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Stippvisite 10/07/11

Unser Blog verkrümelt sich mitunter allzu gern in lichten, geschmacklichen Höhen. Da fehlt es vielen potentiellen Lesern wohl am entsprechenden Rüstzeug, um jenen Geschmacksolymp zu erklimmen. Als Trostpflästerchen hält das Internet jede Menge Blogs bereit, die Durchschnittlichkeit zelebrieren. Mit solchen fraternisieren wir nach Möglichkeit nicht. Man holt sich ja schnell etwas, so ein kleines Herpesbläschen à la Animal Collective kann eine ganze Plattensammlung verseuchen. Ein weiterer Ansteckungsherd ist freilich die musizierende Zunft selbst. Beim ständigen Durchforsten des Veröffentlichungsdschungels zieht man sich ab und an eine veritable Tropenseuche zu. Nicht zuletzt deshalb sterilisieren wir unsere Tastatur immer und noch öfter, ehe wir neue Empfehlungen auf unseren Blog tippen. Verlinken vorzugsweise auf Kollegen, die den guten Geschmack hochhalten und nicht aus jedem Rülpser einer Lady Gaga eine Schlagzeile zimmern. So auch heute.

Covertipp:

Beyoncé gehört zu der Sorte Stars, die in Musikvideos ständig Sex-Appeal versprengen wollen – in etwa so vehement wie der Exorzist das Weihwasser. Frau Knowles zählt wirklich nicht zu meinen Lieblingen. Die werte Anna-Lynne Williams, ihres Zeichens Frontfrau von Trespassers William und solo unter dem Deckmantel Lotte Kestner aktiv, darf sich hingegen meiner Bewunderung sicher sein. Was sie aus dem Beyoncés Hit Halo macht, spottet dem mickrigen Original in jeglicher Hinsicht.

Lotte Kestner hat im Juni Stolen, eine Sammlung von Coverversionen veröffentlicht. Dazu noch eine EP mit weiteren entliehenen Songs als Nachschlag gereicht. Peter von den Schallgrenzen erinnerte mich mit seinem Beitrag daran. Eine unbedingte Empfehlung, die ich mit mehreren Ausrufezeichen hier nochmals wiederholen – und demnächst vertiefen – möchte. Album und EP kann, darf und sollte man dort beziehen.

Blogtipp:

Wir sind der Blog des Monats auf Der Impuls. Und haben darum ein paar Fragen bezüglich unserer Beweggründe beantwortet. Nicht etwa aus Höflichkeit geben wir die dort gestreuten Komplimente gerne zurück. Der Impuls fügt sich zweifelsohne in die Liste der lohnenswerten deutschen Musikblogs ein. Und hat es sogar in Lesezeichenleiste geschafft. Solch einen Ritterschlag erteile ich aus eingangs erwähnten Überlegungen nur wenigen Kollegen.

Ohrwurmtipp:

Wer hinter diesem ausgesucht schlechten Plattencover üble Klänge vermutet, der wird enttäuscht werden. Die britische Formation Milk Maid veröffentlichte soeben mit Yucca ihr Debüt beim renommierten Label FatCat Records. Die diesem Album entnommene Single Not Me will ich begeisterten Herzens als sonniges Ohrwürmchen titulieren. Peter von Coast Is Clear sieht „eine latente Popizität“ gegeben, die mit „sägigen Gitarren begleitet“ wird und somit „ein wohliges End-80er/Früh-90er Feeling“ erzeugt. Ich könnte es nicht besser ausdrücken.

Tourtipp:

Miles Benjamin Anthony Robinson – solch ein Name kommt kurzatmigen Menschen nur schwer über die Lippen. Man sollte jedoch die Puste aufwenden, weil der Amerikaner ein erstklassiger Singer-Songwriter ist. Seine 2010 mit einjähriger Verspätung auch in hiesigen Breiten erschienene Platte Summer Of Fear kann sich wirklich sehen lassen. Wir haben ihn bereits mehrfach auf dem Blog gelobt und wollen daher auch seine anstehende Tour durch Deutschland keinesfalls unterschlagen. Mehr Details und eine kostenlose Mp3 des Song The Sound findet der werte Leser auf der Webseite des Labels Saddle Creek.

Miles Benjamin Anthony Robinson – The Sound from Saddle Creek on Vimeo.

Konzertermine:

17.07.11 Berlin – Comet Club
18.07.11 München – 59:1
20.07.11 Köln – Blue Shell
21.07.11 Wiesbaden – Schlachthof

Erinnerungstipp:

Ich habe vor knapp zwei Jahren die EP eines in Berlin lebenden kolumbianischen Musikers namens Mil Santos in meinem Briefkasten vorgefunden und Creo als ersten Appetithappen genussvoll wahrgenommen. Nun scheint die Zeit reif und ein Album vor der Veröffentlichung. Sehr gut. Die erste Kostprobe lässt Gutes erahnen.

Damit will ich es für heute bewenden lassen. Demnächst mehr.

SomeVapourTrails

Musik süß-sauer – Mil Santos

mil santosjpg

Die Babylonische Sprachverwirrung grüßt nett! Schmachtendes Spanisch trifft auf Sprechgesanglichkeit in englischer oder deutscher Sprache, Latino-Rhythmen auf Hip-Hop. Solch krude Mischung darf als extravagante Ambition scheitern – oder aber einen von einzigartigem Flair getragenen Sound ergeben. Und tatsächlich bereitet der unter dem Künstlernamen Mil Santos in Berlin werkenden kolumbianische Musiker Mauro mit der EP Creo ein Hors d’œuvre, dass Lust auf zukünftige Gaumenfreuden schafft. Was die Ingredienzien betrifft, dürfte dieser Stil in eben jener Ausprägung in singulärer Art vor sich hinköcheln und in keiner anderen Küche zu beschnuppern sein. Diese süß-saure Mischkulanz duftet lecker, der Salsa mundet, gibt der EP eine luftige Verspieltheit, die das Unterfutter für meist erdige, manchmal herrlich engagierte Hip-Hop-Elemente bildet.

Creo

Von den 4 Tracks überzeugt besonders El Caminito (mit Lafrotino von Culcha Candela) und El Diluvio. Besonders bei letzterem Lied besticht der Kontrast, gerät das von einer Frauenstimme gesprochene Wort hochpoetisch. Diese Dame nennt sich wohl Nica Tea und hat vermutlich auch die Lyrics beigesteuert. Wer zum Teufel sie auch ist, die Spurensuche ergab vorerst nichts,  aber meine Geschmacksknospen wurden sehr hellhörig.

Mil Santos hat den Schmelz, den es braucht, um mit südamerikanischem Flair den über Berlin hereinbrechenden Herbst für kurze Zeit wegzufegen. Und sein von Erfolg gekrönter Mut verschiedene Genre zu vereinen, verstärkt die Würze des Mini-Albums Creo. Ein mitreißendes, so beschaffen vorher nicht gekanntes Stück Berlin tönt als raffinierte Delikatesse, die angenehm viel Vergnügen bereitet.

Tour-Termine (als Support für Culcha Candela):

30. September 2009 Wiesbaden – Schlachthof
01. Oktober 2009 Mannheim – Maimarktclub
03. Oktober 2009 Stuttgart – Beethovensaal
04. Oktober 2009 Zürich (CH) – Volkshaus
06. Oktober 2009 München – Tonhalle
07. Oktober 2009 Wien (A) – Gasometer
08. Oktober 2009 Hohenems (A) – Eventcenter
09. Oktober 2009 Würzburg – Posthalle
11. Oktober 2009 Dresden – Schlachthof
13. Oktober 2009 Hannover – Capitol
14. Oktober 2009 Hamburg – Docks
15. Oktober 2009 Kiel – Halle 400
16. Oktober 2009 Bremen – Pier 2
17. Oktober 2009 Bielefeld – Ringlokschuppen
18. Oktober 2009 Berlin – Arena

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