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Schatzkästchen 92: IRAH – Worship The Sun

Photo Credit: Christina Amundsen

Der Reiz von Spiritualität besteht bekanntlich darin, sich als ein Teil von etwas Großem und Ewigem zu verstehen. In der Umarmung einer alles Begreifen übersteigenden Natur oder einer jegliches Erfassen sprengenden Gottheit liegt ein Trost über die Flüchtigkeit der eigenen Existenz. Die archaisch-ätherische Mystik, die den Song Worship The Sun durchweht, ist somit – salopp gesprochen – ein alter Hut. Aber trotzdem darf man der Formation IRAH einmal mehr zu einem famosen Track gratulieren. Ich habe wohl über keine andere Band in den letzen beiden Jahren öfter gebloggt als über diese Dänen. IRAH haben sich mit ihrem Debüt Into Dimensions als fantastische Mixtur aus Björk rund um die Jahrtausendwende, den guten alten Cocteau Twins, Clannad mit ihren New-Age-Anleihen sowie Trip-Hop Portisheadscher Prägung erwiesen. Der neue Song Worship The Sun knüpft an das bisherige Schaffen nahtlos an. Stine Grøns Vortrag ist dazu angetan, die ganze Weite des Universums auszufüllen. Ihre Aura umgibt fabelwesenhafte, andächtige Rätselhaftigkeit. Lyrics wie „Imagine that you’re made of diamonds/ And you light up everything you touch/ Your body heals what’s been broken/ Aligned with your creator part/ Let’s reveal the forces we forgot/ Activate the light within our heart“ scheinen voller Staunen und Sehnsucht zu transzendieren, einem göttlichen Kosmos entgegenzustreben, zugleich tief auf den reinen Grund der eigenen Seele hinabzutauchen. Schatzkästchen 92: IRAH – Worship The Sun weiterlesen

Konzerttipp: 12.04.2017 – Ja Ja Ja mit IRAH und Mikko Joensuu

Ich bin ein großer Bewunderer skandinavischer Klänge. Doch neben all den musikalischen Qualitäten muss man auch den Vermarktungsfertigkeiten der Nordlichter applaudieren. Frei von jeglichen Eitelkeiten arbeiten Förderprogramme aus Dänemark, Finnland, Island, Schweden und Norwegen zusammen, um Skandinavien als musikalisches Schwergewicht weiter zu etablieren. Von so viel Kooperationswillen könnten sich andere europäische Regionen ruhig eine Scheibe davon abschneiden. Ein Beispiel dafür ist die Reihe Ja Ja Ja, die aufstrebende Acts nach London und Berlin schickt, sie im Rahmen von Club-Nächten auch außerhalb der Herkunftsländer bekannt macht. Und speziell die nächste Ausgabe von Ja Ja Ja könnte großartiger nicht ausfallen, kommen doch das dänische Trio IRAH, der finnische Singer-Songwriter Mikko Joensuu nach Berlin. Was habe ich mir doch in den letzten Jahren die Finger wund geschrieben, um diese Ausnahmeerscheinungen anzupreisen! Grund genug also, nicht nur auf dieses einmalige Konzert zu verweisen, sondern nochmals das Tun der genannten Acts kurz hervorheben.

Photo Credit: Nick_Hune

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Unsere Lieblingsplatten 2016

Was für den Rückblick auf das Jahr 2015 gegolten hat, ist leider auch 2016 aktuell. Daher nochmals letztjährige – nur hinsichtlich der Jahreszahlen aktualisierte – Betrachtungen…

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit… Moment, der Platzhaltertext ist natürlich ein Scherz. Sogar zwischen den Feiertagen fällt mir ein Gedanke zum Musikjahr 2016 ein. Ich meine nämlich, dass Musik zwar nach wie vor eine große Rolle spielt, sie zugleich weniger wahrgenommen wird. Wir hören Musik, aber wie viele Lieder könnten wir zumindest im Refrain tatsächlich mitsingen? Wären wir tatsächlich noch in der Lage, die Intention unseres liebsten Albums des Jahres in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Ist es nicht fast erschütternd, dass die Texte, die sich den meisten Menschen einprägen, ausgerechnet aus schlimmen Genres stammen oder problematische Weltanschauungen verfechten? Zeilen aus Schlagern gehören zum Allgemeingut, auch die Protagonisten des Deutschrap haben genug Hörer, die an ihren Lippen hängen, selbst die Texte der völlig unsäglichen Frei.Wild finden willige Abnehmer. Wie aber sieht es mit den Heroen des Indie-Genres und den Kritikerdarlingen aus? Wer könnte Thees Uhlmann, Sufjan Stevens oder Julia Holter aus dem Effeff zitieren? Wir erleben eine Wahrnehmungskrise jener Musik, die für sich in Anspruch nimmt, wertvoll zu sein. Woran liegt das? Ich will es kurz machen, die Schuld teilen sich Künstler, Musikkritik und Hörer zu gleichen Teilen. Wenn Bands und Musiker soziale Netzwerke mit jeder Menge Fotos bespaßen oder mit allerlei Veranstaltungshinweise vollpropfen, dabei aber komplett vergessen, ihre Lyrics und/oder Gitarrentabulaturen zu verbreiten, dann dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn Hörer vielleicht lustige Schnappschüsse eher in Erinnerung behalten als die Inhalte der letzten Platte. Die Musikkritik wiederum wird sich mit Klickstrecken und der Ausrichtung auf Tablet und Smartphone zu Tode layouten. Dazu kommt noch die Facebook-Hörigkeit, die eine Platte mit wenigen knackigen Worten teasert. Rezensionen geraten oberflächlich, weil der Transport der eigenen Meinung über dem Verständnis einer Platte steht. Und dann wäre da noch der Hörer, dem Musik oftmals so wichtig ist, dass er sie gar nicht mehr käuflich erwerben muss. Nichts spricht gegen Streaming als Ergänzung zur CD-Sammlung. Ein Stream kann jedoch nie den Besitz einer Platte ersetzen, ihm fehlt jedwedes haptische Erlebnis, ihm fehlt der zeitliche Aufwand – ja generell der zielgerichtet Akt des Kaufs. Wir sehen also, die Krise ist umfassend! Und wird bestenfalls dort überwunden, wo die Musik Botschaften und Lebensgefühl mittransportiert. Das tut der Schlager, das tut leider auch Bushido. Wo also bleibt das Indie-Lebensgefühl? 2016 hat es trotz vieler toller Alben gefehlt. Doch genug geredet, hier nun unsere liebsten Platten!

1. Tricky – Skilled Mechanics

Neukölln erwächst zum Sehnsuchtsort für die, die Konformität im großen, hippen Chaos anstreben. In solch Getümmel scheint Tricky tatsächlich nur die Rolle des Betrachters zu bleiben. Auf gewisse Weise ist ihm diese Position nicht fremd. Denn auch sein musikalisches Schaffen blickt von außen auf Business und Szene, freilich mit der Gelassenheit und Weisheit eines Typen, der sich und anderen nicht mehr viel beweisen muss oder sogar möchte. (Review) VÖ: 22.01.2016 (False Idols)

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Unsere Lieblingslieder 2016

Nach einer kleinen gesundheitlichen Zwangspause geht es jetzt munter weiter…

Musik ist für die Ewigkeit gemacht. Sie läuft nicht davon. Gerade im Zeitalter digitaler Verfügbarkeit nicht. Es muss wohl diese Erkenntnis gewesen sein, die mich 2016 dazu veranlasst hat, viele – sehr viele – Platten bewusst nicht zu hören. Ich habe noch in keinem Jahr meines Bloggerdaseins mir aus verschiedensten Gründen so viele Alben geliebter Künstler aufgespart. Etwa das Vermächtnis Leonard Cohens, die Trauerbewältigung Nick Caves, und viele mehr. Paul Simons diesjährige Scheibe werde ich erst 2017 so richtig hören, auch The Divine Comedy muss noch warten. Und ob ich je tiefer ins jüngste Werk Radioheads eintauche, wird die Zeit zeigen. Und diese neu gewonnene Seelenruhe soll sich 2017 auch stärker auf dem Blog äußern. Eine Platte verliert nicht an Relevanz, nur weil sie bereits den einen oder anderen Monat oder sogar Jahr am Buckel hat. Natürlich ist mir bewusst, dass sich Promotionfirmen und Labels geballte Berichterstattung ums Datum der Veröffentlichtung wünschen. Das sollen aber Magazine leisten. Ein Blog ist ein Blog – und kein Einmannmagazin. Da sich die Co-Bloggerin und meine Wenigkeit 2016 intensiv in der Flüchtlingshilfe engagiert haben und dieses Engagement nicht abnehmen wird, wird dieser Blog 2017 noch mehr Hobby sein denn je zuvor. Ein Hobby aber, das wir nicht missen möchten. Und nun genug der Vorrede. Hier sind die Lieder, die uns im letzten Jahr über den Weg gelaufen sind. Die uns erfreut und bewegt haben. Unsere liebsten Lieder halt!

1. James – Nothing But Love (Review)

2. Kevin Morby – I Have Been to the Mountain (Review)

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Der Beginn von etwas Großem – IRAH

Dieses Album muss man angehört haben! Mir fällt beim besten Willen kein Makel ein, der dieser Platte anzukreiden wäre. Into Dimensions ist von derart überwältigender Qualität, dass man sich gut vorstellen kann, in vielen Jahren dann höchst ehrfürchtig vom Beginn einer bestaunenswerten Karriere zu schwärmen. Selbstverständlich ist mir geradezu schmerzhaft bewusst, dass die Talente dieser Tage nicht weniger werden. Und da die Zahl kultivierter Hörer nicht rapide zunimmt, werden viele großartige musikalische Projekt nie die kritische Masse an Fans erreichen, um die künstlerische Relevanz zu erreichen, die sich eigentlich verdienen. Dem dänischen Trio IRAH würde ich die Verankerung im Kanon der künstlerischen Etablierten besonders gönnen. Denn dieses Debüt entfaltet eine eigene, faszinierende Magie, von der man in ihren aufregendsten Momenten ungefähr mit jener Ehrfurcht überwältigt wird, die einem als kleiner Knirps vor dem erleuchtenden und von Geschenken umsäumten Weihnachtsbaum widerfährt.

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Eine kleine Playlist meiner bisherigen Lieblingslieder 2016

Ehe es in ein fraglos spannendes letztes Drittel des Musikjahrs 2016 geht, habe ich eine kleine Playlist mit Songs zusammengestellt, die mir 2016 im Ohr haften geblieben sind. Keines dieser Lieder habe ich aus dem Hut gezaubert, im Lauf des Jahres wurden alle bereits mit lobenden Worten bedacht. Wer beim Anhören dieser 12 Tracks hellhörig wird, darf sich gern durch die Posts stöbern, in denen ich mich mit den Stücken ein wenig näher beschäftigt habe.

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Schatzkästchen 71: IRAH – Fast Travelling

Ende April bereits habe ich auf die Kopenhagener Formation IRAH große Stücke gehalten. Der grandiose, für die Top 10 des Jahres vorgemerkte Song Into Dimensions ist aus meiner Sicht kaum zu toppen. Mit der Dream-Pop-Nummer Fast Travelling, die das für Oktober avisierte Minialbum Into Dimensions ankündigt, gelingt das Unmögliche jedoch beinahe. Viele Assoziationen sind mir beim Hören durch den Kopf geschwebt. Anscheinend aber nicht nur mir, denn The Line of Best Fit zählt all jene Einflüsse auf, welche auf mir durch die Gedanken geistern. Da wäre eine New-Age-Spiritualität, die in der Liebe den Ursprung aller Erleuchtung sieht. Es wäre der ätherische Glanz der Cocteau Twins als Vorbild zu nennen. The Line of Best Fit sieht sogar Ähnlichkeiten mit Enya. Da mag snobistischen Musikliebhaber kurz angst und bange werden. Dafür besteht aber nicht der geringste Anlass, eine Ehrenrettung Enyas wäre ohnehin unbedingt überfällig. Die das Universum umarmende Leichtigkeit des Sounds, der stete Fluss der Synthies, die dezent-rituelle Percussion und selbstverständlich die elfenhafte Stimme der Sängerin Stine Grøn machen Fast Travelling zu einer Hymne reinsten Herzens. Dem dänischen Trio gelingt abermals eine Erhabenheit, eine Reinheit der Emotion, wie man dies nur selten erlebt. Auch wenn das Debüt nur acht Lieder umfasst, ich würde bereits jetzt darauf wetten, dass es eines der atemberaubenden Werke des Musikjahrs 2016 wird. Schatzkästchen 71: IRAH – Fast Travelling weiterlesen

Schatzkästchen 59: IRAH – Into Dimensions

Elfe ausgebüxt! Direkt in die Neonlichter eines Großstadtmärchens hinein! Hochhäuser mit großen Glasfassaden stehen Spalier, säumen einen Pfad des Staunens. Schritt für Schritt gleiten ihre nackten Füße über den glitzernden Asphalt, wandert sie durch die Fantasie von einer Nacht. Abgekämpfte Nachtschwärmer strömen noch ganz in Trance aus Szenetempeln, abenteuerselige, begierige Gestalten schielen sehnsüchtig in plüschige Etablissements. Jede zwielichtige Gestalt scheint der verwunderten Elfe einen Blick wert. Das verschmuste, in seinem Glück aufgehende Pärchen beim Laternenmast ebenso. Mit pochendem Herzen setzt sie ihren Streifzug fort, Eindruck um Eindruck prasselt auf ihre Augen ein. Taxis wischen an ihr vorbei, wieseln um die Ecke. Schaufensterpuppen drehen sich nach ihr um. Hydranten dackeln gleich Kobolden dahin. Die ganze Szenerie lebt, alles wirkt neu und aufregend. Die Stunden im Häusermeer vergehen wie im Flug, bis dann irgendwann die Sonne über die Dächer kriecht, der Tag mit einem Knall anbricht. Die Helle flutscht in jede Ritze, prallt auf Glasscheiben, wird von Metall reflektiert. Im Licht der Sonne geht der Elfe endgültig das Herz auf. Gerät der Ausflug in die Stadt zum Triumph der Neugier. Und sie lächelt und lächelt…

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