Die Zeiten überdauernd – Lana Del Rey

Ich will gar nicht lange fackeln. Das Album dieses Sommers ist ohne Wenn und ohne Aber Lust For Life. Der unvergleichlichen Lana Del Rey ist eines jener Alben geglückt, das die Zeiten überdauern wird. Noch im Jahre 2047 wird man genüsslich im smarten Heim sitzen und die Urenkel Siris oder Alexas bitten, die Erinnerungen an schöne Zeiten mit diesen Klängen zu untermalen. Und wenn man dann in Gedanken schwelgt, dabei eine Epoche hochleben lässt, die längst vergangen scheint, wird man sich vielleicht daran erinnern, dass man dieses Gefühl doch bereits beim Erscheinen des Albums hatte. Lana Del Rey lässt doch schon hier und heute die Ära der großen Diven auferstehen. Diese wunderbare Kunstfigur hätte auch das Hollywood der Sechziger nicht besser in Szene setzen können. Doch abgesehen von der makellosen Inszenierung, die Del Rey auf jedem Album in eine neue Rolle schlüpfen lässt, ist es ein schlicht überragendes Songwriting, das den Erfolg ausmacht. Hinter dem schönen Schein verbirgt sich verdammt viel Substanz.

 Weiterlesen

Schatzkästchen 82: Lana Del Rey – Love

Let there be 1967 again! Diese Botschaft versprüht der Song Love samt dazugehörigem Musikvideo. Nicht einmal 18 Monate nach ihrem Album Honeymoon gibt es also bereits neue Klänge von Lana Del Rey zu bestaunen. Und was für welche! Love entpuppt sich als bombastisch schmachtender Pop mit einer verführerisch säuselnden Diva am Mikrofon. Und der Clip selbst ist verdammt reich an Bildern, die das heraufdämmernde Back-to-Nature-Gefühl des Hippietums sowie die Faszination des Space-Age nachempfinden. Die glamouröse Petticoat-Seligkeit mag noch nicht völlig verblasst sein, die Abenteuerlust der Beat Generation scheint dafür jedoch bereits voll entfacht. Das Video zeigt verliebte junge Menschen, die in Diners abhängen und danach ihre Cadillacs in die Wildnis chauffieren, um Sonnenaufgänge in der Wüste erleben. Oder um ein Bad in einem See zu nehmen. Zwei Auffälligkeiten durchziehen den Clip. Eigentlich handelt es sich nur eine vorgebliche Zeitreise. Denn trotz der Optik der Sechzigerjahre hantieren die Protagonisten mit Smartphones, in ihren Oldtimern finden sich digitale Autoradios. Man könnte in dem Musikvideo von Rich Lee also den Wunsch herauslesen, dass heutige Teenager wieder etwas von der damaligen Aufbruchsstimmung verspüren.  Weiterlesen

Unsere liebsten Songs 2015 (1-25)

Nach dem ersten Teil unserer Lieblingslieder mit den Plätzen 26-50 folgt nun der zweite Teil unserer liebsten Songs des Jahres 2015. Samt Spotify-Playliste, die immer 47 der 50 Titel beinhaltet. Doch genug der Worte, stürzen wir uns ins musikalische Getümmel!

radio-elvis-juste-avant-la-ruee

1.) Radio Elvis – Goliath

Goliath ist nicht weniger als phantastisch, weil es markanten, durchaus an französischen Chansonniers orientierten Gesang mit melodischem und zugleich erstaunlich robustem Indie-Rock verbindet. Die Band ist für mich die Entdeckung des Musikjahres. Und Goliath ist das Lied, dass ich auf immer mit 2015 verbinden werde! (Die EP Juste avant la ruée ist am 09.03.2015 auf PIAS erschienen.)

Wanda Bussi Albumcover ©Vertigo Berlin

2.) Wanda – Bussi Baby

 Weiterlesen

Unsere liebsten Songs 2015 (26-50)

Heute will ich ohne große Ansprache den ersten Teil unserer 50 Lieblingslieder vorstellen. Natürlich sind wir keine Listenfetischisten, die aus der Reihenfolge eine Wissenschaft machen wollen. Die Nummerierung dient vor allem der Übersichtlichkeit! All die hier aufgeführten Songs wurden von uns 2015 gerne und viel gehört. Es würde mich sehr freuen, wenn zumindest ein paar dieser Tracks auch beim werten Leser Wirkung zeigen.

keepthevillagealive

26.) Stereophonics – C’est la Vie

Die Pub-Rock-Hyme des Jahres! Das Lokal, in dem diese Nummer ohne jedwede Resonanz durch die Boxen dröhnt, muss erst noch eröffnet werden! (Das Album Keep The Village Alive ist am 11.09.2015 auf Stylus Records erschienen.)

aforestofarms

27.) Great Lake Swimmers – The Great Bear

 Weiterlesen

Unsere liebsten Alben 2015

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit… Moment, der Platzhaltertext ist natürlich ein Scherz. Sogar zwischen den Feiertagen fällt mir ein Gedanke zum Musikjahr 2015 ein. Ich meine nämlich, dass Musik zwar nach wie vor eine große Rolle spielt, sie zugleich weniger wahrgenommen wird. Wir hören Musik, aber wie viele Lieder könnten wir zumindest im Refrain tatsächlich mitsingen? Wären wir tatsächlich noch in der Lage, die Intention unseres liebsten Albums des Jahres in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Ist es nicht fast erschütternd, dass die Texte, die sich den meisten Menschen einprägen, ausgerechnet aus schlimmen Genres stammen oder problematische Weltanschauungen verfechten? Zeilen aus Schlagern gehören zum Allgemeingut, auch die Protagonisten des Deutschrap haben genug Hörer, die an ihren Lippen hängen, selbst die Texte der völlig unsäglichen Frei.Wild finden willige Abnehmer. Wie aber sieht es mit den Heroen des Indie-Genres und den Kritikerdarlingen aus? Wer könnte Thees Uhlmann, Sufjan Stevens oder Julia Holter aus dem Effeff zitieren? Wir erleben eine Wahrnehmungskrise jener Musik, die für sich in Anspruch nimmt, wertvoll zu sein. Woran liegt das? Ich will es kurz machen, die Schuld teilen sich Künstler, Musikkritik und Hörer zu gleichen Teilen. Wenn Bands und Musiker soziale Netzwerke mit jeder Menge Fotos bespaßen oder mit allerlei Veranstaltungshinweise vollpropfen, dabei aber komplett vergessen, ihre Lyrics und/oder Gitarrentabulaturen zu verbreiten, dann dürfen sie sich eigentlich nicht wundern, wenn Hörer vielleicht lustige Schnappschüsse eher in Erinnerung behalten als die Inhalte der letzten Platte. Die Musikkritik wiederum wird sich mit Klickstrecken und der Ausrichtung auf Tablet und Smartphone zu Tode layouten. Dazu kommt noch die Facebook-Hörigkeit, die eine Platte mit wenigen knackigen Worten teasert. Rezensionen geraten oberflächlich, weil der Transport der eigenen Meinung über dem Verständnis einer Platte steht. Und dann wäre da noch der Hörer, dem Musik oftmals so wichtig ist, dass er sie gar nicht mehr käuflich erwerben muss. Nichts spricht gegen Streaming als Ergänzung zur CD-Sammlung. Ein Stream kann jedoch nie den Besitz einer Platte ersetzen, ihm fehlt jedwedes haptische Erlebnis, ihm fehlt der zeitliche Aufwand – ja generell der zielgerichtet Akt des Kaufs. Wir sehen also, die Krise ist umfassend! Und wird bestenfalls dort überwunden, wo die Musik Botschaften und Lebensgefühl mittransportiert. Das tut der Schlager, das tut leider auch Bushido. Wo also bleibt das Indie-Lebensgefühl? 2015 hat es trotz vieler toller Alben gefehlt. Doch genug geredet, hier nun unsere liebsten Platten!

1.) Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba – Ba Power

Bassekou-Kouyate-Ba-Power-Cover

 Weiterlesen

Willkommen im großen Kino – Lana Del Rey

Lana Del Rey stellt nicht nur die Kunstfigur unserer Tage dar, sie taugt auch als veritable Reizfigur. Ihr fraglos elegantes Image speist sich zu einem gewissen Teil aus reaktionären Klischees. Del Rey vermittelt ein vermeintlich ewiggestriges Frauenbild, dem es ab und an an Selbstachtung mangelt. Männern zu gefallen, dies scheint allerhöchste Erfüllung zu bringen, doch bewirkt diese Attitüde auch ungesunde Abhängigkeiten, Liebeskummer inklusive. Dass sie die nach außen hin blasierte Diva gibt, deren Innerstes zugleich lodert, mag Feministinnen die Tränen in die Augen treiben. Haben all die verruchten, dominanten Stars der vergangenen Dekaden umsonst die selbstbestimmte Powerfrau gegeben? Hat Madonna die Erotik als Mittel zur Unterwerfung vergeblich forciert, zeigt Rihanna als Speerspitze der Free-the-Nipple-Bewegung erfolglos Körperbewusstsein? Seit Jahr und Tag kämpft eine Lady Gaga mit größtmöglicher Exzentrik dafür, dass Durchgeknalltheit im Namen der Kunst nicht länger als Männerdomäne angesehen wird. Sollen alle diese Anstrengungen nun von Del Reys retroeskem Glamour überschattet werden? Ist es ein Rückfall in unemanzipierte Zeiten? Wenn man dem neuen Album Honeymoon wahrhaft gerecht werden möchte, muss man es als Hollywood-Oper begreifen. Eine Oper, die letztlich gar nicht so unmodern tönt, wie es zunächst vielleicht den Anschein hat.

Lana_Del_Rey_2015_2_NeilKrug

Photo Credit: Neil Krug

 Weiterlesen

Schatzkästchen 29: Lana Del Rey – High By The Beach

Das, was eine so angestrengte Lady Gaga nie wirklich war, schafft Lana Del Rey spielend. Wie einst Madonna in ihren besten Zeiten vermag Del Rey großen Pop mit Botschaften zu spicken. Den neuesten Track High By The Beach,  Vorbote ihres bereits dritten Albums Honeymoon, umweht die Aura von Luxusweibchenproblemen. High By The Beach gerät zu einem Musterbeispiel für Dekadenz und Langeweile, wird vom Wunsch nach einer Ekstase bestimmt, deren Hochglanz geradezu nihilistische Züge annimmt. Dieser Song macht aus den Abgründen hinter der schönen Fassade kein Geheimnis. Wie Lana Del Rey hier fast blasiert ihr Mantra „All I wanna do is get high by the beach“ anstimmt, lässt auf eine neue Facette ihres Wirkens schließen. War sie bei Ultraviolence noch die ewige Vorstadtprinzessin, so ist bei Honeymoon anscheinend in den Jetset vorgedrungen, demaskiert – ja dekonstruiert – somit ein weiteres Stück Amerika. Eines nämlich, welches bei allem Überfluss an den gleichen dysfunktionalen Beziehungen und Trieben leidet wie Normalsterbliche auch. Solch ein Lied unterstreicht einmal mehr, dass man Del Rey eben nicht in einen Topf mit Pop-Gören wie Taylor Swift oder Katy Perry werfen kann.  Weiterlesen

Unsere Lieblingslieder 2014

Heute wollen wir den werten Lesern unsere 30 Lieblingslieder des Jahres 2014 vorstellen. Diese 30 Tracks sind uns ans Herz gewachsen und werden auch 2015 nicht aus dem Gedächtnis purzeln. Natürlich hätten wir locker 100 Songs nennen können, der Übersichtlichkeit halber haben wir uns auf diese Liste beschränkt. Weiters gilt: Nummerierungen sind Schall und Rauch, höchstens die Top 5 sind mit einem besonderen Ausrufezeichen versehen. Viel Vergnügen beim Erlauschen!

amore_wanda

1. Wanda – Bologna

Schon das erste Lied der Platte gerät zum Volltreffer. Bologna gefällt als verhinderte Inzest-Hymne (“Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen/ Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht“), lässt Italien als Sehnsuchtsort für Amore und Dol­ce­far­ni­en­te wiederauferstehen. All den Irrungen und Wirrungen des Fühlens steht ein kehlig geschmettertes, die Liebe bejahendes Lebensgefühl entgegen.

ausderbibliotheque

2. Andreas Dorau – Reden wir von mir

 Weiterlesen

Unsere Lieblingsalben 2014

Wir haben auch 2014 wieder so einiges an Musik gehört und vieles davon auf dem Blog vorgestellt. Hier sind die 20 Platten, die meine Co-Bloggerin und mich in diesem Jahr fasziniert haben. Wir hätten sicher auch mindestens ein Dutzend weitere wunderbare Alben nennen können, der Übersichtlichkeit halber wollen wir es bei 20 Stück belassen. Vielleicht schaffen wir es ja, das eine oder andere Werk dem werten Leser doch noch ans Herz zu legen!

1. Wanda – Amore

amore_wanda

Fazit: Es lässt das Kulturgut Austropop in der Moderne ankommen. Wanda sind so robust wie feinsinnig, so euphorisch wie wehmütig, so schlawineresk wie direkt. Mehr noch, Wanda sind die, die all der Heurigenseligkeit und dem ganzen Walzerflair ein Stückchen Wien abtrotzen, es wieder auf der Landkarte des Pop-Rock verorten. (Review)

VÖ: 17.10.2014 (Problembär Records)

2. Kasabian – 48:13

 Weiterlesen

Unsere Lieblingslieder 2014 – Ein Zwischenstand

Wir haben uns auch dieses Jahr die Ohren wund gehört und so manch Lied hat sich als Balsam für die Gehörgänge entpuppt. Und was wir erst alles (noch) nicht erlauscht und erfühlt haben, weil gut Ding halt Weile braucht und die Zeit ohnehin verrinnt! Nun also zwanzig in loser Unordnung zusammengetragene Songs, die mich und die derzeit schweigsamere Co-Bloggerin in den letzten 6 Monaten bewegt haben.

Andreas DorauReden wir von mir

Begründung: Dorau liefert mit dem famosen Reden wir von mir eine großartige Parodie auf die gegenwärtige Selbstbezogenheit und bewahrt sich dabei eine Naivität, die man einfach knuddeln möchte. (Kurzrezension) [Album: Aus der Bibliothèque / 17.01.2014 / Bureau B]

Mikko JoensuuLand of Darkness

Begründung: Da ich momentan noch zu enthusiasmiert bin, überlasse ich die Einschätzung der werten Eva-Maria vom Polarblog, wo ich auch auf dieses wunderbare Lied gestoßen bin. Sie konstatiert: “Der Track ist ein feines, krautrockig ausuferndes Meditationsstück, dass den üpppigen 70er-Synthiewelten von Vangelis nahesteht. Aber Mikko Joensuu wäre nicht er selbst, wenn der Track nicht in eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen wäre und der liebe Gott mit kindlichem Vertrauen angerufen würde.“ (Hörtipp) [EP: Land of Darkness / Lake of Fire / 07.03.2014 / Fullsteam]

 Weiterlesen