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Unser ABC der Nordlichter: Dänemark

Wenn man sich die Bevölkerungszahl der nordischen Länder Europas so ansieht, zählt man knapp 26 Millionen Köpfe. Island, Norwegen, Finnland, Dänemark und Schweden zusammen bringen es auf weniger als ein Drittel der deutschen Einwohner. Man sollte sich das öfter vergegenwärtigen, wenn man einmal mehr über eine Band aus dem Norden stolpert. Deutschland kann weder in puncto musikalischer Fülle noch im Bezug auf internationale Anerkennung mit all den Ländern mithalten, die im weitesten Sinne unter dem Begriff Skandinavien firmieren. Wir haben uns seit 2008 mit 90 Bands und Musikern aus nördlichen Breiten befasst, so manch Großartigkeit dabei entdeckt. Zeit also für einen kleinen Überblick. Diesmal: Dänemark! Ein Land, welches ich sehr lange gewaltig unterschätzt habe…

Alex Canasta (Facebook, Blogpost) – Hörproben: Let It Out (vimeo), Got It Coming:

Broken Twin (Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Beaches (SoundCloud)

Choir of Young Believers (Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Nye Nummer Et (SoundCloud)

Cody (Homepage, Facebook, Blogpost) – Hörprobe: Mirror (YouTube)

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Schlichtweg schablonenhaft abgepaust – Marie Fisker

Manch Platte blüht nur beim ersten Hördurchlauf auf. Belauscht man sie ein zweites Mal, dann fällt sie wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wenn sich die Lieder nämlich allmählich an den Ohren abschmirgeln, kommt mitunter allzu schnell das Messing unter der hauchdünnen Goldschicht hervor. Die dänische Singer-Songwriterin Marie Fisker hat Ende August in hiesigen Breiten ihr Album Ghost Of Love veröffentlicht – und auch mich zunächst getäuscht. Denn was oberflächlich als atmosphärisch dichte Platte psychedelisch-verträumt, folkig-verhuscht, desperat-rockig glitzert und funkelt, erweist sich bei leidlich penibler Überprüfung als matter Abklatsch, der den Originalen nicht das Wasser zu reichen vermag.

Ohne den ausgeprägten Hang zur Nachahmung hätten viele wundervolle Alben nie die Plattenregale geküsst, wären ganze musikalische Bewegungen ins Stocken geraten. Ich halte es somit für durchaus legitim, den Vorbildern, welchen man mit Haut und Haar verfallen ist, nachzueifern. Wenn jedoch die eigenständige Note komplett flöten geht, mangelt es mir dann doch an Verständnis. Letztlich kann nur PJ Harvey wie PJ Harvey tönen, bloß Hope Sandoval wie Hope Sandoval hauchen. Wenn nun die Highlights von Fiskers Debüt schlichtweg schablonenhaft abgepaust wurden, die genialen Werke  allzu offensichtlich nachäffen, dann komme ich um ein vernichtendes Urteil nicht herum.

My Love My Honey by Marie Fisker

Hold On To This For A While by Marie Fisker

Nehmen wir den Song My Love My Honey als Beispiel. Jede Faser dieses Tracks – ob nun die vorwärts stampfenden Drums oder die schillernd dümpelnde Orgel – schreit förmlich danach mit Harveys gewaltigem To Bring You My Love verglichen zu werden. Dabei wird jedoch die Schwäche Fiskers offenbar – ein zugegeben schicker Audi versucht einen auf Bentley zu machen. Stimmlich ist der Dame das gewisse Etwas zu attestieren und auch dem düster-intensiven Vortrag will ich die Qualität nicht absprechen, aber zwischen gut und famos können eben oft Lichtjahre liegen. Nicht minder offensichtlich gerät dies bei Hold On To This For A While, wo die E-Gitarre samt schnarrender Percussion selbst einen Tauben mit Krückstock an Mazzy Star gemahnt, besonders an das Meisterwerk So Tonight That I Might See. Natürlich haben auch die erwähnten Künstler sich ihrerseits am Busen ihrer Vorbilder genährt, aber dennoch einen speziellen, unverkennbaren, anbetungswürdigen Sound ersponnen. Sobald Marie Fisker ein bisschen Mut fasst, sich ihr eigenes Süppchen zu rühren bemüht, wird die Sache weniger delikat, weil es im Grunde erst recht die gleiche Soße bleibt. Davon können das dumpfe Devil Tear oder das bräsige Duett Good Till Now (mit Steen Jørgensen) ein Liedchen singen.

Photo Credit: Ninna Nisbet

Ich will Marie Fisker Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ghost Of Love wäre ein in jeder Hinsicht mit feinen Liedern bestücktes Album, wenn die eingesetzten Mittel nicht bereits zu besseren Ergebnissen geführt hätten. Wenn ich Lust auf PJ Harvey oder Mazzy Star verspüre, will ich diesen Hunger an eben jenen stillen. Wieso mir der Sinn nach Marie Fisker stehen soll, diese Frage konnte mir die Platte leider kaum beantworten. Und doch will ich der dänischen Singer-Songwriterin gerne eine weitere Chance geben, wenn sie einen radikale Schnitt macht und ihr ureigenstes Talent darreicht.

Da ich eigentlich nur positive Reviews über das Album gelesen habe, will ich dem werten Leser auch gegensätzliche Ansichten nicht verhehlen. Diese gibt es zum Beispiel hier, auch da oder gar dort.

Konzertermine:

23.09.10 Hamburg – Reeperbahn Festival
08.10.10 Berlin – Astra Kulturhaus (mit Trentemøller)
09.10.10 Hamburg – Uebel & Gefährlich (mit Trentemøller)
10.10.10 Köln – Live Music Hall (mit Trentemøller)
11.10.10 München – Theaterfabrik (mit Trentemøller)
12.10.10 Wien (A) – Gasometer (mit Trentemøller)
16.10.10 Lausanne (A) – Les Docks (mit Trentemøller)

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