Schlagwort-Archive: Manic Street Preachers

Schatzkästchen 64: Manic Street Preachers – Together Stronger (C’mon Wales)

Fußballhymnen, da müssen wir nicht drüber diskutieren, sind überwiegend nur mit einem gewissen Alkoholpegel zu ertragen. Warum der Fußball sich so oft mit Tussis aus dem Pop oder Fuzzis des Schlagers zusammentut, bleibt ein ewiges Geheimnis. So wird ja der deutsche WM-Triumph 2014 bis heute davon überschattet, dass auf der Siegesfeier Helene Fischer durch die Landschaft hopste. Mit dem mit Makel behafteten Geschmack der breiten Masse sind mickrige Fußballlieder nicht völlig zu erklären, denn es gäbe genug erstklassige Musiker, die auch die Charts anführen. Das kleine, kleine Wales jedenfalls geht mit gutem Beispiel voran! Die großen Manic Street Preachers haben ihrer Heimat mit Together Stronger (C’mon Wales) einen WM-Song spendiert, dessen Refrain sich nicht erst nach einigen Pints zum Mitsingen eignet. Die Hymne lässt das knappe Scheitern in vergangenen EM-Qualifikationen Revue passieren, Fernsehkommentare früherer Tage vermitteln einstige Enttäuschungen. Gerade aus solch herzzerreißender Erinnerung erwächst aber eine ausgesprochen liebenswerte Euphorie über die erstmalige Teilnahme an einer Europameisterschaft. Der Song gerät zu einer rührenden Liebeserklärung ans Team rund um seinen Superstar Gareth Bale. Together Stronger (C’mon Wales) wirkt so selbstverständlich eingängig und sympathisch, dass man sich am Kopf kratzt und darüber wundert, warum nicht mehr Länder ihren Teams eine tolle Hymne spendieren. Die Antwort ist einfach. Schatzkästchen 64: Manic Street Preachers – Together Stronger (C’mon Wales) weiterlesen

Release Gestöber 53 (Isolation Berlin, Manic Street Preachers, Späti Palace)

In unserer heutigen Ausgabe des Release Gestöbers soll sich zur Abwechslung mal alles um Berlin drehen…

Isolation Berlin

Musiker sind oftmals keine Literaten, nur wenigen klebt die Poesie an den Händen, wenn sie so an ihren Liedtexten feilen. Das erscheint mir auch nicht weiter schlimm, schließlich ist ihr Metier zunächst vor allem die Melodie. Wenn nun eine Presseankündigung einer deutschen Band attestiert, sie erinnere in Lyrik und Gesangsstil an das späte Werk von Ton Steine Scherben sowie an Element of Crime und Tocotronic, dann möchte man sogleich entgeistert fragen, ob es denn nicht eine winzige Nummer kleiner geht. Die genannten Referenzbands haben nämlich keinen unwesentlichen Anteil daran, dass deutsche Liedtexte in der Vergangenheit nicht länger verhohnepiepelt wurden. Die Berliner Formation Isolation Berlin will anscheinend nicht an den Legionen durchschnittlicher Indie-Pop-Rock-Bands gemessen werden, welche in den letzten zehn Jahren zwischen Flensburg und Rosenheim aus dem Boden geschossen sind. Und wie ich jetzt so der dieser Tage erschienenen EP Aquarium lausche, bin ich gerne gewillt, dieser Einschätzung zuzustimmen. Isolation Berlin zeigen Formen einer textlichen Nachdenklichkeit, die weit über den standardisierten Baukastensatz an Emotionen hinausgeht. Alles grau etwa entwickelt eine Euphorie in der Depression, mit Zeilen wie „Ich hab endlich keine Träume mehr/ Ich hab endlich keine Freunde mehr/ Hab endlich keine Emotionen mehr/ Ich hab keine Angst vorm Sterben mehr„. All die Monotonie der Tristesse scheint den Grundstein zur Überwindung von Ängsten zu legen, die musikalische Mixtur aus NDW-Versatzstücken und Indie-Rock tut ihr Übriges. Der Titelsong Aquarium dagegen imponiert durch augenzwinkernden Pop, findet im Besuch eines Aquariums das Vergessen von Liebeskummer („Immer wenn ich einsam bin/ Geh ich ins Aquarium/ Und besuch die Goldfischkönigin/ Im grünen Glas seh ich mein Gesicht/ Die Fische schauen trostloser als ich/ Ich lieb die Kühle und das fahle Licht/ Und denke schon fast gar nicht mehr an Dich/ Ich denke schon fast gar nicht mehr an Dich„). Release Gestöber 53 (Isolation Berlin, Manic Street Preachers, Späti Palace) weiterlesen

Die 10 Neuerscheinungen der nächsten 3 Monate

In Würde junggebliebene Ü30-Musikfans beiderlei Geschlechts dürfen sich in den nächsten 3 Monaten die Hände reiben. Es gibt 10 Neuerscheinungen von nicht eben unbekannten Bands und Musikern zu vermelden. All die Künstler sind keine Backfische mehr, dürfen auf mehrjährige – mitunter sogar mehrdekadige – Karrieren zurückblicken. All diesen Alben ist der Umstand gemein, dass man sie mit zur Schau getragenem Stolz im Plattenregal zuvorderst drapieren kann. Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht, ein paar Infos über diese Pflichtkäufe zusammenzutragen.

Pet Shop BoysElectric (VÖ: 12.07.2013 / x2)

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Tracklist:

1. Axis
2. Bolshy
3. Love Is A Bourgeois Construct
4. Fluorescent
5. Inside A dream
6. The Last To Die
7. Shouting In The Evening
8. Thursday (featuring Example)
9. Vocal

White LiesBig TV (VÖ: 09.08.2013 / Universal)

bigtv

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DifferentStars Lieblingslieder 2009

Doves – Kingdom Of Rust

White Lies – To Lose My Life

Ladytron – Tomorrow

Soulsavers – You Will Miss Me When I Burn

Hope Sandoval & the Warm Inventions – Trouble

Röyksopp Feat Robyn – The Girl And The Robot

The Girl And The Robot from Röyksopp on Vimeo.

Great Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast

The Sons – Welcome Home Again

Placebo – Kings of Medicine

Manic Street Preachers – William’s Last Words
(leider kein gutes Video gefunden)

The Alexandria Quartet – Goodbye, Future Boy
The Alexandria Quartet – live @ Magnet Club Berlin

DifferentStars | MySpace Video

Alessi’s Ark – Magic Weather

Papercuts – John Brown

Kasabian – Fire

Kasabian – Fire from Kasabian on Vimeo.

Paolo Nutini – Candy

Paolo Nutini – Candy from Nikke Osterback on Vimeo.

Metric – Help I’m Alive

Florence + the Machine – You’ve Got the Love

Die Liste ist zugegeben so durcheinander wie auch mein Musikgeschmack, ganz bewusst keine Top Ten, denn wie lieb ich ein Lied gerade habe, hängt auch immer von meiner momentanen Laune ab. Wobei die Doves mit Kingdom Of Rust und die Soulsavers mit You Will Miss Me When I Burn ganz besondere Meisterwerke geschaffen haben und Hope Sandoval schwebt eh über allem. Und jetzt nicht ankommen und klugscheißen, dass Soulsavers Lied sei nur ein Cover, ist mir bekannt…

Fast vergessen, also last but not least:

Timo Breker – Julia da es kein gutes Video gibt, hier stattdessen: Ocean Song

DifferentStars

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Free Mp3: Patrick Wolf’s Love Letter To Richey Remix

Journal For Plague Lovers ist eines meiner Lieblingsalben 2009, regelmäßigen Lesern unseres Blogs wird dies nicht verborgen geblieben sein, für alle Neuhinzugekommenen: Meine Review findet ihr hier:

Nichts ist unanständiger als ein verwundetes Herz.

Des Wahnsinns fette Beute kommt heute via RCRDLBL – dort gibt’s jetzt einen Remix von Patrick Wolf als Gratis-Download. Der Track ist Teil des Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers Remixes Album. Den ein oder anderen Remix haben die Manics schon in den vergangenen Monaten als kostenlosen Download veröffentlicht.

Free Mp3s:

Manic Street PreachersThis Joke Sport Severed (Patrick Wolf’s Love Letter To Richey Remix) (Download-Link)

Manic Street PreachersVirginia State Epileptic Colony (Fuck Buttons Remix)“ (Download-Link)

Manic Street PreachersDoors Closing Slowly (The Horrors Remix) (Download-Link)

Manic Street PreachersBag Lady (Jonathan Krisp Remix) (Download-Link)

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Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers Remixes
VÖ: 15.09.09
Label: SonyBmg
Tracklist:
Andrew Weatherall – Peeled Apples
British Sea Power – Me And Stephen Hawking
Four Tet – Pretension/Repulsion
Patrick Wolf – This Joke Sport Severed
The Pariahs – She Bathed Herself In A Bath Of Bleach
Optimo (Espacio) – Journal For Plague Lovers
Saint Etienne – Jackie Collins Existential Question Time
New Young Pony Club – Marlon JD
Adem – Facing Page Top Left
Errors – All Is Vanity
Fuck Buttons – Virginia State Epileptic Colony
Jonathan Krisp – Bag Lady
The Horrors – Doors Closing Slowly
Underworld – William’s Last Words

Link: Homepage

Viel Spaß damit!

DifferentStars

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)

Free Mixtape: UK Sounds & Indie Rock

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Meine Lieblingskassette von tapedeck.org sieht anders aus… nur britische Musik klingt selten wirklich happy… daher werd‘ ich mir das Bild für ein späteres Mixtape aufheben. Tapedeck.org hat sich zur Aufgabe gemacht, die alten Audiokassetten in allen Farben und Formen in Erinnerung zu rufen und bietet eine schön-skurille Bildergalerie. Vorbei schauen lohnt sich auf jeden Fall.

Ich wiederum sammle fleißig kostenlose Mp3s, um die Tipps dann an euch weiterzugeben. Da ich immer noch in meiner „klingt britisch und ist es vielleicht auch„-Laune bin, hab ich mal die besten Mp3s der ersten Jahreshälfte (die noch online sind) zusammengestellt.

DovesBirds Flew Backwards (Alternative Version) (Download Link)

ElbowForget Myself (Download Link)

Mp3: Ian ArcherBoy Boy Boy

Manic Street PreachersBag Lady (Download Link)

Peter DohertyNew Love Grows On Trees (Download Link)

Mp3: MokeHere Comes The Summer

Mp3: The Alexandria QuartetThe Dark Side Of The Blues

Mp3: The HorrorsSea Within a Sea

Light In Your LifeSmile That Smile (zip)

The MaccabeesNo Kind Words (Download Link)

The VeilsThree Sisters (Download Link)

Mp3: White LiesDeath

The RakesThe Loneliness Of The Outdoor Smoker (Download Link)


We Are The StormWhere we used to be Heroes

(Download Link)

Viel Spaß damit!

DifferentStars

Musikalischer Quartalsbericht 2009 (II)

Nun sind also April, Mai und Juni ins Land gegangen und unter das zweite Quartal des Jahres 2009 darf ein dicker Schlussstrich gezogen werden. Was bleibt sind eine erkleckliche Anzahl an denkwürdigen Liedern und Alben. Ich glaube vermelden zu dürfen, dass viele kleine und große Meisterwerke in diesem Frühling erblüht sind. Werfen wir einen kurzen Blick zurück und schnuppern noch mal ausgiebig an den prächtigsten Blüten.

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Die Eels vermochten mit Hombre Lobo ein einzigartiges Album zu erschaffen, dessen Intensität und Virtuosität alles in den Schatten stellte. Diese Scheibe wird noch die Hirne nachdenklicher Menschen beackern, wenn all die Kritikerlieblinge wie St. VincentActor ist eine unsägliche, pseudo-experimentelle Zumutung – längst schon mit der wohlverdienten Vergessenheit geschlagen sind. Die seichten Befunde der Kritikerzunft zu Hombre Lobo waren schlichtweg ärgerlich – oder im Falle Pitchforks einfach lächerlich. Eine weitere chronisch unterschätzte Truppe lieferte mit Journal For Plague Lovers eine rundum gelungene Sensation ab. Die Manic Street Preachers haben Substanz – ein Fremdwort heutzutage. Während man in dem Falle durchaus von einer Rückbesinnung auf alte Stärken sprechen konnte, brachen Placebo mit alten Gewohnheiten und zu neuen Ufern auf. Battle For The Sun wird wohl nicht zum besten Album der Band gewählt werden, eine Bereicherung freilich stellt es jedoch zweifelsohne dar. Und wenn wir gerade über Acts von der Insel schwärmen, sei auch nochmals Kingdom Of Rust der Doves positiv hervorgehoben und auf Kasabian nicht vergessen.

Auch Singer-Songwriter setzten gewichtige Akzente. John Vanderslice verstaute auf Romanian Names die phänomenale Ballade Too Much Time. Brett Dennens endlich auch in Deutschland erschienenes Hope For The Hopeless schenkte Hörvergnügen ohne Ende, dagegen wirkt ein Conor Oberst ganz schön alt. Der Schotte Paolo Nutini beschenkte uns mit Sunny Side Up – ein durch und durch kurzweiliges, unterhaltsames Album. Unverzeihlich freilich wäre es, in diesem Zusammenhang die Great Lake Swimmers und ihr absolut geniales Lost Channels unter den Tisch fallen zu lassen.

Aus deutschen Gefilden vermag ich in den letzten Monaten nicht allzu viele Lichtblicke zu zählen. Cargo City empfahl sich mit on.off.on.off. als Versprechen für die Zukunft. Highlight freilich blieb Lars Rudolphs Projekt Mariahilff, dass in jeglicher Hinsicht – vor allem aber textlich – zum Besten zählt, was seit langer Zeit in Deutschland verbrochen wurde.

Kommen wir nun zu den Kleinoden, deren verkaufte Exemplare sich wohl in überschaubaren Größenordnungen bewegen. Die Flare Acoustic Arts League offerierte mit Cut hochgradig intelligentes, oft augenzwinkerndes, aber immer unterhaltsames Songwriting. Viarosa rockten derart famos auf Send For The Sea, dass man sich nur wundern kann, warum sie die Nick-Cave-Fetischisten nicht mit offenen Armen empfingen. Yppah enttäuschte mich ebenfalls nicht und konnte mit dem Electronica-Album They Know What Ghost Know einen wahren Volltreffer landen. Stell dir vor, da geigt einer auf – und fast niemand merkt dies. Trespassers William beackterten auch 2009 das Metier Shoegaze und veröffentlichten The Natural Order Of Things – eine nette Scheibe, die nicht ganz das Niveau früherer Werke hält, aber dennoch sehr hörenswert ist.

Zu guter Letzt sei nochmals an The Alexandria Quartet erinnert, deren Debüt wir auf diesem Blog viel Tribut gezollt haben. Vermutlich schon bald dürfen wir uns dafür auf die eigenen Schultern klopfen und mit Selbstlob überschütten. Keine Frage, diese Norweger werden eine Karriere aufs Parkett legen – die Musik ist so toll, da steppt jedweder Elch dazu.

Verweilen wir einen Moment bei den weniger perfekten Fabrikaten aus den weltweiten Plattenschmieden. Grizzly Bear und die CD Veckatimest sind nettes Mittelmaß und werden völlig ohne triftigen Grund über den Klee gelobt. Gediegene Langeweile ist meines Erachtens noch nicht zur Kunstform erhoben. Green Day und der Rebellions-Rock mögen simple Parolen für die schweißgetränkte Meute in ausverkauften Stadien auf Lager haben, musikalische Relevanz darf sich davon nicht ableiten lassen. Ärgsten Feinden sollte man die Schenkung des Album von La Roux erwägen – und weil diesen Gedanken bereits viele Menschen hatten, erklären sich auch die vorzeigbaren Verkaufszahlen.

Doch schwelgen wir lieber in schönen Erinnerungen. Die unzähligen Duftmarken hinterließen einen bleibenden Flair in unserem CD-Regal. Hoffentlich tat die eine oder andere Scheibe dies auch in den Sammlungen unserer geneigten Leser.

SomeVapourTrails

Nichts ist unanständiger als ein verwundetes Herz

manic street preachers

Foto: Dean Chalkley

Dem neuesten Album der Manic Street Preachers Journal For Plague Lovers wohnt eine zarte verwundete Seele inne – nach außen reflektiert wird diese vom Coverbild der Malerin Jenny Saville. Jüngst befanden mehrere Supermarktketten, dieses sei zu unanständig für ihre Kundschaft und weigerten sich die CD ohne Schutzhülle in die Regale zu stellen. Während überall pralle Titten und Waffen pranken, haben verwundete Seelen keinen Platz.

Aus dieser Welt verschwunden ist Richey Edwards am 1. Februar 1995. Lange haben die verbliebenen Bandmitglieder James Dean Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore über den vermuteten Selbstmord ihres früheren Bandmitglieds geschwiegen. Im vergangenen Jahr wurde Richey Edwards offiziell für tot erklärt. Mit ihrem 9. Studioalbum nehmen die verbliebenen Manics nun Richey erneut in ihrer  Mitte auf und treten sein Erbe an. Die Lyrics für Journal For The Plague Lovers basieren ausschließlich auf bisher unveröffentlichten Texten, die Richey hinterlassen hat. Das letzte Album, an dem Richey mitwirkte, war The Holy Bible, dessen Coverbild ebenfalls ein Gemälde von Jenny Saville zierte.

Der Kreis schließt sich also symbolträchtig? Ist Journal For The Plague Lovers der legitime Nachfolger und Anschlussalbum an The Holy Bible? Musikgeschichtlich kommt man an diesem Kontext nicht vorbei. Dennoch droht das zarte Werk genau in der Rezeption dieses starren Korsett des Konzeptalbums zu ersticken.

Was aber wäre, wenn die Manic Street Preachers eine Band ohne Geschichte wären? Wenn Journal For The Plague Lovers nur für sich stünde? Werfen wir alles andere mal beiseite und hören nur zu…

Die Antwort ist verblüffend einfach: Journal For The Plague Lovers ist ein phantastisches, zerbrechliches Singer-Songwriter Werk im Gewand eines Rockalbums.

Die raue Schale schält sich Stück für Stück ab. Nichts ist hier Zufall – kunstvoll jeder Ton, jedes Wort zu einem filigranen Mosaik zusammen gesetzt. Peeled Apples, der energetische und rockige Opener, beginnt, was leise und still mit William’s Last Words endet – um dann nach Momenten der Stille wieder aufzubrechen. (Bag Lady, Hidden Track).

Zu Beginn geben uns die Manics eine Warnung mit auf den Weg: „You know so little about me. What if I turn into a werewolf or something?“ Nichts ist, wie es auf den erste Blick, auf das erste Hören scheinen mag. Wer das Booklet mit den Lyrics außer Acht lässt, wird die Songs nicht verstehen können, wird mitwippen, ohne die beißende Ironie zu verstehen. Arglos sein, wenn denen, die hinhören eiskalte Schauer über den Rücken laufen. Die Manic Street Preachers verstehen es wie kaum jemand anderes, Trauer und Sehnsucht so fern jeglicher Depression auszudrücken. Immer ist es auch eine gehöre Portion Wut und Kampfeslust, die die Emotionen nach vorne treibt, gepaart mit Lebenslust und Freude.

Von all ihren Alben ist Journal For Plague Lovers sicher das zarteste, zerbrechlichste und intimste. Den Pop-Bombast-Kitsch von Send Away The Tigers haben sie zum Glück über Board geworfen. Größe beweisen sie auch, indem sie sich gegenseitig Raum zur Entfaltung geben, so überlässt James Dean Bradfield seinem Kollegen Nicky Wire bei der Ballade William’s Last Words das Mikro. Mein persönliches Highlight des Albums, traurig und tröstlich zu gleich – vor allem eines: Poetisch!

Fazit: Ich hab einigermaßen gebangt, vor dem ersten Hören. Zu groß war meine Angst, enttäuscht zu werden. Bis dato ist This Is My Truth Tell Me Yours eines meiner Lieblingsalben – generell, aller Zeiten und für immer. Send Away The Tigers versank sehr im Pop-Sumpf und brachte nur noch wenige gute Songs hervor. Die von verschiedenen Medienvertretern angekündigte Rückwärtsreise zu alten Zeiten hat sich nicht bewahrheitet. Journal For The Plague Lovers ist ein großer Schritt nach vorne und ein rundum überzeugendes Album, ohne Ausfälle, dafür mit vielen Highlights.

Wer dieses Album nicht liebt, dem ist nicht mehr zu helfen, dessen Musikgeschmack unrettbar verloren. Selbst der gnädge Herr SomeVapourTrails, sonst für britischen Rock nur in Ausnahmefällen empfänglich, kam nicht umhin anzuerkennen, ein Meisterwerk vor sich zu haben.

album-200

Manic Street Preachers
Journal For Plague Lovers
VÖ: 15.5.2009
Label: SonyBmg

Tracklist:

Peeled Apples
Jackie Collins Existential Question Time
Me and Stephen Hawking
This Joke Sport Severed
Journal For Plague Lovers
She Bathed Herself In A Bath Of Bleach
Facing Page: Top Left
Marlon J.D.
Doors Closing Slowly
All Is Vanity
Pretension/Repulsion
Virginia State Epileptic Colony
William’s Last Words

Komplett anhören könnt ihr  das Album hier.

Links: Offizielle Homepage, Myspace

DifferentStars

Manic Street Preachers – Peeled Apples

Update: Für alle, die gerne das Radio Interview mit Nicky Wire hören wollen:

Peeled Apples + Radio Interview mit Nicky Wire

http://www.youtube.com/watch?v=n1xan7OO_DU

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Auch ich war sehr neugierig und fluchte mal wieder, dass auf Grund von Länderbeschränkungen mir das Hören des BBC Radios verwehrt blieb. Irgendwann werden auch die Musikindustrie-Heinis begreifen, das WWW von WorldWideWeb kommt. Dafür gibt’s dann Youtube… kann gut sein, dass dieses Video wieder gelöscht wird… dann läd ein anderer Fan ein neues hoch… ihr wisst sicher alle, wie die Suchfunktion auf Youtube funktioniert 😀

Gestern Abend lief der erste Track vom neuen Manic Street Preachers Album Journal for Plague Lovers über den Äther und feierte Premiere in Zane Lowe’s Radio 1 Show. Dieser kürte es  gleich zur Hottest Record… passiert aber nicht nur einmal im Jahr – die Doves sind zur Zeit auch ganz hot 😉 Peeled Apples rockt sehr…und gefällt mir ganz ausgezeichnet.

Fighting talk from one of the UK’s most established bands, peeled apples is album opener from an excitably heavy record that’s features lyrics entirely penned by Richy and is entirely produced by Albini.
They didn’t need to come out this rough especially after the success of the last album but the fact that they have makes them unmistakable Manic Street Preachers.

(Quelle: Zack Lowe Blog).

Mehr über das Album habe ich hier geschrieben.

DifferentStars

PS: Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Manic Street Preachers den gleichen Weg wie Placebo gehen und nach der Radiosendung den Track als kostenlosen Download anbieten. Ist aber leider nicht so – im Netz zu finden sind nur Radio Rips… Aber was nicht ist, kann ja noch werden – kommt bestimmt noch was Feines in den nächsten Wochen.