Bundesvision Song Contest 2013 – Eine Prognose

buvisoco2013

Wir haben dem Bundesvision Song Contest schon das eine oder andere Jahr Aufmerksamkeit gewidmet, weil wir es stets toll fanden, dass es dieser Wettbewerb auch unbekannten Bands erlaubt, im deutschen Fernsehen zur Primetime aufzutreten. Der BuViSoCo 2013 stellt freilich einen echten Tiefpunkt des Bewerbs dar. Selten war die musikalische Qualität so dürftig. Hier nun eine Einschätzung aller Teilnehmer, verbunden mit einer Erfolgsprognose. (Weitere Infos zu den einzelnen Acts findet ihr hier.)

Baden-WürttembergMax HerreFremde (feat. Sophie Hunger)

Max Herre ist natürlich die klare Nummer in diesem Jahr. Kein anderer Akteur kommt an die Reputation eines Max Herre heran. Sein Track Fremde ist weit davon entfernt, zu den Sahnestücken seines Schaffens zu zählen. Ohne Frage fällt er jedoch sehr solide aus und präsentiert sich fraglos als bester Titel des Abends. Das hört selbst ein Blinder ohne Krückstock. Platz 1 ist für Herre reserviert.

BayernCharly BravoDreckige Namen

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Musikalischer Quartalsbericht 2009 (III)

Alben09III

Löchriger als Schweizer Käse präsentierte sich zunächst das diesjährige musikalische Sommerloch. Der Überfluss des ersten Halbjahres verebbte schlagartig und wich einer kahlen Leere. Nur eine Handvoll Alben vermochten diesen tiefen Fall aus wohlklingender Fülle ein wenig abzufedern. Und genau diesen Rettungsankern, die uns vor den Sturz ins Nichts bewahrten, wollen wir in der Rückschau eine Lobhudelei angedeihen lassen. An prominenter Stelle seien die Soulsavers auf ein funkelndes Podest gestellt. Broken vermochte mit genialer Düsterkeit zu becircen und mit dem Lied You Will Miss Me When I Burn eine balladeske Heldentat zu vollbringen. Und der Balladen nicht genug, zauberte die Göttin des Dream Pop, Hope Sandoval, eine schon beinahe nicht mehr möglich gehaltene Verzückung in Form von Through The Devil Softly in die gut sortierten Plattensammlungen des Landes. Die werte Co-Bloggerin DifferentStars wird, sobald sie aus der Ehrfurchtsstarre erwacht ist, zu diesem Monument noch einige Worte andächtig verlieren. Ein ebenso perfektes sinnebeträufelndes Mirakel kredenzten The Low Anthem mit der Scheibe Oh My God, Charlie Darwin. Doch waren es nicht nur schönen melodischen Mätzchen vom Schlage eines The First Days Of Spring von den so talentreichen Noah and the Whale, die in den vergangenen Monaten zu Schwelgereien einluden.

Auch flockigeres Geträller mengte sich ins Flirren der Großstadthitze. Major Lazer sorgten mit ihrem Klebstoff-Raggamuffin für Ekstase. Guns Don’t Kill People… Lazers Do schob ein Sommerflair der Extraklasse vor sich her. Fast unbeachtet stiefelten Fat Freddy’s Drop im August durch die Lande und bestachen mit Dr Boondigga and the Big BW. Ein Geheimtipp des letzten Quartals. Abgerundet wird die Rhythmus-Sektion von Felix Da Housecat, dessen He Was King sein bisher größter Wurf ist. Dazu demnächst mehr…

Wie sah es in letzter Zeit mit deutschen Musikern und Bands aus? Trist möchte man bemerken. Denn Element Of Crime sind endgültig auf einem Schunkel-Niveau angelangt, das eine Musikantenstadl-Stimmung vor dem geistigen Auge als Schreckensszenario erstehen lässt. Und was an Jochen Distelmeyer heilsbringerisch sein soll, das verstehen wohl nur einen gestriegelten Schnurrbart tragende Hipster. Enttäuschungen, wohin das Ohr auch hört. Da lobe ich mir meine Lieblingsentdeckung des Jahres, die Berliner Band Mein Mio, welche Irgendwo in dieser großen Stadt Inspiration für unverschlumpften und gefühlsechten Deutschpop fanden. Natürlich darf auch Max Herre bei den Lichtblicken nicht fehlen, seine authentisch transportierten Stimmungen machten Ein geschenkter Tag zur idealen Entschädigung für die Geschädigten eines Sven Regener. Und sogar die englische Texte wurden hierzulande mal samten vorgebracht, wie es Timo Breker auf der EP Learn & Wait offerierte, oder tiefsinnig, was I Might Be Wrong auf Circle The Yes extraordinär meisterten.

Kommen wir zu Könnern aus Großbritannien. The Big Pink sind der Beluga unter dem Kaviar, der derzeit von Insel zu uns rüberschwappt. A Brief History of Love ist kein Hype, sondern Fakt. Ebenso durfte man Florence & the Machine dank Lungs als Schattenspender an hitzeverseuchten Tagen empfinden. Doch wurde auch ein Verbrechen in Form von Muse und dem neuen Alben The Resistance in unsere Breiten gebeamt.

Kurz noch will ich die geballte Faust höher wuchten und das Entsetzen ausdrücken, welches mich quält. Marit Larsen als Newcomerin der warmen Jahreszeit wäre nur dann zu verstehen, wenn die Schweinegrippe die glorreiche Gilde skandinavischer Songwriter gleich im Dutzend dahingerafft hätte. Beliebige Langeweile als Erfolgskonzept – unverständlich. Noch übler freilich scheint das Loben über jedweden grünen Klee, welches man diesen Sommer dem armseligen Achtziger-Jahre-Bockmist von Zoot Woman angedeihen ließ. Eine Unplatte.

All die Prunkstücke der letzten 3 Monate freilich werden noch in den Herbst hineinstrahlen und manch düstrem Tag die richtige Bleiche verleihen. Und einige frohe Songs werden die wenigen verbleibenden Sonnenstrahlen in Gold tauchen. Amen.

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Authentisch transportierte Stimmungen – Max Herre

Max Herre gehört zu den wenigen Menschen, die ich, obwohl ich ihm nie persönlich begegnet bin, als gut bezeichnen will. Er vermittelt mir das Gefühl authentischer Wahrhaftigkeit und idealistischen Denkens. Ob als Frontmann von Freundeskreis oder auf Solo-Pfaden, ich schätze seine Fertigkeiten, erachte ihn als leisen, weisen, von hörenswerten Gedanken erfüllten Künstler. Und so mag es kaum verwundern, wenn seine neue Scheibe Ein geschenkter Tag zum dankbar angenommenen Präsent gerät. Seine Entwicklung vom engagierten Hip-Hop-Gewissen zum mit zahlreichen Nuancen verbrämten Songwriter beeindruckt mich. Herre kritzelt nicht einfach Reime auf ein Stück Musik, er transportiert Stimmungen und Nachdenklichkeiten, welche den Hörer erreichen und nachhaltig wirken. Keine bombastischen Größenwahn-Attitüden, die von Platzhirschen wie Westernhagen angeboten werden, verdecken die Sicht auf den musikalischen Kern.

MaxHerre

Wie ein Kissen, in das man weint oder auf welchem man sich zu schönen Träumen bettet, gleich einer Decke, in die man sich sehnsüchtig oder gedankenwund kuschelt, vermittelt Ein geschenkter Tag eine sachte Anschmiegsamkeit. Unaufgeregte Reflexionen, die im Trüben fischende Zeitgenossen vermutlich mit Langeweile verwechseln, dominieren über weite Strecken. Bereits Blick nach vorn zeichnet eine sehnsüchtige, optimistische Textlichkeit aus: „Mit jeder Wahrheit, die du erkennst, mit jedem Zweifel, gegen den du kämpfst, mit jedem Schlage, der dich taumeln lässt, Blick nach vorn.“ Ich hör die Botschaft und in mir wächst der Glaube.

Max Herre – Blick Nach Vorn

Und in eben dieser poetischen Bedachtheit haften Lieder wie das traurige, jedoch nie verbitterte, von Abschied handelnde Scherben oder das berührende Weg von hier, das Liebe eben nicht weichzeichnet, sie als erstrebenswertes Wagnis eines Aufbruchs skizziert. Die Aura eines persönlichen Neuanfangs trägt auch Es geht, doch verkommt es nie zur nabelschaulichen Aufarbeitung von Herres Trennung von Joy Denalane. Dazwischen lockern das nett altmodische Baby Mama Rag oder das ebenfalls mit Patina versetzte Cover von Udo Lindenbergs Wir wollen doch einfach nur zusammen sein die Atmosphäre auf, schütteln Titel wie Alles da eine Wohlfühlstimmung aus dem Ärmel, lädt das groovige Wo rennen wir hin? zur Körperertüchtigung ein.

eingeschenktertag

Der sich bereits auf dem Solo-Debüt andeutende eigenständige Sound wurde auf dem Nachfolgealbum nochmals verfeinert. Max Herre hat ein reife, gelungene CD vorgelegt, die mir viele Stunden behübschen wird. Dies allerdings stand für mich als glühender Fan eigentlich nie in Zweifel.

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt mit Hörproben

Blick nach vorn als kostenloser Download

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Mehr Max Herres braucht die Welt

Wenn ich die Verkörperung eines gutmenschelnden, engagierten Musikers mit Bodenhaftung in Vor- und Zunamen kleiden müsste, würde ich wohl in hiesigen Gefilden Max Herre nennen. Der Freundeskreis-Frontmann symbolisiert die Art von knuffigen Zeitgenossen, den man für seine weise Naivität ins Herz und Hirn schließen mag. Wenn später im Jahr das zweite Soloalbum erscheint, dann darf man wiederum 110% Authentizität und tolle Lieder erwarten. Dem Einheitsbrei schmalzigster Plastikgefühle setzt Herre unverkrampft weltverbessernden Optimismus entgegen.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Platte Ein geschenkter Tag gibt der kostenlose Download von Blick nach vorn. Und bereits dieser Titel bestätigt die lang gehegte Vermutung, dass die Welt mehr Max Herres dringend bräuchte. Sowohl in musikalischer Hinsicht und eben auch als Botschafter einer solidarischen Gesellschaft.

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