Die unendliche Bandbreitenbeeinträchtigungsgeschichte (Kabel Deutschland Remix)

Als Musikblog, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, sind wir in der glücklichen Lage tagtäglich mehr als 100 Mails mit allerlei Newslettern, Musiktipps und digitalen Albenbemusterungen zu erhalten. Vielfach wunderbare Musik, an der man sich einfach nur erfreuen möchte. Und da wir in Berlin im Jahre 2014 leben, ist so manch großartige Entdeckung nur einen Mausklick entfernt. Denn wo – wenn nicht in der trendigsten Hauptstadt der Welt – hat man sonst die nötige Bandbreite, um sich voll Frohlocken durch Streams und Clips zu wühlen? Sollte man annehmen.

Heute muss ich von einer Leidensgeschichte berichten, die kein musikalisches Happy End vorzuweisen hat. Sie ist im biblischen Milieu angesiedelt, handelt von David und Goliath. Der Part des Davids fällt meiner besseren Hälfte und mir zu, als knurriger Goliath stellt sich dankenswerterweise Kabel Deutschland zur Verfügung. In den vergangenen Jahren haben wir Kabel Deutschland in seiner Rolle als Internet-Provider unseres Vertrauens bereits das eine oder andere Geldstück in die Pranke gelegt, im Gegenzug dafür ein Internet-Paket mit 32 Mbit/s Download und 2 Mbit/s Upload versprochen bekommen. Vertrag nennt sich das, glaube ich. Als alter Lateinheini kann ich sogar ein schallendes Pacta sunt servanda aus voller Kehle anstimmen. Nun haben Verträge eine ganz kuriose Eigenschaft. Sie sind ganz schön relativ. Ihre Wirksamkeit richtet sich nach der Heerschar der Rechtsanwälte, die mit ihnen befasst sind.Wenn die Rechtsabteilungen großer Unternehmen AGBs ausformuliert, wird es immer Klauseln geben, die die Verpflichtungen eines Unternehmens mit einem schwammigen Pffft! zusammenfassen. Für den im Auftrag eines verärgerten Kunden agierenden Juristen scheinen die Pflicht seines Mandanten dagegen in Stein gemeißelt.

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Ich würde ja auch lieber süße Katzenbilder posten! – Gedanken zu Lauren Mayberrys Brandbrief

Ich würde ja auch lieber süße Katzenbilder posten! Oder über nerdige Gadgets und C-Promi-Eskapaden quasseln. Ich würde zumindest das Augenmerk auf Songs legen wollen, die Herz und Hirn erfreuen. Uns träumen machen. Aber Musik als elementarer Baustein unserer Kultur spiegelt jedoch auch Realitäten wider, die sauer aufstoßen müssen. Darüber gilt es zu reflektieren und Schlüsse zu ziehen. Und das möglichst unaufgeregt und schon gar nicht im Stile unbedarfter Schulaufsätze. Gedanken also, die man nicht dem Focus oder Spiegel überlassen sollte. Was Anfang der Woche im britischen Guardian erschienen ist, hat vielleicht auf den ersten Blick an die mittlerweile eingeschlafene Aufschrei-Debatte erinnert. Aber Hashtags sind halt ein unzureichender Motor für einen notwendigen Diskurs.

Vergangenen Montag jedenfalls hat Lauren Mayberry, Mitglied der britischen Synthie-Pop-Band Chvrches, im Guardian ihre Erfahrung zur Frauenfeindlichkeit im Internet dargelegt. Mayberry konzentriert sich dabei vor allem auf herabwürdigende Kommentare in sozialen Netzwerken. Begonnen hat alles mit einem Post auf Facebook, in welchem sie den Tenor tagtäglich erhaltener E-Mails zusammenfasste („I’d fuck the accent right out of her and she’d love it„). Die Reaktionen darauf fielen natürlich großteil empathisch aus, doch fanden sich freilich auch Sätze wie „I have your address and I will come round to your house and give u anal and you will love it you twat lol“ darunter. Das führte zu besagtem Beitrag im Guardian, in dem sie berechtigterweise die Frage stellt, warum sie sich solch Beschimpfungen und Drohungen bieten lassen sollte. Die Sängerin führt weiter aus, dass sie sich bislang selbst um die Interaktion mit den Fans gekümmert und deren Nachrichten gelesen hat. Sie wolle trotz des Erfolges eine gewisse Nähe zu den Fans beibehalten („[I]t is important to me that our fans know we value their interest in us by giving things a personal touch.„). Aber wer bei allem Zuspruch eben stets auch mit extremem Sexismus, Frauenfeindlichkeit und sogar Vergewaltigungsfantasien konfrontiert wird, braucht ein wirklich dickes Fell.

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Lauren Mayberry ist mit ihrer Band Chvrches einer der Shooting-Stars des Jahres.(Photo Credit: Eliot Lee Hazel)

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Sex, Drugs & Scripted Reality – Zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag

Ein alltägliches Szenario im Jahre 2011. Das sechs Jahre alte Mäxchen surft wie immer fröhlich im Internet. Was Mami und Papi noch immer nicht gänzlich verinnerlicht haben, das beherrscht der Junge bereits aus dem Effeff. Er sucht nach Musik, „die so klingt wie Joanna Newsom, aber weniger angestrengt und mit mehr Lieblichkeit in der Stimme“. Prompt landet Mäxlein auf unserem Blog und traut seinen Augen kaum. Wie verdorben die Musikwelt doch ist, was wüste Musikclips belegen. Warum zum Teufel müssen Musiker immer diesem Motto Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll huldigen, wenn Plüschbären, Schokoplätzchen und Gutenachtgeschichten ebenfalls prima Themen darstellen? Und sogar die Macher des Blogs haben ab und an anzügliche Gedanken, diese doofen Erwachsenen! Skandal, denkt sich Max, da könnte ich mir meine Zeit doch gleich auf Neuköllner Spielplätzen vertreiben. Unverzüglich greift er zum Telefon, um sich mit seinem Anwalt über die nötigen Schritte zu beraten.

Vergegenwärtigen wir uns einen weiteren Vorfall. Fröhlich wie drei Tage Sonnenschein spazieren 2 Junkies hurtigen Schrittes in die Berliner Hasenheide, hier hatten schon ihre Väter lecker Cannabis erstanden, die Onkel Dirk und Jochen ebenso. In die Fußstapfen der Vorfahren zu treten, aller Ehren wert. Am Eingang des Parks stehen die Jugendlichen jedoch vor einem Problem in der Gestalt von Sicherheitsbeamten, die dahergelaufene Drogensüchtige erst dann ins gelobte Land einlassen, wenn Formular F25 und U23 samt Stempel und Lichtbildausweis vorgezeigt werden können. „Scheiße“, sagt Junkie Kevin zu Kumpel Dennis. Und so hampeln die Suchenden zum nächstgelegenen Park, wo Zugangskontrollen noch immer ein Fremdwort sind. Lediglich die Dealer sprechen schlechter Deutsch, der Stoff hingegen bleibt allererste Sahne.

Ein drittes Fallbeispiel. Mäxchens Schwester Lena findet das Internet nicht so dufte. Sie zählt 5 Lenze und hockt lieber vor der Glotze, bevorzugt fixieren die Kulleraugen des Wonnenproppens den Bildschirm, wenn die den Nachmittag auf RTL bevölkernde Scripted Reality das Prekariat als Eiterbeule der Gesellschaft bloßstellt. Soviel Zynismus dürfte es wohl öfter geben, meint Lena. Angeblich leistet Florian Silbereisen Samstag abends in der ARD ähnliches, indem er ein Gruselkabinett so lange zur Schau stellt, bis die ersten Leichenteile endgültig abfallen und Gunther von Hagens auf den Plan rufen. Aber das kennt das Mädchen nur vom Hörensagen, um diese Uhrzeit liegt sie nämlich schon im Bettchen und träumt von den verwackelten Handy-Bildern, die der Rabauke Justin ihr im Kindergarten so unter die Nase hält. Dieser hat nämlich eine ältere Schwester und jene wiederum übt oft  Griechisch und Französisch. Lenchen jedoch hält RTL die Treue, noch findet sie hysterisches Herumgegröle spannender als Sex.

Momentan wirkt der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wie ein in Schwaden gehülltes Damoklesschwert. Aber man darf bereits Entwarnung geben, an der alltäglichen Realität der lieben Kinderlein wird sich rein gar nichts ändern. Die Gesellschaft verdirbt sie weiterhin, im Internet müssen ab nun eben nicht in Deutschland gehostete Webseiten diese Mammutaufgabe stemmen.  Und wer den Nachwuchs weiterhin betüddeln will, darf auch wie bisher 25 Stunden am Tag wachsam sein. Doch geht mir persönlich der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nicht weit genug. Es kann einfach nicht sein, dass Lady Gaga auch in Zukunft Werbung für Glücksspiel machen darf. Ich plädiere für eine Neufassung von Pokerface: Polkaface.

Links:

Einschätzung der Auswirkungen des neuen JMStV auf law blog

SomeVapourTrails

Too Much Information – RSS Memory Overflow

Zugegeben ich bin ein Mensch, dessen Präferenz hin zu hübscher Schlichtheit tendiert. Zugleich bin ich von einem steten Interesse, weniger charmant formuliert könnte man auch von Neugier sprechen, getrieben. Diese Vorlieben kamen sich häufig in die Quere, wenn es darum ging, die tagtägliche Essenz an Neuigkeiten mittels eines schnöden Feedreaders auf einen zeitsparenden Blick zu erhaschen. Dann entdeckte ich Netvibes und mein ästhetisches Empfinden bat meinen Informationdrang zum Tanz. Während es sich für das Lesen der Online-Ausgaben von Zeitungen nicht wirklich dienlich erwies, möglicherweise weil ich politische und gesellschaftliche Themen nicht dafür geeignet erachte, auf eine Schlagzeile eingedampft zu werden, so hat mir Netvibes hinsichtlich Blogs einen guten Dienst erwiesen.

Und darum sortierten sich nach und nach unzählige Musikblogs und Fachmagazine in die Kategorie Musik ein. Erst unlängst hat sich das 140. Widget auf meiner Seite eingenistet. Drei Spalten erleichtern die Übersicht. Während die linke Spalte die klassischen Blogs beherbergt, führt die mittlere Online-Magazine, diverse Internet-Auftritte öffentlich-rechtlicher Radios und ähnliches im Schilde, rechts schließlich werfe ich ein wachsames Auge auf die News von ausgewählten Labels, Promo-Firmen und Download-Portalen (beispielsweise betterPropaganda). Was von der ursprünglichen Konzeption her eine Übersichtlichkeit par excellence versprach, bläht sich jetzt immer mehr zum nicht länger zu bezähmenden Monster auf. So legt mir mein Faible für Musik und deren Rezeption eine Schlinge um den Hals, welche bereits kräftig gegen die Kehle drückt.

Über Musik wird viel geschrieben - zuviel? (Quelle: Deutsches Bundesarchiv auf Wikimedia Commons; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Lizenz)

Nun hinze und kunze ich nicht jede Seite, die Musik stolz gleich Schwangerschaftsstreifen zu Markte trägt. Ich habe mich ohnehin damit abgefunden, dass auf ein Faszinosum, das durch sprachliche Kunstfertigkeit, wundersame musikalische Entdeckungen oder ausgeklügelte Betrachtungen zur Plattenindustrie besticht, jede Menge Schund kommt, der mit der rhetorischen Finesse eines Marktschreiers agiert oder gar als Link-Mafia mit arrogant in den Fingern verhedderter Zigarre sein Dasein fristet. Auch solche finden Eingang in meinen Netvibes-Schrein – als Mahnung, dass der Durst nach Aufmerksamkeit nie durch dargereichten Fusel gestillt werden sollte. Zudem lohnt es sich den Schwaden einer Ahnung vor dem geistigen Auge vorbeiziehen zu sehen, worüber derzeit alle sprechen, die keine Zuflucht in der Weltabgeschiedenheit einer geschmacklichen Trutzburg gefunden haben. Allerorten wird von Lady Gaga oder Katy Perry gefaselt und irgendwie gerät es zu einer tröstlichen Gewissheit, wenn man erstere nicht als durchgeknallte Modedesignerin ansieht und letztere nicht im Porno-Milieu verortet. Man fühlt sich wie ein Millionär, der eine Suppenküche nicht versehentlich für einen Zubereitungsort feinster Bouillon im Edel-Restaurant hält.

Zwischen Bedarftheit und Unbedarftheit klafft nur ein winziger Spalt. Viele Blogger tapsen fettnäpfchenfroh hinein – und werden ab und an zwecks weiterer Beobachtung meiner Liste hinzugefügt. Der weitverbreitete Irrtum, wonach jedermann aus Jux und Laune heraus über dies und das losplappern sollte, mag zwar den Siegeszug von Chats und Foren erklären, für das Bloggen freilich braucht es dann doch neben einer Aufgeräumtheit im Ausdruck auch ein Mindestmaß an Selbstorganisation. Mit dem Schwung eines Bierkutschers  in die bloggende Bedeutungslosigkeit zu rasen, unüberlegt vom Stapel zu lassen, was den eigenen Kopf so durchlüftet, kann in nachgerade frivoler Unterhaltsamkeit münden, oder aber in Geschwätz ausarten. Einige vielversprechende, mit musikalischem Interesse ausgestatteten Blogger, die ihr Tun als reines Hobby ansehen, noch nicht durch das Bombardement von Promo-Agenturen und Labels gedrillt scheinen, flanieren oftmals entlang der Grenze dessen, was die Authentizität von Blogs so liebenswert gestaltet, und landen allerdings mitunter eben auch auf der Seite, die drastisch vor Augen führt, was die Authentizität von Blogs so eitel und nichtssagend erscheinen lässt.

Wer nun ein Loblied auf die Professionalität anstimmen möchte, sollte den geölten Stimmbändern besser doch ein Päuschen gönnen. Denn nur weil sich zwei oder drei Autoren im Namen der Musik versammeln, entwickeln sie noch keine heilsbringerischen Fertigkeiten. Nicht alles, was sich mit ausladendem Gestus als Magazin tituliert, bündelt tatsächlich in geballter Form Lesenswertes. Die in der Tat kommerziell agierenden, gerne auch in gedruckter Form verbreiteten Fachzeitschriften liefern gerade online oft den noch größeren Mist ab. Texte und Klatsch wie Tratsch, all das, was es nicht wert ist, auf Papier gedruckt zu werden, landet im Plumpsklo der eigenen Internet-Präsenz. Das gute, alte Feuilleton anspruchsvoller Zeitungen gönnt sich ja im Netz auch den einen oder anderen popkulturellen Blog. Und wahrhaftig, die hervorstechenden Vertreter dieser Zunft verdienen zumindest in fabulierender Hinsicht Applaus. Auch wenn die Inhalte den Leser oftmals mit drögen Augen anstarren. So bleibt der Job musikalische Themen beneidenswert gut aufzubereiten, an den öffentlich-rechtlichen Radios haften, die ihre Sendungen auch im Netz meist perfekt redaktionell betreuen (Stichwort: Breitband auf Deutschlandradio Kultur).

Ein wenig möchte ich auch den Schleier bezüglich der dritten Spalte meiner Netvibes-Seite lüften. Trotz all der vermaledeiten Newsletter diverser Labels und Promo-Heinis werde ich von der Paranoia beschlichen, dass die echt tollen Veröffentlichungen vor mir verborgen bleiben. Ich bekomme die Pfifferlinge, während man dem Blogger nebenan die Trüffeln vor die Nase hält. So wandle ich mit Netvibes eben auf Nummer sicher. Behalte nebenbei auch kleine, feine amerikanische Plattenfirmen im Augenwinkel, sehe mir die neuesten Downloads auf Spinner oder RCRD LBL an. Wenn gehypte Bands dort den neuesten Mist anbieten, hat aber ohnehin bereits einer der Trendblogger darauf zeitnah verwiesen. Viele deutsche Blogs verstehen sich sowieso nur als Übersetzungsmaschine für Stereogum und Konsorten.

Worin liegt also die Essenz dieses Lamentos? Dass es massig schlechte Musikblogs und Gazetten gibt, erkennt jeder Taube mit Krückstock. Dass man nicht alles überfliegen – geschweige denn lesen – muss, weiß auch schon jedes Kind. Dass 140 Informationsquellen Daumen mal Pi 120 zuviel sind, einen regelrechten RSS Memory Overflow garantieren, liegt ebenso auf der Hand. Aber inmitten all der auf Netvibes gepflegten musikalischen Sprachverwirrung rieselt mir ein Umstand besonders ins Auge. Täusche ich mich oder wird tatsächlich immer mehr über Musik geschrieben, Tag für Tag Legionen von Wörtern hervorgepresst, die flehentlich auf Leser warten? Nur, wo versteckt sich der, der die Rezeption von Musik rezipiert, wahrnimmt, kurz kommentiert, ohne selbst vom bloggenden Schlage zu stammen.

Kurz und bündig formuliert: Betreiben Blogger Inzest? Indem sie sich selbst bespitzeln, beweihräuchern, besudeln? Wo nur sind die Massen, welche die Ergüsse auch verschlingen? Besonders die Ergüsse, die ohne Buzzwords wie Lady Gaga oder Katy Perry agieren. Können Blogger irgendeine andere Aufgabe als die orale Befriedung von Musikern und Plattenfirmen erledigen? Dem einfachen Zeitgenossen wirklich musikalische Erkenntnisse vermitteln? Schlichten Gemütern die Magie erklären? Mein aufgeschwemmtes Netvibes verneint dies immer mehr.

SomeVapourTrails

Buy or die – Warum wir für das geschriebene Wort zahlen sollten

Flattr – die Sau ist ja bereits durch das digitale Dorf getrieben, aber ich will trotzdem versuchen, einige Hufspuren zu analysieren. Die Theorie, dass man brauchbaren Content monetär belohnt, wird wohl nur den passioniertesten Verfechtern einer Mentalität à la Gratis ist geil sauer aufstoßen. Speziell Privatpersonen, die aus Jux und Tollerei, auch Leidenschaft genannt, wissensvermittelnde oder unterhaltende Inhalte verfügbar machen, werden sich im Regelfall kaum gegen einen handfesten Ausdruck der Wertschätzung wehren. Wer jedoch jetzt frohgemut auf einen warmen finanziellen Regen hofft, dem wird rasch der herbe Duft der Enttäuschung in der Nase kribbeln. Warum? Darum.

Es gibt Assoziationsketten, deren mitunter vermeintlich entwaffnende Logik uns an die Leine nimmt. Migrantin -> Muslima -> Kopftuchträgerin würde nach Sarrazin’schem Irrglauben wohl mit Gebärmaschine fortgesetzt.  Mandy -> Marzahn -> Tussi hingegen dürfte oftmals in der haarsträubend korrekten Begrifflichkeit Castingshow-Teilnehmerin münden. Ähnlich wahrheitsträchtig verhält es sich mit Internet -> Inhalt -> kostenlos, dem ein spontanes selbstverständlich entfleucht. Abgesehen vom Online-Shopping, das uns etwas Greifbares in die eigenen vier Wände bringt, zückend wir im Internet lediglich dann den eigenen Geldbeutel, wenn das betreffende virtuelle Objekt des Begehrens nirgendwo – oder nur unter sehr großen, nicht immer legalen Anstrengungen – frei erhältlich ist oder aber einen besonderen Reiz bedient. Bei Männern funktioniert dies besonders im Hinblick auf Triebbefriedigung. Sex und Gewalt sells, daher flutscht die eine oder andere müde Mark auch in Online-Spiele. Die Becircbarkeit des weiblichen Geschlechts wird im World Wide Web durch Blümchenmuster losgetreten. Für den Programmierer gilt: Mach es süß und rosig und die Frauen werden es lieben. Wer Happy Aquarium kennt, wird wissen, wer die pinken Fische in Scharen kauft. Clevere Zeitgenossen riechen natürlich  schon die Bratensoße, in welchem meine deftige Schlussfolgerung schwimmt. Das zarte Pflänzchen visueller Stimulation gedeiht. Das geschriebene Wort hingegen verwelkt – zumindest finanziell.

Wobei man freilich auch die bloggende Zunft nicht über einen Kamm scheren sollte. Mit handfestem Populismus lässt sich eine stammtischerne Wohligkeit erzeugen, die ebenso belohnt wird wie der sachlich-investigative Part, den Aufdeckungsmedien wie der Bildblog etablieren. Sobald es unter kräftigem Getöse publikumswirksam ums Eingemachte geht, steigen die Chancen beträchtlich, Einnahmen zu generieren. Insgesamt freilich darf der Blogger eigentlich nichts erhoffen. Denn Gratis-Content ist durch die Augen des Lesers betrachtet eine Normalität, welche keiner gesonderten Würdigung bedarf. Die Grundfeste des Internets basieren auf Austausch von Inhalten. Der freie Diskurs gerät zur Doktrin des Netzes, pekuniärer Profit wird selbst Unternehmen nur unter der Bedingung erlaubt, dass er sich über Werbung generiert. Wer würde für die Online-Auftritte von Spiegel oder Zeit wirklich zahlen? Ein sehr geringer Prozentsatz. Eigentlich wäre ja die Idee eines Gebens und Nehmens auch berückend, doch sieht die Wirklichkeit trist aus.

Wohlgemerkt, wir sprechen immer noch über den Transfer von Wissen, Meinungen, Lebenserfahrung und Kreativität in mehr oder minder kunstvoller bis verständlicher Sprache. Der Download einer Mp3 oder die Distribution einer Software, also eines zu klaren Kondition erwerbbaren Produktes, soll dezidiert ausgenommen. Aber zurück zum Thema. Ob nun Blog oder Wikipedia, im Endeffekt bestreiten diejenigen per Spende die Kosten, welche selbst ein ähnliche Seite führen oder direkt in das Projekt involviert sind. Und so trägt ein überschaubarer Kreis, dessen Mitglieder großteils selbst Content erstellen, dazu bei, dass die Produktion substantieller Inhalte nicht abreißt, während die schweigende, somit unsichtbare Mehrheit daran ohne viel Federlesen partizipiert. Dies stellt nun auch kein Verbrechen dar, weil der Autor seinen Text letztendlich freiwillig der Allgemeinheit unterbreitet. Aber!

Ich will den Bogen nicht länger auf die Folter spannen, meine  zweite Schlussfolgerung offerieren. Gerade im Hinblick auf ein etwaiges Ende der Netzneutralität braucht es die Stärkung privater Content-Anbieter, damit selbige auch in schweren Zeiten als Quelle der Information und Unterhaltung wahrgenommen werden können. Wollen wir die Errungenschaft des Internets, die sich darin manifestiert, dass Wissen und Nachrichten nicht nur von gewinnorientierten Unternehmen verbreitet und Meinungen nicht von der weltanschaulichen Linie einer Zeitung in feste Bahnen gelenkt werden und Unterhaltung keinesfalls ausschließlich über den Geschmack eines verantwortlichen Redakteurs definiert scheint, wollen wir ernsthaft jene Horizonterweiterung  gefährden, uns auf das Vabanquespiel medialer Bestimmtheit zurückfallen lassen?

Falls wir uns auf ein stoßgeseufztes Um Himmels Willen verständigen können, braucht es eine Absichtserklärung der breiten Masse, genau jene finanziell zu unterstützen, die Inhalte vorrangig aus Leidenschaft und Interesse kreieren. Dafür jedoch eignet sich das eingangs erwähnte Flattr nicht. Es darf doch nie und nimmer Sinn und Zweck sein, dass die Fülle interessanten Contents den Gewinn des einzelnen Anbieters drückt. Denn nicht ein Signal der willkürlichen Mildtätigkeit wertet Content auf, vielmehr schafft nur eine konsequent gehandhabte Bezahlung klare Verhältnisse. Wenn die Frage nach dem persönlichen Nutzen eines Textes – ob nun zur Belustigung, Wissenanreicherung, völlig einerlei – mit einem Ja beantwortet werden kann, muss ein im Vorhinein klar definierter Obulus geleistet werden. Weiters müssen wir lernen, dass es die Solidarität gebietet, lediglich weniger gut situierte Zeitgenossen von dieser Regel freizusprechen. Ob man selbst zu dieser Kategorie zählt, dürfte jeder mit seinem Gewissen aushandeln.

Sollte weiter einer Gratismentalität gehuldigt werden, holt uns die Dynamik des Webs ein. Bekommt der Dampfer einmal Schlagseite, indem wir die totale Kommerzialisierung des Netzes nicht genau dadurch verhindern, dass wir alle selbst Geld in die Hand nehmen und es den unabhängigen Lieferanten von Inhalten überreichen, wird das Internet zum Spielzeug einer Mittelstandselite verkommen, deren Wertekosmos es in der Folge durchdringt. Welch schaurige Vorstellung!

SomeVapourTrails

Über das Ende der Flegeljahre des Internets

War einst das Lesen im Kaffeesatz früher noch geheimnisumwittert und mit Rätseln behaftet, durfte sich jedermann mit Glaskugel hochtrabend Nostradamus schimpfen, so kennzeichnet die Gegenwart eine neue Sachlichkeit. Die  nüchterne Bezeichnung Zukunftsforscher suggeriert einen wissenschaftlichen Ansatz, unter dessen Deckmäntelchen sich mitunter spekulative Aussagen mit Binsenweisheiten mischen. Jegliche Prognosen bleiben jedoch stets hinter der Zukunft zurück, die nicht mit sich feilschen lässt.

Ich spiele heute einmal Nostradamus.

Gestern griff die österreichische Tageszeitung Kurier eine Meldung der APA (Austria Presse Agentur) auf, die den deutschen Zukunftsforscher Matthias Horx orakelnd zitierte. So sieht er unter anderem die Götterdämmerung für Soziale Netzwerke unmittelbar bevorstehen und lediglich „soziale Verlierer„, die sich gegenseitig die Unterwäsche zeigen, darin verbleiben. Mehr noch, Horx ortet eine Welle Ausstiegswilliger, die dem Internet den Rücken kehren und den Computer nur noch als „zeitfressende Maschine“ wahrnehmen. Eine weitere Behauptung des werten Herren zielt auf die Langsamkeit des Internets ab, dessen vermeintliche Rasanz er als „Selbst-Propaganda“ zu enttarnen wünscht. Dies wird laut dem Artikel etwa darin begründet, dass viele Menschen noch immer hauptsächlich den Desktop gebrauchen und die Nutzung mobiler Geräte den Alltag der Mehrheit keineswegs penetriert hat. Folglich skizziert der Forscher einen langen Weg, bis das Internet als Fundament des Alltags aller Zeitgenossen dominiert, sieht dies erst ab 2050 erreicht. Soweit die hier nachzuvollziehenden Thesen.

Doch ist die nahe Zukunft tatsächlich bei noch lebendigem, im Wachstum begriffenem Leib zu sezieren? Wenn ich mich auch nicht mit dem Titel Zukunftsforscher schmücken darf oder will, so vertraue ich doch meiner ureigensten Methodik der steakmesserscharfen Beobachtung, um zu dann und wann abweichenden Erkenntnissen zu gelangen. Zunächst möchte ich Herrn Horx allerdings zustimmen und mit am dauerhaft florierenden Boom sozialer Netzwerke zweifeln. Es wird fraglos auch weiterhin das Bedürfnis bestehen, sich in ein virtuell angelegtes globales Dorf einzunisten. Doch siedelte man in der letzten Dekade alle 2 Jahre um, indem man es den trendsettenden Freunden gleichtat, in das gerade angesagte Viertel zog, MySpace mit einem Winke-Winke bedachte und mit Kind und Kegel Facebook seine Aufwartung machte. Eben jenes Massenphänomen des Nomadendaseins könnte bald einer starrköpfigen Sesshaftigkeit weichen. Denn je mehr stinkrealer Alltag in das Internet transzendiert, man Einkäufe, Steuererklärungen, Bankgeschäfte und dergleichen darin erledigt, desto vermehrt greifen auch die Mechanismen, nach denen wir unser Leben ausrichten. Der Wunsch nach Stabilität zum Beispiel. Und derart verliert das Netz die Aura des Wilden Westens, mutiert vom Abenteuerland zum El Dorado der Berechenbarkeit. Eben auch in Freizeitbelangen. So wie der Kneipenabend mit Freunden nur selten mit dem Erwachen im Adamskostüm auf einer Müllhalde am Rande der Stadt endet oder ein Kinobesuch nicht in einer Stippvisite in eine S/M-Club samt altersschwacher Domina mündet, dergestalt soll auch das World Wide Web Überraschungen auf höchst niedrigem Pegel offerieren. Kurz gesprochen: Nach den Flegeljahren wird das Internet nun zunehmend seriös. Natürlich bleiben sämtliche Nischen besetzt. So wie jede Stadt mit einem Rotlichtbezirk aufwarten darf, wird dies zunehmend reglementiert auch im Internet zu finden sein. Dito soziale Brennpunkte, die im Internet in vielen Foren lauern, wo lautes Pöbeln und absolut vernunftbefreites Gelaber Aufnahmebedingung scheint. Wie man das Eigenheim nachts beschützt, indem man die Vorhänge zuzieht, die Türe versperrt und Wertgegenstände gegen Diebstahl sichert, wird dies auch den persönlichen Daten im Internet ergehen. Die Blauäugigkeit der vergangenen Jahre weicht einem  unaufhörlich zunehmenden misstrauischen Blick. Deshalb wittere ich auch eine schrumpfende Erfolgquote für Spam und Phishing. Dumme sterben auch in 20 Jahren nicht aus, Unglücksraben ebensowenig. Aber das steigende Sicherheitsbewusstsein wird die Kriminalität zusammenstutzen.

Eine solcherart gesittete Realität überträgt sich fraglos auf social communities. Wenn Meinungsmacher derzeit den Aufstand gegen Facebook proben, können handfeste Resultate kaum ausbleiben. Somit sehe ich den Trend in einer Auffächerung der Angebote, in jenem Maße in sozialen Kasten eingeteilt, wie es die so greifbare Wirklichkeit vorexerziert. Jan aus Marzahn bechert nie und nimmer beim Edelitaliener, während sich der aufstrebende Manager kaum eine Currywurst in einer düsteren Spelunke  in den Gaumen führt. Die sozialen Parallelwelten dürften das Netz noch viel stärker dominieren.

Dass jedwede sich zunehmend verfestigende, klare Regeln etablierende Gesellschaft auch ihre Pappenheimer kennt, selbstdeklarierte Outlaws eben, bedarf keiner näheren Erklärung. Und darum wird Fortschrittsfeindlichkeit natürlich eine veritable Reaktion darstellen und die von Zukunftsforscher Horx angekündigten Offline-Wesen kreieren. Doch wieviel Einfluss besaßen die Aussteiger der letzten Dekaden? Seit der Hippie-Bewegung wurden Gegenkonzepte zur Modernität recht rasch im Orkus des Vergessens versenkt. Das gleiche Schicksal droht den Internet-Verweigerern.

Widmen wir uns nun der Mobilität des Internets, die mit Sicherheit noch in den Kinderschuhen steckt. Aber warum? Schüchtert Apple mit iPad und iPhone diejenigen Zeitgenossen ein, die mit technischem Schnickschnack auf Kriegsfuß stehen? Macht der Terror der Apps nicht den Menschen berechtigte Panik, welche Übersichtlichkeit und Funktionalität mehr schätzen, als etwaige Versprechung, dass dies Wunderwerk der Technik mit ein wenig Aufrüstung auch als Toaster hervorragend funktioniert? Momentan liefert die Industrie überbordende Beteuerungen des Möglichen, produziert an der Sehnsucht der Konsumenten vorbei, die auf das Kaufargument der Idiotensicherheit warten. Wem noch kein Laptop in die Wiege gelegt wurde, dessen Affinität zu sich Jahr für Jahr in einem geradezu kannibalischen Akt immer neuer technologischer Revolutionen die Bahn brechenden Entwicklungen verläuft in mürrisch abgesteckten Grenzen. Nichtsdestotrotz wäre es falsch zu vermuten, dass erst das Aussterben der vermeintlich altmodischen Generationen zu allumspannender, allgegenwärtiger, allmächtiger mobiler Vernetztung führt. Die Selbstverständlichkeit des Umgangs mit dem Internet als jederorts anwendbares Alltagsmittelchen wächst mit der Bedienerfreundlichkeit der Geräte. Wir werden definitv nicht bis in die Mitte dieses Jahrhunderts warten müssen. Und das wiederum sollte Herrn Horx freuen, weil er somit den Wahrheitsgehalt seiner Prophezeiungen sicher noch nachzuvollziehen vermag.

SomeVapourTrails

Die leichte Unerträglichkeit des Seins – Polemik als Poesie unserer Tage

Nicht die feine Klinge des Degens sticht, lieber mäht die Sense alles nieder, was so kreucht und fleucht. Warum ins Fadenkreuz nehmen und sorgsam zielen, wenn allumschwingender Furor die gleiche Wirkung erreicht. Und wir ergötzen uns mehrheitlich an dem Schauspiel, stacheln Akteure zu immer neuen Rundumschlägen an. Derart gerät Polemik zur Poesie unserer Tage. Erfreut uns, tupft Farbe in den Alltag der Betrachter.

Ob Talk-Shows, Printergüsse oder ungelenk inszenierte Politpossen, je lauter das Säbelrasseln zu uns dringt, desto inniger der Wunsch das Spektakel in High Definition zu verfolgen. Mit einem Bierchen in Händen – gehobenere Kreise favorisieren Rotwein – lässt sich jegliches Gemetzel wundersam in die Seele spülen, wo niedere Instinkte zum Tanz bitten. Ob Frank Plasberg, Bild oder CSU, sie bedienen eine Kultur der Aufgeregtheit, die nackte Empörung bestenfalls in ein durchsichtiges Mäntelchen von Anstand kleidet. Streit und Diskurs als hehre Notwendigkeiten gesellschaftlichen Zusammenlebens verkommen oft und gerne  zu Hinterhältigkeiten, Hetze und saubermännisch geheuchelter Kritik. Man skandalisiert nicht aus moralisch gefestigten Standpunkten heraus, dazu wechseln Meinungen viel zu schnell. Vielmehr definiert die Konfrontation die eigenen Positionen, reiben sich Auffassungen in den steten Kämpfen zu Positiönchen auf, deren Konturen mehr durch das Kontra skizziert werden.

Was uns als medial zelebrierter Krampf serviert wird, überträgt sich letztlich auf uns. Wir spinnen den Terror von Zank und Zoff in unserer kleinen Welt der Meinungsäußerung weiter.  Und dies begründet die Erfolgsgeschichte des Internets. Es flirrt und flittert vor Auseinandersetzung. Das globale Dorf macht die Kriegspfade, auf denen es sich lustvoll wandeln lässt, so kurz. Im Idealfall schrumpfen sie auf Stammtischlänge zusammen. Hier solidarisieren sich Gleichgesinnte zwecks Feinbildpflege, dreschen auf andere Meinungen ein. Die im großen Rahmen vorexerzierte Unkultur der Attacke durchwächst auch die Strukturen des Netzes. Mit Gebrüll und Totschlagelementen wird in Foren, Kommentaren, Chats und Blogs dank vermeintlicher Anonymität mit offenem Visier der Auseinandersetzung entgegengelechzt.

Deshalb gerät das Internet auch zum Sandkasten, in welchem Worte zur Munition mutieren. Was mit medialem Tamtam von als Gladiatoren gewandeten Persönlichkeiten vorgeturnt, dem wünscht Otto Normalbürger im World Wide Web auch mit geringem Aufwand nachzueifern. Man feuert aus allen Lagen, jagt spürhündisch etwaigen Eklats hinterher und brezelt sich brüsk in Empörung auf. Letztlich etabliert keine wohlfundierte Meinung ein nachhaltiges Wohlbefinden, die Lust sich zu echauffieren kitzelt die Nerven viel feiner.

Die leichte Unerträglichkeit des Interet-Daseins liegt darin, dass sich ein hyperkommunikatives Medium längst in den identen Fallstricken verheddert, denen althergebrachte periodische Publikationen bereits in Perfektion frönen. Meinungen geraten zu den eigentlichen Nachrichten, transportieren im Kern investigative Erregung, interpretieren Fakten geschmeidig, boxen mit harten Bandagen. Solange Einschätzungen über deduzierbaren Erkenntnissen stehen, Slogans funktionieren, das Netz als Sprachrohr des kleinen Mannes im Endeffekt nur eine kakophonische Kopie dessen bedeutet, was uns durch Funk und Print ohnehin an Beflegelungen und Hahnenkämpfen tagtäglich heimsucht, wird das Internet keine besondere gesellschaftliche Bereicherung generieren. Wenn unsere Stimmen bloß ähnliches krächzen, können wir den Zinnober getrost denen überlassen, die ihn von Beruf wegen verbreiten. Die Rolle des feixenden Gaffers sollte nicht gering geschätzt werden.

SomeVapourTrails

Das Ende der Freiheit über den Wolken

Foto: wikimedia commons

Nein – alle, die jetzt glauben, ich schrieb einen weiteren überflüssigen Post über die Luftraumsperre auf Grund des Asche hustenden Eyjafjallajökull, der irrt. Letztlich hat das Geschehen nur eines gezeigt: Auch ohne Flugzeuge bricht unser Leben nicht zusammen – selbst der von Lufthansa anvisierte Blumennotstand traf nicht ein. Dieser Blogbeitrag handelt ein wenig von der Freiheit bzw. dem Freiheitsdrang mancher Bürger, die ein Zeichen setzen wollten und die einst anarchistischen Happenings genannt Flashmob ins Leben riefen. Genauso wie mit Geheimtipps in Reiseführern fremder Länder, verhält es sich jedoch mit allen Innovationen des Underground respektive der Subkultur. Sobald ein neues Phänomen über die medialen Eingangspforten wie ARTE Tracks in die Mainstream-Medien zu tröpfeln beginnt, ist es schon wieder tot oder liegt böse geschändet zu Boden. Im besten Falle lustig missbraucht von pfiffigen Werbestrategen. Und niemand soll hier den ersten Stein schmeißen, vor allem nicht die Autorin dieses Beitrags, die schon mal diesbezüglich im Glashaus saß. Virales Marketing ist durchaus eine Kunst, die zu unterhalten vermag. Wäre da nicht auch die Journalistin, die lieber Bloggerin sein mag und unterscheiden muss, zwischen Werbung und Entertainment. Denn wer filtert, wenn nicht wir?

Das Ende der Freiheit über den Wolken erfuhr ich heute via Twitter, dort sandte mich eine Bloggerfreundin (und Medienjournalistin) mit den Worten „Flashmob über den Wolken: „Neulich auf einem easyJet-Flug“ rüber zu einem viralen Werbespot von German Wings, ohne mir jedoch vorher die Warnung mit auf den Weg zu geben, dass ich gleich Werbung konsumieren würde. Ein paar Tweets später hatten wir uns darauf geeinigt, besser wäre es gewesen, zu schreiben, schaut euch mal diesen Werbespot für German Wings an. (Sorry fürs auf die Füße treten und Schlaumeiern, hoffe du bleibst uns gewogen). Allerdings würden viele so einer Aufforderung nicht nachkommen. Warum auch? Läuft im Fernsehen Werbung, dann gehen wir auf’s Klo, holen uns nen Tee oder Bier und wechseln ein paar Worte mit den Lieben, die uns umgeben. Ich schalte grundsätzlich den Ton aus…

Der German Wings Werbespot um den es geht:

Die Grenzen zwischen Infotainment und Werbung sind schon lange fließend. Werbung soll und muss Spaß machen, damit sie wirkt. Private Internet-Nutzer dürfen so viel Werbung an ihre „Freunde“ versenden, wie sie wollen und oft genug wissen sie noch nicht mal, in wessen Dienste sie da stehen. Die Werbestrategen lachen sich nen Ast und blicken freudig auf die dienstwilligen Drücker der Social-Communities. Sie müssen sich nicht länger selber die Hände schmutzig machen und an Gesetze halten, die den Einsatz bzw. die Kennzeichnungspflicht von Werbung regeln.

Zitat:

Wulf-Peter Kemper: „Wir schleichen uns an die Leute ran und tun so, als wäre es keine Werbung. Das ist Schleichwerbung.“ Auch die ist im Internet grundsätzlich verboten. Wenn allerdings Privatpersonen Bilder, Clips oder Meinungen im Netz austauschen, gibt es keine Restriktionen.

Quelle: ZAPP – Perfekte Verpackung – Die Werbung im Internet

(Wulf-Peter Kemper, war bis 2002 Kundenberater, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Werbeagentur Springer & Jacoby)

Trotzdem oder gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht zum willfährigen, unbezahlt arbeitenden Rädchen für die Werbeindustrie machen lassen und unsere Freunde/Kontakte nicht zum Werbekonsum verführen. Zu schnell ist der Share bzw Tweet-Button gedrückt.

Für die Zukunft wünsch‘ ich mir, dass mich meine Freunde vorwarnen und mir selbst die Entscheidung lassen, ob ich mir nun Werbung für dies oder das ansehen möchte. Insbesondere von Journalisten erhoffe ich mir mehr Awareness – damit ist jetzt nur zu kleinem Prozentsatz der vorliegende Fall gemeint. Auch im Fernsehen bekommt man immer wieder virale Werbespots zu sehen, die meist unbewusst wahrnehmbare Werbebotschaften enthalten und von Fernsehmagazinen oft als lustiges Youtube-Video (nicht Werbespot) präsentiert werden. Mehr dazu erfahrt ihr in dem schon zitierten Artikel von ZAPP.

Fernsehbeiträge zum Thema:

ZDF Heute-Journal über Virales Marketing

3Sat Feature zum Thema

Zurück zum Glashaus. Noch wissen wir nicht wer hinter iamamiwhoami steckt und können nur hoffen, dass es sich hier um einen Musikact handelt und nicht etwas ein Mobilfunk- oder Spielekonsolenhersteller oder ähnliches dahinter steckt. Auf manchen Seiten wurde gemutmaßt, MTV (federführend bei der Berichterstattung) wäre Auftraggeber um sein Image zu polieren und wieder mehr in Richtung Musik zu führen.

DifferentStars

Linkverkehr mit Callboy Flatrate und Handyortung des Geschehens?

Foto: Andrea Arbogast/ Quelle: Wikimedia Commons

Das besondere Vergnügen beim Betreiben eines Blogs ist die lustige und doch oft ernst gemeinte Post, die man so bekommt. Die Links in unten zitierter Mail hab ich mit Absicht nicht als Hyperlink formatiert. Bitte mit Vorsicht genießen. Langt eh schon das Lesen des Domain-Namens um genug zu erfahren.

Hallo Webmaster,
auf der Suche nach guten Linkpartnern, bin ich durch Ihre
gute Platzierung bei Google auf Ihre Website gestoßen. Da ich
ebenfalls im Musik und Internet Kommunikations Bereich einige
Webseiten unterhalte würde ich Ihnen gerne einen kostenlosen
Linktausch anbieten. Vollkommen themenrelevant!

Ich kann Ihnen Links bieten von:

www.plasma-verleih-muenchen.de (Thema: HiFi; Plasma; Kamera)

www.handyortung-software.de (Thema; Handyortung, software)

www.gsm-ortung.org (Thema: Gms Ortung,)

www.holdirrat.de: Webcam, Chat,)

www.backlinks-kaufen-mieten.de (Thema: SEO, Backlinks)

www.callboy-agentur.net (Thema:Escort, Callboy)

Zusätzlich kann ich auch einen Blogartikel anbieten aus
meinem Musik Flatrate Blog:
http://musik-flatrate-mp3.com/musik-download-legal

Ich bräuchte dafür einen Link zu www.musik-flatrate-mp3.com
mit dem Keyword:
Musik Flatrate
oder
Mp3 Flatrate

Wenn Sie mir einen normalen Link setzen (ohne Begleittext)
reicht das mir persönlich aus. Ich freue mich auf eine
positive Antwort von Ihnen.

Viele Grüße
Maria K.

Tja, fällt mal so in die Kategorie „Wir lassen uns nicht blöd ficken“.

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MySpace frisst imeem – nun ist es weg, so ein Dreck!

imeem wurde kürzlich von Murdoch/MySpace aufgekauft. Gibt man nun die imeem-Url ein, landet man hier: http://www.myspace.com/imeem und erhält folgende Meldung:

Screenshot:
MySpace - IMEEM - what's on your playlist- - MySpace_1260385632473

In aller Kürze übersetzt:

Die imeem-Profile und Playlists sind erstmal weg. Man arbeitet aber daran sie evtl. in MySpace Music zu intergrieren. Die nun ehemaligen imeem-Nutzer werden per E-Mail informiert werden.

Künstlern, die ihren Content auf imeem bereit gestellt hatten, wird geraten, sich ein MySpace-Profil zuzulegen (PUNKT)

Sehr freundlich ausgedrückt, geht MySpace sehr unhöflich mit den imeem-Usern um. Mich macht die Sache dann doch ziemlich sprachlos. Weg sind erstmal die sozialen Kontakte, die die imeem-Nutzer innerhalb der Community geknüpft und nicht über andere Netzwerke abgesichert hatten. Playlists sind auch futsch. Den Content-Gebern scheints keinen Deut besser zu gehen.

Fällt mir folgende Redensart ein: Was ist schon ein Banküberfall im Gegensatz zu der Gründung einer Bank. Nur wie adaptiere ich den jetzt auf diese Situation? Social Network kommt ursprünglich von sozial und des is jetzt alles futsch. Echten Freunden gibt man eh nen Küsschen u. ne klassische E-Mail-Adresse, manchen sogar mehr.

Sehr fragwürdig, das Ganze. Wieso wird hier abgeschaltet, ohne vorher Nachfolgelösungen parat zu haben? Und wieso zum Teufel, hielt es niemand für notwendig die Nutzer und Content-Geber zu informieren? Wenigstens hab ich mein imeem-Profil nie wirklich genutzt. Sollte Ähnliches mit Last.fm geschehen, ginge allerdings doch Liebgewonnenes  verloren. Auf Twitter herrscht auch helle Freude bei den Bloggern, die viele Widgets von imeem eingebaut hatten, die sind natürlich auch weg weg weg… so ein Dreck!

Dies alles sollte in jedem Fall eine Warnung für alle iLike-Nutzer sein, auch diese Plattform wurde von MySpace aufgekauft.

Murdoch zimmert fleißig weiter Sargnägel für MySpace am Ende wird nur niemand trauern, wie mir scheint.

DifferentStars

Mehr zum Thema: zdnet.de, spiegel.de