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Schatzkästchen 79: MILCK – Quiet

Was wäre Protest ohne Musik? Was wäre Aufschrei ohne hoffende Klänge? Der Women’s March on Washington kann erst der Anfang einer neuen Frauenbewegung sein, die sich nicht über ideologische Scheuklappen definiert, sondern trotz einiger Unterschiede solidarisch gegen Ungerechtigkeit auftritt. Dass Frauen 2017 noch immer benachteiligt sind, ist belegbares Faktum. Dass mit Trump und dem aufstrebenden Populismus in Europa diese Benachteiligung eher wieder wachsen wird, steht außer Zweifel. All dem mit dem Vorsatz entgegenzutreten, nicht mehr zu schweigen, erscheint mir dringend geboten. MILCK, eine in Los Angeles beheimatete Sängerin, beschert uns mit ihrem Song Quiet eine Pop-Hymne, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge und Erwartungshaltungen wendet. Zeilen wie „But no one knows me no one ever will/ If I don’t say something, if I just lie still/ Would I be that monster, scare them all away/ If I let the-em hear what I have to say“ wollen den Schmerz nicht mehr verbergen, sich etwa mit Missbrauch und daraus resultierenden Folgeerscheinungen nicht länger abfinden. Schatzkästchen 79: MILCK – Quiet weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 21

Wir haben uns 2016 mit Coverversionen zu Weihnachtsklassikern zurückgehalten. Weil uns beispielsweise die x-te Version von Jingle Bells meist nicht aus den Socken haut. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass nicht auch Neuinterpretationen traditioneller Lieder lohnen. Speziell das Duo Pitch Feather aus Singapur hat ein Händchen dafür. Nun würde man bei der Herkunft weihnachtlicher Klängen wohl nicht unbedingt Singapur am Zettel haben, das Ehepaar Chuan und Alberta hat uns aber bereits in der Vergangenheit immer wieder mit sehr sympathischen Weihnachtsliedern erfreut. Dieses Jahr wagen sie sich an God Rest Ye Merry Gentlemen. Persönlich bin ich kein großer Fan dieses traditionellen englischen Weihnachtslieds. Es zählt aus meiner Sicht zu den abgedroschenen Stücken. Insofern war ich sehr positiv überrascht, was Pitch Feather daraus machen. Sie trimmen God Rest Ye Merry Gentlemen auf stilsicheren Bombast-Pop mit Gothic-Note. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 21 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 20

Auch 2016 platzt das Musikmagazin The Line of Best Fit vor Stolz: „For the eighth time we put out a challenge to some of our favourite Canadian artists to produce a new holiday track and once again they have not disappointed.“. Die Compilation Ho! Ho! Ho! Canada VIII ist ein Must-have für Fans der Indie-Weihnacht. Längst können und wollen wir uns das Fest nicht ohne kanadische Klänge ausmalen. Ho! Ho! Ho! Canada hat noch jedes Jahr frisches musikalisches Lametta zur Dekoration der weihnachtlichen Tage offeriert. Wobei – so ehrlich muss man sein – man 2016 Glitter und Glanz erst ein wenig suchen muss. Der Sampler kommt zu Beginn eher schwer in die Gänge. Ein erstes Ausrufezeichen setzen Lab Coast aus Calgary, die sich mit dem aufgeweckten Song Yule See an der Schnittstelle zwischen Indie-Pop und Indie-Rock bewegen. Spätestens Sportsfan aus Toronto sorgen mit Sportsfan saves Xmasss für ein absolutes Highlight der Weihnachten 2016. Die Nummer hat eine balladeske Klammer, Anfang und Ende sind völlig vom großartigen Gesang Ali Haberstrohs geprägt, der Mittelteil dagegen kommt rockig-flockig daher, mit eingängigen Harmonien und Springsteen’scher Wucht, wie The Lines of Best Fit richtig feststellt. Auf Bandcamp hat die Formation den Song übrigens It’s Not That Cool to Not Like Christmas getauft. Wie immer er auch heißt, er ist wirklich stark! Diese Band sollte man unbedingt im Augen behalten. In der Folge vermag Andrew’s Pale Horses mit Doctor Christmas zu überzeugen. Ein bisschen Grunge und ein psychedelischer Anstrich sorgen hier für Gefallen. Quiet Parade, aus Halifax kommend, möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Heavy Winter schreit in seiner hemdsärmeligen Pop-Rock-Gemütlichkeit förmlich danach, Playlists geschmacksicherer Radiostationen zu veredeln. Im Gegensatz zu vielen Songs dieses Samplers ist dies auch kein exklusiv für Ho! Ho! Ho! Canada aufgenommer Track, vielmehr haben Quiet Parade Anfang des Monats die hörenswerte, überwiegend folkige EP Christmas Through The Fog veröffentlicht. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 20 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 17

In diesem Jahr sind wir bereits zum zweiten Mal auf der grünen Insel zu Gast. Heute mit irischem Twee, gewürzt mit feinem Indie-Rock. Midwinter Festival von Rory Nellis ist im besten Sinne ein Wohlfühlsong. „Grab your loved ones and tell them you can’t live without them“ – Nellis beschwört jenen Christmas Spirit, nach dem wir uns alle sehnen und den wir wenn wir Glück haben, auch leben können.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 15

No Monster Club – Start The Carvery

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Für alle, die sich jetzt fragen: „Was zum Teufel ist Carvery?“ – Nun dies ist ein auf frisch zubereitetes Fleisch spezialisiertes Restaurant, häufig auch mit „All you can eat“-Angebot. Ein anti-veganer Christmas Song ist es trotzdem nicht, obwohl wir einen solchen gut gebrauchen könnten. Im Umkreis von 15 Gehminuten haben im überhyptem Zuhause (Nord-Neukölln) gefühlt 20 vegane Eisdielen + 50 vegane Cafés + 100 „Irgendwas-mit-[egal]-Hauptsache-vegan“ eröffnet. Immerhin das grässlich-peinliche Dandy Diner hat nach wenigen Monaten die Türen wieder geschlossen, nur eine der Scheußlichkeiten, die 2016 zum unbeliebtesten Jahr der letzten Jahrzehnte machte. Wieder mal „gefühlt“ das schlimmste Jahr aller Zeiten, allerdings eben nur der Zeiten, die wir schon lebend erlebt haben.

Oder wie der No Monster Club singt: „It’s been the shittest year“ […] Give me back my year“. Aber immerhin: „It’s Christmas on the other side of the world“. Diese Ironie so gekonnt in Lyrics zu vertexten: Chapeau! My dear Mr. Singing Club*. Selten kam ein Anti-Christmas Song so vergnüglich daher. Mehr davon und ich bin zumindest mit dieser Weihnachtssaison versöhnt.

Link: nomonsterclub.com

*“My dear Mr. Singing club“, this phrase is part of the top ten of German idioms which really make no sense when beeing translated word by word.

DifferentStars

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 12

Pop à Noël Saison 2 (2016)

Ein bisschen fühle ich mich beim Anhören von Christmas Compilations an meine Jahrmarktsbesuche als Kind erinnert. Mit staunenden Augen stand ich vor den Losbuden und versuchte meine Erziehungsberechtigten zum Kaufen von Losen zu erziehen. Vielleicht, vielleicht, mit ein bisschen Glück würde mir die Glücksfee diesen überdimensional großen Teddy bescheren. Nun da ich erwachsen bin, kenn ich die Vorteile der Kompensation und anstatt meine Taler den Budenzauberern in den Rachen zu schmeißen, wühle ich mich einem Trüffelschwein gleich durch die vielen Weihnachtssampler, stets aber mit der gleichen Aufregung, die ich als kleines Mädchen auf dem Rummel fühlte. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 12 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 11

Der Titel Revenge of the Christmas / Son of the Christmas / The Christmas Walks Among Us mag nach einem dreiteiligen Trash-Movie-DVD-Box-Set klingen, das man an einem Grabbeltisch für wenige Euros ausbuddelt. Meilenweit gefehlt! Denn dahinter verbirgt sich eine Xmas-Compilation der sehr besonderen Art. Nämlich eine, die eine große Bandbreite weihnachtlicher Klänge abdeckt. Diese reicht von der ergriffenen Interpretation alter Weihnachtslieder über larmoyante Americana-Balladen und irische Folklore und schiefem Country bis hin zu nachdenklichem Singer-Songwritertum und Folk-Pop mit Retro-Chic. Ob heiliger Ernst oder alkoholschwangere Geselligkeit, ob große Gefühligkeit oder leichter Charme, alles findet sich hier wieder. Fast zwangsläufig hat solch ein Sampler auch eine qualitative Streuung, aber so einige Tracks sind mehr als nur hörenswert. Allen voran Reindeer Tribe mit dem Song It’s Christmas Time. Sixties-Pop vom Schlage einer Nancy Sinatra trifft hier auf Americana-Flair. Es überzeugt als eines der besten Stücke, die 2016 zum Thema Weihnachten aufgenommen wurden! Ebenfalls mehr als nur Gefallen finden wir am Cover von So Much Wine, Merry Christmas von den Cool Shades. Es ist zwar nicht schwer, dieses Lied ordentlich darzubieten, diese Version überzeugt jedoch durch einen unprätentiösen Vortrag mit unaufgeregtem Loser-Appeal. Stark! Wer Singer-Songwriter-Klänge sucht, wird bei Katie King und ihrem Song Holiday Smoke Break at Tina’s fündig. Eine sehr sympathische, helle Stimme mit wunderbar erzählendem Zungenschlag! Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 11 weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 3

Fans von Indie-Weihnachtsklängen schwören darauf, auf den alljährlichen Sampler der in in Portland im Bundesstaat Oregon ansässigen PR-Firma XO Publicity. Und auch im bereits neunten Jahr enttäuscht die Zusammenstellung nicht. XO For The Holidays Vol. IX hält die eine oder andere Perle bereit. Zwei der Lieder möchte ich herausgreifen. Speziell eine Coverversion des Songs I Was Thinking I Could Clean Up For Christmas, die sich vom Original Aimee Manns sehr unterscheidet, hat es mir angetan. Beim kanadischen Projekt Texture & Light geht es laut Selbstbeschreibung um „[f]uzzy guitars, hook-laden vocals, a synthesizer fetish, and a drum machine crush“. Dem Song tut der shoegazige Synthie-Pop – verbunden mit einem unter Leidensdruck stehenden Vortrag – fraglos gut, die Zeilen „I was thinking I could clean up for Christmas/ Then call it a day/ Tell you sorry that I made you a witness/ To my moral decay“ kommen herrlich larmoyant und angefressen daher.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 2

Eine der Entdeckungen unseres letztjährigen Weihnachtsspecials waren ohne Zweifel King Cardinal, eine in Denver ansässige Folk-Band.  Vom traurigen Rocky-Mountains-Americana des Songs Alone on Christmas Eve habe ich sehr geschwärmt. Und darum freut es mich sehr, dass das Quintett 2016 ein weiteres Weihnachtslied auf Lager hat. Christmas From O’Hare unterscheidet sich durchaus vom Sound des Vorjahres. Es besticht durch dezent angeschmalzten Country, beschreibt dabei den Vorsatz eines Verlierers, es dieses Jahr endlich zu schaffen, Weihnachten nach Hause zu fahren. „This year I’d be home for Christmas Eve“ ist mehr als nur ein Versprechen, es gerät zur Selbstermutigung. Denn diese Heimkehr erfolgt nicht etwas aus Pflichtschuldigkeit, sie ist eine Rückbesinnung auf all die schönen Momente, die von vergangenen Weihnachtsfesten in Erinnerung geblieben sind.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 1

santa-2016

Alle Jahre wieder widmen wir uns auf diesem Blog der musikalischen Ausgestaltung der Weihnachtszeit. Wollen die Tradition des Weihnachtslieds hochhalten und zugleich unterstreichen, dass neben feinen Neuinterpretationen Jahr für Jahr auch jede Menge wunderbarer neuer Lieder ersonnen werden. Weihnachten beschäftigt die Menschen rund um den Globus, rührt das Herz, wärmt die Seele. In ähnlichem Maße wie es entzückt, vermag es jedoch auch zu bedrücken. Weil Erwartungshaltungen unerfüllt bleiben, weil all die Gefühligkeit leider oft heuchlerisch ist und Konsum und Kitsch überhandnehmen. All den verschiedenen Stimmungen wollen wir im diesjährigen klingenden Adventskalender Rechnung tragen. Ob Fröhlichkeit oder Nachdenklichkeit, ob Rückbesinnung auf die Wurzeln des Fests oder schiere Opposition gegen den Feiertagswahn, all das soll auch 2016 mittels handverlesener Empfehlungen transportiert werden. Mögen diese Songs die kommende Adventszeit bereichern!

Hinter der ersten Tür des klingenden Adventskalenders 2016 verbirgt sich eine Musikerin, deren Tun wir seit vielen Jahren begleiten. Die schwedische Singer-Songwriterin Sofia Talvik hat es sich seit Jahren bereits zur Tradition gemacht, ein weihnachtliches Lied zu komponieren, dem allgegenwärtigen Klingeling nachdenklich bis traurige Klänge entgegenzusetzen. 2014 etwa griff A Long Way Home das oft bemühte Motiv der Autofahrt nach Hause auf. Häufig berichten Lieder, Bücher oder Filme vom Wettlauf mit der Zeit, von der Sehnsucht danach, Weihnachten mit den Liebsten zu verbringen. Talvik gibt der Geschichte jedoch einen Twist, einen Unfall nämlich, der alle Hoffnung zunichte macht. 2015 wiederum beschrieb Cold Cold Feet das Leid einer alleinerziehenden Mutter, die an Weihnachten arbeiten muss, damit sie ihren Kindern überhaupt Geschenke machen kann. 2016 beschenkt uns Talvik mit dem Song When It Rains On Christmas Day. Das Stück imponiert als edle, überaus gefühlvolle Pianoballade mit Americana-Akzent, wofür eine Pedal-Steel-Gitarre sorgt. Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 1 weiterlesen