50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

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Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Lie In The Sound präsentiert: Die 10 besten Alben des Jahres

Heute wollen wir unser geschmackssicheres Füllhorn ausgießen und nach langem Grübeln die 10 besten Alben des Jahres kundtun. Wir haben das ganze Jahr über viele wirklich gute Platten erlauscht und manchmal auch besprochen, mit Sicherheit versteckten sich leider auch viele feine Werk im Gewimmel der Veröffentlichungstermine. Alben sind wie Menschen, die wirklich penetranten, aufdringlichen, anmaßend jovialen bekommen weit mehr Aufmerksamkeit, während die bescheidenen wie begabten Geister im Hintergrund bleiben. Unsere Taschenlampe jedoch leuchtet besonders die hintersten Winkel der Musikszene aus, überschweifen dabei jene, die sich allzu beharrlich Indie auf die Stirn tätowiert haben. Aber sogar manch Rabauke oder bärbeißige Zeitgenosse aus der ersten Reihe verdient Anerkennung, fährt gegenüber geschniegelten Mainstream-Fratzen die Ellbogen aus. Wir hören sie alle, erhören nur einige. Die Welt mag gaga sein, wir sind es jedoch nicht, so erklärt sich unsere Selektion.

1. Her Name is Calla – The Quiet Lamb

Und eben jene Vielschichtigkeit spottet jeder Beschreibung, macht mich ratlos, mit welchen Worten ich empfehlen soll, was doch für sich selbst spricht, wenn man nur das Wagnis eingeht, dieses Album anzuhören. Und ja, das sollte man um jeden Preis tun, wenn man die heiligen Momente der Musik zu ergründen wünscht. (Mehr hier)

2. Clem Snide – The Meat of Life

The Meat of Life erfüllt alle Anforderungen, um als wahres Kleinod den Liebhaber tief- wie eingängiger Musik zu erfreuen. Eine sanfte Melancholie paart sich mit Ironie, zeitlos warme, wunderbar altmodisch umgesetzte, niemals sterile Melodien bestechen. (Mehr hier)

3. Sambassadeur – European

Neben extrovertiertem Pop gibt’s natürlich auch ruhige Seelenschmeichler auf der Platte wie den Track Albatross. Eingängiges Songwriting paar sich hier mit dem charmanten Vortrag von Anna Persson. Zurecht im englischsprachigen Feuilleton gefeiert, zu Unrecht im deutschsprachigen Raum übersehen/unterschätzt, bleibt mir nur ein Fazit: Unbedingt hören, kaufen, lieben! (Mehr hier)

4. Jaga Jazzist – One-Armed Bandit

Eine Platte, die Jazzfunk mit dem hehren Wesen des Minimalismus durchmengt, eine CD, welche fast schon verschwenderisch mit der Verwendung von Instrumenten umgeht und dabei doch ein harmonisches Gesamtwerk kreiert, bei dem jeder Mosaikstein am richtigen Platz liegt, exakt so zeigt sich One-Armed Bandit. (Mehr hier)

5. Damien Jurado – Saint Bartlett

Nie war Damien Jurado zwingender, nie die Harmonie von Musik, Lyrics und Vortrag vollkommener als auf Saint Bartlett. Man vermag sich schwerlich eine Steigerungsmöglichkeit ausmalen. Die Grazie des Werks schwillt in all dem Sehnen, Trauern, Leiden, Suchen und Hoffen zu einer majestätischen Wucht an, welche das tiefste Innere des Hörers in schönste Aufruhr versetzt. (Mehr hier)

6. Scanners – Submarine

Nicht ganz so wütend wie Emily Haines, dafür aber mit der Laszivität der ravonetteschen Sharin Foo darf sich Sarah Daly mit den Scanners spätestens nach dem zweiten Album zur ersten Riege der “Female fronted”-Bands zählen. (Mehr hier)

7. Mardi Gras.bb – Von Humboldt Picnic

Was nun bekränzt Von Humboldt Picnic – abgesehen von der qualitativen Hochwertigkeit? Wohl auch der Umstand, dass Mardi Gras.bb aus Deutschland kommen, das gesamte Ensemble um Mastermind Doc Wenz aber mit der Finesse kosmopolitischer Musik-Koryphäen agiert. So darf diese Expedition in aller Herren und Frauen Länder als hochgradig gelungen erachtet werden. (Mehr hier)

8. The Postmarks – Memoirs At The End Of The World

So wie die Wunderwaffe der Postmarks in jedem Moment die Fähigkeit ihrer Sängerin ist, immer die Gratwanderung zu meistern, zwar lieblich und betörend, nie aber überzuckert zu klingen. Ein Balanceakt, der nur wenigen Interpretinnen gelingt. Ihre Bandkollegen Jonathan Wilkins und Christopher Moll verschaffen die perfekte musikalische Kulisse, vor deren Hintergrund Tim Yehezkely als Hauptdarstellerin zwischen Opfer, Heldin und Schurkin agiert. (Mehr hier)

9. RPA & The United Nations of Sound – United Nations of Sound

Das Schlechteste an dieser Platte ist der Bandname, welchen Richard Ashcroft für sein neues Vehikel gewählt hat. Denn sonst besticht United Nations of Sound als zutiefst schmissige Platte, die ordentlich Rabatz macht und sich zugleich eine vertraute erhabene Opulenz gönnt. (Mehr hier)

10. Get Well Soon – Vexations

Konstantin Gropper vermochte mit Vexations seinen Ruf als Wunderkind zu zementieren. Anspruchsvoller, more sophisticated kann Pop nicht klingen – und freilich auch kaum besser.

Und weil es mit diesen 10 Alben nicht getan ist, die Regeln von Top of the Blogs aber genau dies vorsehen, noch dazu eine Reihung verlangen,  werden wir demnächst weitere Werke nachreichen, die diese Ehre nur knapp verpasst haben.

SomeVapourTrails

Die Limited-Deluxe-Extended-Verarsche

Ehe meine Finger nun über die Tastatur scharwenzeln, habe ich mir eine Tüte geschnappt und all die unschön-herben Schimpfwörter, die mir zu diesem Thema so in den Sinn fallen, hineingewispert. Hernach hab ich sie zugebunden, auf dass nun ja keine unfeinen Ausdrücke entfleuchen, sich in diesen Beitrag einschmuggeln. Eigentlich könnte mein eloquenter Ärger jeden Bierkutscher vor Scham erblassen lassen. Derart gereizt überpinselt Zornesröte meine sonst gepflegte Blässe. Freilich geben Philosophierereien über das Album als Gesamtkunstwerk, bei dem einzelne Lieder als Mosaiksteinchen fungieren, ein clever durchkomponiertes Ganzes ausformen, keinen besonderen Anlass, um wutschnaubend die Nüstern zu blähen. Und doch ist die praktische Ausformung sehr wohl kritikwürdig.

Zugegeben, ich gehöre zu den Zeitgenossen, welche ein Album bis zur letzten Sekunde fokussiert hören, sich über hervorragende Lieder hinweghanteln, erst nach den gesammelten Eindrücken eine Entscheidung treffen, ob sich lediglich das Herauspicken der funkelnsten Stückchen lohnt oder eben dies eine Entstellung des Gesamtkunstwerks nach sich zieht. So wie ich mir einen Film in der vollen Länge angucke, auch nicht einzelne Seiten aus einem Buch herausgreife, so ehre ich auch die Intention des Musikers, der sich – sofern er die Entscheidungsgewalt besitzt – wohl etwas dabei gedacht hat, weshalb die Platte 6 oder 16 Stücke umfasst. Diese Grundsätzliche vorausgeschickt will ich mich jetzt empören.

Was ich so überhaupt nicht leiden mag, sind Limited– oder Deluxe-Versionen. Solch Aufblähungen sind generell bedenklich, meist mit dem gefüllt, was nach dem Reinemachen im Studio von der Putzfrau übersehen wurde, Bänder mit Demos, Akustik-Varianten oder holzhammerhändisch erstellte Remixe oder vor mir sowieso für die Tonne erachtete Radio Edits. Wer zusätzlichen Firlefanz liebt, dem steht der Kauf trotzdem frei. Anders präsentiert sich die Sache hingegen, wenn unveröffentlichte Bonus-Lieder ins Spiel kommen. In manch Ausnahmefällen kann das zu zusätzlichen Wonnen führen, den Gesamteindruck in ungeahnte Höhen kämmen.

Das Streben nach schnödem Mammon mag mitunter mammutgroße Miseren markieren. Und zwar dann, wenn man mit dem Limited-Deluxe-Extended-Scheiß einen fetten Reibach machen will, den Fans ordentlich in den Geldbeutel zu greifen trachtet. Darf der Konsument zwischen normaler oder aufgemotzter CD wählen, wirkt die Welt der Anhängerschaft rosarot. Problematischer erscheint da schon die Veröffentlichung eines Albums, dem dann wenige Monate später wie aus heiterem Himmel eine gutgespickte Luxus-Version folgt. Das hat ein ordentliches Geschmäckle. Derartiges Vorgehen lässt sich nur schwerlich mit langmütiger Contenance goutieren. Wenn am 26.11. Philipp Poisels sagenhaftes Bis nach Toulouse als Limited Version erscheint, beinhaltet dies neben einer DVD mit Live- und Unplugged-Aufnahmen sowie zwei vernachlässigbaren Radio-Edits auch die Cover-Stücke Schwarz zu Blau und Hannes Waders Heute hier, morgen dort. Während die gelungen Interpretation der Fox’schen Liebeserklärung an Berlin noch als kostenlose Mp3 auf Poisels Homepage Poisels ihr Dasein fristet, ist zweiteres Lied bloß als Live-Video zB hier verfügbar. Da möchte ich der Plattenfirma Grönland Records kräftig die Leviten lesen. Diesen hochwertigen Bonus hätte man zum regulären Veröffentlichungstermin bereitstellen und somit dem Käufer die Option bieten sollen. Verdammt nochmal!

Beispiel Nummer 2 wurde wohl auch von der Promo-Abteilung eines großen Labels ersonnen und  sogleich mit einem Schlückchen Prosecco begangen. Das letzte Album A Curious Thing der geschätzten Amy Macdonald wird ebenso am 26.11. als „Special Orchestral Edition“ neu aufgelegt. CD 1 repräsentiert das reguläre Album, der zweite Silberling bietet ein Werksschau im symphonischen Gewand. Nun bin ich kein Freund von solch orchestralen Sperenzchen, aber das ist auch nicht der Punkt. Warum schleudert man es nicht als eigenständige Konzert-CD fauf den Markt? Für zugegeben mit fragwürdigem Geschmack ausgestattete Liebhaber. Wer Macdonald im Klassik-Sound noch entzückend findet, hat das ohnehin gutes A Curious Thing bereits in die Plattensammlung aufgenommen. Auch hier sei der Major Universal gerügt.

Gibt es sie also noch, Plattenfirmen mit Herz für die Fans und dem Wissen um schmale Geldbeutel? Ein Gegenexempel habe im parat. Mardi Gras.bb bescherten im Frühjahr mit Von Humboldt Picnic eine Scheibe erster Güte, die ich fraglos zu den besten des Jahres zähle. Am 12.11. kam nun eine Extended Version des Albums in den Handel, die Von Humboldt Picnic/Editio Terra Incognita. Das pffiffige Label Hazelwood hat den Käufern der zuvor veröffentlichten Scheibe ein mehr als ungewöhnliches Angebot unterbreitet. Wer Hazelwood ein Foto mit dem Originalalbum zuschickt, bekommt gegen die Erstattung der Versandkosten die Unlimited Edition zugeschickt. Freilich mag das der Plattenfirma keine üppigen Einnahmen bescheren, aber durch solch einmalige PR-Aktionen gewinnt man treue Fans. Details dazu erfährt man dort.

Was lernen wir daraus? Außer dem Umstand, dass man sich in zwei der genannten Fälle dem Eindruck der Bauernfängerei nicht völlig verschließen kann. Und dem Fakt, dass Nachhaltigkeit zur Kundenbindung beiträgt. Zunächst stellt sich die Frage, wie man das Album als Gesamtkunstwerk wieder verstärkt im Bewusstsein der Plattenkäufer verankern will, ein Ziel, das wohl jedes Label verfolgt, wenn zugleich der Inhalt des Albums gegen Aufpreis oftmals beliebig erweiterbar scheint. Zweitens wundert man sich über mit dem Zaunpfahl winkende Marketingabteilungen. Die Offensichtlichkeit, mit der Enthusiasten ein zweites Exemplar einer annähernd gleichen CD aufzuschwatzen versucht wird, sollte als Geringschätzung des Kunden betrachtet werden. Darum kann die Devise nur lauten, Verlockungen auch mal zu widerstehen, wenn Geldgier allzu ruchbar mieft. Einer nicht eben kleinen Plattenfirma kann die Reputation mittlerweile egal sein, um den Ruf ist ohnehin nicht gut bestellt. Den betroffenen Musiker hingegen, den sollte solch Schindluder zutiefst erzürnen. Ein glücklicher Hörer ist dieser Tage nur der, welcher wahrem Indie die Treue schwört. Dort wird Seriosität noch richtig buchstabiert!

SomeVapourTrails

Release Gestöber 3

Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, deshalb hinke ich den derzeitigen Veröffentlichungen ein wenig hinterher. Ein paar Veröffentlichungen der nächsten Wochen werfen jedoch ihre Schatten voraus. Auf eben jene freue ich mich schon sehr, deshalb habe ich sie hier kurz aufgelistet und auch den einen oder anderen kostenlosen Vorgeschmack beigefügt.

Her Name Is Calla

Ich habe Her Name Is Calla in der Vergangenheit schon gelobt – und nächste Woche wird sich aus Lob Anbetung formen. Dann nämlich findet das neue, am 22.10. auf Denovali erscheinende Album The Quiet Lamb an dieser Stelle epische Beachtung. Ich dope mich bereits jetzt schon, um diesen Tönen dann auch eine sprachliche Deskription zur Seite zu stellen, welche die Magie des Werks zumindest ansatzweise zu erhaschen vermag. Bis dahin soll der Track Condor and River Faszination versprühen.

Condor and River by hernameiscalla

Mardi Gras.bb

Mardi Gras.bb bescherten im Frühjahr mit Von Humboldt Picnic eine Scheibe erster Güte, die ich fraglos zu den besten des Jahres zähle. Am 12.11. kommt eine Extended Version des Albums in den Handel, die Von Humboldt Picnic/Editio Terra Incognita. Wer selbige gerne in seinen Besitz überführen möchte, aber zögert, da er bereits die Standardausgabe der Platte erworben hat, dem sei dieses ungewöhnliche, sehr sympathische Angebot des Labels Hazelwood unterbreitet.

Wer Hazelwood ein Foto mit dem Originalalbum zuschickt, bekommt gegen die Erstattung der Versandkosten die Unlimited Edition zugeschickt. Wow, sag ich da staunend. Details zu dieser einmaligen Aktion finden sich dort.

Nightlands

Im November erscheint auf dem wunderbaren Label Secretly Canadian das Debüt von Nightlands, die Platte trägt den Titel Forget The Mantra. Und ersten Hörproben gestalten sich vielversprechend, der Song 300 Clouds flutet als psychedelisch gefärbte Hymne mit choraler Erhabenheit über den Hörer.  Der Track ist hier als kostenloser und legaler Download erhältlich.

Anika

Es gibt Lieder, die schlichtweg famos sind. Und wenn man dann auch noch erfährt, dass Geoff Barrow (Portishead) als Produzent verantwortlich zeichnet, dann riecht man den Braten förmlich. Anika hat auf ihrem selbstbetitelten Debüt, das am 15.10. auf Invada Records veröffentlicht wird, mit Yang Yang einen richtigen Ohrwurm zu bieten. Und hier gibt es den Track als Gratis-Download.

Anika – Yang Yang by stonesthrow

Wolf People

Über die britische Formation Wolf People informierte ich unsere Leser bereit vor zwei Monaten pflichtgemäß, nun rückt die Veröffentlichung des Erstlings Steeple näher (19.11.).  Da bin ich doch recht erwartungsvoll, denn zumindest der Titel Tiny Circle ist absolut erstklassig. Die ausgepackte Flöte macht diesen Retro-Sound zu einem wahren Gedicht.

The Strange Death of Liberal England

The Strange Death of Liberal England haben ab 22.10. die Platte Drown Your Heart Again anzubieten. Wir werden uns zum diesem Werk noch ausführlich äußern, für heute lassen wir es bei einem Download bewenden. Rising Sea kann hier gratis ergrapscht werden.

Viel Vergnügen mit den Empfehlungen!

SomeVapourTrails

Konzerte, die man nicht verpassen sollte (III)

Wenn ich dieser Tage Ha anstimme, dann verbirgt sich hinter diesem Ausruf keine soeben getätigte musikalische Entdeckung, es folgt vielmehr ein schnödes tschi! Aus unsäglichen, erkältungstechnischen Gründen gibt es heute deshalb eine abgespeckte Variante unserer Konzertlichtblicke.

Scanners:

Eine der absoluten Lieblingsbands meiner werten Co-Bloggerin DifferentStars begibt sich soeben auf ausgedehnte Deutschlandtournee. Die Scanners haben wir ja schon mehrfach ins Rampenlicht gestellt, da und dort beispielsweise. Das aktuelle Album Submarine ist wahrlich nicht von schlechten Eltern und hat am 24.09. nun endlich auch seinen Deutschland-Release auf Unter Schafen erlebt.

Konzerttermine:

06.10.10 Berlin – Lido
08.10.10 Hamburg – Grünspan
09.10.10 Köln – Stollwerk
10.10.10 Stuttgart – Universum
11.10.10 München – Ampere Club
12.10.10 Leipzig – Sweat Club
13.10.10 Dresden – Beatpol
14.10.10 Frankfurt/Main – Batschkapp
15.10.10 Münster – Sputnikhalle
16.10.10 Kassel – Schlachthof
19.10.10 Köln – Blue Shell
20.10.10 Frankfurt/Main- Sinkkasten
21.10.10 Koblenz – Circus Maximus
22.10.10 Weinheim – Cafe Central
23.10.10 Freiburg – Swamp

Carla Bozulich:

Prince Of Truth

Carla Bozulich wurde vor mir vor kurzem von das klienicum empfohlen. Nun war mir ihr Name durchaus ein Begriff, aber Namen sind mitunter Schall und Rauch. Brav folgte ich seiner Empfehlung und habe mich in die letzte Platte Prince Of Truth eingehört, an der sie als Frontfrau der Band Evangelista mitgewirkt hat. Was soll ich sagen. Was soll ich sagen, außer dass ihre raue, markante, eindringliche Stimme dem anspruchsvollen Hörer Schauer um Schauer über den Rücken zaubert. Laienhaft formuliert, wie ich sie behelfsweise als sinister-experimentelle Inkarnation einer PJ Harvey titulieren. Aufgepasst: Frau Bozulich befindet sich auf Europa-Tour.

Prince Of Truth – EVANGELISTA by Constellation Records

Konzerttermine:

15.10.10 Schorndorf – Manufaktur
16.10.10 Delémont (CH) – S.A.S.
18.10.10 Genf (CH) – L’Usine
02.11.10 Graz (A) – Postgarage
06.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival
07.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival

Natureboy:

Über Natureboy habe ich bereits genügend Worte verloren, schone daher meine angekratzte Stimme und belasse es bei einem nochmaligen Ausrufezeichen bezüglich der anstehenden Tournee.

Na gut, einen Titel als Hörprobe will ich zur stärkeren Verlockung noch ins Feld führen:

Mardi Gras.bb

Über die im Frühjahr zur Welt gekommenen Platte Von Humboldt Picnic habe ich mich ja rundum positiv ausgelassen. An einer Erwähnung in den Top 10 meiner Jahresbestenliste besteht kein Zweifel. Mardi Gras.bb sind eine feine Gruppe. Von daher sei auch ein Konzertbesuch angeraten.

Konzerttermine:

08.10.10 Leipzig – Schaubühne Lindenfels
14.10.10 Köln – Stadtgarten
15.10.10 Koblenz – Café Hahn
30.10.10 Bern (CH) – Mahogany Hall
04.11.10 Hamburg – Knust
05.11.10 Bremen – Lagerhaus
06.11.10 Nürnberg – K4
20.11.10 Stuttgart – Merlin

Hundreds:

Und nochmals alte Bekannte, die ich zuletzt hier zur Live-Betrachtung ans Herz legte. Hundreds haben soeben auch ein neues Video zum Song Solace fabriziert.

Tour-Daten:

20.10.10 Essen – Zeche Carl
21.10.10 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
22.10.10 Würzburg – Café Cairo
23.10.10 Wiesbaden – Schlachthof
26.10.10 Köln – Studio 672
27.10.10 Karlsruhe – Tollhaus
28.10.10 Tübingen – Club Voltaire
29.10.10 Lüneburg – Salon Hansen
30.10.10 Osnabrück – Glanz & Gloria
02.11.10 Neubrandenburg – Mixtape
03.11.10 Rostock – MS Stubnitz
04.11.10 Potsdam – Waschhaus
05.11.10 Weyer (A) – Bertholdsaal
06.11.10 Salzburg (A) – Rockhouse

Das soll es auf die Schnelle gewesen sein. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

Musikalischer Quartalsbericht 2010 (II)

Ich muss mir heute einmal ein Gähnen aus den verschnarchten Mundwinkel schmieren. Denn irgendwie entsprangen dem zweiten Quartal nur wenige wirklich gelungene Alben.  Doch sollte ich eigentlich mit meinem Geschmack auf Kriegsfuß stehen, würde dieser nämlich nicht mit hündisch flehendem Blick vor MGMT oder Ariel Pink’s Haunted Grafitti zurückweichen, könnte ich dem eben zu Ende gegangen Viertel versöhnter die Pfote reichen. So freilich bleibt Before Today als wirkliches Ärgernis zurück.

Doch genug der  Schreckgespenster, jetzt sollen die famosen Akteure ans Mikro treten. Und dazu gehört zweifelsohne Damien Jurado. Mit Saint Bartlett dribbelte er sich endgültig in die vorderste Reihe der Zunft hervorstechender Singer-Songwriter. Man möchte ihn mit zahlreichen Liebkosungen für eine der ganz großen Scheiben des Jahres danken. Ebenso gewaltig – allerdings auch weitaus weniger beachtet – stellt sich Von Humboldt Picnic der Formation Mardi Gras.bb dar. Auch hier habe ich große Töne vernommen und in meiner Einschätzung auch gespuckt. Wie aus verschiedensten Stilen ein derartig vielgestaltes, dennoch konsistentes Album gefertigt wurde, das verdient ein jubilierendes Chapeau!

Während manche Genres in den letzten 3 Monaten vorbildlich gediehen, herrschte bei anderen doch ab und an Funkstille. In Post-Rock-Breiten zum Beispiel habe ich mir lediglich die Red Sparowes auf meinem Zettelchen notiert – und das deutsche Duo Collapse Under The Empire, deren EP The Sirens Sound in jeglicher Hinsicht vielversprechend geriet. Auch an elektronischen Sahnehäubchen mangelte es ein wenig, was nach den unzähligen tollen Veröffentlichung des ersten Quartals jedoch mit Nachsicht zu bedenken war. Nice Nice lieferten jedoch eine zweifellos gelungene Performance ab. Minimalistische Gemüter wurden von Chapelier Fou bestens bedient. Diese Scheibe dem geneigten Leser näherzubringen, das brennt mir schon länger unter den Nägeln.

Kommen wir nun zu den Ladenhütern, zu grandiosen Werken, denen es nur an einem mangelt: Hörern. Da möchte ich keinesfalls zögern und den werten Reverend Deadeye nennen. Wer nur auf Hochglanz polierte Musik mag, wird jener versifften Dreckigkeit wenig Verständnis entgegenbringen. Allerdings sind die schönsten Dinge der Welt eigentlich doch immer nur dann interessant, wenn sie ein bisschen mit Schmutz behaftet sind: Fußball, Sex – auch Musik. Weshalb die britische Sängerin Daisy Chapman immer noch unbeachtet werkt, vermag ich bei soviel Ausdruckskraft in der Stimme einfach nicht nachvollziehen.

Auch in deutschen Gefilden tat sich so manches. Beginnen wir bei Gisbert zu Knyphausen, dessen Hurra! Hurra! So nicht. die hochtrabenden Erwartung mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit erfüllte. In diesem Zusammenhang sei auch die Schweizer Band Schöftland genannt, die mit der CD Der Schein trügt eine Visitenkarte hinterlassen hat. Die auf den Track Kleinstadt gebannte Kollaboration mit Herrn zu Knyphausen sollte man sich zu Gemüte führen. Mit Nicolas Sturm zeigte sich übrigens ein weiterer deutscher Liedermacher mit Talent. Keinesfalls vergessen will ich jedoch auch die mit englischer Zunge agierenden Hamburger Hundreds. Ihr selbstbetitelte Scheibe erfüllt internationale Standards.

Drei gute Alben sollen noch in diesen Abriss gequetscht werden. Frog Eyes mit Paul’s Tomb: A Triumph etwa, selbstverständlich auch die seit einer Dekade beste Veröffentlichung der Folk-Veteranen Cowboy Junkies, welche auf Renmin Park wirklich glänzen. Singer-Songwriterin Nina Nastasia fügte Outlaster ihrem Schaffen hinzu, auch hierfür gilt großes Lob.

Wenngleich die Fülle und Pracht der Monate Januar, Februar sowie März nicht reproduziert werden konnte, so bleibt unter dem Strich genug in jeder Hinsicht wunderbarer Scheiben, die dem Leser mit gutem Gewissen ans Ohr gelegt werden dürfen.

SomeVapourTrails

Herr Audio und Frau Visuell – Teil 2

Einmal mehr wollen wir einige adrette Videoclips oder Sounds vorstellen:

Metric – Stadium Love

Metric sind einfach fein. Das erzählen wir hier immer wieder. Dabei bleiben wir auch. Das neue Video zu Stadium Love ist zwar nicht der Heuler, das Lied jedoch will ich gern als prima rockig titulieren. (via nicorola)

Stornoway – Zorbing

Allerorten lese ich große Dinge über das Debüt The Beachcomber’s Windowsill, allein mir mangelt es wohl an der dazu nötigen Feinsinnigkeit. Auf mich wirken die Briten Stornoway einfach zu schwachbrüstig. Ledig der Opener Zorbing gerät zu einer eingängig schönen Nummer.

Mardi Gras.bb – Oscar Muron

Eines der absolut besten Alben dieses Musikjahren lieferten Mardi Gras.bb mit Von Humboldt Picnic ab. Das habe ich hier in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht. Unbedingt anhören!

Mardi Gras.BB – Oscar Muron

Mardi Gras.bb | MySpace Music Videos

Allo Darlin‘ – Dreaming

Sollte man die Briten Allo Darlin‘ kennen? Nein. Empfiehlt es sich sie kennenzulernen? Ja! Ihre Debüt-CD erscheint am 07. Juni, vorab gibt es bereits die Single Dreaming zu hören und sehen – und gegen Angabe der E-Mail-Adresse auch kostenlos downzuloaden. (bei Coast Is Clear gefunden).

The Reverend Peyton’s Big Damn Band – Clap Your Hands

Keine Ahnung was die Band so treibt, wär sie nicht in einem der unzähligen Newsletter aufgetaucht, die wir tagtäglich so erhalten, ich hätte sie wahrscheinlich nie wahrgenommen. Dass das Video einfach gut ist, bietet ausreichend Anreiz den Namen The Reverend Peyton’s Big Damn Band zu verinnerlichen.

Das soll es für heute auch schon gewesen sein!

SomeVapourTrails