Polaroids einer amerikanischen Ikone – Lana Del Rey

Die großen Stars sind auch deshalb groß, weil sie ihr Schaffen nicht einfach als John Smith oder Hans Müller vortragen, vielmehr mittels eines Künstlernamens einzigartig und unterscheidbar werden. Superstars kreieren gar ein überdimensioniertes Bild von sich, eine riesige Projektionsfläche eben. Lana Del Rey etwa zeigt sich als unnahbare, retroeske Diva aus einer anderen Epoche. Sie bedient sich des tragischen Glamours der guten alten Zeit, lässt ein Amerika der Illusionen wiederauferstehen. Ihr Hochglanz scheint auf Polaroids gebannt, beruht keineswegs auf den perfekten Posen, erinnert an schappschüssige Einblicke in eine Ära, als amerikanische Ikonen geboren wurden. Soweit zum offensichtlichen Erfolgsgeheimnis Lana Del Reys. In ihren Liedtexten freilich kanalisiert sie die ewigen Sehnsüchte der Vorstadtprinzessinnen von Kalifornien bis New York. Hierin gibt sie die kulleräugige Unschuld vom Lande, aber auch die von Ruhm, Geld und Diamanten träumende Schlampe, die auf dem Weg nach oben keine Skrupel kennt. Sie schlüpft auf ihrer neuen Platte Ultraviolence in geradezu archetypische Rollen: Ob als dem Macker verfallenes Mädchen oder als Hippie-Braut, die auch einen Jack Kerouac auf seinen Streifzügen durch ein wildes Amerika begleiten hätte können, in ihren Liedern stecken Charaktere, die an eine Blanche DuBois aus Endstation Sehnsucht, Elizabeth Taylor oder den ewigen Mythos Lolita erinnern. In gewaltvollen, drogenverseuchten Beziehungen voll prekärem Verlangen wird eine meist ungesunde Lust am Leben abgebildet. Lana Del Rey verklärt sich zur Göttin, deren musikalische Inkarnationen in der Regel als gefallene Engel glänzen.

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Photo Credit: Neil Krug

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50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

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Unsere 75 Lieblingstracks 2012

Hier ist sie also nun, die Jahresbestenliste unser Lieblingssongs. Eine Momentaufnahme, zugegeben. Wenn wir am Ende des Jahres die persönlichen Favoriten Revue passieren lassen, dann stellen wir oft ganz verdutzt fest, welch zweifelslos prima Musik uns in jedem Jahr wieder durch die Lappen gegangen ist. Doch das Jahr hat eben nur 365 Tage, selbst wenn man jeden zweiten Tag ein neues Album für sich entdeckt, hat man gerade einmal 180 Alben gelauscht. Das ist nichts im Vergleich zur Fülle an Neuerscheinungen. Dazu kommen noch einzelne Tracks, die sich der geschäftige Blogger tagtäglich so anhört. Das ergibt in der Summe mindestens 3000 neue Tracks pro Jahr, gar nicht die gefühlten Millionen Tracks mitgerechnet, welchen man mit leidendem Augenaufschlag begegnet, die man bereits nach wenigen Sekunden auf Nimmerwiederhören verabschiedet. Von daher ist eine jede Bestenliste eines Blogs nur ein klitzekleiner Ausschnitt einer Gesamtwirklichkeit. Zugleich ist solch eine Zusammenstellung auch programmatisch zu verstehen, sie stellt den eigenen Geschmack zur Schau, grenzt sich ab. Wir machen nicht den Diener vor einer cleveren PR-Kampagne von Frank Ocean, finden Tame Impala schauerlich. Diese Liste will weder hip noch obskur und auch in keinster Weise vollständig sein. Sie soll unsere von Herzen kommenden Empfehlungen dieses Jahres nochmals unterstreichen. Mehr nicht.

Songliste2012

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Die neandertalerhafte Keule der Kritik – Lana Del Rey

Nimmt unsere mediale Destruktivität nicht oftmals pathologische Züge an? Wir jubeln hoch, stellen uns als winzige Mosaiksteinchen des Erfolgs zur Verfügung, nur um früher oder später den Trend, die Sache oder eine Person nach allen Regeln der Kunst desavouieren, mit Hohn und Häme zu übergießen. Die Medien bauen Idole auf, generieren Prominenz, gestehen Relevanz zu, ehe sie dann plötzlich mit großer Trotzigkeit und Selbstgefälligkeit die Keule der Kritik schwingen. Nur dann wird von neandertalerhaftem Verhalten abgelassen, wenn sich der Kult, der Star nach bestimmten Vorstellungen verbiegt. Vor mehr als einem halben Jahr beispielsweise war Lana Del Rey ein noch unbeschriebenes Blatt, welchem Blogger, Feuilleton und schließlich Massenmedien mit überwiegend wohlwollenden Worten begegneten. Nach jedem weiteren veröffentlichten Song wurde die Sängerin zur nächsten großen Hoffnung des Pop Mal für Mal eindringlicher hochstilisiert. Die Vehemenz, mit welcher sich so viele als Entdecker Lana Del Reys selbst auf die Schulter klopften, erstaunt ein bisschen. Nicht wenige fühlten sich als Väter des Erfolgs, die einem der unzähligen, namenlosen Talente zum Durchbruch verholfen haben. Zunächst Blogs und auf Trendigkeit spezialisierte Online-Musikmagazine, später die Radiohaudegen sowie überaus seriöse Musikjournalisten. Jedermann wollte einen gewichtigen Beitrag geleistet haben.

Photo Credit: Nicole Nodland

Doch allmählich kippte die Stimmung, vermutlich als ruchbar wurde, dass Lana Del Reys Debüt bei Universal erscheinen würde. Dann vermutete man Kalkül hinter dem rasanten Aufstieg, fühlte sich vor den Karren einer perfiden, weil nicht sofort als Werbefeldzug erkennbaren Kampagne gespannt. Dieser Tage nun erscheint Born To Die und all das frühere Lob ist manchmal dezenten Verächtlichkeiten gewichen. Würde man nun zum Vaterschaftstest bitten, lediglich die dem Massengeschmack verpflichteten Vertreter ihres Standes würden noch enthusiastisch die Hand heben. Der Rest übt sich in einer Kindesweglegung, welche sich auch – aber eben nicht nur – durch eine gewisse Enttäuschung erklären lässt. Und hier kommt der zugegeben menschliche Makel der Destruktivität ins Spiel, der ein Album auch deswegen abwertet, weil es die Gier nach Überraschungen nicht befriedigt. Weil es im Kern die bereits bekannten Songs auffährt, keine Handvoll an weiteren Sensationen im Köcher beherbergt.

Born To Die steht in der Tradition der allergrößten Pop-Platten. Weil es sich genau der Mittel bedient, die Pop erst groß gemacht haben. 5 Hits stehen beinahe ebenso viele gute Songs zur Seite, dazu noch 3 Lückenfüller, fertig ist die Scheibe. Pop-Alben hatten noch nie die Ambition durchgängig überirdischen Niveaus, Pop handelt berechtigterweise im Sinne des Kommerz und spart sich den einen oder anderen Kracher lieber für das nächste Album auf. Born To Die forciert schmachtende, aufgeplusterte Liebesballaden. Das war schon immer so, dies funktioniert auch gegenwärtig, wird auch in Zukunft Erfolgsgarant sein. Daran kann ich nichts Verwerfliches finden. Wann zierte das Genre denn jemals ein besonders ausgestaltetes Problembewusstsein, das sich Umweltschutz oder Kinderarbeit an die Fahnen geheftet hätte? Pop begleitet Gefühle, nie Ideale. Das Genre gebiert Stars, deren Image eine gewollte Künstlichkeit an den Tag legt, in den besten Fällen ein faszinierendes Image kreiert. So passt es ins Bild, dass Lana Del Rey eigentlich Elizabeth Grant heißt und sich mit ihrem gewählten Künstlernamen einen mondän-exotischen Glanz verleiht. Während sich manch Kollegin als futuristisches Chamäleon verdingt, fällt Del Rey auf die Vergangenheit zurück. Wenn sie ihre Musik als Hollywood Pop und Sad Core charakterisiert, sollte uns Hörer der ab und an biedere Glamour nicht überraschen. Da Pop, der erfolgreich sein möchte, auch immer ein gehöriges Maß an Modernität besitzen muss, wird manchem Streicher-Pomp früherer Zeiten noch ein Trip-Hop-Beat oder eine Rap-Einlage beigemengt.


Lana Del Rey – Video Games von universalmusicdeutschland

Man sollte die Ehrlichkeit dieses Werks bewundern – und es nicht als Verrat ansehen, dass aus einem Geheimtipp in Lichtgeschwindigkeit ein die Masse avisierender Popstar erwuchs. Der dramatische Gestus des Titelsongs Born To Die wirkt in Cinemascope gehalten, schwelgt und schwebt im Pathos, liefert zugleich das Rüstzeug für Krisenzeiten, indem es dem den Worten „Cause you and I, we were born to die“ ein „Try to have fun in the meantime“ beifügt. Fatalismus trifft auf Hunger nach Leben. Solche Attitüde wirkt nie auf ein Hinterzimmer beschränkt. Video Games wiederum ist eine musikgewordene Männerfantasie der sich verzehrenden, Hingabe praktizierenden Liebenden. Unschuldig vorgetragene Hymne, die all das impliziert, was heutzutage sonst gern mit einem offensiven Fuck me ausgedrückt wird. Rückwärtsgewandte Verklemmtheit oder Reiz des Unausgesprochenen? Ersteres, ohne Zweifel! Doch präsentiert sich Del Rey nicht als verhuschtes, kein Wässerchen trübendes Naivchen. Sie praktiziert nicht den auf Knien vollzogenen Purzelbaum in voremanipatorisch Zeiten. Dazu wirkt ein Song wie Blue Jeans im Vortrag zu dezidiert. Doch wo viele weibliche Popstars samt dazugehörigem Sex-Appeal jede Bühne sprengen, implodiert Lana Del Rey fast vor Begierde, ehe sich der Gefühlsschwall über den Hörer ergießt. Dann verströmen Zeilen wie „Now my life is sweet like cinnamon/ Like a fucking dream I’m living in“ ein emotionales Idyll, in das man allzu gerne eintaucht (Radio). Ihr Sentiment wird volllippig artikuliert, ganz große, stark feminine Gefühle ergießen sich in perfekt geformte, schwülstige wie kräftige Refrains.

In der Summe fällt nur ein Mangel tatsächlich ins Gewicht. Dass von den zuvor unveröffentlichten Titel lediglich Radio, und mit Abstrichen Dark Paradise sowie Summertime Sadness zu begeistern vermögen. Die aufgestaute Erwartungshaltung entlädt sich jetzt in Nörgelei, plötzlich kramt ein jeder Musikkritiker nach Schwächen, trampelt auf dem herum, was im Sommer 2011 noch als so großartig und neu gegolten hatte. Lana Del Rey wird nicht länger der Nimbus der Neuentdeckung zugestanden, man diffamiert sie als clever designtes Sternchen, auf welches man zunächst reingefallen ist. Doch rechtzeitig mit der Veröffentlichung von Born To Die scheint die Erfolgsformel durchschaut, es wird zum Halali geblasen. Der fade Beigeschmack der Rezeption bleibt – will so gar nicht zu diesem ausgesprochen guten Album passen.

Born To Die ist am 27.01.2012 auf Vertigo Berlin erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

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Eine kleine Albenvorschau für das erste Quartal 2012

Man muss ja Vorsicht walten lassen, wenn man von einer Albenvorschau für das erste Quartal 2012 spricht. Google schnappt diese Worte arglos auf und lotst versehentlich auch Lieschen Müller auf unseren Blog. Und da man sich seine Leser leider nicht aussuchen kann, werde ich auf Verdacht gaaanz laaangsam sprechen. Damit auch der durchschnittliche Internet-Surfer nicht nur Bahnhof versteht. Hier geht es nicht um Vollständigkeit, vielmehr wollen wir unserer Ansicht nach feine Bands und Künstler auflisten, die uns in den nächsten Monaten mit neuen Werken erfreuen. Solche Musiker, auf die man sich seit Jahr und Tag verlassen kann, zumindest aber bereits eine starke Platte im Talon haben. Was wäre Musik ohne die Vorfreude auf kommende Alben geschätzter Künstler. Unter diesem Aspekt verspricht uns das erste Quartal so manche Sternstunden!


The Big PinkFuture This VÖ (Deutschland): 13.01. 2012; Label: 4AD
Vorgeschmack:


The Maccabees  Given To The Wild VÖ (Deutschland): 20.01.2012; Label: Cooperative
Vorgeschmack:


Ani DiFrancoWhich Side Are You On? VÖ (Deutschland) 20.01.2012; Label: Righteous Babe Records


Lana Del ReyBorn To Die VÖ (Deutschland): 27.01.2012; Label: Vertigo Berlin
Vorgeschmack:


Leonard CohenOld Ideas VÖ (Deutschland): 27.01.2012; Label: Columbia
Vorgeschmack:


AIR  – Le Voyage Dans La Lune VÖ (Deutschland): 03.02.2012; Label: Virgin


Sharon Van Etten – Tramp VÖ (Deutschland): 10.02.2012; Label: Jagjaguwar
Vorgeschmack:
Kostenloser Download von Serpents


TindersticksThe Something Rain VÖ (Deutschland): 20.02.2012; Label: City Slang
Vorgeschmack:


Damien JuradoMaraqopa VÖ (Deutschland): 24.02.2012; Label: Secretly Canadian
Vorgeschmack:
„Nothing is the News“ by Damien Jurado by DOJAGSC


The Magnetic FieldsLove at the Bottom of the Sea VÖ (Deutschland): 05.03.2012; Label: Domino Records


Dirty ThreeToward The Low Sun VÖ (Deutschland): März 2012; Label: Bella Union

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Stippvisite 25/09/11 (Die Papst-Edition)

Ich habe mich die letzten 2 Wochen relativ wenig mit Musik beschäftigt. Außer zwei bis drei Alben lief vieles an mir vorbei. Die vergangenen Tage beispielsweise bin ich aufmerksam vorm Fernseher gesessen, um mit eigenen Ohren zu hören, wovon der Papst spricht. Unter anderem deshalb, weil ich der Meinungsmache der Medien nicht traue. Denn Benedikt XVI. könnte in deren Augen auf dieser Reise nur dann reüssieren, wenn er die von Journalisten und Parteien vehement vorgetrommelten Themen in Büßerhaltung ansprechen würde. Solange er sich in Sachen Ökumene realistisch gibt, wird ihm jeglicher gute Willen abgesprochen. Wenn er sich mit Missbrauchsopfern trifft, wird er von einem Opferverband als scheinheilig bezeichnet. Gerade so, als würde der Papst die Schuld der Kirche nur dann aufrichtig anerkennen, wenn er mit gewissen Sprachrohren des Verbandes zusammensäße. Eigentlich wird dem Papst seine Nähe zur Religion zum Verhängnis. Weil man Religion als Relikt vergangener Zeiten ansieht. Manchmal sogar als Gefahr für die Moderne. Und dabei vergisst, dass Fanatismus – und nicht der Glaube – die Wurzel vielen Übels ist. Der passionierte Kapitalismus führt uns gerade in den Abgrund, gottlose Diktaturen haben es vor Jahrzehnten versucht. Was macht denn nun ausgerechnet den Papst zur Persona non grata, die von taz und Die Zeit mit Kritik bombadiert wird? In einem Land der Dichter und Denker wird Benedikt XVI. gerade sein philosophischer Ansatz abgekreidet, obwohl tiefgründige Gedanken doch immer schwerer wiegen als billiger Aktionismus. Man muss den Papst wirklich nicht mögen, aber man sollte ihm zuhören. Und sei es nur, um die eigene Gegenposition unterfüttern zu können. Oder sogar den einen oder anderen inspirierten Gedanken mitzunehmen. Ich für meinen Teil lausche nach dem Ende des Papstbesuches wieder mehr der Musik. Auch weil sie die triste Realität einer hysterischen Gesellschaft ein Stück weit auszublenden vermag. Hier ein paar Empfehlungen, natürlich nicht nur selbst ausgebuddelt, auch wieder von geschätzten Blogs zusammengetragen.

Vorfreutipp:

Die Cowboy Junkies sind meine ewigen Lieblinge, auch wenn mich ihr Werk der letzten 10 Jahre nicht mehr ganz so vom Hocker schleuderte. Wie sich diese besondere Liebe manifestierte, hatte ich schon einmal ausführlich geschildert. Am 18.10.11 beglücken uns die Kanadier mit einer neuen Platte namens Sing In My Meadow. Vorab darf schon dem vorzüglichen Titelsong gelauscht werden. Denn dieser ist als kostenloser Download erhältlich. Im November führt eine Tour auch durch deutsche Gefilde. Viel Grund zur Vorfreude also.

Konzerttermine:

03.11.11 Hamburg – Fabrik
04.11.11 Hannover – Capitol
05.11.11 Berlin – Passionskirche

Dauerbrennertipp:

Matthew Sweet zählt zu denen, die schon ewig im Geschäft verbleiben und durchgängig solide Alben hervorbringen. Mit dem vor über zehn Jahren veröffentlichten Song Millennium Blues hat er sich nachhaltig mein Wohlwollen gesichert. Obschon das neue, in den USA am 27.09.11 erscheinende Album Modern Art abermals keinen Geniestreich darstellt, würde ich es ohne Zögern über das Gros der Veröffentlichungen stellen. Sweets Alternative Rock schert sich wenig um neue Trends, wirkt von der Sonne ausgebleicht. Und das meine ich als Kompliment. Der wirklich gute Track Late Nights With The Power Pop ist bei dem interessanten Blog Muruch als kostenloser Download verfügbar. Das Album ist auf dem amerikanischen Rolling Stone als Stream zu erlauschen.

Newcomertipp:

Bereits vor 2 Monaten hatte ich Lana Del Rey als eine Blog auf, Blog ab völlig zurecht gefeierte Entdeckung dem werten Leser vorgestellt. Der Song Video Games ist schlicht weg atemberaubend, für mich einer der besten 10 Titel des Jahres. Der Track Blue Jeans steht diesem um fast nichts nach. Im November kommt Lana Del Rey nach Deutschland, man darf gespannt sein, welche Lieder sie sonst noch im Köcher hat.

Kozerttermine:

12.11.11 Köln – Gebäude 9
14.11.11 Berlin – Roter Salon

Synthietipp:

Beim hochgeschätzen Blog Coast Is Clear werde ich immer fündig. Kaum eine Woche, in der der werte Kollege mir nicht Unbekanntes nahe – mitunter sehr, sehr nahe – bringt. So auch dieses Mal. Die dänische Formation Tiger Baby hantiert mit Synthie-Pop samt heiter gehauchtem Gesang. Das neue Album Open Windows Open Hills entstammt der feine Track Landscapes, der zumindest in meinem Ohren angenehmst wurmt. Anhören!

Tiger Baby – Landscapes by Tiger Baby

Das soll es für heute auch schon gewesen sein. Demnächst gibt es weitere Empfehlungen. Garantiert.

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Stippvisite 24/07/11

Es gibt Tage, an denen ich das Internet verwünsche. Weil sich viele Leute klugscheißernd auf Nachrichten stürzen und ihre beschränkte, eitle Sicht der Dinge ungefragt ausplappern. Wundern wir uns wirklich, dass Stars vor die Hunde gehen, wenn eine unbarmherzige Presse jeden prominenten Fauxpas ins gierige Maul der Öffentlichkeit stopft. Freilich, es liegt in der Selbstverantwortung des Einzelnen, ein erfülltes Leben zu führen. Aus dieser Verpflichtung kann sich niemand stehlen, aber man muss VIPs die Bürde nicht zusätzlich beschweren, indem man ihr Privatleben durch den Kakao ungezählter Kameras zieht. Wir haben den Blick zu senken verlernt, sobald ein Star Spielball des Boulevards wird. Stattdessen erachten wir die übertriebene Selbstdarstellung Prominenter als erheiternde Begleiterscheinung des Erfolgs. Amy Winehouse ist tot und Twitteranten seufzen, besserwissern oder geben die Betroffenheit in Person. Tragödien sind eben die Würze unserer Existenz, solange sie uns nicht selbst widerfahren. Das Leben freilich, es schlendert weiter. Lässt nur diese tolle Stimme zurück. Sehen wir uns auch heute wieder nach guter Musik um, blicken wir vorwärts, um das Unglück von gestern zu vergessen.

Vorfreutipp:

Doch einige Bands bringen unsere Herzen zum Zwitschern, aber nur wenige lassen es dauernhaft tirilieren. Ladytron beispielsweise enthusiasmieren die werte Co-Bloggerin gern und gerner. Sie befindet sich in der privilegierten Lage, das neue Album Gravity The Seducer bereits rauf und runter hören zu dürfen. Ich für meinen Teil räume im konkreten Falle ein, dass der von mir selten geliebte Electropop durchaus seine schönen (Retro-)Seiten präsentiert. Die neue Scheibe wird sich am 09.09.11 in gut sortierten Regalen finden. Ein erstes prickelndes Techtelmechtel erlauben drei vorab zu erlauschende Tracks. Ambulances beispielsweise schafft es beinahe, mich mit den Achtzigern zu versöhnen.

Ladytron – Selections from ‚Gravity The Seducer‘ by nettwerkmusicgroup

Entdeckertipp:

Vermutlich hat es sich bereits im gesamten Blogger-Dorf herumgesprochen – doch verirrte sich die Stille Post erst jetzt an mein Ohr. Lana Del Rey heißt die neueste Entdeckung, die mir Julian von Die Kopfhoerer zugeraunt hat. Die werte Sängerin ist die personifizierte verführerische Traurigkeit. Wer den Clip zu ihrer Ballade Video Games gesehen hat, wird davon Zeugnis geben. Der für Herbst angekündigte, vier Titel umfassende EP darf mit verweinten Augen entgegen geschmachtet werden. Die von der Sängerin gewählte Genre-Bezeichnung Hollywood Sad Core spricht für sich, ist beileibe keine Übertreibung.

Albumtipp:

Photo Credit: Cory Smith

Wir haben bereits vor gut einem Jahr über die aus London stammende Formation Still Corners beifällige Worte verloren. Ob diese das renommierte Label Sub Pop veranlasst haben, Still Corners unter ihre Fittiche zu nehmen, das entzieht sich allerdings unserer Kenntnis. Jedenfalls freuen wir uns auf die am 14.10.11 erscheinende Platte Creatures of an Hour. Sängerin Tessa Murray besäuselt die erste Single Cuckoo absolut famos. (via Coast Is Clear mit Dank für die Gedächtnisstütze)

Hier gibt es Cuckoo gegen E-Mail-Registrierung kostenlos:

Labeltipp:

Asthmatic Kitty Records fällt zweifelsohne in die Kategorie der kleinen wie feinen Labels, welche man guten Gewissens im Auge behalten sollte. Zwei neue Veröffentlichung stehen im Herbst an: Roberts & Lord mit Eponymous sowie My Brightest Diamond, das Projekt der sehr geschätzten Singer-Songwriterin Shara Worden, mit All Things Will Unwind. Während Roberts & Lord den Vorboten windmill voll eingängiger Schrägheit präsentieren und damit Neugier wecken, bietet My Brightest Diamond mit Reaching Through to the Other Side einen Song auf, der Schönheit und Angestrengtheit kombiniert. Ein Lied, welches mich als Hörer lockt, um mir prompt die kalte Schulter zu zeigen.

Roberts & Lord, „windmill“ by asthmatickitty

Reaching Through to the Other Side by My Brightest Diamond

Den kostenlosen Download dieses Songs gibt es auf MAGNET Magazine.

Das soll es für heute auch wieder gewesen sein. Demnächst natürlich wieder mehr.

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