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Die 10 Alben, die mich am meisten bewegt haben

Der sehr geschätzte Kollege Nico hat mich auf seinem Blog und via Facebook nominiert, jene zehn Alben zu nennen, die mich im Laufe meines Lebens am meisten bewegt haben. Gern komme ich dieser Aufforderung nach und benenne diese. Ich tue mir dabei gar nicht einmal besonders schwer, denn obwohl sich diese 10 Platten vielleicht nicht gänzlich mit meinen ewigen Lieblingsalben decken, so hat es doch immer wieder Platten gegeben, welche mir zu einem gewissen Zeitpunkt richtig ans Herz gewachsen sind und für die ich mich auch heute noch keinesfalls schämen muss. Ich will kurz und chronologisch erläutern, warum ich genau diese Werke gewählt habe.

Bruce SpringsteenNebraska (1982)

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Zusammen mit Japanese Whispers von The Cure war Springsteens Nebraska Ende der Achtziger meine allererste Vinyl-Platte. Dieses reduzierte, folkige Singer-Songwriter-Album hat einerseits meine Liebe zu Underdogs für immer einzementiert und mich weiters auch dahingehend geprägt, dass ich Storytelling so liebe.

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Unsere 20 Lieblingssongs 2013

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Was haben wir in diesem Jahr nicht alles für großartige Songs gehört. Sie aufzuzählen, das würde Bücher füllen. Wir wollen uns heute auf 20 Tracks beschränken, die uns 2013 unheimlich viel Freude bereitet haben. Diese Lieder haben uns in diesem Jahr begleitet – und werden es auch in Zukunft tun.

1. LowJust Make It Stop

Just Make It Stop, ein geradezu beschwörerisches, mit der Welt haderndes Lied. Vielleicht das beste Stück, welches Low je komponiert haben, vermutlich der beste Song, der 2013 veröffentlicht wird.

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Unsere 10 Lieblingsalben 2013

Während der Feiertage lässt sich das Musikjahr 2013 gut Revue passieren, ich persönlich halte nämlich nichts davon, schon Anfang November mit der Flinte herumzufuchteln und das Fell des Bären zu verteilen, noch ehe er erlegt wurde. Ende Dezember sieht die Chose jedoch anders aus. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und jede gottverdammte Neuerscheinung ist mittlerweile gehört und einem Urteil unterworfen worden. Außer geschätzten 100 Platten, die sich noch in meinem CD-Regal stapeln. Da sind vermutlich wahre Schätze dabei, Juwel und Diamanten freilich, die erst 2014 nach und nach ausgebuddelt werden. Das schöne an der Flut von Musik ist ja, dass man immer Perlen findet, deren Glanz ganz und gar erfreut. Die gehörten Platten haben Freude ohne Ende beschert. Und vielleicht entdecke ich in den nächsten Monaten noch das eine oder andere Werk, dessen Lüster noch ein wenig heller strahlt. Es soll nicht Schlimmeres passieren, für den Moment jedoch habe ich meinen Frieden mit einem wunderbaren Musikjahr geschlossen. Ich finde es ja immer ein wenig pampig, wenn Menschen die Erscheinungen eines Jahres mit einem lässigen „durchschnittlich“ abtun. Wer in den zehntausenden Alben, die 2013 erschienen sind, keine Freude findet, weiß entweder nicht zu suchen oder vermag das Herz nicht zu öffnen. Die liebste Co-Bloggerin und meine Wenigkeit haben uns in diesem Jahr vorwiegend von alten Bekannten betören lassen. Auch wenn wir die Indie-Attitüde nicht verbergen wollen, hat es oftmals durchaus einen Grund, warum Musiker oder Band nicht nur eine Handvoll Likes auf Facebook haben. Das Obskure ist genausowenig Qualitätssiegel wie der Charts-Erfolg. Wir haben uns also auf eine Liste von Lieblingsalben verständigt, die unserer Lebenswirklichkeit entspricht. Unsere 10 Lieblingsalben 2013 weiterlesen

Chronologie eines Wunders – Mazzy Star

Man ist ja sehr schnell Fan von diesem und jenem Kram, oder quasi mit einem Fingerschnippen Experte für Gott und die Welt. Ich lasse da gern Vorsicht walten, schon aus der Vermutung heraus, dass es immer irgendwo jemanden gibt, der sich zumindest ein klein bisschen besser auskennt als ich, vielleicht auch mehr liebt und fühlt als ich. Es wird Menschen geben, die mehr über meinen Lieblingsautor Hermann Hesse zu sagen und seine Gedichte häufiger gelesen haben. Fraglos finden sich auch Kenner, welche das Werk meines Lieblingsregisseurs Atom Egoyan noch besser verinnerlichen konnten. Und auch wenn ich für hiesige Verhältnisse verdammt viel über American Football weiß, huldigen hierzulande genügend Menschen diesem Sport mit noch mehr Haut und Haar huldigen. Und ebenso bin ich davon überzeugt, dass ich mit meinen 11 Springsteen-Alben im Regal jedem eingefleischten Fan bestenfalls ein nachsichtiges Lächeln abzutrotzen vermag. Im Falle der US-amerikanischen Dream-Pop-Band Mazzy Star sieht die Sache jedoch anders aus. Hier fühle ich mich zum absoluten Kenner und Anhänger berufen. Weil mich Mazzy Star bereits 20 Jahre begleiten, weil ich ihr Schaffen sogar im Schlaf von A bis Z runterrattern könnte, weil ich allein deshalb mit dieser Musik emotional verbunden bin, da ich durch sie meine Liebste kennengelernt habe.

Dennoch sind mir Mazzy Star stets ein Mysterium geblieben. Die Formation hatte in den Neunzigern binnen sechs Jahren drei Alben veröffentlicht. Seit 1996 herrschte freilich Schweigen im Walde, ohne ersichtlichen Grund. Mazzy Star bestanden im Kern aus dem Duo David Roback (Gitarre) und Hope Sandoval (Gesang). Letztere hat seit damals zwei Alben unter dem Namen Hope Sandoval & The Warm Inventions veröffentlicht. Doch gerade diese wunderschönen Platten verstärkten die Irritation, provozierten die Frage nach einem Comeback von Mazzy Star. Denn rein gar nichts deutete darauf hin, dass sich Roback und Sandoval nicht grün wären. Und jedes verstrichene Jahr ließ die nicht gerade kleine Fanschar immer mehr zweifeln, ob sie je die Früchte einer erneuten Zusammenarbeit kosten dürften. Nun ist Hope Sandoval sicherlich kein geselliger Charakter. Gegen sie gleicht das Reh im Scheinwerferlicht einer Rampensau. Wer sie bei einem der raren Konzerte anlässlich ihrer Tour zu dem 2009 erschienenen Through The Devil Softly erleben durfte, sah eine dämmrige Bühne und eine schemenhafte, vom Publikum oftmals abgewandte Sängerin. Bereits zu dieser Zeit bestätigte sie Gerüchte, wonach Mazzy Star endlich an einem vierten Album arbeiteten. Doch hatte man ähnliches auch schon Jahre zuvor gehört. Man war gut beraten, sich nicht zu euphorischer Vorfreude hinreißen zu lassen. Danach kehrte – wenig überraschend – wieder Ruhe ein. Auch Roback blieb seit Mitte der Neunziger sehr unauffällig, gerade so als wäre er in einem Zeugenschutzprogramm, zumindest aber in einem Trappistenkloster.

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Neues Mazzy Star Album „Seasons Of Your Day“ erscheint im September 2013 / California jetzt im Stream

Zur ausführlichen Besprechung von Seasons Of Your Day geht es hier.

Mazzy Star – California

Es mag einige Wenige unter euch geben, die uns damals – vor fünf Jahren – schon bei den ersten Baby-Trippelschrittchen in die Bloggerwelt begleitet haben. Unseren allerersten Blogposts widmete ich einer nicht nur für uns, aber im speziellen sehr für uns besonderen Künstlerin: Hope Sandoval. Ohne sie – ohne Mazzy Star – wären wir uns wahrscheinlich nie begegnet. Sehr verliebt und überschwenglich schrieb ich anno 2008, der Antike der Internet-„Neuzeit“, ein paar Worte über Wilde Rosen.

Sehr zu unserem Entzücken erschien 2009 das langerwartete Hope Sandoval Soloalbum Through The Devil Softly und im persönlichen Interview mit der Lieblingssängerin bekamen wir das Versprechen, dass bald ein neues Mazzy Star Album folgen werde. Bald, dies ist im Mazzy Star-Universum sehr sehr sehr…. sehr relativ. So landete die Platte bei Stereogum als eines der The 50+ Most Anticipated Albums Of 2012. In der 2013er Liste wurde dann vorsichtshalber darauf verzichtet, weiterhin das Comeback sehnlich zu erwarten. Aber immerhin, ein kurzes Lebenszeichen gab es zwischen durch. Ende 2011 veröffentlichte das Dream Pop-Duo die beiden Tracks Common Burn / Lay Myself Down auf dem eigens gegründeten Label Rhymes Of An Hour Records. Inzwischen wurde mit Rough Trade ein im Indiebereich renommierter Vertriebspartner gefunden. Am 27.09.2013, dies leider nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin schon in den Newsletter getippt, wird das neue Werk das Licht der Welt erblicken. Aufgenommen wurde „Seasons Of Your Day“ von der Urbesetzung von Mazzy Star, als Gäste dabei waren Colm O’Ciosoig (My Bloody Valentine/ Hope Sandoval and the Warm Inventions) und der 2011 verstorbene Bert Jansch mit einer seiner letzten Aufnahmen. Seit dem Vorgängeralbum Among My Swan ist somit ein ganzes Teenager-Leben, sage und schreibe, 17 Jahre vergangen. Mit California dürfen wir heute schon einen ersten Track vom Album hören.

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Leuchtfeuer des Dream Pop – Das Comeback von Mazzy Star

Einer nie verflossenen Jugendliebe beim Altern zuzusehen, das ist schon schwer genug. Aus keckem Auftreffen haben sich Marotten herausgebildet, die Lebenserfahrung hat den einstigen Liebreiz abgeschmirgelt und sonnige Zukunftsperspektiven sind längst zum Schnee von gestern zerschmolzen. Noch schlimmer freilich fällt ein unerwartetes Wiedersehen nach all den Jahren aus, wenn das im Gehirn verhaftete Bild ewiger Jugend plötzlich in ein Meer von Falten blickt. Als ich dieser Tage davon erfuhr, dass sich Mazzy Star am 31.10.11 mit zwei Liedern aus ihrer 15 Jahre währenden Schaffenspause zurückmelden würden, mischte sich ein Grübeln unter all die Freude. Denn wenngleich Sängerin Hope Sandoval in der Zwischenzeit zwei wunderbare Alben veröffentlicht hat, damit unterstrich, dass sie von ihrem Zauber nichts verloren hat, darf von einer neuerlichen Zusammenarbeit mit David Roback doch nicht weniger als ein durch die dunkelste Nacht weit über die Lande strahlendes Leuchtfeuer des Dream Pop erhofft werden.

Die drei Alben von Mazzy Star haben mich nun bereits gut 20 Jahre musikalisch durch sämtliche Lebenslagen begleitet. Sie sind ein seit Teenager-Tagen gehüteter Schatz größter Schönheit, der jedes Jahr weitere Verklärung erfährt. Unter dem Aspekt muss jedes neues Werk unter dem Gewicht der Erwartungshaltung zwangsläufig ächzen, selbst wenn man vor lauter Dankbarkeit für Vergangenes gar keine Erwartungshaltungen anlegen möchte. Und doch bleibt ein bisschen Sorge, dass die Grazie vergangener Tage von der Gegenwart eingeholt wird. Wenn nun Ende Oktober die beiden Lieder Common Burn und Lay Myself Down einen ersten Vorgeschmack auf ein für Frühjahr 2012 avisiertes Album liefern, sehe ich freilich meinem Wunsch entsprochen, dass all die Jahre lediglich sanfte Spuren in der Musik hinterlassen haben. Wenn kommendes Jahr die gesamte Platte den Grundton von Lay Myself Down einhält, sind all meine Hoffnungen ohne Wenn und Aber erfüllt.

Common Burn / Lay Myself Down erscheint am 31.10.11 als digitaler Download auf Rhymes Of An Hour Records.

Link:

Stream von Lay Myself Down auf Pitchfork

SomeVapourTrails

Neues Video: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Trouble

Hope Sandoval & The Warm Inventions – Trouble

Hope Sandoval & The Warm Inventions | MySpace Music Videos

Trouble ist einer der schönsten Songs, die jemals geschrieben und gesungen wurden – von unserer Lieblingssängerin Hope Sandoval. Das Video zum Lied ist auch sehr schön geworden und wird hier mit großer Freude sofort dargeboten. Auch wenn man sie die meiste Zeit, wie auch auf der Bühne, mehr silhouettenhaft bewundern darf, als wirklich sieht 😉

Wir haben ja die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das angekündigte neue Mazzy Star-Album noch in diesem Jahr erscheint. Für alle, die Hope erst jetzt entdecken, gibt’s Trouble vom aktuellen Album Through The Devil Softly als Gratis-Download.

Mp3: Hope Sandoval – Trouble

Link: MySpace

Viel Spaß damit!

DifferentStars

Populäre Irrtümer der Generation Mp3

Segen und Fluch von Mp3s zu gleich ist, dass sie schnell kopiert und noch blitzschneller verbreitet werden können. So nahmen einige der populärsten Irrtümer der Musikgeschichte ihren Lauf. Einmal falsch benannt (getaggt) ließ sich bald kaum noch jemand davon abhalten, den vermeintlichen für den echten Interpreten zu halten. Und auch ich wurde in einem Fall vom Liebsten und Co-Blogger des Irrglaubens überführt. Hier die 4 bekanntesten Fälle:

1. Mazzy Star und Sweet Jane

Auch wenn immer wieder irrige Fans den Song hübsch bebildert mit Hope Sandoval auf Youtube hochladen oder falsch getaggt via Filesharing verbreiten. Die The Velvet Underground Cover-Version ist natürlich von den Cowboy Junkies.

Cowboy Junkies – Sweet Jane

Vielen bekannt dürfte diese Version vom Natural Born Killers Soundtrack sein.

2. Mazzy Star und Wild Horses:

Stimmt auch nicht, der Song (ebenfalls ein Cover) wurde von The Sundays eingespielt.

The Sundays – Wild Horses

Vom Glauben abfallen, musste ich hier:

3. Cat Stevens und Cats In The Craddle

Hm… und ich war mir so sicher, Komponist und Interpret ist jedoch Harry Chapin.

Cats in the CraddleHarry Chapin

Wikipedia widmet der Geschichte einen ganzen Abschnitt und wartet gleich noch mit weiteren Verwirrung um eine Coverversion auf:

„Cat’s in the Cradle“ is widely mistakenly credited to artist Cat Stevens, in part due to a mistitled MP3 version of the song widely circulated on the internet. As well the style and vocals sound akin to a Cat Stevens song, and the song and the singer both contain the word, ‚Cat‘. In 1977, Stevens‘ former label, Deram Records released a compilation album, Cat’s Cradle.[3] Jack Black contributed to this confusion, playing part of the song in a Saturday Night Live sketch where Black’s character claimed the song was by Yusuf Islam, a.k.a. Cat Stevens. There are no known verifiable recordings of Cat Stevens performing the song, however, and a Cat Stevens fan web site assures readers that Stevens has never performed the song, „not live, not in the studio, and not even privately“.

The cover of the song by Ugly Kid Joe is furthermore often confused for a cover by Guns n‘ Roses, a band which never recorded the song. This is due to an incorrect MP3 circulating on P2P networks; which contains the Ugly Kid Joe version even though the file credits it to Guns n‘ Roses.[4] (Quelle: Wikipedia)

4. Aretha Franklin und Rescue Me:

Hm… hättet ihr gewusst, dass der Song von Fontella Bass ist?

Fontella BassRescue Me

In diesem Fall haben sich findige Werbestrategen die Verwirrung Zunutze gemacht:

Pizza Hut – Aretha Franklin „Deliver Me“

Mehr dazu von Wikipedia:

The hit version of the song is often misattributed to Aretha Franklin, another singer with gospel training who has a similar style to that of Bass. In 1993, Franklin did record a portion of „Rescue Me“ (with a very similar arrangement to Bass’s original) for an American Express commercial. The original song was also used during the films Air America and Sister Act.

Quelle: Wikipedia

Gerne dürft ihr in den Kommentaren eure größten Irrtümer bekannt geben, ich freu‘  mich drauf.

DifferentStars

Free Mp3: Massive Attack – Paradise Circus feat. Hope Sandoval

Update:
Jetzt online der Soundcheck: Massive AttackHeligoland mit Peter, Tux und mir.

Während ich in die Tasten tippe, um meinen Beitrag zum Massive Attack  HeligolandSoundcheck auf den Schallgrenzen zu verfassen, darf ich euch den besten Track des Albums als Free Download weiterreichen.

Hier könnt ihr euch Massive Attack – Paradise Circus feat Hope Sandoval downloaden: betterpropaganda

Einen kostenlosen Remix bietet auch RCRD LBL, allerdings finde ich da den Anfang ziemlich nervig.

Paradise Circus (feat. Hope Sandoval) (Gui Boratto Remix)

Während wir gespannt auf das neue Mazzy Star-Album warten gibt’s von Hope Sandoval hier und da neues zu hören. Hope Sandoval & The Warm Inventions haben für die Märzausgabe von  Mojo (UK) Golden Hair von Syd Barrett (Pink Floyd) gecovered. Golden Hair stammt von Barretts 1970er Album The Madcap Laughs und basiert auf einem Gedicht von James Joyce.

Hope Sandoval and The Warm Inventions – Golden Hair

Über einen weiteren Song – The Buffalo – dürfen sich die Japaner freuen. Ich würde jüngst vom werten Co-Blogger belehrt, ich solle mich nicht so über diesen dem japanischen Release von Through The Devil Softly exclusiv beigefügten Bonustrack ärgern, es sei Tradition, dass die japanischen Veröffentlichungen einen Extratrack hätten, der dem Rest der Welt vorenthalten bleibt. Mehr dazu findet ihr im Mazzy Star Boulevard Fanforum.

DifferentStars

Spiel auf der Gefühlsklaviatur der Besucher – Hope Sandoval & The Warm Inventions und ein feines Konzert in Berlin

Hope Sandoval empfindet das Singen vor einer Ansammlung von Menschen, die an ihren Lippen hängen wie an einem lebensspendenden Tropf, als unnatürlich. Diese Äußerung in einem telefonischen Interview mit meiner Co-Bloggerin DifferentStars, welches an dieser Stelle demnächst dokumentiert sein wird, eben diese Einstellung trägt zur Klärung dessen bei, was sich gestern anlässlich der Tour zur Vorstellung des neuen Albums Through The Devil Softly im Astra Kulturhaus in Berlin-Friedrichshain abgespielt hat.

hope sandoval berlin konzertFoto: Luz Gallardo

Wenn Frau Sandoval samt Begleitband The Warm Inventions aus dem schimmernden Halbdunkel ihres Schaffens treten und die Bühnen Deutschlands erklimmen, dann scharrt sich die treu ergebene Fangemeinde vor dem Altar einer Andacht und lauscht den im wahrsten aller Sinne magischen Momenten. Diese kultische Verehrung geht auf Sandovals Beteiligung an Mazzy Star zurück, welche dem Dream-Pop verfallenen Genre-Liebhabern seit fast zwei Jahrzehnten nun schon als legendäre Formation im Gedächtnis haftet. Bereits vor dem offiziellen Einlass um 19 Uhr harrte eine lange Schlange vor dem Veranstaltungsgebäude den da kommenden Ereignissen. um 10 Minuten verspätet Zugang in die für wenige Stunden heiligen Hallen gewährt zu bekommen. Von Beginn an herrschte eine ruhig-gespannte, der Besonderheit des Augenblicks mit jeder Faser gewahr werdende Vorfreude. Die bierdosenfeile Ausgelassenheit eines Rockkonzerts fehlte völlig, man fand sich nicht ein, um einem Abfeiern zu huldigen. Die Ergriffenheit einer angehenden Entrückung lockte verheißungsvoll.

Pünktlich trabten die Mannen von Dirt Blue Gene ins Rampenlicht. Selbige sollten im Verlauf des Abends zu den The Warm Inventions mutieren, doch vorerst galt es ohne Sandoval zu glänzen.  So sehr das kräftige, in manch instrumentalen Phasen an Dirty Three erinnernde Spiel eine mehr als solides Grundgerüst enthüllte, blieb der Gesang von Charles Cullen doch blass. Mein Ratschlag an die Band wäre daher auch ein verstärktes Abzielen auf eine bodenständige Interpretation von Post-Rock, denn hierfür haben Dirt Blue Gene wahrlich ein Händchen.

Nach einer Verschnaufpause folgte kurz nach 21 Uhr der Höhepunkt der Erregung. Eine zierliche Silhouette huschte auf die verdunkelte Bühne, baute sich zuvorderst auf. Sandovals Mut hatte jedoch seinen Preis: Die gesamte Performance hindurch verblieb die Bühne in einen Dämmer gehüllt, der nur ab und an von projezierten Stummfilmsequenzen oder surrealen Makroaufnahmen gespenstisch erhellt wurde. Das Gesicht der Künstlerin war nur erahnbar oder von der Hand am Mikro verdeckt. So also führte sie sich vor, omnipräsent das Podium ausfüllend und doch irrlichtern in Schemen gehoben. Doch bereits während dem erstmaligen Erschallen ihrer Stimme schwante auch dem letzten, durch Zufall in den Saal verschlagenen Schlumpf die Überdimension des Ereignisses. Hell, dominant und unvergleichlich markant wühlte Sandoval die Herzen auf. Blickte sie sich anfangs noch fragend um, so als vergewissere sie sich der Anwesendheit eines unsichtbaren Schutzengels, der die scheue Künstlerin durch den Abend bringen sollte, so entwickelte sie mit jedem weiteren Lied eine stärkere Selbstsicherheit. Die rechte Hand hinter den Rücken wie festgezurrt gelegt, intonierte sie mit unnachahmlicher Finesse die losgelöst verträumten Songs.

In einem kurzen Schwarzen gekleidet, fragil anzusehen wuchtete die Sängerin allen Ausdruck in den Gesang, überzog alles mit einer handfesten Aura, welche eine spürbare, große Energie freisetzte.  Auch ihr Griff zu Mundharmonika, Xylophon und Glockenspiel überzeugte, gab der fast entrückt glänzenden Gestalt eine Handwerklichkeit. Wie wild tänzelnde Glühwürmchen glommen die grünlich beleuchteten Schlägel, als Sandoval sie ekstatisch malträtierte. Doch auch ihre zu brav arbeitenden Statisten verkommene Band mühte sich bestens, der Genialität der Stimme ein Korsett aus Klängen zu schnüren. Eben jenes flocht mit Fortdauer in die Andacht sogar eine unvermutete Rockigkeit, welche bei Trouble erstmals das Publikum in einen fetzigen Schwitzkasten nahm. For The Rest Of Your Life spreizte sich  zu einer auf visuelle und gehörliche Überforderung abzielenden Psychedelic-Oper auf, die monströs unterstrich, dass neben dem zarten Liebreiz von Dream-Folk, wie zum Beispiel bei Suzanne zu erfahren, und dem langsamen Shoegaze Marke Sandoval, wie er famos bei Blue Bird erlauschbar war, die werte Dame durchaus auch mit einer Facette der Raserei zu be- und verstören weiß.

Das Ende des regulären Sets legte die Exzentrik der Künstlerin nochmals den längst vor Atemstockung enthusiasmierten Fans nahe. Eine heftig geklatschte Ewigkeit später schwob sie für zwei Zugaben, darunter das bereits auf dem Debüt Bavarian Fruit Bread herausragende Feeling Of Gaze, zurück auf die Rampe. Und hinterließ beim endgültigen Abgang eine seltene Glückseligkeit in den Gesichtern der Besucher.

hopesandoval-berlin-konzert-2Foto: Luz Gallardo

Die als schüchtern verrufene Hope Sandoval – das Fotografieren war strengstens untersagt, lediglich die offizielle Fotografin Luz Gallardo durfte ihr ein paar Aufnahmen abringen – malte mit ihrem Konzert einen Gegenentwurf zu herkömmlichen Auftritten. Mochte sich auch die verbale Kommunikation mit dem Publikum auf Begrüßung und Verabschiedung beschränken, so fand ihre Stimme genug Wege auf der Gefühlsklaviatur der Zuhörer zu spielen. Diese derart denkwürdige Festivität vermag noch lange nachzuwirken. Was für ein Ausnahmeerlebnis!


Links:

Konzertbericht auf pretty-paracetamol.de

Offizielle Homepage

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