Free Christmas Compilation: PASTE HOLIDAY SAMPLER 2012

Es ist mir eine besonders große Freude, diese kostenlose Christmas Songs Compilation vorzustellen, sind doch unsere Lieblinge die Great Lake Swimmers mit dabei. Viele der Künstler, die ihr auf dem Holiday Sampler findet, waren schon in den Vorjahren in unserem Klingenden Adventskalender vertreten. Wie ihr wisst, dreht sich im Dezember hier auf unserem Musikblog (fast) alles um die schönsten neuen Weihnachtslieder, die die Pop/Rock-und Folk-Musiker und Labels gratis verteilen, das jährliche Geschenk des Paste Magazins ist uns immer eine ganz besondere Freude.

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Indie-Songs 2012 – Eine feine Auslese

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, ein paar Songs hervorzukramen, die uns im bisherigen Musikjahr 2012 imponierten. Das Jahr ist noch jung, viele Platten noch ungehört, aber diese mehr als 30 Lieder sind auf alle Fälle uneingeschränkt eine Entdeckung wert. Wer sich also nicht durch die Posts des bisherigen Jahres klicken möchte, findet hier gebündelt das, was den Blog bislang bewegt, mehr noch erregt hat. An solch guten Songs führt unserer Meinung nach kein Weg vorbei. Anhören und genießen!

Moonface (Kanada) – Teary Eyes And Bloody Lips (Album: With Siinai: Heartbreaking Bravery)

The Darcys (Kanada) – Josie (Album: Aja)

Xiu Xiu (USA) – Hi (Album: Always)

Burning Hearts (Finland) – Burn Burn Burn (Album: Extinctions)

The Shutes (Großbritannien) – She Said (EP: Echo Of Love)

Sharon Van Etten (USA) – Leonard (Album: Tramp)

Rose Cousins (Kanada) – Go First (Album: We Have Made A Spark)

Big Fox (Schweden) – Tired (Album: Big Fox)

Justin Townes Earle (USA) – Nothing’s Gonna Change The Way You Feel About Me Now (Album: Nothing’s Gonna Change The Way You Feel About Me Now)

Laura Gibson (USA) – La Grande (Album: La Grande)

The Holiday Crowd (Kanada) – Never Speak Of It Again (Album: Over the Bluffs)

Les Yeux Sans Visage (Schweiz) – Aquainted With The Night (Album: Tomorrow Is A Million Years)

Yellow OstrichMarathon Runner (Album: Strange Land)

Xavier Rudd (Australien) – Follow The Sun (Album: Spirit Bird)

Damien Jurado (USA) – Museum of Flight (Album: Maraqopa)

Exitmusic (USA) – Passage (Album: Passage)

Blockhead (USA) – Never Forget Your Token (Album: Interludes After Midnight)

Hooded Fang (Kanada) – Clap (Album: Tosta Mista)

Hannah Cohen (USA) – Don’t Say (Album: Child Bride)

Adam Donen (Großbritannien) – Heartwrenched Confessional #3 (Album: Vampires)

Chromatics (USA) – Back From The Grave (Album: Kill For Love)

Rhoads (Deutschland) – Basement Wonderland (Album: The Box)

The Spring Standards (USA) – Only Skin (Doppel-EP: yellow//gold)

Yppah (USA) – Film Burn (ft. Anomie Belle) (Album: Eighty One)

Finn Riggins (USA) – Benchwarmers (EP: Benchwarmers)

Choir of Young Believers (Dänemark) – Sedated (Album: Rhine Gold)

Sierra Leone’s Refugee All Stars (Sierra Leone) – Gbara Case (Album: Radio Salone)

NO (USA) – Stay With Me (EP: Don’t Worry, You’ll Be Here Forever)

Ravens & Chimes (USA) – Carousel (Album: Holiday Life)

UMA (Germany) – Drop Your Soul (feat. Silver Apples) (EP: Drop Your Soul)

Purity Ring (Kanada) – Obedear (Album: Shrines)

billy woods (USA) – Body Of Work (Album: History Will Absolve Me)

Fang Island (USA) – Asunder (Album: Major)

Allo Darlin‘ (Großbritannien) – Capricornia (Album: Europe)

The Raveonettes (Dänemark) – Into The Night (EP: Into The Night)

SomeVapourTrails

Die großen Nullen – Auf den Spuren einer Indie-Musik-Verschwörung

Nullen

Das Ende des Jahres, ja mehr noch der Dekade, dämmert zum Greifen nah am Horizont heran und rundum sammeln sich die hippen Musikkritiker aller Länder gleich Zombies und werfen einen letzten glubschäugigen Blick zurück auf dahinsiechende, modrige Zeiten. Was haben sich die Herren und Damen Finger um Finger wund getippt, um denjenigen, die sich erfolgreich gegen das tückische Castingshow-Virus und den Glitter-Flitter-Mumpitz einer Beyoncé Knowles zu wappnen wussten, mit dem als Hochkultur getarnten Prädikat Indie zu täuschen und erst recht in eine Misere zu stürzen.

Denn Hand aufs Hirn, nicht alles, was messianisch besungen und lüstern begrabscht durch die Kulissen der Fachpresse hochnäsig stolziert und als neuester Trend durch die Redaktionen spukt, darf sich bei näherer Betrachtung als Emporkömmling ohne Seilschaften schimpfen. Inszenierte Revolutionen gaukeln Indie vor, wird den sich anspruchsvoll wähnenden Hörern gar ein Mitspracherecht an angehenden Hypes suggeriert. Und so wird in den Himmel gehoben, was doch nur den schalen Beigeschmack eines ausgeklügelten Businessplans hat. Allerorts scharen sich die vermeintlich cleveren Musikliebhaber und ergötzen sich an Sounds, die auf ambitioniert, komplex und wild getrimmt eine eigentlich musikalische Wüste als blühendes Blumenmeer verkaufen.

Stolz schreiten die Apostel feinsten Geschmacks durch die Straßen, tragen die wohlsortierte Plattensammlung gleich neuen Kleidern voll Pathos und Versnobtheit mit sich – und sind doch letztlich splitterfasernackt, wenn es darum geht,  Musik zu erfahren, die nicht im Feuilleton der eingebildeten Kritikerzunft Erwähnung findet. Der Kanon der besten Alben und Lieder eines jeden Jahres erschöpft im Boulevard auf das gebetsmühlenartige Wiederholen der Charts. Das ist zwar Müll, aber immerhin eine Scheiße, deren Gestank nicht als Eau de Parfum verkauft wird. Schlimmer geht da die ehrenwerte Garde der meinungsmachenden Musikjournalisten zu Werke, die Knäckebrot als Mousse au Chocolat verramscht.

Doch wer genau sind die Schurken, wer die Opfer? Fakt bleibt Fakt, dass die behübschte Reminiszenz an die unsäglichen 80er-Jahre im letzten Jahrzehnt als Haute Couture abgefeiert wurde und dieser Etikettenschwindel nie wirklich aufgedeckt wurde. Bands befeuerten die Hörer mit einem Klanggemisch, welches bereits 20 Jahre zuvor nervig war, und unterstützt von der Meute eitler Rezensenten entwickelte sich eine Bewegung, die irgendwann im Mainstream ankam. Plötzlich musste man so klingen, als hätte man aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt, wiederholte sie. Aus der Vorhölle, also den auf unabhängig geschminkten Sub-Labels der Branchenführer, wurden ungemein aufgeblasene musikalische Nichtigkeiten aufs Erdenrund hernieder gelassen. Bar jeder musikalischen Ästhetik und ohne Message oder Finesse wuchs ein mit viel Tand behangenes Nichts hervor, kroch der Dämon der Durchschnittlichkeit in die Köpfe vieler. Was man nicht versteht, das gibt man vor zu verstehen, findet sich irgendwann sogar damit ab, gewöhnt sich daran, gibt vor es zu begreifen und am Ende zu lieben, bis man das auch tut. Nach diesem Muster funktioniert die Infiltration von Schwachsinn. Zusammen mit dem arroganten, mitverschwörerischen Kritikerrudel schworen nihilistische Rädelsführer der Musikindustrie die auf Niveau beharrenden Konsumenten auf den gröbstmöglichen Unfug ein. Die großen Nullen wurden zu den tollsten Nummern hochgejubelt. Musiker, die das Schmierentheater nicht mitmachten, wurden ebenso überrollt wie unzeitgeistige Hörer.

Und so schlumpfen Jahr für Jahr neue Indie-Hypes durch den Äther, werden von der Fachpresse mit Heiligenscheinen bekränzt und von den sich selbst überschätzenden Musikfreunden mit staunenden Augen überschwänglich bewundert. Wer die von oben genannten Zombies erstellten Bestenlisten des Jahres 2009 näher und vor allem nüchtern betrachtet, vermag den Braten zu riechen. Manieriertheit wird zur Kunst erhoben. Und viele mündige, sich intelligent wähnende Menschen schlucken den Köder. Doch bietet das Dämmern einer neuen Dekade auch genug Licht für erhellende Gedanken. Nicht jede Aufregung ist ein Qualitätsmerkmal und nicht jede ungelenke Band ein Gewinn für die eigene Plattensammlung. Nicht jede Liste, die sich Pitchfork und Konsorten aus den Fingern saugen, enthält gute Musik. Man muss nicht allem auf den Leim gehen. Einfach mal nachdenken.

Als besonderen Service und zur Veranschaulichung der Schandtaten des Jahres 2009 habe ich zwecks Untermauerung meiner These die 10 überschätztesten Songs herausgesucht:

Phoenix1901
Grizzly BearTwo Weeks
Animal CollectiveMy Girls
La RouxIn For The Kill
St. VincentActor Out of Work
Wild BeastsHooting & Howling
Zoot WomanWe Won’t Break
GirlsLust For Life
Dirty ProjectorsStillness Is the Move
Passion PitSleepyhead

SomeVapourTrails

Schmuddelige Schönheit schmachtet schmissig – Palodine

Eine meiner spürnasigsten Entdeckungen 2009 war das Bremer Label dandyland, welches in den vergangenen Monaten mit Releases von Bands wie Viarosa handverlesenste Indie-Kost in deutsche Landen hievte. Auch diesmal wird ein Album, welches im weiten Erdenrund ungenügende Aufmerksamkeit erfuhr, in hiesigen Breiten mit einer Wiederveröffentlichung beehrt. Ein grundsolides Konzept, das mir bei Scarlatti Tilt imponierte – und nun erneut gelingt. Die aus Sängerin Katrina Whitney und Gitarrist Michael Aryn bestehende Formation nennt sich Palodine und gemahnt in den aufregendsten Momenten an exakt die Art von Musik, welche ein Nick Cave zusammen mit David Eugene Edwards und PJ Harvey verbrechen könnte. Und genau die Aufrichtigkeit, mit welcher sie in epigonenhafter Manier in Fußstapfen von Giganten treten, verursacht mein absolutes Wohlwollen. Die CD Garden of Deceit ist ein echter Geheimtipp.

Palodine

Um es auf das i-Tüpfelchen zu bringen: Atmosphärisch-düsterer Folk-Rock überlappt sich mit pathetischem Alternative Country – und flirtet dennoch mit dem Understatement kleiner Gesten. Nie wird zuviel gewollt und zuwenig gekonnt! Dies Fettnäpfchen zu umtänzeln, das verdient Anerkennung. Sweet Mouth, Black Heart wäre als fabulöses Beispiel zu benennen. Mit bestimmender Rohheit trommelt sich das Lied in Stimmung, zeigt Whitneys Stimme Zuckerbrot und Peitsche. Wenn schmuddelige Anmut eine versiffte Erdigkeit durch die Boxen treibt, schwingt sich die Sängerin in eine wilde Stimmung, die man doch nur Polly Jean vorbehalten glaubt. So rubbelt sich Woman of Cain mit der Anschmiegsamkeit einer Drahtbürste in die Gehörgänge. Toll und wuchtig. Freilich sind es auch altbekannte, aber eben nie und nimmer altbackene Gitarrenriffs, bei denen die mit Intensität gesattelten Gäule in den Sonnenuntergang durchgehen. Sorrow Has Opened Your Eyes ist ebenso eine Offenbarung wie das zärtlichere A Dozen Stones, dessen Entfaltung eine kräftigen Gitarren-Ballade birgt, die sich ein Solo Aryns gönnt und auch Mainstream-Zeitgenossen den Dahinschmacht-Faktor ins Ohrenschmalz stanzt. Palodine liefern durchgängig eine handwerklich überaus ordentliche Performance ab, die Genre-Enthusiasten Schuppen von den Äuglein perlen lässt. Einzig der Rausschmeißer Magdalene plätschert ein wenig vor sich hin, ehe sich die lärmende Klampfe mit sirenenhaftem Gesang paart und einen würdigen Abschluss bildet.

Garden of Deceit

Wenn ich der echt gehaltvollen Scheibe einen einzigen Makel anlasten will, dann vielleicht jenen: Man fühlt, dass Palodine noch ein wenig auf der Suche begriffen sind. So vielen Götzen gilt es nachzueifern. Doch ist dies wirklich notwendig? Die Verortung in einer gediegenen Eigenständigkeit mag vielleicht bereits mit dem nächsten Album Saints of the Sea noch famoser ausfallen. Bis dahin besticht Garden of Deceit jedoch sehr. Palodine sind demnächst auch live zu begutachten, tingeln allerdings hauptsächlich in der Provinz herum. Schade.

Tour-Termine:
19. Sep. 2009 Diepholz -Kulturgut Ehrenburg
21. Sep. 2009 Wildenhausen – Lindenhof Lichtspiele
22. Sep. 2009 Bremen – Hafencasino
23. Sep. 2009 Bremerhaven – Passage Kino
24. Sep. 2009 Osnabrück – Unikeller
25. Sep. 2009 Bremen – Hot Shots
25. Sep. 2009 Bremen – Townside
26. Sep. 2009 Oldenburg – Polyester
27. Sep. 2009 Achim – Katakomben
28. Sep. 2009 Göttingen – Blooming Bar
29. Sep. 2009 Hamburg – Astra Stube
30. Sep. 2009 Hamburg – Kompetent+Freundlich
01. Okt. 2009 Nienburg – Weserschlößchen

Links:

MySpace-Auftritt

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

Kann man sich in Musik verlieben? Ja und zwar total!

Flüchtiger Flirt, heiße Sommerliebe, die im Herbst verpufft, oder Liebe auf immer und ewig ist eher die Frage. Vergangenen August begegneten mir auf Myspace The Temple Cloud Country Club und schon war’s um mich geschehen. Wochenlang rotierte in meinem Musikplayer der Song „Faith In Aeroplanes“ – an manchen Tagen 30 Mal am Stück – ich konnte mich nicht satt hören. Knapp ein Jahr später bin ich von dieser an Sucht grenzenden Liebe immer noch nicht kuriert – zum Glück jedoch und zu meiner Rettung, hab ich nun ein ganzes Album. When We Were Invented ist  endlich erschienen und verdient eine absolute Lobhudelei auf diesem Blog.

Tatsächlich quäle ich mich nun schon seit Tagen, das Werk gebührend mit den wohlfeilen Worten einer ernstzunehmenden Kritikerin zu würdigen. Es will mir jedoch nicht gelingen, die Tastatur wirft nur Liebesbekenntnisse an die… ach… hab ich’s schon erwähnt, wunderschöne Musik, auf den Bildschirm 😉

An dieser Stelle bleibt mir dann nur zu sagen: Hören sie selbst warum – meine Damen und Herren:

Temple Cloud Country Club – Faith In Aeroplanes

Das Besondere an The Temple Cloud Country Club ist, dass sich die Club-Räume in der virtuellen Welt befinden und die beiden Mitglieder Dean Frances-Hawksley und Andy Suttie sich während der Produktion ihres Albums When We Were Invented auf unterschiedlichen Kontinenten befunden und zu keinem Zeitpunkt getroffen haben.

Während der eine in der sonnigen Türkei beheimatet ist, lebt der andere im regnerischen Großbritannien. Vielleicht macht genau diese Mischung den Reiz der Musik von The Temple Cloud Country Club aus. Melancholie und Humor liegen sowohl in der Musik als auch den Lyrics dicht beieinander.

Die ursprüngliche Vision der Beiden war es, ein Projekt mit vielen Musikern aus aller Welt zu starten, die gemeinsam die  neuen Möglichkeiten des Internets auschöpfen. Die  Briten waren sich dann jedoch zu zweit, kreative Reibung und Schöpfungskraft genug 😉 Mehr über die Hintergründe der Produktion erzählt Dean hier.

Ebenso wie sich Dean und Andy der Preisgabe ihrer Gesichter verweigern, entzieht sich auch die Musik einer genauen Genrefizierung. Die Einflüsse sind vielfältig: Trip-Hop, Folk, Pop, Rock, Swing… mal sentimental und traurig, dann scherzend und ironisch.

Eines besticht jedoch sofort: Dean Frances-Hawksley warme Stimme, die nie schmalzig, sehr zu berühren vermag. Mit unaufdringlichem Timbre unter die Haut geht, eingebettet in  kunstvoll intrumentierten Kompositionen, die einen ganz neuen, eigenen Sound erschaffen. So verdient das Album seinen Titel zu Recht… When We Were Invented. Dean und Andy erschaffen eine ganz eigene Welt, sowohl klanglich als auch virtuell. Im Club darf geschwelgt, geträumt… aber auch derbe Scherze an der Bar gerissen werden.

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Tracklist:
1. Steve Ditko
2. Faith In Aeroplanes
3. A Hole In Water
4. Dentistry In The 1970s
5. Your Father’s Double
6. My Mother’s Coat
7. Schrodinger’s Cat
8. Albert, There Are
9. Indestructible
10. Nudists In The North
11. Lillian
12. When The Life Leaves A Thing
13. The Innocents
14. The Death Of A Family Pet

Label: Brilliant/FiXiT Records

In Deutschland ist das Album nur digital erschienen. Ihr könnt jedoch direkt im virtuellen Temple Cloud Country Club die CD für £9.99/ca. 11,658 €  (inkl. Versand) bestellen. Zum Shop geht’s hier.

Links: Myspace, Homepage, Facebook

Nach eignenen Angaben ist für Dean und Andy Myspace das Office und Facebook das Wohnzimmer… wer also mit den beiden Gentlemen scherzen will, weiß wo’s lang geht…

DifferentStars

Klar bloggen wir das weiter…ist ja auch einfach nur das Beste ;-)

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Mir gefällt vor allem das Bild – SomeVapourTrails die dazugehörige Musik. Die oben abgebildete Combo nennt sich ganz bescheiden The Very Best. Dahinter verbergen sich der malawische Sänger Esau Mwamwaya und das Produzenten- und DJ-Duo Radioclit aus Europa.

Da europäische Zungen jedoch beim Versuch der korrekten Aussprache von „Esau Mwamwaya And Radioclit Are The Very Best“ ein Knoten in der Zunge droht, wurde der Ursprungsname auf’s Wesentliche verkürzt.
Am 04. September erscheint nun das Debütalbum Warm Heart Of Africa von The Very Best über Moshi Moshi / Cooperative Music mit Gastauftritten von M.I.A. und Vampire Weekend’s Ezra Koenig.

Vorab gibt’s zum Kennenlernen den Track Warm Of Africa als gratis Download. Da Cooperative Music seit Oktober 2008! aus mysteriösen Gründen nicht mehr auf ihre Homepage zugreifen können, kommt der Track direkt vom Label via zZare.

Zitat:

In diesem Sinne ladet euch den Track “ Warm Heart Of Africa“ hier runter, erzählt euren Freunden davon und bloggt es in die Welt hinaus.

Klar tun wir – ist ja auch einfach nur das Beste 😉

Download-Link:
http://www.zshare.net/audio/615444036c9d471d/#

Update: Der gute Stereogum hat’s  hochgelagen – daher hier der Direktlink auf die Mp3:

The Very Best (Feat. Ezra Koenig) – „Warm Heart Of Africa“ (MP3)

Mehr Infos: Myspace

Viel Spaß damit!

DifferentStars

Sinn und Unsinn des Liedermachens – Gedanken über zu Knyphausen und die Rezeption

Was soll man über den Liebling der musikkritischen Zunft noch schreiben? Wie den Liebesschwüren der Blogging-Szene noch ein Sahnehäubchen aufsetzen? Ein Zugang scheint in der unprätentiösen Betrachtung des Genres „Liedermacher“ zu liegen. Eine Option liegt im scharfen Blick auf die Rezeption Knyphausenschen Wirkens. All dies klingt trocken, nahezu langweilig. Versuchen wir es dennoch, schustern wir mit Chuzpe angereicherte Gedanken zusammen.

Die guten Liedermacher sind die Poeten unserer Tage. Sie schnüffeln nicht den Lockstoff des Kommerzes. Sie transportieren Gefühle mit ungefilterten Emotionen, hemmungslos direkt und oft mit grottig realistischen Bildern. Die Ansätze können gesellschaftliche Relevanz ebenso umfassen wie auch die individuelle Befindlichkeit des Menschen greifbar machen. Der klassische Songwriter ist in erster Linie ein Schreiber, Chronist der Zeit, dadurch oft mit zeitlosen Wahrheiten bewaffnet. Musik ist das Mittel der Message, aber nie die Botschaft selbst. Ob Bob Dylan oder Leonard Cohen, in deutschen Gefilden Wolf Biermann, für Österreich etwa Georg Danzer, alle eint die Unterwerfung von Melodien und Harmonien unter die Macht des Wortes. Die Reduktion von Musik auf eine nahezu vernachlässigbare Größe erlaubt Liedermacher und Hörer den unbeschränken Fokus auf die Botschaft.

Gisbert zu Knyphausen hat sich mit seinem gleichnamigen Debüt nun in Windeseile in den elitären Zirkel relevanter Liedermacher gedrängt. Die Ehrung ist Fluch zugleich. Jede Silbe, jeder Akkord wird auf bedeutungsschwangere Passagen abgeklopft. Wenn es nicht gefällt, wirft der Ankläger den Texten pathetische Melancholie vor. Wem die Texte aus der Seele sprechen, dem entgleiten gefühlsechte Superlative. Einer nüchternen Einschätzung entzieht sich ein Songwriter ohnehin, zu groß sind die emotionalen Barrikaden, welche die Meister mit ihren direkt präsentierten Anliegen auftürmen.

Welche Bilanz kann man über Herrn zu Knyphausen ziehen? Welche halbwegs objektiven Charakteristika erlauben eine kritische Würdigung? Kehren wir nochmals zum Stichwort Poesie zurück. Selbige funktioniert meist auf zwei Arten: Ausladende Breitbild-Szenerie oder auf Realismus reduzierte Wortgewalt. Und hier offeriert Gisbert zu Knyphausen die Alltagssprache als Motor für knappe Fantasien von Liebe und Glück („Doch irgendwann ist auch der tiefste Rausch vorbei. Dann wird es hell, dann fängt das wundervolle Leben und der ganze blöde Scheiß von vorne an.„)  Traurigkeit wird von humoresken Formulierungen flankiert („Ich hab gute Nachrichten für die unter euch, die schlechte Neuigkeit so gerne mögen. oder „Das Leben ist ein Kopfschmerz und es wird Zeit, dass du ihn spürst, hab keine Angst, er ist schnell wieder vorbei.„), Sentimentalitäten sabbern nicht („Ich bau ein wunderschönes Grab für jeden neuen Tag.„) und Tränen tropfen leise. Resümieren wir kurz und knapp. Seit dem Album „Hier“ der Band Selig gab es keine solch authentischen deutschsprachigen Texte mehr. Und eben jene Authentizität beschert den Erfolg, weil sie nicht glattgebügelt oder geschönt wirkt, keine Belanglosigkeit verbreitet. Er sprich in Zungen von den Dingen, die man selbst gerne artikulieren will.

Muss man dem Hype erliegen oder wie Spex trotzig Schwachstellen mokieren? Angesichts der mauen Konkurrenz (ja, Tomte! Und Kettcar!) und der auf hohem Niveau stattfindenden Stagnation von Element Of Crime erscheint zu Knyphausen als feiner Impuls. Wer sonst fickt Melancholie ins Knie?

Links:

MySpace

Spex-Rezension

Welt-Rezension

SomeVapourTrails

Des Taugenichts Faible für Indie

Sag mir, ob du deiner Mutter vertraust, und ich sage dir, welche Musik du hörst.

Ganz ohne Blick in die Glaskugel. Gestehe, dass du Drogen nimmst, und ich verrate dir, ob deine Mariah Carey CDs ins Nirwana der Mülldeponie eingehen müssen. Dazu bedarf es keines Hokuspokus. Statistische Auswertung heißt das Zauberwort.

Die Mäander der wissenschaftlichen Forschung scheinen bisweilen in Sensationslust verheddert. Will ein ehrenwerter Professor ins mediale Rampenlicht dackeln, dann doch entweder durch Entdeckungen ungeahnter Tragweite oder aber mit sensationslüsternen Enthüllungen über Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll.  Ersterer Ansatz setzt unzählige Stunden des Schuftens und Rackerns voraus, zweiteres lediglich ein Grund-Know-how in Sachen Vermarktung.

Was ist nun von dem Versuch zu halten, den komplexen Aufbau der Persönlichkeit anhand des Parameters Musikgeschmack zu erklären? Genau dies hat Professor Adrian North von der schottischen Heriot-Watt University getan. Ein über 36000 Mal ausgefüllter Online-Fragebogen liefert die Basis für Rückschlüsse und Schnellschüsse. Der Teilnehmer wird zu einem von mehreren Umfrage-Formularen geschleust und darf dabei – mit ein wenig Pech zur Survey01 – Antworten abliefern, welche den Schäubles der Welt einen wohligen Schauer über den Rücken zaubern. Ungeschützter Sex ist ebenso ein Thema wie Sachbeschädigung und Drogenverkauf. Andere Fragebögen hingegen interessieren sich mehr für das Verhältnis zu Mutter, Vater und Partner. Ab und an geht es sogar um musikalische Vorlieben, man glaubt es kaum! Die kunterbunte Summe der erhobenen Daten scheint ein recht stimmiges Bild über Korrelationen zu liefern. Werfen wir nun ein bis zwei Äuglein auf die Resultate der bahnbrechenden Studie.

Lassen wir uns auf das Schubladendenken ein:

Freunde des mainstreamigen Pops haben hohes Selbstbewusstsein, sind nicht kreativ veranlagt, arbeiten jedoch hart. Sie sind kontaktfreudig und zärtlich, jedoch selten ungezwungen.

Liebhaber von Indie-Musik besitzen wenig Selbstvertrauen und können auch nicht mit Arbeitsattitüde oder Sanftmut punkten. Dafür dürfen sie sich kreativ schimpfen.

Fans des Bollywood-Genres dagegen sind einfach dufte, aufgeschlossene, schöpferische Wunderwuzzis.

Last but not least:

Heavy-Metal-Connaisseure scheinen völlig anders als die ach so verbrämten Stereotypen vermuten lassen. Sie sind kreative, introvertierte, sensible Knuddelmonster, die in ihrer Freizeit auch klassische Musik hören könnten. Wow!

Was lernen wir nun daraus? Wohl dass Menschen, deren Herz für Alternative schlägt, in die Kategorie unwerten Lebens fallen. Taugenichtse halt! Kein Wort der Widerrede! Denn der Gral der Statistik ist unantastbar.

Amen!

SomeVapourTrails

Links:

http://www.peopleintomusic.com/

BBC Bericht über die Umfrage