålhamre hat mich bereits 2013 mit der EP Liar Behind The Sun beeindruckt, damals fasste ich mein Staunen so zusammen: „Filigraner Folk samt einer hohen, zärtlichen Stimme entblößen eine Verletzlichkeit, die geradezu sakral auf den Hörer niederhallt.“. Für August gibt es endlich, endlich ein Albumdebüt namens From Far Enough Away Everything Sounds Like The Ocean zu vermelden, bereits vorab darf man sich den Song All And Everyone zu Gemüte führen. Und dieser ist im Vergleich zur EP nochmals altmodischer ausgefallen. Das Trio Small Feet taucht bei diesem neuen Song tief in die Sechziger ein, könnte auf jener Zeitreise locker die Vorgruppe von The Byrds geben. Oder gar bei Woodstock für gute Laune sorgen. All And Everyone ist ein fröhlich vor sich pfeifender Track, der das unstete Sein der Hippie-Epoche prima einfängt. Schlaglicht 18: Small Feet weiterlesen

Zwischentöne für Austarierte – Luluc

Dieser Blog schätzt ja die leisen, fast selbstvergessenen Zwischentöne besonders. Deshalb komme ich nicht umhin, mal wieder eine angenehm gedankenverlorene Indie-Folk-Platte zu empfehlen. Das mir bis dato unbekannte australische Duo Luluc hat mit ihrem in sich gekehrten Zweitwerk Passerby ein wahres Kleinod geschaffen, welches der wunderbar weichen Stimme der Sängerin Zoë Randell einen beschaulich wie pittoresk ausgestalteten Sound zur Seite stellt, der bei näherer Betrachtung weit mehr als nur die obligatorische Gitarre aufzubieten hat. Zusammen mit ihrem Partner Steve Hassett und dem Produzenten Aaron Dessner, seines Zeichens Mitglied der umjubelten The National, vermag Randell Lieder zu kreieren, die der Realität einen träumerischen Moment und der Fantasie einen rationalen Augenblick abgewinnen. Der Erfahrungshorizont von Passerby kennt sowohl ein zartes jugendliches Sehnen als auch die Ernsthaftigkeit des Erwachsenenlebens, ohne dabei forsch oder bitter anzumuten.

Zwischentöne für Austarierte – Luluc weiterlesen

Free Mp3: Besides Daniel – Lo‘ He Came To Us

Im vergangenen Jahr habe ich mehrfach über Besides Daniel, das Projekt des in Atlanta ansässigen Singer-Songwriters Danny Brewer geschrieben. Bereits in der letzten Vorweihnachtszeit hat er auf dem Weihnachtssampler eines Folk-Kollektivs mit der sacht-poppigen Ballade Light From The Mountain gute Figur gemacht. Unter dem Jahr war ich von seinem Album This Marvelous Grief sehr angetan, habe vom Blick in eine schöne Seele geschwärmt, diesem Indie-Folk Herzenswärme attestiert. Weil ich also in diese so unspektakiläre wie zugleich tiefgängige Musik ein klitzekleinwenig vernarrt bin, will ich den werten Leser unbedingt auch auf das diesjährigen Weihnachtslied aus seiner Brewers Feder aufmerksam machen. Lo‘ He Came To Us offenbart sich als eine Folk-Ballade, die einmal mehr durch den zarten, fast sonnendurchwirkten Gesang besticht. Free Mp3: Besides Daniel – Lo‘ He Came To Us weiterlesen

Schmächtig und ganz groß – Small Feet

Mit sich im Reinen sein. Ein schwieriges Unterfangen! Im Einklang mit der Welt zu sein, das gerät schon fast zur Unmöglichkeit. Man könnte jetzt darüber verzweifeln. Die Dummheit der Menschen verdammen, intellektuelle Kälte anprangern, die Wirtschaftsgläubigkeit geißeln. In einer keineswegs durch und durch schlechten, aber doch oft unerfreulichen Welt ist neben der Liebe und dem Glauben vor allem Kunst ein Mittel zu zeitweiliger Glückseligkeit. Dabei kommt es weniger auf die Botschaft oder gar auf die Qualität des Buchs, Films, Bilds oder Songs an. In der Hauptsache geht es geht um die Behaglichkeit, welche Emotionen, Seele und Intellekt baumeln lässt. Natürlich darf Kunst auch aufwühlen, verstören, standpunkten. Aber dies Element tritt meist erst dann hervor, wenn wir längst schon eine Zuneigung zur Kunst gefasst haben. Ich vermag mich berührende Klänge daran zu erkennen, dass ich sie schon längst in mir geglaubt habe. Dass sie zu den Reminiszenzen und Wünschen passen, die schon lange im Kopf herumspuken, schönen wie trüben Gedanken einen Soundtrack geben. All das trifft auf die EP Liar Behind The Sun der schwedischen Formation Small Feet zu. Für mich sind es die perfekten 15 Minuten, eine zaghafte Nostalgie, in der Blässe der Erinnerung schimmernde Töne. Weich, jedoch ohne Flausch.

Schmächtig und ganz groß – Small Feet weiterlesen

Blick in eine schöne Seele – Besides Daniel

Heute will ich dem geschätzten Leser eine echte Indie-Folk-Perle vorstellen. Als ich im Zuge unseres letztjährigen Weihnachtsspecials über Besides Daniel gestolpert bin, habe ich mir fest vorgenommen, mich früher oder später mit dem unter diesem Namen wirkenden amerikanischen Singer-Songwriter Danny Brewer zu beschäftigen. Vor einigen Wochen hat er sein eindringlich stimmungsstarkes Album This Marvelous Grief veröffentlicht. Auf gewisse Weise ist dieser Titel durchaus Programm, denn mit jeder Faser seiner warmen Stimme ächzt und grübelt, leidet und liebt sich Besides Daniel durch dieses Werk. Brewer erklärt die Intention der Platte so: „Exploring both the pain of intimacy as well as the hope for loving ourselves, this effort lays bear the turmoil and joys inherent in relationships. My hope for those who take the time to intentionally listen to this record is that your hearts would be warmed with affection for those closest to you.“ Tatsächlich ist dieses oft leise, angenehm kitschfreie, mit erhabenen Momenten durchwirkte Album von großer Herzenswärme erfüllt, geradezu bestrickend in seiner Zärtlichkeit.

Blick in eine schöne Seele – Besides Daniel weiterlesen

Starker Tobak für bewölkte Naturelle – Moddi

Wo endet Tiefgründigkeit, wo beginnt die Depression? Irgendwo dazwischen jedenfalls siedelt der norwegische Singer-Songwriter Moddi auf dem Album Floriography seine textliche Tristesse an, bietet eine Platte, die selbst öden Regentagen noch den einen oder anderen Grauschleier auferlegt. So düster-distelig sich die trüben Gedanken auch präsentieren, so klar und elegant hellt die Musik die Schwermütigkeit auf, fächert nordische Kühle durch die Boxen.

Photo Credit: Hilde Mesics

Bereits im Herbst bot die EP Rubbles einen ersten Vorgeschmack auf dieses Debüt, zeigte sich Pål Moddi Knutsen als tiefschürfender, reifer Musiker, der mit großer Ernsthaftigkeit Emotionsgebilde entwirft, die dem Hörer Feingefühl und Gedankenschwere abverlangen. Auch Floriography ist eine grübelnde Schönheit, abwechslungsreich mit Gitarre, Streicher, Akkordeon und Piano ausgestaltet, so kantig wie schmuck. Zeilen wie „What’s left of the day will eventually come down as rain“ bringen die Atmosphäre auf den Punkt, in der sich die skizzierten Gemüter in Krise und Aufruhr befinden. Hoffnung versiegt („Under the microscope, where we all find hope/ You’ll see nothing but your last defeat„), Abschiede formen sich aus („But I can’t find no poetry left in these lines/ I’ve been trying too hard, too long, too many times„). Und obwohl Herr Moddi ab und an die Stimme erhebt,  schwingt doch nirgendwo das große Drama mit, pochen keine Tränen mit ausladenden Gesten auf ihr Recht. Das mag dies Werk auch schwerverdaulich machen, weil Gefühle nicht mit Tonnen greller Schminke zugekleistert, sondern authentisch, fragil, knochig seziert werden.  Solch Poesie, frei von überstapaziertem Pathos oder blumigem Kitsch, ruht auf nicht minder formidablen, melancholischen Klängen, wobei speziell das Akkordeon die Stimmung perfekt abrundet. Neben dem desperat anschwellenden Rubbles sticht beispielsweise Ardennes heraus, das musikalisch ausgereifteste, superb arrangierte Stück der Platte. Ebenso intensiv geraten Poetry und Stuck in the Waltz, letzteres mit den vielleicht schönsten Worten des Albums („And all the quiet words that we ever heard are the sum of the noises around„). Zu den gelungen Momenten darf auch 7! zählen, das in seinen siebeneinhalb Minuten epischer Breite alles unterbringt, was Moddi so auf dem Kasten hat. Das ist wahrlich einiges.

Finde weitere Künstler wie Moddi bei Myspace Musik

Floriography verpufft nicht unter der Last einiger Hördurchläufe, das Werk entwickelt noch stärkere Kraft, weil es jedes Mal ein Stückchen tiefer berührt, das Sentiment weniger resignativ schwingt, die edle, reduzierte Folklore der Melodien stärker zum Vorschein kommt, Moddis Stimme immer mehr an Charakter gewinnt, sich sein Ausdrucksschärfe in die Ohren schält. Dieser junge Singer-Songwriter hält starken Tobak für bewölkte Naturelle bereit. Wem nicht der Frohsinn von der Nasenspitze tropft, der wird dies Album lieben.

Floriography erscheint am 28.01.11 auf Propeller Recordings.

Konzerttermine:

27.01.11 Berlin – Maschinenhaus „The future of Norwegian Music“
26.02.11 Hamburg – Knust
27.02.11 Köln – Gebäude 9
01.03.11 Frankfurt/Main – Panorama Bar
02.03.11 Schorndorf – Manufaktur
03.03.11 München – Ampere
04.03.11 Heidelberg – Karlstorbahnhof
06.03.11 Leipzig – Skala, Leipzig (DE)
07.03.11 Berlin – HAU 2
09.03.11 Münster – Gleis 22, Muenster

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt

Kostenloser Download von Rubbles und Magpie Eggs

SomeVapourTrails

Meine neuen Pappenheimer – Noah and the Whale

Zumindest mir geht es so: Es gibt Bands, die man beinahe übersieht und fast zufällig mit einer zweiten Chance beehrt. Und just dann macht es „klick“ und man scharwenzelt um einen Song, herzt diesen und schulterklopft im Geiste sämtliche Mitglieder der Gruppe. Es sind dies jene Momente, in welchen ich in meiner Eigenschaft als Hörer den Spirit und die Motivation der Formation begreife, die Leidenschaft für Komposition und Spiel erahne. Exakt in jene Kategorie der im positivsten aller Sinne durchschaubaren Bands fällt Noah and the Whale. Die ersten Hörproben des in wenigen Wochen erscheinenden Albums The First Days of Spring lassen durchaus Erwartungen zu. Moderner Indie-Folk mit tonnenweise Aura und eine konzisem Understatement huldigende Stimme des Sängers Charlie Fink penetrieren das Mark jedweden Fans derart beschaffener Klänge.

The First Days of Spring

Ich kann nicht umhin, die Herrschaften als meine neuen Pappenheimer zu titulieren. Wohltuend vertraut stülpt sich vor allem der Titelsong über meine Gehirnrinde, kreiert das knarzig-verträumte Gefühl von Sehnsucht. Die eindringliche Ballade darf getrost als exquisit etikettiert werden. Davon können sich die werten Leser gerne selbst ein Bild machen, da der Track als kostenloser Download auf ihrer Webseite verfügbar ist.

NoahAndTheWhale-Remixes

Eine Herz für Experimente offenbaren Noah and the Whale mit drei kostenlos erhältlichen Remixen ihrer Single Blue Skies. Diese sind hier und dort und da zu finden.

Wir werden unsere Leserschaft mit Sicherheit bei Erscheinen der CD weiter über die Vorzüge der Engländer unterrichten.

Links:

Offizieller Blog der Band

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails