Schatzkästchen 75: Malky – Lampedusa

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Photo Credit: Max Parovsky

Musik kann die gegenwärtigen Probleme auf der Welt nicht lösen. Musik vermag uns allerdings sehr wohl ein bisschen glücklicher, optimistischer zu machen. Und dazu muss sie gar nicht mal weltflüchtig sein. Dem Duo Malky etwa ist mit Lampedusa ein sehr zärtliches Lied geglückt, das als Singer-Songwriter-Folk beginnt und sich in der Folge zu Pop mit viel Seele entwickelt. Der Sänger Daniel Stoyanov kam selbst als Kind von Bulgarien nach Deutschland, er ist somit durchaus dazu prädestiniert, sich dem Thema Migration anzunehmen. Und dies macht er sehr unaufgeregt, in schönen, hoffenden Bildern. Darüber hinaus hat sich Stoyanov viele Gedanken über die derzeit verbreitete Panik gegenüber Zuwanderung gemacht. Ist zur Erkenntnis gekommen, dass die oft beschworene gemeinsame Anstrengung wirklich keine Phrase sein kann, dass auch jene, die eigentlich gegen die Fremden sind, Integration stemmen müssen – und werden. Den die Motivation zu diesem Song erklärenden Facebook-Post sollte man sich genau durchlesen.

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Release Gestöber 56 (Malky, She Keeps Bees, Calypso Craze)

Malky

Gegen intensiven Soul-Pop und retroesken R&B mit dem einen oder anderen an Moby erinnernden Einschlag ist wirklich nichts einzuwenden. Man würde das Duo Malky allerdings nicht unbedingt in Leipzig ansiedeln. Aber vielleicht muss ein alle Fettnäpfchen umgehender Soul gerade aus dem unvermutetsten Winkel kommen. Denn Soul und R&B sind dieser Tage vielfach glatt und trivial produziert, mit überkitschter Emotion und überkandideltem Geträller unterfüttert. Das Album Soon fällt dagegen angenehm tiefgründig aus, kennt keinerlei Effekthascherei. Wo besagte Genres gerne vor billigem Glitzerstein-Bling-Bling nur so funkeln und blinken, behängen Malky ihre Songs mit Samt und Seide. Soon gefällt als edle Platte, die der sanften, versunkenen Stimme Daniel Stoyanovs einen geschmeidigen Sound aus dezenten Streichern und Bläsern sowie eine warme Orgel und jeder Menge Motown-Seligkeit zur Seite stellt. Als ein Highlight des Werks kristallisiert sich der Titeltrack Soon heraus, der wie eingangs bereits erwähnt an introspektive, verträumtere Songs von Moby erinnert. Showdown wiederum verkehrt sich ins Gegenteil, überzeugt als rhythmisch starkes, schmissiges Lied, das im Refrain Feuer fängt. So sieht gediegene Radiofreundlichkeit aus. Das folgende Diamonds trägt eine ordentliche Portion soulige, balladeske Wehmut auf. Mit diesen drei Titeln stecken Malky ihr Metier ab. In der Folge ist es etwa das durchaus inbrünstig intonierte, im Eifer des Gefechts auch mal in ein schönes Krächzen verfallende Trouble, das zu imponieren weiß. Das schleppende, aus tiefster Seele glühende Babylon Tree beschert ebenso Gänsehaut. In Deutschland produzierter Soul hat mit wenigen Ausnahmen einen klebrigen Betroffenheitscharakter oder wirkt so billig, als wäre er für Casting-Shows ersonnen worden. Malky hingegen bescheren uns integre, stimmige wie gefinkelte Arrangements. Einmal mehr bei Beautiful Vacation, welches samt pulsierendem Beat in eine zärtliche Sehnsucht entschwebt. Spätestens mit diesem Song haben sich die Herren Stoyanov und Michael Vajna als stimmungsvolle Zauberer erwiesen. Wenn es mehr Alben wie Soon gäbe, würde ich auf meine Tage auch noch zum Soul-Fetischisten mutieren. Anhören und entdecken, unbedingt!

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