Schlagwort-Archive: John Vanderslice

Ein kleiner Kloß im Hals – John Vanderslice

Mitunter verstehe ich, wenn Max Musterhörer die Flinte ins Korn wirft. Man muss schon ein findiges Trüffelschwein sein, um im Wust an Veröffentlichungen die Schätze zu heben. Wir bekommen ja nicht unbedingt wenig Newsletter von Musiker, Labels, Promo-Firmen. Aber sogar bei dieser Fülle an Infos, taucht so manch interessante Platte schlichtweg nicht auf. So habe ich erst mit ein paar Wochen Verspätung wahrgenommen, dass der von mir sehr geschätzte Singer-Songwriter John Vanderslice ein neues Album veröffentlicht hat. Vanderslice ist ein Haudegen alter Schule, in der Vergangenheit immer wieder politisch pointiert, gerne auch provokant (etwa mit dem Titel Bill Gates Must Die). Sein jüngstes Album Dagger Beach dagegen gerät ungemein reflektiert, introspektiv in der Erkenntnis. Es tönt von den Melodien her weniger erhaben als beispielsweise Romanian Names von 2009, bezieht die Faszination aus anderen Quellen.

Ein kleiner Kloß im Hals – John Vanderslice weiterlesen

Ein Veröffentlichungsausblick: Die Alben der kommenden Wochen

Nach erholsamen Feiertagen wollen wir nun unser kurzes Winterschläfchen beenden. Wenngleich uns noch die eine oder andere CD von 2010 in den Ohren juckt, mögen wir auch schon eine kurze Vorschau wagen. Was sind die Alben der nächsten Wochen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen? Momentan haben wir schon die eine oder andere Scheibe am Radar, aber natürlich gehen wir davon aus, dass sich noch das eine oder andere UFO auf unseren Schirm verirren wird. Im Januar kommt die Veröffentlichungschose ohnehin erst in der zweiten Hälfte richtig in die Puschen, bis dahin wollen wir noch die eine oder andere in der Warteschleife kreisende Platte mit unserem Senf überziehen. Manche Dinge ändern sich nämlich auch 2011 nicht, ein edler Blog wird auch weiter edle Ergüsse bieten und Entdeckungen tätigen. Im Eifer des Gefechts manch Vogel abschießen, fliegenden Untertassen die passende Landebahn bieten, Himmelsstürmern eine Startrampe stellen und Fixsternen am Firmament mit einem Teleskop zu Leibe rücken. Musik bleibt eben immer Musik und wird unsere Gemüter auch in diesem Jahr zu ungeahnten Höhenflügen inspirieren.

Veröffentlichungstermine:

Joan As Police WomanThe Deep Field (VÖ 21.01.11)
16 HorsepowerYours Truly (VÖ 28.01.11)
White LiesRitual (VÖ 28.01.11)
John VandersliceWhite Wilderness (VÖ: 28.01.11)
Juliette CommagereThe Procession (28.01.11)
ModdiFloriography (VÖ: 28.01.11)
MogwaiHardcore Will Never Die, But You Will (VÖ 11.02.11)
Rebekka KarijordThe Noble Art Of Letting Go (18.02.11)
Beady EyeDifferent Gear, Still Speeding (VÖ 25.02.11)
The Joy FormidableThe Big Roar (VÖ: 25.02.11)
The Low Anthem Smart Flesh (VÖ 25.02.11)
PapercutsFading Parade (VÖ: 04.03.11)

SomeVapourTrails

Zwei Hochkaräter bitten zum Tanz – Justin Townes Earle / John Vanderslice

Zwei Hochkaräter bitten zum Tanz. Justin Townes Earle mit einer gelungenen, viel zu kurzen Daytrotter-Session, die Lust auf seine neue Scheibe macht. John Vanderslice mit einer kostenlosen EP.

Wir haben Justin Townes Earle bereits öfters erwähnt. Dieser Tage erscheint sein neuestes Werk Harlem River Blues. Wem der Country-Barde bislang noch immer kein Begriff ist, dem sei er hiermit nochmals, nachdrücklich wie eindringlich nahegelegt. Sein Vater, Steve Earle, ist ebensowenig ein Unbekannter wie Townes van Zandt, dem er seinen zweiten Vornamen verdankt. Damit wurde ihm ja eine Bürde in die Wiege gelegt, der er jedoch bislang mit Würde und Anstand gerecht wurde. Sein Zugang zu Country ist unverkrampft, nicht auf ein Verwerfen des Althergebrachten ausgelegt, textlich gut beobachtend, kitschfrei, nahe an den Realitäten. Zur nochmaligen Einstimmung auf sein Schaffen seien zwei Balladen empfohlen – und natürlich die neue Daytrotter-Session. Wir werden natürlich auch die aktuelle Platte ausgiebig besprechen. Das gebietet mein Faible für Herrn Earle.

Wenden wir uns nun einer Gratis-EP namens Green Grow The Rushes zu, die John Vanderslice soeben unter das Musikvolk gebracht hat.

Vanderslice ist eine Singer-Songwriter-Konstante. Er produziert kaum mal Vernachlässigbares. Ich habe auch sein letztes Album Romanian Names mit Freude gehört und mindestens zwei Tracks auf ewig ins Herz geschlossen. Von solch exorbitanter Qualität sind die hier vertretenen sechs Titel zwar nicht, aber das experimentelle Penthouse Window mit seiner grandiosen Klarinette gerät nur auf den ersten Blick zur Fingerübung und das von Sythies dominierte I’ll Never Live Up To You präsentiert den Liedermacher mit starken Lyrics. Lay Down ist der kompletteste Song dieser EP, allein – aber nicht nur – dieser Track lohnt bereits den Download von Green Grow The Rushes. Bitte hier dankbar zugreifen! (via das klinicum)

Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

SomeVapourTrails und seine 15 Lieblingslieder 2009

Nun da der Dezember sich demnächst den Feiertagen ergibt, die Welt in quietschbunter Seligkeit in ein neues Jahr schunkelt, ist es höchste Eisenbahn, zuvor noch mittels einer Retrospektive das Jahr in die richtige Perspektive zu setzen. Und so komme ich nicht umhin, die meiner Meinung nach besten mir bekannten Lieder der vergangenen 12 Monate zu benennen. Mein Herz schlägt meist für handwerkende Außenseiter, die nicht auf irgendwelchen Wellen künstlerischer Abgehobenheit schwimmen. Und so begründet sich diese Selektion keinesfalls im mantrahaften Wiederholen der Namen aller Kritikerliebkinder. Grizzly Bear, Animal Collective oder Phoenix werden in Bestenlisten gerne genannt – und sind doch in etwa so fesselnd wie ein zerschlissenes Schuhband. 2009 gab es viel zu entdecken.

1. Too Much Time von John Vanderslice

Begründung: Diese schlichte Ballade alles, was ein großer Song benötigt: Einen markanten Refrain und eine eingängige Melodie. Mehr braucht es nicht. Too Much Time ist als kostenloser Download auf der Homepage des Künstlers verfügbar.

2. Darby Crash And Burn Guitars von Eamon McGrath

Begründung: So sieht eine zeitlos-moderne Mischung aus Folk und Rock aus, keine Warmduscherklänge, vielmehr kräftig und deftig.

3. The Longing von Eels

More Eels music on iLike

Begründung: Das Liebeslied des Jahres. Ohne albernes Gesülze oder Verkitschung wird das Wesen von Sehnsucht seziert, in schlichte Worte gepresst und zu einer schmerzhaft-schönen Wahrheit kondensiert.

4. München von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Begründung: Irrlichtern-wabbernde Reise in einen tosend Strom feinster Electronica mit starken akkustischen Elementen.

5. Zumbi von Major Lazer feat. Andy Milonakis

Begründung: So dreckig kann, darf und soll Dancehall gerne öfter klingen. Hier als kostenloser Download erhältlich.

6. Engel von Mariahilff

Begründung: Während sich deutsche Texte meist in permanenter Mittelmäßgkeit wälzen oder gar bemüht intellektuell daherstelzen, haben Mariahilff eine wundersame Poesie erschaffen.

7. Goodbye Rock von Testsieger

Begründung: Wenn es eines Abgesangs auf den Rock bedurfte, der gut 10 Jahre nach Tocotronics Let There Be Rock den Kreis schloss und einer Dekade den Spiegel vorhielt, dann haben ihn Testsieger mit diesem Song ersonnen.

8. You Will Miss Me When I Burn von Soulsavers

Begründung: Natürlich hätte man ebenso den Titel Sunrise in diese Liste aufnehmen können. Doch während Sunrise durch Erhabenheit besticht, ragt bei You Will Miss Me When I Burn schiere Traurigkeit in ewiger Eleganz hervor.

9. Velvet von The Big Pink

Begründung: Die Briten haben nicht nur Flausen im Hirn, neben Unbands wie Franz Ferdinand tummelt sich mit The Big Pink auch eine Band, die es locker mit den legendären Hymnen von Oasis aufnehmen kann.

10. Tricks Of The Trade von Paolo Nutini

Begründung: Mir ist es schleierhaft, warum Nutini mit Quacksalbern wie James Morrison in einem Atemzug genannt wird. Dies folkige Lied ist ein Glanzstück feinsten Songwritings.

11. Change of Heart von El Perro Del Mar

El Perro Del Mar „Change Of Heart“ from The Control Group on Vimeo.

Begründung: Niveauvoller Pop, es gibt ihn noch! Hier gratis erhältlich.

12. Ain’t Gonna Lose You von Brett Dennen

Begründung: Vielleicht der wichtigste Songwriter der nächsten Dekade, in der Tradition eines Paul Simon oder Bob Dylan. Dieses Lied unterstreicht das Potential.

13. You Turn Me Cold von The Slew

Begründung: Turntablism ist kein Schnee von gestern, wie Kid Koala bezeugt.

14. We Do What We Want To von O+S

Begründung: Eine ätherische Stimme, untermalt von einer bezaubernden Melodie.

15. Still von Great Lake Swimmers

Begründung: Selten klang Folk derart erbaulich. Von hymnischer Qualität.

SomeVapourTrails

Free Mixtape: Singer-Songwriter für einen schwelgerischen Sommer

Wenn der Sommer in voll Kraft strotzend Zügen sich über die Tage und Wochenenden legt, ist Entspannung im Schatten zu suchen. Unterstützend vermag auch die Beschallung mit mal erdiger, mal entrückter Musik zur Erholung beitragen. Und aus diesem Grund wollen wir heute eine handverlesene Anzahl kostenloser Singer-Songwriter-Perlen vor der geneigten Leserschar ausbreiten. Manch Tracks wurden von uns bereits angepriesen und manch Lieder wiederum zwitschern hier erstmalig durch den Äther. Allen gemeinsam ist eine Frische und viele warten auch mit einem gerüttelt Maß an tiefem Schürfen auf.

StringsOfLove
Foto: Nasrul Ekram

Mp3: Mike BonesWhat I Have Left

Mp3: John VandersliceToo Much Time

Diane BirchDon’t Wait Up (Download-Link)

CathleenHold Me (Download-Link)

Mp3: Brett DennenMake You Crazy

Vic ChesnuttChain (Download-Link)

Mp3: Benoît PioulardBrown Bess

Mp3: David Thomas BroughtonWeight Of My Love

Mp3: Jessica Lea MayfieldKiss Me Again

Tara Jane ONeilDrowning (Download-Link)

Viel Freude damit!

SomeVapourTrails

Musikalischer Quartalsbericht 2009 (II)

Nun sind also April, Mai und Juni ins Land gegangen und unter das zweite Quartal des Jahres 2009 darf ein dicker Schlussstrich gezogen werden. Was bleibt sind eine erkleckliche Anzahl an denkwürdigen Liedern und Alben. Ich glaube vermelden zu dürfen, dass viele kleine und große Meisterwerke in diesem Frühling erblüht sind. Werfen wir einen kurzen Blick zurück und schnuppern noch mal ausgiebig an den prächtigsten Blüten.

Alben09

Die Eels vermochten mit Hombre Lobo ein einzigartiges Album zu erschaffen, dessen Intensität und Virtuosität alles in den Schatten stellte. Diese Scheibe wird noch die Hirne nachdenklicher Menschen beackern, wenn all die Kritikerlieblinge wie St. VincentActor ist eine unsägliche, pseudo-experimentelle Zumutung – längst schon mit der wohlverdienten Vergessenheit geschlagen sind. Die seichten Befunde der Kritikerzunft zu Hombre Lobo waren schlichtweg ärgerlich – oder im Falle Pitchforks einfach lächerlich. Eine weitere chronisch unterschätzte Truppe lieferte mit Journal For Plague Lovers eine rundum gelungene Sensation ab. Die Manic Street Preachers haben Substanz – ein Fremdwort heutzutage. Während man in dem Falle durchaus von einer Rückbesinnung auf alte Stärken sprechen konnte, brachen Placebo mit alten Gewohnheiten und zu neuen Ufern auf. Battle For The Sun wird wohl nicht zum besten Album der Band gewählt werden, eine Bereicherung freilich stellt es jedoch zweifelsohne dar. Und wenn wir gerade über Acts von der Insel schwärmen, sei auch nochmals Kingdom Of Rust der Doves positiv hervorgehoben und auf Kasabian nicht vergessen.

Auch Singer-Songwriter setzten gewichtige Akzente. John Vanderslice verstaute auf Romanian Names die phänomenale Ballade Too Much Time. Brett Dennens endlich auch in Deutschland erschienenes Hope For The Hopeless schenkte Hörvergnügen ohne Ende, dagegen wirkt ein Conor Oberst ganz schön alt. Der Schotte Paolo Nutini beschenkte uns mit Sunny Side Up – ein durch und durch kurzweiliges, unterhaltsames Album. Unverzeihlich freilich wäre es, in diesem Zusammenhang die Great Lake Swimmers und ihr absolut geniales Lost Channels unter den Tisch fallen zu lassen.

Aus deutschen Gefilden vermag ich in den letzten Monaten nicht allzu viele Lichtblicke zu zählen. Cargo City empfahl sich mit on.off.on.off. als Versprechen für die Zukunft. Highlight freilich blieb Lars Rudolphs Projekt Mariahilff, dass in jeglicher Hinsicht – vor allem aber textlich – zum Besten zählt, was seit langer Zeit in Deutschland verbrochen wurde.

Kommen wir nun zu den Kleinoden, deren verkaufte Exemplare sich wohl in überschaubaren Größenordnungen bewegen. Die Flare Acoustic Arts League offerierte mit Cut hochgradig intelligentes, oft augenzwinkerndes, aber immer unterhaltsames Songwriting. Viarosa rockten derart famos auf Send For The Sea, dass man sich nur wundern kann, warum sie die Nick-Cave-Fetischisten nicht mit offenen Armen empfingen. Yppah enttäuschte mich ebenfalls nicht und konnte mit dem Electronica-Album They Know What Ghost Know einen wahren Volltreffer landen. Stell dir vor, da geigt einer auf – und fast niemand merkt dies. Trespassers William beackterten auch 2009 das Metier Shoegaze und veröffentlichten The Natural Order Of Things – eine nette Scheibe, die nicht ganz das Niveau früherer Werke hält, aber dennoch sehr hörenswert ist.

Zu guter Letzt sei nochmals an The Alexandria Quartet erinnert, deren Debüt wir auf diesem Blog viel Tribut gezollt haben. Vermutlich schon bald dürfen wir uns dafür auf die eigenen Schultern klopfen und mit Selbstlob überschütten. Keine Frage, diese Norweger werden eine Karriere aufs Parkett legen – die Musik ist so toll, da steppt jedweder Elch dazu.

Verweilen wir einen Moment bei den weniger perfekten Fabrikaten aus den weltweiten Plattenschmieden. Grizzly Bear und die CD Veckatimest sind nettes Mittelmaß und werden völlig ohne triftigen Grund über den Klee gelobt. Gediegene Langeweile ist meines Erachtens noch nicht zur Kunstform erhoben. Green Day und der Rebellions-Rock mögen simple Parolen für die schweißgetränkte Meute in ausverkauften Stadien auf Lager haben, musikalische Relevanz darf sich davon nicht ableiten lassen. Ärgsten Feinden sollte man die Schenkung des Album von La Roux erwägen – und weil diesen Gedanken bereits viele Menschen hatten, erklären sich auch die vorzeigbaren Verkaufszahlen.

Doch schwelgen wir lieber in schönen Erinnerungen. Die unzähligen Duftmarken hinterließen einen bleibenden Flair in unserem CD-Regal. Hoffentlich tat die eine oder andere Scheibe dies auch in den Sammlungen unserer geneigten Leser.

SomeVapourTrails

Maskierte Traurigkeit – John Vanderslice

Musikalische Außenseiter pflastern meine Gehörgänge. Weniger aus dem Kalkül einer Entsagung kommerzieller Angebote heraus, eher schon weil es dem eigenen Naturell und der Befindlichkeit entspricht, hinter die Fassade des Offensichtlichen zu schauen. Und im Grunde genommen sich es die Augenscheinlichkeiten, denen hinterhergehechelt wird, da sie antworten anstatt Fragen zu stellen. Jedoch kommt es auf die Technik der Fragestellung an. Besteht sie aus abstrakt verquasteten, einem akademischen Anspruchsdenken unterliegenden Methoden, oder rührt dies Forschen unmittelbar an unterschwelligen Ängsten und Sehnsüchten und gewinnt dadurch an Relevanz und Brisanz? Im konkreten Fall der musikalischen Geschmacksnerven berücken mich Singer-Songwriter dann besonders, wenn sie ohne intellektuelle Überfrachtung oder ironische Distanz sinnsuchend dahinvagabundieren, vielmehr mit naiven Staunen und/oder schlichtem Ausdruck Emotionen mit Fragezeichen unterfüttern.

JohnVanderslice4
Foto von Elizabeth Weinberg

John Vanderslice vermag auf der soeben erschienenen CD Romanian Names den Spagat zwischen grenzenloser stimmlicher Wärme, ruhigen, von malerischen Melodien getragen Stücken und textlich traurigem Sehnen und Erinnern perfekt zu vollführen. Den Opener Tremble And Tear kennzeichnen beschwingt arrangierte Instrumente und die charmante Melodie sowie eine für dies Album untypische, fröhliche Aufgeregtheit. Bereits ein schräg verschrammeltes Fetal Horses thematisiert das Motiv einer ungesunden, von unüberwundenem Verlust geprägten Sehnsucht und kulminiert in der Zeile „Fetal horses galloping in the womb„, die man sich so auch erst auszudenken wagen darf. Darauf folgt bei C & O Canal ein Abschied, der mit immenser Bitterkeit beklagt wird, und dabei von nahezu heiteren Rhythmen konterkariert wird. Schon die ersten Eindrücke belegen die doppelten Böden, die Vanderslice verlegt. Brechungen prägen die Platte, wenn Vanderslice vergnügt reingrätscht. Der vierte Titel schließlich nennt sich Too Much Time und wurde von mir unlängst zum Song des Jahres gestempelt. Wohlig durchflutet ein Verlangen die Szenerie, zelebriert einen Aufbruch mittels dicht geschmiedeter und doch überschaubarer Klangfülle, mündet in dem anbetungswürdig dargebotenen Refrain „Too much time gone by and I can’t find you if I try„. Allgemein bietet der Erzähler Vanderslice auf dem Album wenig Ansatzpunkte, vage blubbern Schemen an die Oberfläche, lassen meist unbestimmt bleibende Fetzen von Melancholie zurück. So auch auf D.I.A.L.O., welches abermals den Abschied in den Fokus rückt. Forest Knolls ist die voll lässigem Drama geschilderte Begegnung mit Hirschen im Wald und dem mahnenden Eingedenken, dass sein Großvater sie noch zu erlegen verstanden hätte. Einmal mehr kontrastiert Oblivion deftige Lyrics mit warm versponnenen Harmonien, ehe Sunken Union Boat den nahezu perfekten Indie-Pop-Song kreiert und in trügerischen Erinnerungen schwelgt. Der Titeltrack des Albums ist ein erneutes Aufflackern hoffnungsfrohen Sehnens, ehe mit dem kryptischen Carina Constellation düstere Schatten aufziehen. Wiederum sortiert sich der Songwriter und wirft uns mit scheppernden Drums und verschnieften Gitarren ein Summer Stock entgegen, so als wolle er den von Keyboards dominierten Mittelteil des Album hinter sich lassen. Eine Streicherverklärung namens Hard Times offenbart die Conclusio des Herren Vanderslice, indem er gesteht „To find an answer I searched every sentence and ended deeper still in hard times„.

romanian_names

Romanian Names ist voll maskierter Traurigkeit, welche sich in Ansätzen zwischen dem warmen Sound verbirgt. Die Platte fügt sich nahtlos in sein bisheriges, außergewöhnliches Schaffen ein und darf als absolut gelungen genannt werden. Zumal – und da lege ich mich fest – das Lied Too Much Time von derartig schöner Qualität ist, dass man es getrost als Meisterwerk 2009 titulieren darf. Wer sich auf das lohnend anspruchsvolle Terrain eines John Vanderslice wagen will, der wird auf dessen Homepage fündig. Zahllose kostenlose Downloads laden zur tiefschürfenden Erkundung ein und vermitteln ein rundum faszinierendes Bild.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Das Lied des Jahres als free Download (Too Much Time)

Heute wird die Welt beglückt. Mit einem der herzerweichendsten Lieder, die je durch den Äther geschallt sind. Doch genug der Untertreibungen, greifen wir zu Superlativen. Der in hiesigen Landen nicht eben sonderlich bekannte Songwriter John Vanderslice veröffentlicht demnächst sein neues Album Romanian Names.

Romanian Names

Vorab sind bereits zwei Tracks als kostenlose Downloads erhältlich. Und mit dem Titel Too Much Time ist Vanderslice ein Wunder gelungen. Die warme Ballade ist ein eingängiges, zurückhaltendes, von einem greifbaren Hauch wohliger Traurigkeit getragenes Stück. Dieses Lied macht die Realität vergessen und lädt für 3 Minuten in eine Verträumung ein.

Hier geht es zum Download. Wir wünschen viel Freude damit und werden uns sicher demnächst auch mit dem Album näher beschäftigen.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails